Ich ziehe demnächst in eine therapeutische Wohngruppe. Meine Schwester weiß davon und hat es gleich meiner Mutter erzählt. Diese rief mich an und meinte sie will das nicht und ein verstorbenes Familienmitglied hätte das auch nicht gewollt. Therapietechnisch fühlte ich mich sicher weil ich viele Perspektiven hatte. Suizidgedanken waren passé. Dann kam heute der Anruf meiner Mutter und ich fragte mich ob es ihnen lieber wäre wenn ich mich umbringe. Denn ich kann einfach nicht mehr wie ein Roboter funktionieren nur damit sie sich besser fühlen. Denn was könnten denn die anderen denken? In meiner Kultur gibt es keine psychischen Probleme.
Ich erwarte ja nicht dass sie applaudieren sondern es einfach akzeptieren. Ich bin ende juli hergezogen und nahm ne Überdosis weil ich in der Klasse nicht klarkam. War 3 Wochen stationär. Wollte das alles vor meiner schwester verheimlichen aber sie wusste dass was los ist. Als ich alles erzählte meinte sie ich wolle nur Aufmerksamkeit. Logik?
Die Ausbildung ist erstmal auf Eis gelegt.
Seit ich 17 bin hab ich psychische Probleme. Oft hab ich versucht zu erklären aber sie konnten oder wollten es nicht verstehen. Ich soll doch einfach funktionieren und ihnen keinen Ärger machen (so wirkt das). Mir mit 24 vorzuschreiben was ich zutun habe finde ich lächerlich. Ich bin auch ohne ihre Erlaubnis ausgezogen. Sie will meinen Vater jetzt einschalten. Soll sie doch. Aber heute habe ich nach langer Zeit wieder drüber nachgedacht mir was anzutun.
So langsam will ich mein leben endlich in den griff kriegen aber dann legt die eigene Familie mir Steine in den Weg. Ich werde so oder so nur das tun was für meine Psyche am besten ist. Dennoch ist es ein mieses Gefühl dass die Familie 0 dahinter steht nur weil es keine körperliche Erkrankung ist. Und da hab ich mich ehrlich gefragt ob es ihnen vllt lieber wäre ich würde mir das Leben nehmen und somit keinen "Ärger" mehr machen. Wahrscheinlich wäre es ihnen lieber ich hätte ein uneheliches Kind ohne Vater als das ich eind Paychotante bin. Ich hab wirklich drüber nachgedacht Suizid zu begehen aber ich will nicht mehr sterben.
Und ich versuche es positiv zu sehen. Es kann mich nur voranbringen meinen Weg zu folgen trotz jedem widerstand.
Meine Schwester fühlt aich auch für mich verantwortlich. Für sie und meine mutter bin ich noch ein Kind. Und es stimmt mit 24 bin ich noch sehr unreif. Jedoch wollen sie mir ihren Weg aufzwingen aber das funktioniert nicht. Ich bin kein Roboter den man einstellen kann.
Es belastet mich wirklich sehr. Und ich denkd ich werde mich erstmal nicht bei meiner Mutter melden. Ich hab genug der Bevormundung. Denn wenn ich nicht in diese TWG ziehe werde ich mir sicher etwas antun.
Natürlich ist es bitter, wenn die eigene Familie so wenig Verständnis hat und dich nicht unterstützt.
Also, so, wie du von deiner Familie erzählst, bin ich mir sehr sicher, dass sie dich lieben.
Euer Verhältnis klingt sehr innig.
Leider scheinen sie ein ziemlich rigides Weltbild zu haben und wenig Flexibilität und so versuchen sie - metaphorisch formuliert - einen kantigen Pflock mit aller Gewalt in einen runden Hohlraum zu hämmern, obwohl die Form nicht passt.
Allerdings denke ich, dass du das richtig siehst: dadurch, dass du aktuell besser weißt, was für dich gut ist, als deine Eltern, hast du gerade eine echte Chance, dich zu emanzipieren.
Ich weiß noch, wie unser Lateinlehrer damals gesagt hat, dass im Wort Emanzipation das Wort manus drinsteckt (Lateinisch für Hand).
Er fragte uns, ob wir uns denken könnten, warum?
Und erklärte uns dann, dass es wörtlich bedeuten würde, dass man sich aus der Hand, der Macht eines anderen befreit (e heißt heraus).
Aktuell hast du die Möglichkeit, dich von bestimmten Vorstellungen deiner Familie zu verabschieden und deinen eigenen Weg zu gehen.
Falls du dich dazu entscheidest (und ich wünsche dir, dass du den Mut dazu findest), wäre es evtl sinnvoll, die Haltung deiner Familie zur Therapie bei der therapeutischen Einrichtung anzusprechen und darum zu bitten, Anfragen o ä durch deine Familie erst mal nicht zu beantworten bzw Kontaktversuche abzublocken.
Wenn du gerade in einer labilen Gemütsverfassung bist, tut dir ein offener Konflikt mit Familienangehörigen vermutlich zur Zeit nicht gut.
Grundsatzfragen kannst du immer noch mit ihnen ausdiskutieren, wenn es dir wieder gut geht.
Erstmal Stabilität, dann kannst du dich um den Rest kümmern.