ich war jahrelang mit einer depressiven zusammen. es gab wenige gute tage, einige die erträglich waren, und viele schlechte. zum schluss ging es mir selbst nicht mehr gut. ich wusste, dass meine freundin eine krankheit hat, und diese nie wirklich, selbst mit therapeutischer hilfe zu einhundert prozent in den griff bekommen würde.
es war ganz schön hart immer der starke teil der beziehung sein zu müssen und sich nie schwäche erlauben zu dürfen, oder trost bei dem partner zu können, ohne dass man gefahr läuft, dessen depression anzufeuern. im endeffekt hat mich die beziehung so viel kraft gekostet, dass ich selbst psychisch und physisch am ende war. ich trennte mich.
ich bekam von ihr den vorwurf zu hören ich sei selbstsüchtig, und das argument, wenn ich sie wirklich lieben würde, wäre ich bei ihr geblieben. aber tatsächlich ist liebe nie bedingungslos, und erst recht kein freifahrtschein dafür, dass man den partner mit in seine krankheit hereinziehen kann, bis er selbst darin gefangen ist.
diese moralische verpflichtung, die einem der kranke partner dann auferlegt ist ein riesiger liebeskiller, und natürlich auch auf dauer unerträglich.
nachdem ich mich getrennt hatte, hat meine exfreundin sich übrigens in der therapie tatsächlich angestrengt etwas zu erreichen, und nicht mehr nur das "alles ist sinnlos"-denken an den tag gelegt. momentan ist sie wieder in einer beziehung, und wie ich höre, scheint das ganz gut zu funktionieren. ich selbst war übrigens auch am rande der therapierbedürftigkeit. mitteleweile geht es mir wieder gut, aber ich habe nach wie vor ernste probleme, eine neue beziehung einzugehen.
LG