Mir ist unklar, weshalb man jetzt unbedingt ein "Warum" aus hier herausquetschen möchte. Sie ist bereits gefragt worden und hat keine Antwort dazu. Mit anderen Worten, es liegt nicht an Unzulänglichkeiten in der aktuellen Beziehung. Dann bleibt eben nur eines: Sie ist eben nicht Monogam. Was soll sie da bitte erklären? Ein normales, menschliches Verhalten und dafür ist die Konsequenz daraus dann jedesmal Teeren und Federn. Man muss sich verantworten wie ein Schwerverbrecher und das einfach nur aus Gründen des sexuellen Triebes. Erbärmliche Menschheit...
Für mich klingt da ein Eigeninteresse raus, wenn man die Verantwortungslosigkeit im Umgang miteinander einfordert.
Es sind gerade diejenigen Handlungen, die nicht strafbar sind, auf welche wir besonders achten sollten, da wir uns in ihnen zu frei und verantwortungslos fühlen. Aus diesem Grunde wird sehr viel Leid gestiftet, das ganz simpel zu verhindern wäre.
Doch wir sind nicht frei in unserem Tun, weil wir durch die Handlungsfreiheit in die Freiheit durch Unversehrtheit eingeschränkt werden würden. Demnach kann es nur eine passive Freiheit, wie ich sie nenne, geben. Eine Freiheit, die besagt, dass niemand erleiden muss, was er nicht erleiden will. Und diese Freiheit auf das menschliche Miteinander bezogen gibt deutlich zum Ausdruck, dass ein respektvolles und aufrichtiges Miteinander geboten ist. Aufgrund niederer Instinkte und Triebe einen Menschen, dessen Herz und Unversehrtheit man in den Händen hält, zu betrügen und zu ersetzen, ist in meinen Augen ein Verbrechen, ganz gleich, ob es im Strafgesetzbuch so definiert ist oder nicht. Und die Unversehrtheit eines anderen Menschen wird nicht beschädigt, wenn man die eigene Unversehrtheit, aufgrund Unglücklichkeit, schützen möchte und sich von seinem Partner trennt. Doch jemanden zu betrügen, ehe man ihn verlässt, weil nur die Unzufriedenheit den Betrug erklären kann, ist falsch und ein Einschnitt in die passive Freiheit und Unversehrtheit eines anderen Menschen.
Eine Freiheit des Tuns, ohne eine Freiheit durch Unversehrtheit, wäre fatal. Jeder könnte tun, was er möchte und mit anderen Menschen anstellen, sofern dies nicht im Strafgesetz verboten ist. Deshalb kann es nur eine sinnvolle Freiheit geben, die Freiheit durch Unversehrtheit, die Aufrichtigkeit, Respekt, Ehrlichkeit und Mitgefühl gebietet, unabhängig von den bestehenden Gesetzen. Rousseau hat das, könnte man meinen, schon früh erkannt, indem er sagte:
"
Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will."
Und Leid zu ertragen ist auch Tun und Handlung.
Und aus Unversehrtheit wachsen Kräfte, die für das Tun unerlässlich sind. Somit hängen die Möglichkeiten zum Tun auch von der Freiheit durch Unversehrtheit ab. Eine Handlungsfreiheit darf es nicht geben, nur Handlungsmöglichkeiten, weil eine generelle Handlungsfreiheit immer andere fühlende Lebewesen betreffen würde und die Handlungsfreiheit uns zum Herren über diese werden ließe, es sei denn, man gibt die Freiheit durch Unversehrtheit auf, was völlig indiskutabel ist. Lieber bleibt man unversehrt und darf nicht alles mit anderen Menschen tun, als dass man nicht unversehrt bleibt und alles mit anderen Menschen tun darf.