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Eltern streiten sich nur, sind gestresst, großer Bruder lässt mich allein.

Civetta47

Mitglied
Meine Familie macht mich fertig.


Meine Eltern sind sehr anstrengend. Meine Mama möchte nicht mehr mit meinem Papa zusammen sein, ist aber immer noch mit ihm zusammen, obwohl sie schon seit 3 Jahren sagt, dass sie es nicht mehr lang mit ihm aushält. Er ist ein Workaholic und ich muss sagen, dass er manchmal auch narzisstische Eigenschaften zeigt. Zum ersten ist er Professor an einer Hochschule und wurde schon früh verbeamtet. (Dadurch fühle ich mich auch unter Druck gesetzt, gute Leistungen zu erbringen, die seinen ebenbürtig sind.) Außerdem verhält er sich gegenüber seiner Familie (im besonderen meiner Mama und mir) gegenüber ganz anders als Freunden oder gar fremden Personen.
Ein Beispiel dafür:
Meine Eltern haben gemeinsam eine kleine Firma mit ein paar Angestellten. Dabei gibt es natürlich immer wieder Meinungsverschiedenheiten wie denn ein Problem gelöst werden sollte. Wenn nun mein Vater früh mit den Leuten die Lösungsvorschläge diskutiert und irgendetwas passiert, was ihm gar nicht in den Kram passt (z.B. eine Mail, die Erklärungen beinhaltet wurde nicht an ihn gesendet) dann diskutiert er das nicht mit der betroffenen Person, sondern geht zu meiner Mutter und regt sich bei ihr darüber auf. Er wird dann sehr schnell laut und man hat das Gefühl, dass er einen selbst dafür verantwortlich machen will, dass jemand anderes etwas verbockt hat. Er hat dabei so einen gewissen Ton in der Stimme, der bei mir einen Fluchtreflex auslöst, sodass ich sofort überlege, zu wem ich gehen könnte, wer Zeit hätte, damit ich nicht hier sein muss und mich ablenken kann. Leider habe ich das noch nie durchgezogen, dass ich einfach gegangen bin, ich habe mich immer in mich zurückgezogen oder meinen Computer angemacht und meine Kopfhörer aufgesetzt.


(Eine kleine Geschichte am Rande, vielleicht kennt jemand noch dieses Gefühl: Ich war bei Freunden und wir haben Musik gemacht, ich hatte irgendwie meine Noten vergessen oder so und da hat mich ein Freund eher scherzhaft angepöbelt, warum ich das schon wieder vergessen hätte. Er hatte dabei allerdings fast genau den Ton drauf, den mein Papa immer drauf hat, wenn er verärgert/wütend ist. Ich war so fassungslos und geschockt und verletzt, dass ich angefangen habe zu weinen, von einem Moment auf den anderen! Von meinem Papa bin ich das ja schon gewöhnt und habe mir eine Mauer für diesen Ton aufgebaut, dass ich nicht sofort in Tränen ausbreche, aber in diesem Moment hatte ich das überhaupt nicht erwartet und daher diese erschreckende Reaktion.)


Wenn mein Papa dann allerdings mit der betroffenen Person spricht, ist der nett und lieb und erklärt sich in aller Ruhe. Dieses Verhalten macht meiner Mama sehr zu schaffen. Zusätzlich kriecht er seinen Geschäftspartnern regelrecht in den A****.
Auch hierzu ein Beispiel:
Meine Mama hatte eine Op, sie durfte aber noch am selben Tag nach Hause und mein Papa konnte sie aber nicht vom Krankenhaus abholen, weil er arbeiten musste. Also musste ich meinen Urlaub (ich hatte ein paar Freunde besucht) frühzeitig abbrechen und sie aus dem Krankenhaus abholen. Mein großer Bruder konnte sie aus irgendeinem Grund auch nicht holen. Also habe ich sie abgeholt und nach Hause gebracht. Mein Papa kam dann irgendwann Abends nach Hause, später als angekündigt und meinte, er wäre noch mit ein paar Arbeitskollegen weggegangen. Aber es kommt noch dicker: Zwei Tage später erzählt er mit Freude in der Stimme, dass sein Kumpel/Geschäftspartner ihn vormittags angerufen hätte und ihn gefragt hätte, ob sie nicht Mittag essen gehen wollen. Daraufhin hätte er seine Arbeit direkt einem Kollegen überlassen und ist mit seinem Kumpel essen gegangen!! Für seinen Geschäftspartner/Kumpel kann er sich frei nehmen aber wenn seine Frau nach einer Op aus dem Krankenhaus abgeholt werden muss, dann geht das nicht?!
Jedenfalls hat sich mein Vater schon so einige Dinge erlaubt, wo ich mich ernsthaft frage, was er sich dabei denkt.


Allerdings muss ich auch sagen, dass meine Mama auch nicht unschuldig ist. Sie war immer eine sehr liebevolle Mutter und hat es immer geschafft für meinen Bruder und mich da zu sein, obwohl sie eine 40-stunden Woche hatte.
Ihr Problem ist, dass sie sich immer von meinem Papa so ins Abseits schlagen lässt und sich nahezu alles von ihm gefallen lässt. Sie hat ihm mehrfach Briefe geschrieben und ernsthaft mit ihm geredet, was sie stört. Das Problem dabei ist, dass mein Vater die Dinge, die sie stören etwa 2-4Wochen dann ändert, aber danach wieder so wird, wie er vorher war. Aber sie greift nie durch.
Problematisch ist weiterhin, dass mein Vater bei den Gesprächen immer sofort den härtesten Weg vorschlägt und meine Mama es nicht schafft, dabei neutral zu bleiben und auf ihrem Standpunkt zu beharren.
Meine Mama ist eine Person, die sich sehr schnell stressen lässt und dann aus ihrem Stress nicht rauskommt, sie ist eine Perfektionistin aus dem Bilderbuch. Deswegen hat sie auch schon körperliche Probleme bekommen. Sie war auch kurze Zeit bei einer Psychologin, aber mit der kam sie nicht so gut klar.
Ihr fragt Euch jetzt bestimmt, woher ich das so genau weiß. Meine Mama und ich hatten in meiner Abi-Zeit ein sehr inniges Verhältnis und sie hat mir nahezu alles erzählt.
Was mich zum nächsten Problem bringt, dass ich immer zwischen der Tochter-Rolle und der Freundinnen-Rolle gefangen war. Als Tochter wollte ich natürlich, dass meine Eltern zusammen bleiben, aber auch dass es ihnen gut geht. Als Freundin habe ich gesehen, dass es meine Mama kaputt macht und wollte, dass sie sich trennt.
Ein weiterer Punkt ist, dass meine Eltern diese gemeinsame kleine Firma haben, aber niemals Feierabend machen. Beim Abendbrot ging es die ganze Zeit nur um die Firma und um die Mitarbeiter, weitere Projekte und und und…
Das hat mich dann so fertig gemacht, dass ich kurz vor meinen Abi-Prüfungen gesagt habe, dass ich ausziehe und zu meinem besten Freund ziehe. Da sind dann meine Eltern aus allen Wolken gefallen und sie haben sich dann zumindest mit dem Thema „Firma“ am Abend zusammengerissen. Trotzdem bin ich nach meinem Abi erstmal für 9 Monate nach Neuseeland gegangen und habe Work&Travel gemacht. Diese Zeit war ein Segen für mich, ich habe ich so befreit gefühlt, aber dennoch meine Familie vermisst. Nach etwa 2 Monaten war mein Heimweh so groß, dass ich überlegt habe sofort nach Hause zu fliegen. Zum Glück habe ich das nicht gemacht.
Nun bin ich seit 4 Monaten wieder hier und vor 2 Monaten fing es wieder an, dass meine Eltern sehr gestresst waren. Das habe ich auch verstanden, da sie gewisse Probleme mit der Firma hatten. Nur kam dann mein Freund (den ich in Neuseeland kennengelernt habe, ein Deutscher Backpacker) für 3 Wochen zu Besuch und meine Eltern haben sich unmöglich benommen. Es war mir richtig peinlich. An seinem letzten Abend waren wir mit meiner besten Freundin in der Stadt unterwegs und sind dann in die Wohnung um Abendbrot zu essen und noch bisschen zu quatschen. Meine Eltern kamen dann zurück von dem Haus, in dem ich aufgewachsen bin, das etwa 2h mit dem Auto entfernt ist. Und waren mega gestresst. Ich hatte vorher extra die ganze Küche sauber gemacht, unser Geschirr alles weggeräumt und die Töpfe und Pfannen gespült, wobei meine Freundin und mein Freund mich belächelt hatten. Dennoch kommen meine Eltern rein, die Temperatur sinkt bei ihrer bloßen Anwesenheit schon um 5Grad und ich werde vor meinen Freunden angeschnauzt, warum denn der Müll noch nicht runtergebracht ist. Ich habe mich so geschämt an dem Abend, dass ich mich später dann bei meinem Freund ausgeweint habe.

Außerdem habe ich noch einen älteren Bruder (er ist 3 Jahre älter). Und wie ihr vielleicht bemerkt habt, habe ich noch nicht viel von ihm erzählt, denn das ist das nächste, was mich belastet: Er hält sich aus allem raus und ignoriert es einfach. Mein Bruder hat in der Zeit, in der ich in Neuseeland war ein Austauschjahr in Spanien gemacht. Im Juli diesen Jahres habe ich ihn dann dort besucht und wir hatten eine schöne Zeit, sind durch Spanien gereist und haben auch über die Problematik mit unseren Eltern gesprochen. Dabei haben wir festgestellt, dass wir zwar ziemlich genau wissen, wie unsere Mama darüber denkt, aber nicht, was unser Papa denkt. Daher sollte er mit unserem Papa eine einwöchige Wandertour machen, damit er vielleicht mal etwas über Papa’s Sichtweise erfährt. Aus der Wandertour in den Alpen ist dann aber eine Fahrradtour geworden.

Was dabei herausgekommen ist, weiß ich noch nicht. Während diese Tour lief, bin ich regelrecht zu meinem Freund geflüchtet, er wohnt 6h mit dem Auto entfernt, und erst vorgestern wiedergekommen. Im Moment sind meine Eltern im Urlaub.
Ich habe am Montag meinem Bruder geschrieben, dass ich wieder da bin und ob er sich mal meldet, dass wir mal miteinander reden wegen allem, was so demnächst kommt. Er hat sich aber bis Mittwoch Mittag nicht gezuckt und dann habe ich ihn angerufen. Was mich dabei so stört ist, dass es seine Idee war, dass er den Urlaub mit meinem Papa macht, ihm auf den Zahn fühlt und dass wir uns danach treffen und die eventuellen Ergebnisse auszuwerten. Aber es scheint ihn nicht mehr zu interessieren! Das macht mich traurig, weil ich mich von ihm allein gelassen fühle. Als er was Spanien wiedergekommen ist, bin ich extra in die Wohnung in der Stadt gefahren, um ihn zu begrüßen, obwohl dort nicht so viel Platz ist wie in dem Haus, in dem wir aufgewachsen sind. Wir haben aber nur an einem Tag von 5 etwas gemeinsam gemacht. Natürlich verstehe ich, dass er auch seine Freunde wiedersehen möchte, aber ich habe mich von ihm allein gelassen gefühlt, gerade auch, weil der Stress meiner Eltern zu der Zeit auf einem Maximum war.
Ich habe die ganze Geschichte natürlich auch meinem Freund erzählt und er hat mir sehr einprägend aber einfühlsam zu verstehen gegeben, dass ich mit meiner Familie darüber reden muss und ihnen klar machen muss, wie ich mich dabei fühle und dass ich das nicht in Ordnung finde, wie sie mit mir umgehen.
Ich weiß aber nicht so recht, wie ich das angehen soll. Ich treffe mich morgen Nachmittag mit meinem Bruder, er sollte vielleicht noch die leichtere Aufgabe sein und vielleicht erhalte ich dann auch Unterstützung von ihm, wenn ich es meinen Eltern sagen möchte. Doch so ganz glaube ich noch nicht daran, die Hoffnung stirbt nur leider immer zuletzt.
Achja, außerdem ziehe ich in ein paar Wochen in die Nähe meines Freundes um dort zu studieren, also entkomme ich dem Chaos hier sehr bald. Aber darf man Kampf- und vor allem Wortlos das Schlachtfeld verlassen?
Danke an alle, die bis hier hin gelesen haben, ich hoffe es ist nicht verwirrend..
 
Zuletzt bearbeitet:

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marut

Aktives Mitglied
hi,
es wird natürlich immer dazu geraten, probleme anzusprechen und nicht in sich rein zu fressen.
dennoch kann es manchmal aber das beste sein, genau das zu tun. so wie in deinem fall.
wenn du die von dir geschilderten probleme ansprichst, fürchte ich, dass das zum gleichen verhaltensmuster wird, wie das, das deine mutter zeigt. sie spricht ja auch alles ernsthaft an usw. das resultat ist aber nicht lösung, sondern noch mehr stress und streit.
übrigens zeigst du auch ähnliches stressverhalten wie dein vater: mit seinem ärger geht er zu seiner frau und seiner familie, damit er die saxhlichen probleme sachlich lösen kann. auch du gehst mit deinem ärger nicht direkt zum verursacher, sondern zu deinem freund oder deiner besten freundin.
was kannst du also tun?
die probleme deiner eltern miteinander sind nicht deine, deshalb kannst du sie auch nicht lösen. es ist nicht dein kampffeld. wenn du es nun verlässt, kannst du es mit dem berühmten einem lachenden und einem weinenden auge tun. so würde ich, kommt die sprache darauf, es auch kommunizieren. aber keinen grossen letzten abwasch, kein nachtreten.
und ansonsten in deinem neuen umfeld üben, besser und direkter mit negativen emotionen umzugehen als deine eltern. du wirst sehen, dass das alles andere als leicht ist. trdm viel kraft und erfolg.
und dann schau nach vorn
marut
 

Athanasia

Aktives Mitglied
Er ist ein Workaholic und ich muss sagen, dass er manchmal auch narzisstische Eigenschaften zeigt. Zum ersten ist er Professor an einer Hochschule und wurde schon früh verbeamtet. (Dadurch fühle ich mich auch unter Druck gesetzt, gute Leistungen zu erbringen, die seinen ebenbürtig sind.)
Ich sehe da keinen Zusammenhang - nicht jeder Prof einer HS ist automatisch Narzisst. Wenn du dich deswegen unter Druck gesetzt fühlst, ist das dein Problem. Oder setzt er dich unter Druck? Darauf läßt dein Klammerkommentar aber nicht schließen.

Und zur Sache mit der OP deiner Mutter und dem Geschäftsessen - was hat das eine mit dem anderen zu tun? Deine Mutter konnte von dir abgeholt werden, ggf wäre auch ein Taxi gegangen. Eine OP, bei der man am gleichen tag noch nach Hause kann, ist je meist nix dramatisches.
Mittagessen mit einem Geschäftspartner kann zur Akquise neuer Aufträge genutzt werden und bringt demzufolge Geld aufs Konto. Von dem du auch profitierst oder verdienst du deinen Lebensunterhalt selbst?

.... dass ich mit meiner Familie darüber reden muss und ihnen klar machen muss, wie ich mich dabei fühle und dass ich das nicht in Ordnung finde, wie sie mit mir umgehen.
Ich weiß aber nicht so recht, wie ich das angehen soll.
Ich habe ehrlich gesagt nicht gelesen, was genau sie genau dir denn antun. Dich angeschnauzt, daß du den Müll nicht rausgebracht hast? (Daß du die Küche aufgeräumt und auch nach dem Essen mit deinen Freunden abgewaschen hast, sehe ich übrigens als selbstverständlich an - wer hätte das sonst machen sollen, deine Eltern?)
Prinzipiell hab ich in dem ganzen Text nichts gelesen, was dir so schlimmes angetan wurde.

Die Probleme deiner Eltern solltest du da lassen, wo sie hingehören - bei deinen Eltern. Da muß auch dein Bruder nicht zwischenfunken.

Achja, außerdem ziehe ich in ein paar Wochen in die Nähe meines Freundes um dort zu studieren, also entkomme ich dem Chaos hier sehr bald. Aber darf man Kampf- und vor allem Wortlos das Schlachtfeld verlassen?
Warum Wortlos? Verabschiedest du dich nicht und willst in einer Nacht- und Nebelaktion verschwinden? Und Kampflos - welcher Kampf? Nochmal, du mußt nicht den Kampf deiner Eltern kämpfen und ein Schlachtfeld habe ich auch nicht ersehen können.

Eventuell solltest du an deinem Selbstbewußtsein arbeiten.
 

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