Es ist einfach nur grauenhaft. Ich kann mir die Bilder nicht mehr ansehen, habe aber gerade einer bekannten seriösen Hilfsorganisation auf deren Konto für die Erdbebenopfer einen Betrag gespendet nach dem Motto: Ein Prozent Hilfe ist mehr als 100 Prozent Mitleid (Phil Bosmans). Mehr werden die meisten von uns nicht tun können, es sei denn, sie sind ausgebildete Ärzte, Rettungssanitäter oder Katastrophenhelfer.
Was für Perspektiven hat das Baby, dessen Angehörige alle tot sind? Welche Perspektiven hat der Mann, der gestern weinend im Fernsehen gezeigt wurde und alle seine Angehörigen, gleich zwölf Menschen, verloren hat?
Und wenn ich mir dann vor Augen führe, dass sehr viele Menschen in Deutschland nur noch miteinander konkurrieren, wer am erfolgreichsten, attraktivsten, interessantesten, liebenswertesten ist oder aber - im negativen Sinne - wer es am schwersten hat, widert mich das nur noch an!
Ich habe materiell genug zum Leben. Angehörige habe ich kaum noch, schon gar nicht solche, die etwas von meinem Geld verdient hätten. Mein Elternhaus ist weg aufgrund der psychischen Erkrankung meiner Schwester und weil meine Mutter trotz des Wissens um diese Situation keine darauf zugeschnittene Nachlassregelung getroffen hatte. War schlimm genug, aber so eine Katastrophe wie dieses Erdbeben ist viel schlimmer, und die Menschen, sofern sie überhaupt überlebt haben, sind viel, viel schlimmer dran. Ihnen zu helfen, ist wenigstens etwas Sinnvolles. Ich brauche für mich nichts mehr zu horten und habe auch keine Nachkommen, denen ich etwas hinterlassen könnte. Und von Leuten in meinem privaten Umfeld, die nur mit ihren materiellen Errungenschaften und Erfolgen protzen und konkurrieren, habe ich mich sowieso distanziert. Im Berufsleben muss ich die Typen noch drei Jahre ertragen, dann kann ich auf Antrag in den Ruhestand gehen. Wenn sie sterben, können sie ebenso wenig etwas mitnehmen von ihren materiellen Dingen wie ich.
Solche Katastrophen wie das Erdbeben führen uns vor Augen, wie wenig selbstverständlich alles ist. Es kann jeden jederzeit treffen. Hat man ja 2021 auch bei der Flutkatastrophe gesehen.