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Freundschaft engt mich ein

LucyNyu

Mitglied
Ich habe ein ziemlich blödes Problem und hoffe, hier auf offene Ohren zu stoßen.

Vor einigen Wochen habe ich (w) durch ein soziales Netzwerk jemanden kennen gelernt, einen jungen Mann, der etwa vier Jahre älter ist als ich. Wir haben uns gleich sehr gut verstanden und viel geschrieben, haben Handynummern getauscht und schreiben ständig miteinander (treffen können wir uns momentan erstmal nicht, da wir sehr weit entfernt voneinander wohnen).

Ich habe bald bemerkt, dass er ein sehr sozialer Mensch ist, dem Freundschaft und Kontakt miteinander sehr wichtig ist. Ich finde grundsätzlich ist das eine tolle Eigenschaft und ich bin sicher, an meinem Verhalten und an meiner Art ihm gegenüber denkt er, dass ich genauso bin.
Nur leider entspricht das nicht ganz so der Wahrheit. Ich bin in Wirklichkeit ein extrem introvertierter Mensch. Auf die Dauer bin ich nur glücklich, wenn ich mehr als 90% meiner freien Zeit alleine bin. Im Grunde genommen macht mir das nichts aus! Ich liebe es einfach, Zeit mit mir zu verbringen, ich fühle mich da unheimlich wohl und Einsamkeit ist ein Fremdwort für mich.
Anfangs hat mir der viele Kontakt mit ihm zwar trotzdem noch großen Spaß gemacht - aber langsam habe ich das Gefühl, dass meine "Energiereserven", wenn man es so nennen kann, aufgebraucht sind.

Ein Beispiel:
Vor kurzem haben wir zum ersten Mal telefoniert, über drei Stunden lang, und eigentlich war es ganz nett. Aber seitdem fragt er immer wieder, wann wir das denn mal wieder machen und diese Frage ist einfach nur purer Stress für mich. Jedes Mal lasse ich mir Ausreden einfallen. Ich sei zu müde, ich hätte keine Zeit etc. Und daraufhin schickt er mir jedes Mal betrübte Smileys, die das ganze nicht gerade leichter für mich machen. Dann fühle ich mich natürlich mies und habe ein schlechtes Gewissen.

Oder manchmal öffne ich ewig den Messenger nicht, weil er dann sieht, dass ich online bin und ich quasi "antworten muss".

Übrigens ist es nicht so, dass ich keine Freundschaften pflegen kann! Ich habe einige Freundinnen, die sind jedoch alle ähnlich gestrickt wie ich. Wir schreiben nur alle paar Tage mal und treffen uns vielleicht einmal im Monat, aber das ist von beiden Seiten total in Ordnung und keine von uns hat das Gefühl, dass wir uns zu selten/zu oft sehen.

Ich habe einfach das Gefühl, mit dieser anderen Art der Freundschaft, mit diesem ständigen Kontakt, überfordert zu sein. Er wohnt hunderte von Kilometern weit weg und dennoch habe ich immer das Gefühl, dass er bei mir ist. Manchmal plant er Treffen von uns, wir könnten doch mal dort hin oder auf diese Veranstaltung etc., anfangs war das eher im Scherz, aber mittlerweile meint er es ernst. Ich persönlich will mich eigentlich gar nicht treffen, da ich nicht die nötige Zeit und das Geld dazu habe. Und dann wirklich den ganzen Tag "aufeinander zu sitzen", diese Vorstellung mag ich irgendwie auch nicht. Auch habe ich Angst, dass er sich früher oder später in mich verlieben könnte - solche Andeutungen hat er hin und wieder schon gemacht. Für mich ist und bleibt er aber nur ein Freund, mehr nicht.

Früher hatte ich auch hin und wieder das Gefühl, dass mich eine Freundschaft einengte. Das geschah aber meistens nur bei Leuten, die mir dann doch nicht so wichtig waren, sodass ich den Kontakt für immer abbrechen und gut damit leben konnte. Doch ihn will ich ja eigentlich nicht verlieren. Mich stört nur dieser ständige Kontakt, der ständige Wunsch von ihm zu telefonieren und die utopischen Planungen von gemeinsamen Treffen.

Ich weiß wirklich nicht, was ich tun soll. Den Kontakt abbrechen will ich nicht. Reduzieren schon eher, aber das kommt blöd. Erst ist alles normal (für ihn) und dann will ich plötzlich nicht mehr. Außerdem würde mir das wieder ein schlechtes Gewissen geben. Aber so weitergehen wie jetzt kann es auch nicht.

Habt ihr einen Rat für mich? Ich weiß echt nicht, was ich machen soll... :/
 

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Pantakea

Mitglied
Hallo,
Deine Gefühle, die du beschreibst, kenne ich genauso.
Ich habe auch sehr schnell das Empfinden,zu sehr eingeengt zu werden,und interessanterweise wohnen meine Freunde auch alle nicht in meiner Nähe,so dass zu häufiges Treffen nicht möglich ist.
Aber,wenn so unterschiedliche Bedürfnisse nach Häufigkeit aufeinander treffen,hilft nur Ehrlichkeit.Ausreden,wie keine Zeit usw.spürt dein Gegenüber sofort,und dann ist es nur noch eine Frage der Zeit,bis die Freundschaft brachliegt.
Erklär ihm das so,wie uns hier im Forum,das ist doch sehr gut zu verstehen und nachvollziehbar.
Wenn er dann nicht bereit ist,das verstehen zu wollen,und gemeinsam mit Dir nach einem Kompromiss zu suchen,dann ist es sowieso keine echte Freundschaft.Echte Freundschaft lebt von Nähe, aber auch von Freiheit.
 
G

Gast

Gast
Ich kenne das Gefühl, dass man einfach mal keinen Bock auf kommunikation hat.... ich denke mal das hängt mit der modernen Welt und ihrer grenzenlosen Kommunikationswut zusammen. Früher hatte man nichtmal als Liebespaar jahrelang jeden Tag telefonieren können, weil es auf dauer schlichtweg auf den Geldbeutel gegangen wäre, und soviel hatte man sich dann auch nicht zu sagen.

Irgendwann hab ich mich einfach mal dagegen gesperrt. Ich hab ein Handy mit einem recht schlechten Akku, jetzt lad ich den halt nicht immer sofort wieder auf. Alle nörgeln, ich solle doch mein Handy ans Netz hängen, aber ich verweise immer drauf, dass sie mich doch zur Not auf dem Festnetz anrufen können, wenn es dringend ist. Funktioniert super und die Freunde werden auch nicht wirklich weniger dadurch.

Ich bin jetzt halt dafür bekannt, dass ich es mit dem Handy nicht so ernst nehme und werde wieder häufiger per Festnetz angerufen. ^^
 

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