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Freundin mit Bulimie - wie kann ich helfen?

santiano

Neues Mitglied
Hallo

Meine Partnerin hat schon seit knapp einem Jahrzehnt Bulimie, ich kenne sie seit einem Jahr. Als ich sie kennengelernt habe, hat sie mit einem Klinikaufenthalt die Bulimie sehr stark eindämmen können (max. alle 2 Wochen einen Anfall). Das ging lange gut bis der Alltag mit Schulstress wieder kam. Ich sehe dass sie wieder in den Teufelskreislauf von vor der Klinik hineinfällt. Ihre Therapeutin sieht sie 2 mal die Woche, allerdings hat diese wenig Ahnung von Essstörungen und kann dementsprechend wenig helfen.
Was kann ich als ihr Freund tun? Sie dazu zwingen, sich mehr um sie zu kümmern, ihr was Gutes zu tun?
Oder einfach sein lassen, sie selber machen lassen?
Danke für eure Unterstützung!
 

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Werner

Sehr aktives Mitglied
Was kann ich als ihr Freund tun?
Hallo santiano,

ich denke, du solltest sie einfach regelmäßig
fragen, ob du momentan etwas für sie tun
kannst oder sie irgendwie unterstützen.

Letztlich ist so eine Erkrankung nichts anderes
als Diabetes, Bluthochdruck oder ein anderes
Problem, das man gerne lösen möchte und
das die nähere Umgebung oft hilflos macht.

Alles Gute!
Werner
 

Kanae98

Mitglied
Hallo :)

Ich selbst habe zwar keine Bulimie, aber eine gemischte Form der Essstörung, die mich jetzt auch schon über zehn Jahre begleitet. Mein Freund und ich sind beide über die Jahre unserer Beziehung daran verzweifelt, weil man mir da nicht wirklich helfen konnte. Ich war wegen anderer Dinge in mehreren Kliniken, teilweise wurde dort auch versucht, die Essstörung zu thematisieren, doch sie wurde dadurch immer plötzlich wieder viel schlimmer.
In meiner ambulanten Therapie, die ich seit etwa einem Jahr mache, habe ich gleich gesagt, dass ich das Thema erstmal aussparen will, weil meine Psyche das offenbar momentan nicht bewältigen kann. Da ich aber insgesamt zur Zeit einigermaßen stabil bin, ist auch die Essstörung gerade nur mäßig schlimm.

Durch diese Erfahrungen weiß ich also schon ein bisschen, worum es bei dir bzw. ihr geht, auch wenn das so ein individuelles Thema ist, dass ihre Erkrankung stark von meiner abweichen kann.

Leider muss ich erstmal sagen, dass du allein ihr da wohl gar nicht helfen kannst. Es gibt ja immer einen Grund dafür, warum man solche Verhaltensweisen, wie die Bulimie sie mitbringt, entwickelt. Irgendein positives Gefühl wird es ihr verschaffen, selbst wenn es nur auf der Ebene eines Süchtigen ist, der seine Sucht befriedigt. Aber oft gibt es noch reale Gründe für die Betroffenen, an ihrer Krankheit festzuhalten. Sei es, wie bei mir, dass da ein Trauma mit drinhängt, das aufzuarbeiten man noch nicht bereit ist, dass es einem das Gefühl gibt, Kontrolle über sich und das allgemeine Geschehen zu erlangen oder dass es dem Stressabbau und der Selbstverletzung oder -bestrafung dient.

Manchmal gibt es diese realen Gründe auch gar nicht mehr und es ist nur ein altes Muster, das man aus Gewohnheit schwer ablegen kann. So oder so wird diese dysfunktionale Strategie mit dem Leben klarzukommen nach so einer langen Zeit ziemlich tief in ihr verankert sein.

Es ist schon mal gut, dass sie bereits in einer Klinik war. Gute Kliniken helfen einem oft, erstmal überhaupt wieder einen geregelten Alltag aufzunehmen und es stellt sich bei vielen eine schnelle Verbesserung der Symptome ein. Allerdings ist man in einer Klinik auch gut von allen äußeren Reizen und Problemen abgeschirmt. Man bekommt in den Therapiestunden verschiedenes Handwerkszeug vermittelt, das einem sehr weiterhelfen kann, wenn man es nach der Entlassung anwendet. Aber je länger der Klinikaufenthalt zurückliegt und je weniger man es geschafft hat, in seinem Alltag daran anzuknüpfen, was man sich in der Klinik vorgenommen hat, desto wahrscheinlicher werden Rückfälle. Bei mir hat es zwei Jahre gedauert, bis ich jetzt einigermaßen normal leben kann. Und mein letzter Klinikaufenthalt ist noch kein ganzes Jahr her. Man geht nicht aus einer Klinik raus und ist geheilt, die echte Arbeit fängt erst dann an...

Bei der Klinik, in der ich zuletzt war, hatte ich zu dem ganzen behandelnden Team einen guten Draht und es wurde mir dadurch leicht gemacht, nach einer sehr schlimmen Zeit wieder dort aufgenommen zu werden. Auch nach der letzten Entlassung weiß ich, dass ich jederzeit dort anrufen oder vorbeischauen könnte, wenn ich Hilfe brauche. Ich weiß nicht, wie das Verhältnis deiner Freundin zu ihren behandelnden Ärzten, Therapeuten und Pflegern war, aber vielleicht hilft es ihr, noch einmal mit jemandem aus der Klinik darüber zu sprechen, wie sich das ganze im Moment entwickelt. Mir zumindest hilft immer schon das Gefühl, wieder dort zu sein, um mich daran zu erinnern, was mich ursprünglich zu der Therapie motiviert hat. Vielleicht wäre es möglich, noch einmal einen Termin mit ihrem damals behandelnden Therapeuten oder dem Bezugspfleger auszumachen, um erstmal einen Notfallplan auszuarbeiten. Auch eine Wiederaufnahme in der Klinik bei einer Verschlimmerung oder der Besuch einer Tagesklinik könnten hilfreich sein.

Dann gibt es noch verschiedene Beratungsstellen für Essgestörte. Ich kann "dick und dünn" empfehlen, war dort selbst einmal zu einer Beratung. Falls es das in eurer Gegend nicht gibt, gibt es sicher ein alternatives Angebot irgendwo. Da sich die Beratung bei "dick und dünn" auf Essstörungen spezialisiert hat, konnten sie Ernährungsberater und Therapeuten empfehlen. Zudem gab es angeleitete Selbsthilfegruppen, in denen Betroffene sich austauschen konnten.

Generell können Selbsthilfegruppen, ob mit oder ohne Anleitung, eine große Hilfe sein, denn wenn man im selben Boot sitzt, versteht man sich doch besser als wenn man sich gegenüber einer außenstehenden Person erklären soll. Skillsgruppen würden in eine ähnliche Richtung gehen.

Dass ihre Therapeutin von Essstörungen keine Ahnung hat, halte ich für ziemlich ungünstig. Ich hatte lange Therapeuten, die sich mit meiner Problematik nicht wirklich auskannten und die haben es dann oft noch schlimmer gemacht. Therapeuten sind auch nur Menschen, die bei manchen Themen Vorurteile oder einfach keine professionelle Meinung haben. Vielleicht könntest du ihr mal vorschlagen, den Therapeuten zu wechseln oder zu einer Beratung zu gehen, wo ihr Therapeuten empfohlen werden könnten.
Einen ahnungslosen Therapeuten zu haben, hat jedoch auch seine Vorteile. Man kann tricksen und unangenehmes umgehen. Ich weiß nicht, ob sie zur Zeit ein Ernährungstagebuch führen soll, aber das würde mit recht großer Wahrscheinlichkeit bei einem spezialisierten Therapeuten auf sie zukommen. Und das war zum Beispiel etwas, was ich noch immer nicht über mich bringe.

Zwingen kannst du sie zu nichts. Vielleicht wäre ein ruhiges Gespräch in einer entspannten Stimmung ganz gut, in dem du ihr erklärst, dass du dir Sorgen um sie machst, das Gefühl hast, ihr Zustand habe sich verschlechtert und du dir wünschen würdest, ihr dabei helfen zu können, das zu ändern. Du kannst ihr gerne vorschlagen, was ich an Möglichkeiten hier aufgelistet habe und mir fielen sogar noch mehr Ansätze ein.
Es steht und fällt jedoch alles damit, ob sie den Zustand gerade verändern kann und möchte.
In manchen Zeiten fühlt man sich so instabil und so sehr, als bräuchte man diese dysfunktionalen Verhaltensweisen um zu überleben, dass es tatsächlich unmöglich scheint, das Thema anzugehen.
Aber selbst dann wäre es gut, wenn du offen und freundlich bleiben würdest und weiter für sie da wärst und sie dann unterstützt, wenn sie bereit dazu ist. Auch wenn es manchmal hart ist, Verständnis dafür aufzubringen, dass eine geliebte Person sich schadet. Aber mit Vorwürfen kommt man leider nicht voran, es wäre sinnvoller, wenn ihr an einem Strang zieht und nicht irgendwann gegeneinander arbeiten würdet.

Ich finde es toll, dass du dich hier informierst, wie du ihr helfen kannst. Hoffentlich bringen meine Erfahrungen und Ideen dir ein bisschen was.
 

Schroti

Sehr aktives Mitglied
Du kennst sie seit einem Jahr. Seit wann seid ihr ein Paar?

(Sie ist noch Schülrin und seit 10 JAHREN essgestört? Ich denke nicht, dass man mit so einer Hausnummer im Gepäck beziehungsfähig ist.)
 

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