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Erwachsen werden?

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G

Gastelinchen

Gast
Ich bin nun 19 und bald mit der Schule fertig. Eigentlich alle um mich herum freuen sich diese Lebensphase zu beenden, doch mir geht es um so näher das Schulende rückt immer schlechter.
Bisher war ich mit meinem Leben sehr glücklich - ich war gern Kind. Am liebsten würde ich für immer so weiterleben, wie ich es momentan tue.
Wenn man mit der Schule fertig ist, wird langsam aber sicher Zeit Verantwortung zu übernehmen. Ich muss eine Ausbildung machen oder studieren und von zu Hause ausziehen. Ich weiß, dass diese Schritte mir gut täten auf dem Weg zum Erwachsenwerden - doch eben das möchte ich doch eigentlich gar nicht. Ich möchte nicht, anstatt einfach glücklich zu sein, mein restliches Leben fast nur mit Arbeit zubringen. Ich möchte mich gar nicht in irgendeinen Beruf zwängen, nur um überleben zu können.
In unserer Gesellschaft ist es gut zu arbeiten - eine Schande dies nicht zu tun. Jemand der nur ein paar Stunden am Tag arbeitet um die restliche Zeit des Tages glücklich zu sein steht als Versager da im Gegensatz zu jemandem der so viel arbeitet, dass im schon ein Burn-Out-Syndrom droht.

Ich bin keinesfalls ein fauler Mensch. Ich bin gern aktiv und mache Tätigkeiten, die mir Freude bereiten. Ich würde gerne mit meiner bisherigen Motivation ein Studium beginnen, doch leider geht das nicht. Denn ein Studium/ eine Ausbildung bedeutet heute leider: Entweder man enspricht dem Wirtschaftsgedanken, man bleibt arbeitslos oder arbeitet viel für einen sehr geringen Verdienst.

Momentan erscheint es mir recht sinnlos überhaupt weiterzuleben - denn warum sollte ich leben nur um zu überleben ohne die Aussicht glücklich zu werden?
Ein Glück/Pech nur, dass ich zu gern glücklich werden würde, um dies gegen >nichts< eintauschen zu können.
 
Den Wirtschaftsgedanken entsprechen ist das eine. Aber womöglich kann man sich dennoch etwas suchen, das auch einem selbst Freude bereitet?
Wenn du eine Arbeit machst, weil es FÜR DICH aus eigenem antrieb heraus einen Sinn gibt, und nicht, weil du dich dazu gezwungen fühlst?

denn warum sollte ich leben nur um zu überleben ohne die Aussicht glücklich zu werden?
Warum besteht deiner Meinung nach eine zwingende unvereibarkeit zwischen Arbeit, und glücklich sein?

Oder konkret gefragt: WAS macht dich glücklich?
 
Das Gefühl von Unvereinbarkeit von Arbeit und glücklich sein rührt glaub ich daher, dass ich auf der Suche nach einer Berufswahl, die mich glücklich machen würde, einfach nicht fündig werde...
Ich hab das Gefühl, dass ich in der heutigen Zeit einfach keinen Platz habe. Auch wenn ich wahrscheinlich keine Ausbildung machen möchte kann ich mein Problem daran gut verdeutlichen: Ich würde nicht in einem großen Betrieb der regelrecht auf Massenproduktion eingestellt ist arbeiten wollen, sondern eher in einem kleinen Betrieb mit einer Hand voll mit Arbeitern - so ein richtiger Traditionsbetrieb. Nur leider hat so etwas kleine in der heutigen Zeit doch kaum noch Bestand... alles muss immer größer, schneller, billiger sein und alles muss immer möglichst wirtschaflich sein.
Ich weiß leider, dass ich mit meiner Einstellung ziemlich weltfremd bin...

Glücklich machen mich vorallem glaub ich recht kleine Dinge: etwas mit meiner Familie/Freunden zu unternehmen, zu malen/zeichnen und es macht mich manchmal schon glücklich bei schönen Lichverhältnissen spazieren zu gehen (z.B. kurz vor einem Gewitter !). Sowas sind leider recht kurze Momente, die glaub ich jeder schön findet - es gibt aber (so fühlt es sich momentan zumindest an) nichts für mich, was mich dauerhaft glücklich machen würde - was ich zum Beruf machen könnte.

Würde ich länger drüber nachdenken, würden mir sicher auch noch andere Sachen einfallen, die mich glücklich machen...sowas fällt mir nur leider schwer, wenn in meinem Kopf nur die Angst vor der Zukunft kreist.
 
Ich würde nicht in einem großen Betrieb der regelrecht auf Massenproduktion eingestellt ist arbeiten wollen, sondern eher in einem kleinen Betrieb mit einer Hand voll mit Arbeitern - so ein richtiger Traditionsbetrieb. Nur leider hat so etwas kleine in der heutigen Zeit doch kaum noch Bestand... alles muss immer größer, schneller, billiger sein
Warum ein kleiner Betrieb? wegen der nähe zu den Mitarbeitern, oder ist es was anderes?

Glücklich machen mich vorallem glaub ich recht kleine Dinge: etwas mit meiner Familie/Freunden zu unternehmen, zu malen/zeichnen und es macht mich manchmal schon glücklich bei schönen Lichverhältnissen spazieren zu gehen (z.B. kurz vor einem Gewitter !). Sowas sind leider recht kurze Momente, die glaub ich jeder schön findet - es gibt aber (so fühlt es sich momentan zumindest an) nichts für mich, was mich dauerhaft glücklich machen würde - was ich zum Beruf machen könnte.
denkst du nicht, dass diese kleinen dinge auch auf einem arbeitsplatz vorhanden sein können?

Wenn es vor allem die kleinen Dinge sind, die dich glücklich machen, müsstest du da eher schauen, dass du diese dinge findest.
Frag dich nach deiner Berufswahl vllt eher danach, was dich intereissert? (das ist nicht dasselbe wie das, was dich glüclich macht). Wo willst du ändern? Was willst du schaffen?
 
Ja, ich denke ich sehe das alles etwas zu schwarz... Ich versuch ja es nicht zu tun, aber egal ob ich es nicht möchte, ich hab egal was ich mir vornehme immer das Gefühl, dass es mich unglücklich machen wird.

Bei einem kleinen Betrieb, wäre es sicherlich einerseits wie du schon sagst die Nähe zu den Mitarbeitern, aber andererseits auch die Nähe zur Tätigkeit selber. Ich hab irgendwie das Gefühl, dass Verhältnis zur Arbeit in großen Betrieben einfach Erfolgsorientierter ist. (Was ich keinesfalls als einen Unterschied im Anspruch der Arbeit sehe.

Ich glaube mein Gefühl, dass diese "kleinen Dinge" in der Berufswelt verloren gehen, kommt wegen der Richtung, in die ich mich gedrängt fühle.
Die Naturwissenschaften waren immer mein "Steckenpferd" in der Schule, doch leider hab ich vorallem in dem Bereich die Angst als Person völlig verloren zu gehen...

Ich interessiere mich irgendwie für alles, aber wieder auch für nichts. Bei meiner sucher nach einer Berufsenscheidung hab ich festgestellt, dass ich eigentlich nur tieferes Interesse für Kunst/Kultur hab - soetwas wie Chemie bin ich aber auch nicht gänzlich abgeneigt. Das Problem bei der Sache ist nur leider, dass ich den Eindruck habe, dass Arbeit im künstlerischen bis kulturellen Bereich einfach sehr unsicher ist. Leider bin ich, wie man vielleicht auch schon an meinem allgemeinen Problem merkt, sehr sicherheitsbedürftig.
Mein Verstand sagt also, dass ich irgendwas mit Naturwissenschaften machen muss... mein Herz möchte das aber eigentlich nicht.

Das mit der Freizeit mag wohl stimmen, nur leider müsste ich erst mal einen Beruf erlernen oder studieren...ich glaube, dass ich das nicht schaffen würde, wenn es mir von vornherein irgendwie nicht liegt. 🙁

Ich konnte leider bisher nur ein Praktikum machen, was einerseits wohl an mir, aber andererseits auch an meiner reichlich abgelegenen Wohnsituation liegt. (Hier im Dorf gibt es gar keine Möglichkeit für ein Praktikum und die 8km entfernte Stadt bietet auch kaum Möglichkeiten)
Das einzige Praktikum, das ich gemacht habe, war in der 9 Klasse. Bis dahin wollte ich nämlich immer Zahnärztin werden. Mein Praktium in der Zahnarztpraxis hat mir zum Glück zeigen können, dass das nichts für mich ist.


Ich glaube, dass ich mit meinen ganzen Gedanken und Empfindungen teilweise recht falsch liege, nur leider schaff ich es einfach nicht sie abzustellen... In einem Moment schaff ich es wieder optimistisch zu sein und in nächsten Moment bekomme ich wieder gar nichts auf die Reihe und mich überkommt eine lähmende Angst....
 
Ich bin auch zwischen Kunst und Naturwissenschaft hin- und hergerissen; da kann ich sehr gut nachempfinden, was in dir vorgeht.
Mein Lösungsansatz ist folgender: Ich mach erst meinen bachelor in einer naturwissenschaft, und beitreibe meine künstlerischen aktivitäten nebenher als "hobby" (jedoch sehr intensiv ausgelebtes hobby).
wenn es mich dann immernoch in die künsterlische ecke drängt, dann studier ich das auch.

Die nähe zur tätigkeit selber geht verloren.. Das stimmt teilweise. Andererseits muss man auch sagen, dass man grade im anturwissenschaftlichen bereich immer eine arbeit auszuführen hat, die man auch überblicken muss, und nicht nur am fließband stehen...
ein anderer anreiz für mich, etwas naturwissenschaftliches zu studieren ist auch die möglichkeit, anderen damit zugute zu kommen.. vielleicht wäre der aspekt auch nicht zu vernachlässigen?
 
So Weltfremd ist diese Einstellung gar nicht, eher ist es eine Frage der Gewohnheit. Es gibt viele Schüler, die sich ihr zukünftiges Leben nicht vorstellen können. So hart manchmal eine Schule auch sein mag, es ist eben kein Arbeitsalltag mit all seinen Pflichten, Verantwortungen und Verzichten. Für gewöhnlich arrangiert man sich jedoch mit der Zeit mit ihm. Ich hatte zwar noch keinen Kollegen, der nicht ab und zu doch noch knatschig gewesen wäre, aber im großen und ganzen konnte bisher jeder mit seinem Beruf leben. Kopf hoch! 🙂
 
Was studierst du denn genau, wenn ich fragen darf? 🙂

Ich hab einfach so eine große Angst, etwas anzufangen, was ich letztlich nicht durchziehen kann... Ich kann mir das Studium nur über BAFöG finanzieren oder ich müsste arbeiten - bei letzterem fürchte ich jedoch den Stress nicht durchzuhalten. (Ich merke nun schon, wie schnell meine Belastungsgrenze erreicht ist... ich beneide die Leute sehr, die Energie haben 1000 verschiedene Sachen am Tag zu machen...)

Das Problem ist auch, dass ich mich eigentlich in der Schule immer für z.B. Chemie interessiert habe, nun wo es aber darum geht eine Entscheidung zu treffen, baut sich in mir so eine Abneigung auf. Wenn ich mir vornehme das zu studieren geht es mir schlecht, sobald ich die Entscheidung wieder unter den Tisch fallen lasse ist es als würde eine Tonnen schwere Last von mir abfallen.

Ich sollte auch besser nicht hier in Bereich Studium lesen, denn dort wird von den Problemen berichtet, die meine größten Ängste darstellen...
 
Hallo,

Ich möchte Dir zuerst mal sagen, dass deine Einstellung soooo exotisch nun auch nicht ist. Ich glaube, es gibt doch einige Menschen, die ähnliche Ängste wie Du haben oder hatten. Mich zum Beispiel😉 Bin heute über 30 und mit 18/19 hab ich mir ähnliche Fragen gestellt. Ich hatte ein gutes Abi und eigenlich "alle Chancen". Nur WAS ich wirklich wollte, wusste ich nicht. Das Entscheiden und Loslegen - kurz das Erwachsenwerden - tat richtig weh. Wenn mir das einer erzählt hätte, als ich 14 war, hätt ich ihn für verrückt erklärt. Erwachsensein war doch soooo toll, eigenständig handeln, selber entscheiden....super. Nur als es dann soweit war, kam die Angst, den falschen Weg zu wählen. Als Jugendlicher ist man ja oft auch überkritisch, sieht schon recht gut, die Tretmühle, in der viele Erwachsene stecken und ahnt, dass einem sowas auch blüht😉

Nun ja, was ich eigentlich sagen will: Man überlebt es🙂 Es ist eben ein Übergang in eine neue Lebensphase nach der Kindheit. So eine Ablösung vom Vertrauten tut schon mal weh, aber danach fühlt sich das Neue doch auch ziemlich gut an. Mir hat es geholfen, mich zu entscheiden. Ich hab mich durchgerungen, hab eine Studienkombi gewählt, die mir zusagt (hab damals nicht "wirtschaftlich" gedacht) und Politik und Publizistik studiert, bin in die Großstadt gezogen. Und eigentlich wurde mit diesem Schritt alles besser. Das heißt nicht, dass ich nicht auch mal traurig/ängstlich ect. war. Aber es hat grundsätzlich gut getan, den eigenen Weg zu beschreiten. Letzteres würde ich Dir - trotz Entscheidungsschwäche - auch raten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Ökologischen oder Sozialen Jahr als Zwischenschritt zwischen Abi und Studium/Ausbildung? So kannst du noch etwas ausloten, was dir liegen könnte, kannst sich ein bisschen abnabeln, aber musst noch nicht komplett auf eigenen Beinen stehen...

LG
 
Ich kann dich zwar verstehen, allerdings bin ich der Meinung, dass der Mensch arbeit braucht, sonst geht er innerlich ein. Ich habe diesen Schluss aus eigener Erfahrung gezogen.
 

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