Es ist nicht immer möglich, aus einem Interesse einem Beruf zu machen. Vielleicht ist das eigene Spezialgebiet so speziell doer neuartig, dass man damit (noch) kein Geld verdienen kann, vielleicht ist jene Branche, die mit dem Interesse zu tun hat, auch überlaufen, vielleicht sind die eigenen Vorstellungen zu romantisch oder unrealistisch.
Hinzu kommt, dass wohl jeder Mensch andere Kriterien hat, um einen Beruf als "für sich passend" zu bezeichnen. Dem einen reicht finanzielle Sicherheit, ein anderer will sich selbst verwirklichen oder mit seinem Beruf Gutes tun können. Der eine mag seinen Job trotz dessen Nachteilen sehr, ein anderer ärgert sich schon, wenn nicht alles genau so läuft wie geplant.
Außerdem stehen nicht allen Menschen alle Türen offen. Ich bin nur sehr bedingt mit Aussagen à la "Jeder ist seines Glückes Schmied" einverstanden, denn oft zwingen die äußeren Lebensumstände einen einfach dazu, Pläne für die Zukunft über den Haufen zu schmeißen. Ein Beispiel wäre jemand, der sein Leben lang unbedingt Arzt werden will, aber letztlich am Schulabschluss oder den Aufnahmekriterien der Universität scheitert.
Oder eine junge Frau, die ungewollt schwanger wird, ihre Ausbildung abrechen muss,keinerlei Unterstützung von ihrer Familie oder ihrem Partner erfährt, und sich selbst und das Baby irgendwie durchbringen muss. Sie landet dann in irgendeinem Job, der sie zwar nicht wirklich ausfüllt, aber einigermaßen sicher ist - und da sie vielleicht im Laufe ihres Lebens dazu gezwungen war, Schulden zu machen, fällt ihr eine Umorientierung womöglich sehr schwer oder ist gar nicht zu verwirklichen.
Andere Menschen wechseln öfters einmal den Beruf, weil sie diesen nur zu Beginn als spannend erleben, sich nach und nach aber in fast jedem Job langweilen würden. Oder anfangs immer ganz euphorisch sind, weil der Job ja so viele tolle Seiten hat, im Laufe der Zeit aber zunehmend die negativen Aspekte dieses Berufsbilds kennenlernen.
Das Gute ist, dass es heutzutage oft tatsächlich möglich ist, sich beruflich neu zu orientierten - nicht immer, aber oft. Es kommt klarerweise stark auf die individuelle Situation an. Aber grundsätzlich ist es doch immer mehr Menschen möglich und spontan fallen mir auch in meinem Bekanntenkreis mindestens zwei Leute ein, die den Umstieg gewagt und dadurch an Lebensfreude und Lebensqualität dazugewonnen haben.