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Frieden oder Freiheit?

kaffeekanne7

Neues Mitglied
Hallo zusammen.
Ich weiß nicht so recht, wie ich anfangen soll. Ich bin weiblich, 19Jahre alt und irgendwie merkwürdig. Ich bin vielleicht viel zu jung, um mir SOviele Gedanken um die Liebe zu machen, aber irgendwie scheine ich es nicht gebackenzu kriegen, „normal“ damit umzugehen. Ich hatte mit Ende 15 meinen erstenrichtigen Freund, den ich abgöttisch geliebt habe. Ich war wirklich schrecklichverliebt in ihn und er hielt es stolze 2 Jahre mit mir aus. Er war sowas wie einHeiliger für mich, ich habe meine ohnehin schon wenigen Freundschaften für ihn sausenlassen, weil ich der Meinung war, damit etwas besonders Gutes und etwas Richtiges für die Beziehungzu tun. Ich habe ihn wahrscheinlich an vielen Tagen zu Tode genervt und totalgeklammert. Er war ein sehr unabhängiger Mensch, ich nicht. Ich habe mich nur „komplettgefühlt“, wenn er bei mir war und dachte immer, „Mensch, wenn der mal weg ist,das überlebe ich nicht“. Ich hatte eben keine Freunde mehr, als die Beziehungsich dem Ende neigte und deswegen hatte ich so schreckliche Angst, diesenbesonders tollen Menschen aus meinem Leben zu verlieren. Ich habe mir die ganzeBeziehung über immer wahnsinnig viele Gedanken darüber gemacht, ob ich dennauch alles richtig in der Beziehung mache. Ich habe unter schlimmen Schuldgefühlengelitten, und damit meine ich WIRKLICH schlimmen Schuldgefühlen. In einerbesonders schlimmen Phase wurde ich vom Hausarzt damit an einen Psychiaterüberwiesen, der der Meinung war, er müsste mir Aripiprazol verschreiben. Davonhabe ich allerdings nur Schlafstörungen bekommen. Das ewige Grübeln über dieFrage, ob ich alles richtig mache und was ich doch bloß schon alles falschgemacht habe, wurde überhaupt nicht besser. Als mein Exfreund dann sich selbst zuliebe dieReißleine zog, war ich erstmal völlig aus dem Leben getreten. Ich habe dann imEiltempo alles getan, mein Leben wieder irgendwie aufzubauen und ich habeendlich verstanden, wie schön es auch sein kann, ein „vielfältigeres“ Leben(also nicht nur dieses engstirnige „mein Partner und ich“) zu führen. Das wareine unglaublich wichtige Erkenntnis. Wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis meiner bisherigen Jugend. Im Laufe der Zeit, seit dem Beziehungsende bis heute, habe ich (auchmithilfe eines wirklich unglaublich tollen Psychologen) gelernt, MICH selberendlich als einen einzelnen, und vor allem auch alleine (ohne Freund)funktionsfähigen Menschen wahrzunehmen. Ich bin so glücklich seitdem, denn ichrichte mein Leben nach mir aus. Mache Dinge, die mir Spaß machen und mache auchgern neue Dinge, ohne vorher zu wissen, ob ich ihnen schon gewachsen bin. Es klappt trotzdem immer gut. Ich lerne so gern neue Dinge, beschäftige mich gern mitTieren, kümmere mich einfach gern um mich und verbringe gern Zeit mit tollen Menschen. Ich bin zum Studieren weggezogen, was definitiv eine der bestenEntscheidungen überhaupt war. Hier sind so viele nette Menschen, und icharbeite stets daran, die Freundschaften zu stärken und eine wunderbare Zeithier zu haben. An den Wochenenden geht es meistens nach Hause zu meinen Eltern.Dieses Jahr ist so viel passiert, ich habe mich so weiterentwickelt undinnerhalb einer recht kurzen Zeit mein Bild von mir selber so verbessert. Essind auch schlimme Dinge passiert, aber ich nehme sie nicht als so schlimmwahr, da ich durch sie wieder vieles gelernt habe. Da bin ich wirklich stolzdrauf. So ist das Leben einfach schön. In meiner Heimat habe ich vor meinemAuszug einen guten Kumpel gehabt, der mich schon länger sehr mochte. Ich habeaber, seit ich gesehen habe, wie wunderschön das Leben ist, wenn man sich aufsich selbst und seine Familie und Freunde konzentriert und man es für sichschön gestaltet, sodass man damit zufrieden ist, irgendwie keine Lust mehr aufeine Beziehung in meinem Leben. Ich bin noch so jung, ich will erstmal noch dasLeben leben, feiern, verrückte Dinge tun, möglichst vieles (kennen-)lernen undvor allem erstmal mit mir selber sein, weil ich auch glaube, dass es wichtig ist,mit sich selber gut klarzukommen. Nun kam es aber doch zu einer Beziehung, vorungefähr 2 Monaten. Ich mochte diesen Kumpel wirklich sehr und er ist ein ganzwunderbarer Mensch. Sehr zuverlässig und ehrlich. Er ist aber schon älter alsich. 27 Jahre ist er. Eine gute Freundin von mir hat so oft auf micheingeredet, dass sie doch merkt, wie verliebt ich in ihn bin und dass ich michbloß dagegen sträube, weil ich Angst vor einer Beziehung hab. So habe ich michdann doch auf ihn eingelassen und wir sind ein Paar. Zuerst war ich auchwirklich glücklich damit. Konnte mir richtig vorstellen, dass das halten kannund die Zeit mit ihm echt genossen. Aber gleichzeitig habe ich auch gemerkt,wie ich mein schönes, freies Leben, dass ich mir hier in dem neuen Zuhauseaufgebaut habe, wieder mehr und mehr wegen der Beziehung vernachlässigt habeund mir wieder zu viele Gedanken gemacht habe, ob ich denn auch alles richtigmache, um ihn auch ja nicht zu enttäuschen. Jetzt, nach 2 Monaten wird mir dasirgendwie schon wieder viel zu viel. Er braucht sehr viel Nähe, fasst michständig an, sogar wenn er zu Besuch ist und ich durch die Wohnung laufe kommter hinterher und muss mich ständig irgendwo berühren und umarmen. Er weint oft,weil er Angst hat, ich könnte die Beziehung doch nicht wollen (weil ich ebennicht von Anfang an wollte, als er mir seine Verliebtheit gestand) und dasnervt mich dann tierisch. Ich kann es nicht haben, so viel angegrabbelt zuwerden und habe auch nicht das Bedürfnis, ihn ständig zu sehen. Zu Beginn derBeziehung war er nicht so anhänglich, das fand ich viel besser. Mir fällt mehrund mehr auf, dass er irgendwie nicht so viel „mit sich und seinem Leben macht“,womit ich meine, dass er außer den 8 Stunden Arbeit am Tag irgendwie nicht soviel macht. Er legt sich nach der Arbeit meist auf die Couch und schaut Fernoder erledigt seine Einkäufe. Er wirkt manchmal auf mich, als würde er außermir und seinen Freunden (die er momentan aber nicht mehr oft sieht) nichts sorichtig „haben“ in seinem Leben. Das finde ich irgendwie einfach uninteressant.Ich finde es schöner, wenn ein Mann mir mal was erzählt, sich auch für Dingeinteressiert und zumindest einem Hobby nachgeht.
Was mir außerdem Sorgen macht, ist sein Alter. Eigentlichstört es mich nicht, aber ich weiß, dass er sich die Frau für’s ganze Lebenwünscht. Er will ganz klassisch irgendwann mit der Frau fürs Lebenzusammenziehen, heiraten, Kinder kriegen. Ich bekomme Angst wenn ich darübernachdenke. Bevor ich 30 bin brauche ich das absolut nicht. Ich will auch nichtmit ihm zusammenziehen, das fänd ich einfach langweilig. Das mag sich jetzttotal oberflächlich anhören, aber ich will einfach noch ein bisschen „nur fürmich sein“ (= ohne Partner), leben und nicht jetzt schon wissen, mit wem ichden Rest meines Lebens verbringe. Ich weiß aber, dass er nun mal die Frau fürden Rest seines Lebens sucht. Jetzt könnte man sagen „Ja das hättest du dirdoch vor der Beziehung überlegen können!“, aber vor der Beziehung habe ichirgendwie nicht geahnt, dass ich in der Beziehung so einen Drang nach Freiheitentwickeln würde. Ich habe wirklich gedacht, das könnte passen, aber er ist mittlerweileeinfach so anhänglich geworden, und das ist einfach anstrengend für mich. Ichstecke momentan so im Leben, entdecke gerade, wie schön das Leben sein kann under hält mich dabei irgendwie ein bisschen zurück. Ich will auch nicht jedesWochenende in die Heimat fahren müssen, weil ich hier auch gern wohne und hiereine tolle Zeit habe, aber das kann ich allein der Beziehung wegen ja gar nichtmachen. Er wäre sehr traurig, wenn ich mal 2 Wochenenden hintereinander nichtnach Hause käme.
Ich weiß, dass er tieftraurig und schrecklich enttäuschtwäre, wenn ich ihn jetzt nach so kurzer Zeit verlasse. Er würde die Welt nicht mehr verstehen.. Er ist so ein lieber undsensibler Mensch. Ich kann ihm das doch nicht antun… Er sagt mir am laufendenBand, wie verliebt er in mich ist und wie überglücklich er ist, dass wir unshaben. Das war ich ganz zu Beginn auch, aber schon nach so kurzer Zeit kann ichdas nicht mehr unbedingt erwidern. Andererseits haben wir auch viele schöneMomente zusammen, wenn wir z.B. abends zusammen ein Weinchen trinken und überirgendwas lachen. Ich weiß einfach nicht, ob ich mich nicht vielleicht einfach zusammenreißensollte und noch nicht so viel über die Zukunft nachdenken sollte. Ich würde eswahrscheinlich sehr bereuen, die Beziehung zu beenden. Aber das weiß ich ebenvorher nicht, ob ich das werde. Er wäre so am Boden zerstört, wenn ich ihm nundas für ihn so Wichtige, die Beziehung, nehme. Das hat er nicht verdient.
Mein Psychologe sagt mir immer "Wenn man sich zwischen Frieden und Freiheit entscheiden muss, sollte man sich IMMER für die Freiheit entscheiden". Ich kann mit ihm zusammenbleiben, versuchen diese "Sicherheit" zu genießen und friedlich und brav in dieser Beziehung vor mich hin leben (=Frieden), oder meinem Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit nachgeben und Schluss machen. Oder ist das übertrieben? Ich fühl mich wie ein super schlechter Mensch, weil ich diese Beziehung so anzweifel. Aber ist es so verwerflich, frei sein zu wollen und das Singlesein so zu schätzen, wie ich es tue?

Bitte verurteilt mich nicht dafür. :-/
Liebe Grüße, Kaffeekanne7
 
Hallo Kaffeekanne7,

wenn einem mit der Zeit etwas leid tut, dann sind es eher die Dinge, die man nicht getan und nicht entschieden hat. Du bist in einem Alter, in dem einem die Sicherheit noch nicht so wichtig sein sollte und muss. Wenn ich Deinen langen Text lese, dann hast Du Dich innerlich schon für die "Freiheit" entschieden. Du bist nicht auf der Welt, um die Pläne von jemand anderen Wirklichkeit werden zu lassen. Wenn Du seine Ziele (noch) nicht teilst, dann wäre es falsche Rücksicht und Feigheit, dass Du Dich zurücknimmst, um einer Trennung aus dem Weg zu gehen. Auch er hat verdient, so geliebt zu werden, wie er ist, auch wenn Kompromisse notwendig sein mögen.

Wenn eure "Motivatoren" (was euch antreibt: z.B. Macht, Geld, gesellschaftliche Stellung, Wissen, etc.) nicht weitestgehend übereinstimmen, dann ist der Stress vorprogrammiert. Wie Du selbst schreibst, genügt ihm schon, was er (mit Dir) hat, aber bei Dir sieht es anders aus. In zehn Jahren fallen solche Entscheidungen noch einmal erheblich schwerer. Also: was treibt Dich an? Wofür stehst Du? Was ist Dir wichtig? So ein Leben dauert nicht ewig, auch wenn sich die ersten 30-40 Jahre vielleicht danach anfühlen.
 
Ich danke Dir für deine Antwort!
Wahrscheinlich wäre es tatsächlich das beste, Schluss zu machen.. Ich mache mir sehr viel Gedanken um ihn und habe eben große Angst, ihn in eine totale Krise zu stürzen, wenn ich Schluss mache. Er betont oft, dass seine Familie sich so wünscht, dass er endlich eine Freundin hat, seine besten Freunde sind in gefestigten Beziehungen, haben z.T. schon Kinder, und er ist halt so der ewige Single gewesen. Das machte ihn wohl sehr fertig. Nun freut sich seine ganze Familie so sehr für ihn und er hofft nun mal auch, dann möglichst in den nächsten Jahren mit mir zusammenziehen zu können und sein Leben dann den ganz typischen Verlauf nehmen zu lassen (heiraten, Kinder kriegen, ein Häuschen bauen). Es tut mir so leid, ihn jetzt so enttäuschen zu müssen, dass ich dafür wohl nicht die Richtige bin. Es ist so schwierig, zu entscheiden, was jetzt richtig ist und was falsch und was am fairsten ist.
Liebe Grüße
 
Die Frage ist, ob diese Ent-Täuschung (also das Aufdecken einer Täuschung) wirklich bei Dir liegt. Hast Du Deine Wünsche und Ziele vor ihm versteckt? Für mich klang es eher so, als ob er seine Wünsche geäußert hätte und sich von Dir erhofft, dass Du sie teilst. Musst Du Dir zum Vorwurf machen (lassen), dass Deine Wünsche und seine von einander abweichen? Wohl eher nicht, oder?

Warum diese Selbstvorwürfe? Das geht schon ziemlich in Richtung "moralische Erpressung", finde ich. Mach das nicht und lasse es nicht zu. Warum siehst Du Deine Ziele und Wünsche als weniger "wert" an und stellst Sein Wohl über das Deine? Ja, wenn man sich liebt, sollte es zwar in diese Richtung möglich sein zu denken, aber bedeutet es auch "Selbstaufgabe"? "Ein bisschen schwanger" geht nicht. Familie ist ein Full-time-Job.

Ja, es ist keine leichte Entscheidung und Du machst es Dir offenbar auch nicht leicht. Das ehrt Dich und spricht für Dich. Aber wenn Du nicht zu 100% "Ja" sagen kannst, dann bedeutet das "Nein". Dieses "Ja" bedeutet nicht, alles gut zu finden und allem zuzustimmen, aber es beinhaltet die Bereitschaft, sich dies alles "zu eigen" zu machen, ohne Hintergedanken und ohne Vorbehalte. Wenn Du das nicht kannst (Und Du musst das nicht nur können, sondern wollen!!), dann lieber ein Ende mit Schrecken.

Diesen Satz von Deinem Therapeuten finde ich anstengend, aber gut. Sonst reibt man sich mit der Zeit auf.
 
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