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Frau

G

Gast

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Meine Geschichte ist sehr kompliziert, ich möchte daher nur die wichtigsten Fakten nennen:

Vor zwei Jahren starb mein Vater. Direkt danach taten meine Geschwister alles, um mir mein Erbe zu entziehen. Sie räumten hinter meinem Rücken das väterliche Haus aus, nahmen alles von Wert an sich, machten mich nach allen Regeln der Kunst fertig. Ich wurde im Zuge dessen schwer krank. Obwohl ich ihnen dies mitgeteilt hatte, verkauften meine Geschwister schließlich hinter meinem Rücken das Haus meines Vaters (entgegen allen Absprachen).

Ich war völlig am Boden, hätte mir noch kurz zuvor nie vorstellen können, dass so etwas in meiner Familie passieren kann. Wir waren zwar noch nie eine Traumfamilie, aber so etwas? Nie im Leben.

Als ob es nicht genüg wäre, erkrankte schließlich auch noch meine Tochter. Erst nach mehreren Monaten konnten diverse schwere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Die Ärzte gingen letztendlich davon aus, dass ihre Erkrankung Folge des enormen Stresses war.

Meine (von meinem Vater schon seit langem geschiedene) Mutter ließ mich in dieser Zeit völlig im Stich. Sie meldete sich nicht bei mir, sie glaubte mir meine Erkrankung nicht (hatte sich von meinen Geschwistern dahingehend beeinflussen lassen, dass das nur ein "Trick" meinerseits war) und als ich sie völlig verzweifelt aus dem KH, in dem meine Tochter lag, anrief, brach sie das Gespräch ab (ich hatte sie gebeten, niemandem etwas von der Erkrankung meiner Tochter zu erzählen - aus guten Gründen, die hier zu erklären zu kompliziert wären).

In der Zeit danach hatte ich kaum noch Kontakt zu meiner Mutter. Ich musste einfach zusehen, wieder zu Kräften zu kommen. Schließlich hatte meine Tochter einen allzu hohen Preis dafür gezahlt, dass ich mich so in die Familienstreitigkeiten hatte hineinziehen lassen.

Nach einer längeren Pause bemühte ich mich wieder um ein Gespräch mit meiner Mutter. Ich hatte die Hoffnung, dass ich ihr meine Sichtweise erklären könnte. Aber leider war das vergebens. Sie stand völlig unter dem Einfluss meiner Geschwister und hatte Angst, sie können sie verlieren. Sie hörte mir kaum zu, wollte einfach nichts wissen.

Dennoch bemühte ich mich, den Kontakt aufrecht zu erhalten. Schließlich war sie alt und ich wusste, ihr würde nicht mehr viel Zeit bleiben.

Aber nach einer Weile merkte ich, wie sehr mich der Kontakt belastete. Sie hielt sich einfach nicht an meinen Wunsch, das Thema Geschwister auszusparen. Immer wieder fing sie damit an, was A/B und C gemacht hätten.

Als ich dann eines Tages nach einem Gespräch völlig zusammenbrach, brach ich den Kontakt zu meiner Mutter wieder ab. Ich schrieb ihr die eine oder andere Postkarte, schickte meinen Mann samt Tochter bei ihr vorbei. Aber ich selber konnte einfach nicht mehr. Ich wusste, dass ich einfach nur Zeit brauchte, um die Wunden halbwegs verheilen zu lassen.

Als ich dann spürte, dass ich soweit war, versuchte ich sie zu erreichen. Sie ging nicht ans Telefon. Ich dachte mir jedoch nicht viel dabei, da sie öfter längere Zeit bei Verwandten zu Besuch war. Und ich war mir sicher: Wäre etwas mit ihr, würden mir meine Geschwister ja Bescheid geben - trotz aller Probleme, die wir hatten.

Tja, weit gefehlt. Mich erreichte schließlich eine Nachricht (meine Mutter hatte es geschafft, mich über einen Dritten benachrichtigen zu lassen), dass meine Mutter im KH liege (seit neun Tagen auf der Intensivstation und keiner meiner Geschwister hatte es für notwendig befunden, mich zu benachrichtigen. Mir gelang es zum Glück, meine Mutter noch einmal zu sehen, zusammen mit Mann und Kind.

Noch vor meinem nächsten Besuch starb sie dann.

Wir hatten keine Gelegenheit mehr zu sprechen. In mir drinnen denke ich, dass ein solches Gespräch wahrscheinlich nichts gebracht hätte. Vielleicht hätte es sogar die Wunden wieder aufgerissen. Dennoch mache ich mir ständig Vorwürfe.

Die Beerdigung war grauenhaft. Keiner meiner Geschwister (oder deren Kinder) würdigte mich oder meine Familie auch nur eines Blickes. Mir wurde noch nicht einmal mitgeteilt, dass und wo der "Leichenschmaus" stattfindet.

Persönliche Erinnerungsstücke an meine Mutter habe ich auch keine bekommen. Noch am Tag ihres Todes haben meine Geschwister alles an sich genommen. Wenn ich etwas haben wollte, müsste ich das wohl über einen Anwalt machen. Davor scheue ich zurück.

Langer Rede, kurzer Sinn: Mir geht es über weite Strecken recht gut. Das Thema ist allerdings immer irgendwie präsent.

Allerdings bricht alles auf, wenn meine Tochter nach ihren Verwandten frägt. Das schmerzt mich ganz furchtbar. Ich trage immer noch das Bild einer glücklichen Großfamilie in mir, die ich ihr nie werde geben können. Nicht, dass meine Geschwister und deren Kinder sich vor dem Zerwürfnis um meine Tochter gekümmert hätten. Lediglich, als sie noch ganz klein war, fanden sie sie ganz schnuckelig. Als sie größer wurde (sie ist heute 8), haben sie sich nicht mehr um sie gekümmert.

Aber dennoch scheint da ein unterschwelliger wunsch bei meiner Tochter zu sein, da das Thema immer wieder aufs Tapet kommt. Und mich haut es jedes Mal aus den Socken. Und jedes Mal kommt eine immense Trauer hoch. Und das Schlimmste: Ich fühle mich am Ende als Schuldige.

Ich weiß, dass das nicht stimmt. Aber meine Geschwister haben die Deutungshoheit über die Vergangenheit übernommen, haben auch im weiteren Verwandtenkreis eine Unmenge von Lügen verbreitet, gegen die zu stellen ich nie dir Kraft hatte. Wie soll ich entkräften, was drei Personen unisono sagen?

Klar, ich habe fast alles schwarz auf weiß auf dem PC - aber wer will das lesen?

Aktuell habe ich mich um Kontakt zu einem Onkel bemüht, den meine tochter ganz toll fand (sie traf ihn auf der Beerdigung meiner Tochter). Er hat mir nicht einmal geantwortet.

Und ich fühle mich sooo machtlos. Meine Geschwister haben mir Dinge angetan, die ich meinem schlimmsten Feind nicht antun würde - und haben es gleichzeitig geschafft, mich als Täterin hinzustellen.


Ich hoffe, das klingt nicht zu mitleidsheischend. Ich gehe davon aus, dass ich mich früher einmal gegenüber meinen Geschwistern auf eine Art und Weise verhalten habe, di e sie verletzt hat. Wohl unwissend und ohne bösen Willen.

Aber dennoch hat ihnen das nicht das Recht gegeben, mich so fertig zu machen, dafür zu sorgen, dass ich aus der Familie ausgeschlossen werde.

Wenn es Probleme gibt, sollte man darüber sprechen und nicht im Rahmen einer Erbschaftsabwicklung die Vernichtungswaffen herausholen. Warum so hinten herum?

Das Dumme bei der Sache ist: Vom Kopf her weiß ich, dass ich nichts falsch gemacht habe, weder meiner Mutter noch meinen Geschwistern gegenüber, aber das Herz schreit dennoch ganz laut.
 

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maryanne

Aktives Mitglied
Das klingt ja nach einer schweren Lebenskrise. Aber Krisen gehen irgendwann vorbei.

Mir fällt was dazu ein:

Du solltest auf jeden Fall therapeutische Hilfe holen! Du brauchst jemanden mit dem du regelmäßig reden kannst, das verschafft dir Klarheit und nimmt vielleicht wenigstens ein wenig von dem Schmerz den du fühlst.

Und du solltest irgendwie Abstand bekommen, vielleicht wäre eine Mutter und Kind Kur angeraten.

Was das Erbe betrifft, so wäre es wohl gut, wenn du deiner Familie erst mal einen Brief schreibst und sie bittest dir den Teil des Erbes, der dir rechtlich zusteht auszubezahlen. Wenn sie darauf nicht eingehen solltest du doch zu einem Anwalt gehen, der dich darin unterstützt.

Ich wünsch dir Kraft!
 
G

Gast

Gast
Ich würde auch empfehlen:
1. eine Therapie, evtl. sogar eine psychosomatische Kur zu machen - wenn es geht, sogar ohne Kind, sondern kümmere Dich da mal nur um Dich und schau, dass Du die Erlebnisse verabeiten kannst
2. geh zum Anwalt wegen der Erbschaftsstreitigkeiten: ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass einfach ein Haus verkauft wird, wenn nicht alle Erben zustimmen; ebenso wenn es um Erinnerungsstücke etc. geht.
Obwohl das vielleicht ein Thema ist, dass man das - im Sinne von Punkt 1., vielleicht nur mal als Informationsgespräch nutzt - ohne gleich mit dem Hintergedanken, hier gerichtlich etc. vorzugehen. Aber ich denke, hier würde mal eine Art GEwissheit - was dürfen die Erben, was nicht - Klarheit reinbringen.

Vermutlich wird zwischen Dir und dem Rest der Familie einfach wahnsinnig viel Mist liegen - ich denke, es wird da schwer sein, in irgendeiner Form wieder guten Kontakt herzustellen. Das ginge sowieso nur dann, wenn man a) entweder die Dinge bereinigt, ausspricht und sich gegenseitig verzeiht oder b) die Dinge komplett außen vor lässt und quasi neu anfängt - beides wird schwierig - sowohl für Dich als auch für die anderen. Wenn Deine Tochter immer wieder damit anfängt - dann kann das natürlich ein Zeichen sein, dass sie unbewußt merkt, dass es Dich beschäftigt und wird erst dann nachlassen, wenn Du selbst fähig bist das Thema abzuhaken. Oder Du sagst ihr, dass diese Familie Dich so sehr verletzt hat und auch weiterhin verletzt durch ihr Verhalten, dass Du hier im Moment keine Möglichkeit siehst, Kontakt herzustellen.

Was übrigens das Thema Tod der Mutter und nicht alles gesagt haben: es gibt beim Hospiz Trauergruppen, die ehrenamtlich und damit umsonst arbeiten und helfen können mit der eigenen Trauer besser umzugehen, Dinge - wenn auch nicht mehr persönlich - im übertragenen Sinn abzuschließen. Vielleicht suchst Du da mal ein Gespräch - vielleicht hilft es Dir.
 

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