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Es fällt so schwer loszulassen

Bambii02

Mitglied
Hallo,

wie soll man beginnen etwas zu erklären, was einen so wehtut, als würde es mich innerlich zerreißen?
Fangen wir einfach am Anfang an:

2014 lernte ich über Internet jemanden kennen, die mir wichtiger werden sollte als alle Personen in meinem Umfeld.
Von Anfag an war sie für mich da, setzte sich für mich ein und so wurden wir nach und nach unzertrennlich.
Für sie war das Leben unvorstellbar ohne mich. Für mich war das Leben unvorstellbar ohne sie.
Desto länger wir befreundet waren, desto mehr negative Erlebnisse hatten wir.
Es fällt mir schwer, dass hier zu sagen, doch wurde sie Silvester von einen Mann sehr bedrängt (wenn nicht zu sagen, vergewaltigt... ). Sie hatte einen schweren Unfall, ihr liebstes Hobby "Fußballspielen" wurde ihr somit genommen.
In ihrem Umfeld wurde sie gemobbt und von ihren Eltern zu schlecht behandelt.
Ich dagegen hatte mit meiner Depression sehr zu kämpfen. Ließ das auch viel zu oft an ihr aus.
Sie wurde immer kälter, ließ niemanden mehr an sich ran, verlor das Vertrauen jeglichen Menschen gegenüber.
Aber vorallem auch wurde sie sehr unfair.
Wir haben uns also sehr oft gestritten - viel zu oft.
Trotz allem brauchten wir uns, konnten nicht ohne den anderen.

Bis die Situation letzte Woche völlig eskalierte. Sie meinte zu mir, sie würde mich nicht mehr wollen, ich würde ihr nichts mehr bedeuten. Von einem Tag auf den anderen.
Schlimmer noch: Sie hatte mich ein halbes Jahr belogen. Ich war damals sehr eifersüchtig auf eine Freundin von ihr und um mir nicht weh zu tun erfand sie einen Streit und gab vor keinen Kontakt mehr zu ihr zu haben (was meiner Meinung nach absurd ist...).
Aber vorallem behauptete sie auch, dass ich heuchlerisch wäre, falsch und sie nur benutzen würde.
Dass ich keinerlei freundschaftlicher Gefühle für sie hätte.
Ich hätte ihr Leben zerstört, wegen unserer vielen Streits.
Sie würde mich niemals mehr in ihrem Leben haben wollen und diese eine Freundin wegen der sie mich belogen hatte, hätte sowieso viel mehr Bedeutung für sie.

Das und vieles mehr durfte ich mir anhören. Dass ich krank wäre will ich gar nicht erst erwähnen.
Und trotz allem habe ich das Gefühl, dass ich sie brauche. Ich verstehe nicht wie sie sich so verändern konnte. Natürlich sind die Dinge furchtbar die sie erlebt hat aber dass sie plötzlich alles an mir auslässt?
Es fällt mir so schwer sie gehen zu lassen, aufzugeben. Am liebsten würde ich ewig um sie kämpfen aber sie gibt mir sehr deutlich zu verstehen, dass ich das allerletzte wäre... :(
 

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G

Gast

Gast
Ihr hattet am Anfang was gemeinsam, ,brauchtet euch für was?
Wenn zwei kranke sich brauchen, wie nennt man das?
Bedarfsgemeinschaft, was haben die für einen Bedarf, sich immer weiter gegenseitig runterzuziehen ?
Sich das Leben zur Hölle zu machen?
Für was brauchst du Sie noch?
 

Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Hallo, Bambii02,

Die Traurigkeit in Deinem Bericht ist verständlich und es tut mir leid, dass Du Dich in so einer schlechten Situation befindest.

Wenn zwei sich streiten ist es für mich wichtig, die Fakten zu klären. Du lieferst von Dir ein Selbstbildnis und schilderst in Kurzform Eure Freundschaft. Jedoch Vollständigkeit und Richtigkeit kann ich nicht beurteilen. Mir fehlt Deine Überlegung, was Du falsch gemacht haben könntest.

Gehen wir davon aus, dass Deine Schilderung sachlich völlig richtig ist, dann habe ich den Eindruck, dass Deine Ex-Freundin nicht authentisch ist. Was sie sagte und tat entsprach nicht immer ihren Gedanken und ihrer Einstellung. So erklärt sich ihr Lügen. Das kann verschiedene Ursachen haben. Manchmal liegt es an dem Mangel an Identitätsbewusstsein. Wenn Du Dich z.B. als großer Held fühlst und einen Tag später als Versager, dann wird auch Dein Verhalten widersprüchlich sein. Wenn Du sie heute liebst und morgen nur ihre schlechten Seiten siehst, dann wird auch Dein Verhalten widersprüchlich sein.

Menschen, denen es an Identitätsbewusstsein mangelt, sind nicht authentisch, denn sie kennen sich selbst nicht genug. Für authentisches Verhalten gehört es, dass ich meine guten und meine schlechten Seiten kenne und eine Bewertung vornehme. Ich sage mir z.B: „Das finde ich gut an mir und möchte so weiter leben, das Gute weiter fördern, auch wenn ich mal versage. Und das Schlechte, zu dem ich auch neige, das möchte ich nicht und das will ich in Zukunft vermeiden.“ Das sage ich so zu mir. Das entspricht meiner Einstellung. Und mein Leben beweist, wie gut oder wie mangelhaft ich in der Umsetzung bin. Das entspricht dann dem Grad meiner Authentizität.

Je geringer die Authentizität – je geringer ist die Beziehungsfähigkeit. Ich kann mich nach einer harmonischen schönen Beziehung sehr sehnen. Wenn ich jedoch nur gering authentisch bin, ist auch meine Beziehungsfähigkeit gering.

Ich habe den Eindruck, dass eben Deine Freundin mit sich selbst sehr viele Probleme hat. Offensichtlich hat sie zu Dir kein Vertrauen, so dass sie sich von Dir nicht helfen lässt. Warum hat sie zu Dir kein Vertrauen? Vielleicht liegt es daran, dass Du ihre Probleme nicht wirklich erkannt hast und sie sich unverstanden fühlte. Es muß aber nicht an Dir gelegen haben. Es gibt eben Menschen, die sich schwer tun, anderen Menschen zu vertrauen. Manchmal vertrauen sie nur den Menschen, die ihnen nach dem Mund reden. Mit Kritik können und wollen sie nicht umgehen. Evt. haben sie das nicht gelernt.

Warum auch immer – Du kannst und solltest aus dem Erleben lernen.

Hierfür gebe ich Dir folgendes mit auf Deinen Weg:
Es ist wichtig, dass wir uns selbst immer besser kennenlernen und so unsere eigene Authentizität verbessern in dem wir das sagen, was wir auch tun wollen und das tun, was wir auch denken und sagen. Und wir sollten nur mit den Menschen eine Freundschaft eingehen, die ebenso authentisch sein wollen und das auch so leben. Der andere Mensch kann noch so lieb und hübsch sein… wenn er nicht authentisch ist, dann ist Enttäuschung vorprogrammmiert.

Meine Empfehlung: Lass sie jetzt los. Vielleicht hat sie eine schlechte Einstellung zur Lüge (= gut) und zu Respekt vor Menschen (= ist nicht nötig) und dann entspricht diese Einstellung einem Menschen, der zwar insofern authentisch ist, aber gerade wegen dieser Einstellung nicht beziehungsfähig ist.

Vielleicht aber findet sie in der Zukunft zu einer Identität, die auch beziehungsfähig ist. Und wenn Du sie dann noch liebst – ja, dann kämpfe um sie. Bis sie diesen Punkt erreicht hat, lass sie los und übe Dich in Geduld, aber laufe ihr auf keinen Fall jetzt hinterher.


Alles Gute,
Nordrheiner
 

Bambii02

Mitglied
Erstmal vorweg: Danke für eure ehrlichen & schnellen Antworten.

Ich möchte mich nicht so hinstellen, als würde ich alles richtig machen. Ebenso habe ich sehr oft über meine Fehler nachgedacht.

Ich bin ein sehr direkter Mensch. Damit meine ich, wenn mich etwas stört, spreche ich das sofort an und haue sprichwörtlich 'mit der Faust auf den Tisch'.
Sie hat das teilweise sehr schnell als Vorwurf angesehen. Selbst wenn ich immer versucht habe es respektvoll und in Ruhe zu übermitteln.

Ich bin aber auch ein Mensch der recht schnell wütend wird und das manchmal auch wegen Kleinigkeiten.

Ich weiß, dass ich sie loslassen muss. Auch wenn mir das unsagbar schwer fällt & ich mir noch sehr schwer ein Leben ohne ihr vorstellen kann.
Verstehen kann ich es nur sehr schwer.

Danke nochmal.
 

Bambii02

Mitglied
Ja, war es.
Das ist dumm, oder? :/
Aber ich hab mich noch nie einen Menschen so verbunden gefühlt.
Es gab Zeiten in denen wir 14 h telefoniert haben & bis 4 Uhr morgens geschrieben.
 

Bambii02

Mitglied
Hmm.. Es ist ja nicht so, dass ich hier, wo ich wohne, keine Freunde hätte. Das habe ich - sogar sehr gute - wenn auch wenige.
Trotzdem war diese Vertrautheit noch nie bei anderen Freunden fühlbar.
Ob ich mir da selber etwas vorgemacht habe?
 

Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Ich denke schon, dass Du Dir etwas vorgemacht hast: "Authentizität"
Du hast geglaubt, dass die vielen Anrufe und Korrespondenz das reale Leben zeigen. Dem ist nicht so.

Wenn ich einen so intensiven Telefon- und Nachrichtenaustausch hätte, würde ich ggf. sagen, dass ich mich auf ein persönliches Kennenlernen freue. Dabei würde ich die Möglichkeit berücksichtigen, dass dieser Mensch im Alltag ganz anders sein kann, als am Telefon.

Ob ein Mensch authentisch ist, lässt sich am besten erkennen, wenn man diesen Menschen im Alltag erlebt.

LG, Nordrheiner
 
Zuletzt bearbeitet:

Bambii02

Mitglied
Ich bin der Meinung, dass man sich nicht über das Internet verlieben kann - nicht alleine durch Buchstaben, ein paar Worte...
Selbst wenn sie noch so schön sind.
Erst die Nähe zu einem Menschen lässt solche Gefühle tatsächlich erwachen.
Vllt ist es in einer Freundschaft ähnlich?
Es ist ja ebenso eine Form der Liebe.
Vielleicht muss man tatsächlich vor jemand stehen, mit ihm lachen können & wissen wie es sich anfühlt bei diesem Menschen zu sein.

Ich dachte immer es würde keinen Unterschied machen ob man jemand nur online kennt oder bereits getroffen hat.
Aber vielleicht ist es tatsächlich so, dass viele Menschen im Internet nicht 'sie selbst sind'.

Danke für eure intelligenten Antworten. Sie haben mich sehr zum nachdenken gebracht.
 

Elis

Mitglied
Zitat Nordheiner:

"Dabei würde ich die Möglichkeit berücksichtigen, dass dieser Mensch im Alltag ganz anders sein kann, als am Telefon. [...] Ob ein Mensch authentisch ist, lässt sich am besten erkennen, wenn man diesen Menschen im Alltag erlebt."

Zitat Pepita:

"Es war eine Traumwelt und ihr wart euch gegenseitig Projektionsflächen eurer Sehnsüchte."



Diese Aussagen bergen ein gewisses Wahrheitspotential in sich, wobei man jedoch bedenken muss, dass dieses Potential, einander nur eine Projektionsfläche zu sein und einer Illusion über den Anderen zu erliegen, auch bei alltäglichen "Face-to-Face"-Beziehungen gegeben sein kann.

Ich bin zum Beispiel immer noch sehr traurig und verzweifelt darüber, dass meine Freundin kurz vor Weihnachten einen endgültigen Kontaktabbruch nach 6 Jahren Beziehung (die letzten Jahre davon platonisch) vollzogen hat.

Wir waren jedoch real zusammen, nachdem wir uns im April 2009 hier in diesem Forum virtuell (also online) kennengelernt hatten und uns dann ab Juni desselben Jahres regelmäßig bis Ende November 2015 trotz über 600 Kilometer räumliche Distanz immer getroffen haben. Das heißt wir konnten uns einander im Alltag erleben und hatten alle Möglichkeiten, Differenzen zu erkennen.

Trotzdem ist es Jahre später nun heute so, dass ich sie sehr liebe und ihr total hinterher
trauere , während sie diese Liebe gar nicht mehr erwidern kann und überhaupt keinen Kontakt mehr zu mir haben möchte.

Eine reale, also nicht-virtuelle Partnerschaft kann demnach genauso virtuelle Projektionsebenen in sich tragen bzw. Illusions-Risiken aufweisen wie eine reine Online-Partnerschaft.

Ich sehe in ihr immer noch den Menschen meines Lebens, während sie sich in ihre damalige Verfassung mir gegenüber überhaupt nicht mehr einfühlen kann. Das deprimiert mich sehr.

Bevor man also der Illusion erliegt, durch Authentizität einen Menschen vermeintlich kennen zu können, sollte man niemals vergessen, dass sich im Inneren jedes einzelnen Menschen immer ein ganz individueller Film abspielt, den nur die betreffende Person selbst aus ihrer Innenperspektive wahrnehmen kann.

Irgendwann hat dieser "innere Film" des einen Partners mit dem "inneren Film" anderern Partners keine Gemeinsamkeiten mehr und man lebt genauso virtuell bezogen aufeinander wie zwei Online-Partner, die sich nur über Schriftzeichen kennen.

Elis


 

Nordrheiner

Sehr aktives Mitglied
Lieber Elis,

wenn Menschen authentisch sind und sich so auch im Alltag begegnen, bedeutet das nicht, dass sie auch ein Leben lang gemeinsam leben. Menschen kommen uns näher z.B. auf Grund gemeinsamer Ziele, gemeinsamer Wertvorstellungen und auf Grund gemeinsamer Empfindungen.

Wenn sich diese Faktoren ändern, muss das keine negative Auswirkung auf die Authentizität haben. Lediglich nehmen "wir" oft sehr spät wahr, dass sich z.B. gemeinsame Ziele oder Wertvorstellungen geändert haben.

Ich stimme Dir zu: Nur weil wir einen Menschen im Alltag ständig sehen, bedeutet das nicht, dass wir den Grad seiner Authentizität auch erkennen. Das mag in einigen Fällen an der schauspielerischen Leistung des anderen liegen. Aber oft liegt es auch an unserem Wahrnehmungsvermögen. Es stellt sich doch immer die Frage: Worauf achte ich?

Und wenn wir bei dem anderen (oder bei uns selbst) negative Veränderungen bemerken, stellt sich die Frage: Wie gehe ich damit um? Da gibt es viele Möglichkeiten..... (ausblenden, ignorieren, schön interpretieren....)

Die beste Möglichkeit, finde ich, ist die: Ich gehe der Sache auf den Grund.

Die Wahrheit mag weh tun. Aber wenn ich sie rechtzeitig erkenne, habe ich bessere Möglichkeiten mich darauf einzustellen, als wenn ich die Gründe einer Veränderung nicht erforsche.

LG; Nordrheiner
 
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