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Fähigkeiten zum Studium realistisch sehen?

  • Starter*in Starter*in Fisch4711
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F

Fisch4711

Gast
Hallo,

unsere Tochter fing nach verschiedenen anderen Anläufen ein Design Studium an, welches sie im ersten Drittel des ersten Semesters wieder abbrach.
Nun jobbt sie und will sich an anderen Unis für ein Studium bewerben.

Wir wissen, dass sie talentiert ist, denken aber, daß ihr die anderen Fähigkeiten
für den erfolgreichen Abschluss eines Studium fehlen.

Sie will sich jetzt immer und immer wieder an Kunsthochschulen bewerben.
Vielleicht wird sie auch genommen und schafft ein Semester, das sie aber wieder abbricht.
Unsere Befürchtung ist, dass sie in 4 Jahren, wenn sie dreißig ist, ohne Ausbildung und Beruf dasteht.

Wie können wir Sie überzeugen, ihre Fähigkeiten realistisch zu sehen?

Der Vater
 
um welche Fähigkeiten geht es denn? Ich denke wenn sie schon einmal gescheitert ist wird sie draus gelernt haben und kann sich hoffentlich selbst einschätzen. Lieber motivieren statt ausreden.
 
Es geht um Fähigkeiten, wie Durchhaltewillen, Fleiß, Zähigkeit,...
Z.B. Abends rechtzeitig ins Bett gehen, um morgens fit zu sein.
Arbeiten rechtzeitig abgeben. Technisches Verständnis,...

Leider hat sie nichts daraus gelernt und kann sich auch nicht selber einschätzen. Das ist das Problem.

Motivieren wollen und können wir nicht, da wir der Meinung sind, das sie das Studium nicht schafft.

Der Fisch
 
Hm...ihr seht das ja ganz schön kritisch. Wobei ihr sie natürlich am besten kennt...

Die Sache mit Durchhaltevermögen, Fleiß, Eigenverantwortung ect....muss sie irgendwann sowieso lernen. All das bräuchte sie ja auch für eine Lehre oder selbst fürs einfache Jobben. Wohnt sie noch bei Euch? Finanziert ihr ihr Leben? Falls ja, MUSS sie ja noch gar nicht so dolle eigenverantwortlich handeln😉

Ich meine, wenn sie allein lebt und dieses Leben finanzieren muss, ändert sich ihre Einstellung vermutlich - notgedrungen - automatisch. Da wird dann klar: Man MUSS etwas durchziehen, wenn man im Leben zurecht- bzw. weiterkommen will.

Durch gut Zureden werdet Ihr ihr vermeintlich unrealistisches Selbstbild kaum graderücken können. Sie muss es selber lernen und das geht nur, wenn Sie gezwungen ist, mit 26 selbstständig und eigenverantwortlich zu leben. Dann wird sie auch selbst merken, ob sie ihr Studium WIRKLICH will oder nicht.
 
Hallo Selah,

unsere Tochter ist schon mit 19 ausgezogen und steht seit dem auf eigenen Füßen.
Worauf wir auch stolz sind. 🙂 Sie finanziert sich durch jobben selber. 🙂

Das ist das paradoxe, in dieser Beziehung ist sie sehr gut.
Aber die unrealistischen Vorstellungen vom Studium - ich wiege 120 kg und wenn ich richtig trainiere kann ich in einem Monat Marathon laufen.

Wir haben es mit Gespräche versucht, ohne Erfolg.
Sie wird es selber merken, wenn sie dreißig ist, dann ist es aber sehr schwierig ohne Ausbildung und Beruf seinen Lebensunterhalt richtig zu verdienen.

Aber wie Du schon sagt, wie rückt man das unrealistische Selbstbild zurecht?

Der Fisch
 
Schwierige Sache, das sehe ich ein.

Immerhin: Sie ist selbstständig, kann ihr Leben finanzieren. Das ist schon mal das Wichtigste. Letztlich ist es ja ihr Leben und wenn sie sozusagen fürs Überleben Jobben will und sich damit ein Studium a la "brotlose Kunst" (auch mit mehreren Anläufen)finanziert, ist es vielleicht einfach das, was sie will. Sie wird doch - wenn sie Abi hat und seit dem 19. Lebensjahr auf eigenen Beinen steht - schon mal über ihre Zukunft nachgedacht haben(?). Somit müsste ihr klar sein, dass es ohne abgeschlossene Ausbildung/Studium schwer wird. Vielleicht gibt sie ihrem Kunst-Traum auch einfach noch 1,2 Jahre Zeit und orientiert sich dann - falls aus dem Traum bis dahin nix wurde - nochmal um? Klar, das wird nicht leichter je älter man wird.

Letztlich...wenn Ihr es mit Gesprächen versucht habt und sie eben einfach so leben will wie sie grad tut - werdet Ihr es wohl hinnehmen müssen. Manche Menschen leben nicht sehr zielorientiert - und sind trotzdem zufrieden🙂
 
Meine Tochter hat die Einstellung, man muss nur an der Hochschule aufgenommen werden, dann kommt alles von alleine. Irgendwie werde ich mich dort schon durch schummeln. Was aber nicht klappt.

Naja irgendwie müssen wir uns damit abfinden, das vielleicht bei ihr mit dreißig der Groschen fällt. Dann wird es aber hart für sie.

Der Fisch
 
Werter Fisch, ich bin etwas älter als deine Tochter und muss sagen, dass alles was du aufgezählt auf mich zutrifft, bzw. zugetroffen hat. Und leider muss man verdammt intelligent und talentiert sein um ohne Fleiß, Alltagsroutine und Durchhaltewillen ein Studium zu schaffen. Vielleicht ist deine Tochter das, ich kenne solche Fälle.
Bei mir selber ist das nicht der Fall. Ich hadere auch mit meinem Leben und mit dem Studium.
Doch hätte ich seinerzeit eine solche Fundamentalkritik, wie du es an deiner Tochter angebracht hast von meinen Eltern niemals akzeptiert, wäre sauer geworden und hätte auf Durchzug geschaltet.
Es liegt einfach daran, dass man in jungen Jahren oft nicht bereit ist Grenzen zu akzeptieren. Deine Kritik hätte mich auf die Idee gebracht, ich wäre ein Looser zweiter Klasse, während meine Freunde erfolgreich studieren (und meine Eltern studiert haben) trauen die, die mir am nächsten stehen. mir das nicht zu und halten mich für dumm. Die emotionale Verletzung durch solche Kritik hätte mich jeder Möglichkeit beraubt mich rational mit den Argumenten auseinander zu setzen.
Wenn man das dennoch seinen Kindern vermitteln möchte, sollte es möglichst schonend geschehen. Ich weis, das Eltern sich da sehr stark Sorgen machen wenn es mit den Kindern nicht läuft wie es soll und sie darüber sprechen möchten. Doch im Grunde ist da weniger oft mehr.
Schließlich hilft es vielleicht wenn man nicht den Entschluss an sich kritisiert, sondern Sorgen das z.B. der Nebenjob einen bei Studium behindern könnte und sein Kind fragt ob es sich schon Gedanken gemacht hat, wie es mit dem Studium vereinbart werden könnte. Sprich über die „Symptome“redet. Doch es sollte nie im „Vorwurfton“ formuliert werden.

Naja und jetzt kehre ich mal zu meine eigene Problemen, hoffe hilfreich gewesen zu sein.
 
Hallo campusopa,

Doch hätte ich seinerzeit eine solche Fundamentalkritik, wie du es an deiner Tochter angebracht hast von meinen Eltern niemals akzeptiert, wäre sauer geworden und hätte auf Durchzug geschaltet.
Wir haben versucht, nicht mit der Tür ins Haus zu fallen und haben das Thema vorsichtig angesprochen, aber natürlich war sie verletzt, weil wir ihr das nicht zutrauen. Auf der anderen Seite nimmt uns das Thema emotional mit, weil wir uns als Eltern Sorgen machen.

Dein Tipp, über die Sorgen/ „Symptome“ zu reden ist gut und nicht die Entscheidung als Ganze kritisieren. Das werden wir beherzigen.

Danke
Fisch
 
Hallo,

unsere Tochter fing nach verschiedenen anderen Anläufen ein Design Studium an, welches sie im ersten Drittel des ersten Semesters wieder abbrach.
Nun jobbt sie und will sich an anderen Unis für ein Studium bewerben.

Wir wissen, dass sie talentiert ist, denken aber, daß ihr die anderen Fähigkeiten
für den erfolgreichen Abschluss eines Studium fehlen.

Sie will sich jetzt immer und immer wieder an Kunsthochschulen bewerben.
Vielleicht wird sie auch genommen und schafft ein Semester, das sie aber wieder abbricht.
Unsere Befürchtung ist, dass sie in 4 Jahren, wenn sie dreißig ist, ohne Ausbildung und Beruf dasteht.

Wie können wir Sie überzeugen, ihre Fähigkeiten realistisch zu sehen?

Der Vater

Ich verstehe eure Sorgen, aber ich finde eure Interaktion nicht gut.
Menschen können über sich hinauswachsen und wieso soll es nicht eure Tochter auch schaffen? Nur, weil man mal ein Studium abgebrochen hat, heißt das noch lange nicht, dass man nicht dafür geeignet ist, im Moment des Abbruchs war man der Situation nicht gewachsen. Ihr würdet eurer Tochter mehr helfen, wenn ihr zusammen mit ihr die Pro und Contras abwegen würdet und sie unterstützt, egal wie sie sich entscheidet. Ihr müsst sie ja nicht finanziell unterstützen, es würde schon reichen, wenn sie eine Entscheidung getroffen hat, diese zu aktzeptieren und nicht ständig an der Lebensplanung rumzumeckern. Es ist ihr Leben, gebt ihr einfach den Raum, ihre eigene Erfahrungen zu sammeln. Als Eltern seid ihr keine Entscheider, sondern nur Berater, die Vor und Nachteile aufzeigen, nicht mehr. Der Entscheider ist eurer Tochter.
 

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