Es stellt sich die Frage, welchen Sinn eine Lebenspartnerschaft hat. Wenn wir von dem Modell ausgehen, an das die meisten von uns glauben, wonach wir eine Verpflichtung eingehen, den jeweils Anderen glücklich zu machen, dann ist diese Haltung eine logische Folge. "Verhalte dich so, wie ich es erwarte, dann liebe ich Dich, wenn nicht, verpiss dich".
Mein Mann hat definitiv nicht die Verantwortung mich glücklich zu machen. Ich bin von Natur aus selbst glücklich und zufrieden. Aber es gibt ein paar Grundregeln, die eingehalten werden müssen und in denen wir uns einig sind und eine davon ist eben, dass die Beziehung zu Ende ist, wenn einer von beiden fremd geht.
Aber es ist eben nicht so einfach. Ich habe in der Darstellung meiner Gründe versucht, so ehrlich wie möglich zu sein. Die Klarheit, mit der ich die Dinge jetzt sehe, war zum damaligen Zeitpunkt ja nicht mal ansatzweise vorhanden. Da war Verwirrung, Ambivalenz, Schuldgefühle, Lähmung und Depression. Es darf ja niemand glauben, dass das eine tolle Zeit war, ganz im Gegenteil.
Es wäre für mich ganz einfach gewesen. Du wärst der Verlassene gewesen , bereits beim ersten Mal.
Was hättest Du übrigens getan, wenn Du die Rolle Deiner Frau gehabt hättest und sie Dich so betrogen hätte?
Hättest Du es dann auch tapfer ausgehalten und gewartet?
Es gibt da noch einen Aspekt. Fremdgehen hatte bei mir definitiv suchtartigen Charakter. Das war für sich wieder ein ganz eigenes Problemfeld, dem ich mich, nachdem es mir klar wurde, was da abläuft, ganz gezielt gewidmet habe.
Und was hat das bewirkt? Lässt Du es jetzt sein oder hast Du eine Ausrede dafür , dass Du es weiter tust.
Süchte haben immer ein schwaches Ego als Vorraussetzung.
Also hast Du Dir Dein Ego durch die Fremdgeherei aufpoliert.
Bravo. Hilft nur nicht auf Dauer.
Interessanterweise war eher ich es, der die Ehe immer wieder in Frage gestellt hat, meine Frau hat bei all dem Schmerz nie an eine Trennung gedacht. Man darf dabei nicht übersehen, dass die Rolle des Opfers eine sehr mächtige ist. Und sie hat diese Macht - die darin besteht, Schuldgefühle gezielt einzusetzen - auch immer wieder sehr geschickt ausgespielt.
Weiß der Himmel warum sie bei Dir geblieben ist! Besonders mächtig scheint sie nicht gewesen zu sein, Deine Frau, sonst wärst Du nicht fremd gegangen ohne zu befürchten, dass sie Dich verlässt.
Du hast Dir das nur erlaubt, weil Du wusstest , dass sie sowieso da bleibt.
Eine Lebenspartnerschaft ist zum Teil ein Krieg, der mit äußerster und subtiler Grausamkeit geführt wird. In keinem anderen Lebensbereich gibt es soviel gegenseitige, existentielle und nachhaltige Demütigung.
Bei uns jedenfalls herscht kein Krieg und sowas , wie Du es beschreibst, das kenne ich überhaupt nicht und will es auch nicht kennenlernen. Eine Lebenspartnerschaft, die Krieg bedeutet, die will ich nicht haben. Für was auch? Dann lebe ich lieber alleine.
Ich bin überzeugt davon, dass der Lebenspartner immer genau das verwirklicht, wovor der Andere die größte Angst hat. Das kann, wenn man es als grundsätzlichen Mechanismus erkennt - und stereotypes Moralisieren weglegen kann - Ausgangspunkt für einen unglaublich konstruktiven und erkenntnisreichen Entwicklungsprozess sein. Bei uns war es das jedenfalls.
Liebe Grüße,
Carim
Ich weiß ja nicht, was Du für Beziehungen kennst, aber sowas kenne ich ganz und gar nicht.
Ich kenne es, dass man sich vertraut, Freiheiten lässt, sich respektiert und liebt und den anderen unterstützt anstatt ihn zu manipulieren und zu sabotieren.
Sowas , wie Du es beschreibst, möchte ich nicht geschenkt und mit was drauf haben.