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Ekel oder Angst vor Toten?

Manchmal hat man ja auch ganz irrationale Ängste.
Hi Schutzhuette,

ich würde es gar nicht mal als Angst bezeichnen sondern eher als eine unangenehme Betroffenheit?

Mir würde der Besuch dieser Ausstellung jetzt auch nichts ausmachen, weil mein Interesse für die Sache da wäre und ich auch Abstand zu diesen toten Menschen hätte, die einfach nur noch leere Körper sind.

Ich habe aber überlegt, womit ich ein Problem hätte oder habe.
Und das war vor kurzem ein Film, den ich auch schon einmal begeistert gesehen hatte. Über einen Hund der wiedergeboren wird. 😁 Bailey heißt der Film.
Beim zweiten Mal ca 1 Jahr später, musste ich den Film schon recht früh wieder aus machen.
Die Vorstellung dass ich zusehen muss das ein Hund leidet und stirbt und überhaupt das ganze traurige an diesem Film fand ich auf einmal unerträglich.
Ich dachte mir, es gibt so viel schönes und lustiges was man anschauen kann, warum soll ich mir so etwas trauriges, berührendes anschauen. 🤔
Ich hatte einen Hund der gestorben ist und das hatte mich beim ersten Mal als ich den Film sah, nichts ausgemacht. Im Gegenteil. Die Vorstellung mein Hund kommt zurück im Körper eines anderen Hundes, fand ich eigentlich noch tröstlich.

Beim zweiten Mal war nur diese Betroffenheit da, ein mitleiden und halt eben die Frage, warum ich mich, etwas für mich unangenehmen aussetzen soll. Ich will was lustiges und schönes und nichts trauriges.

Bei den ausgestellten toten Menschen würde es mir evtl nicht so gehen. Vielleicht etwas mulmig, aber mein Bild von Menschen derzeit, lässt mich nicht mitleiden, denke ich. Da wäre nur Neugierde und ich könnte das von einer wissenschaftlichen Seite sehen.
Anders bei unschuldigen, treuen Wesen wie Hunden... Da bin ich emotional mit verstrickt.

Also rational ist dieses Unbehagen nicht, es geht evtl eher in Resonanz mit einem schon bestehendem Gefühl?

Wobei man dann letztendlich auch einfach sagen könnte, jeder ist anders veranlagt. Was den einen kalt lässt, geht dem anderen unheimlich nah. Da gibt es auch schon Unterschiede zwischen Mann und Frau.
Zb würde manch Mann kotzen wenn er eine volle Babywindel wechseln muss. Dafür kann er als Schlachter Tiere in Einzelteile zerlege, wobei eine Frau hingegen in Ohnmacht fallen würde. 😁
Also die Unterschiede darf man dann auch anerkennen.
Es kommt glaub auch immer auf die Notwendigkeit an.

Interessant finde ich das meine Tochter auch grad in dieser Ekel Phase ist. Unerklärlichen warum sie etwas eklig findet und anderes was ich eklig finde, nicht.
Ich glaube das hat auch etwas mit dem Erlernen von Abgrenzung und Schutz zu tun.
Ekel und Angst bewahren uns normalerweise vor Dingen, die uns nicht gut tun. Bei Phobien und Zwängen ist dies hingegen übersteigert. 🤔

Vielleicht kannst mit den Gedanken was anfangen. Bisschen kreuz und quer. 🙈
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn es Ekel ist, ist er angelernt.
Nicht JEDER Ekel ist angelernt, denke ich.
Aber den, welchen Du beschreibst, wohl schon, zumindest zum Teil.

Diese Forschungsansicht vertritt u.a. der Psychoneuroimmunologe Prof. Dr. Schubert.
Ekel - das Gefühl von Ekel, gehört zu unserem Immunsystem.
Wir ekeln uns vor Verdorbenem, Vergammeltem, Verwesendem. Vor Schmierigem, Schmierfilmen unklarer Herkunft usw.
Auch, wenn die Leichen präpariert sind, nehme ich an, dass sich bei vielen Menschen, die evolutionsbedingte innere Erfahrungsstimme ihres erlernten Immunsystems meldet.

Andere gehen darüber hinweg und können das ausblenden.

Alles Verwesende, - und im weiteren Sinne dann auch die Leichen, - unterliegt einem leichten Schaudern - weiter und tiefergehend, dann bei einer Anzahl Menschen, einer deutlichen Abwehr.
Unsere immunologische Erinnerung, dass Keime - im Kontakt bei Verwesung und Zersetzung, uns krank machen können.
Dieser tiefliegende "Ekel" ist wohl evolutionär bedingt- und aus gutem Grund, von unserem Immunsystem - angelernt.

Der Ekel vor Nahrung ist sicherlich kulturell bedingt, wenn die Nahrung ansonsten genießbar ist und von der jeweiligen Volksgruppe - verträglich. Ihr Verdauungssystem ist daran im evolutionären Prozess gewöhnt worden.

Andere ekeln sich.
Vielleicht, weil sie im Schritt A - es nicht kennen. Und möglicherweise im Schritt B- nicht vertragen würden.
Oder es vorsichtshalber aus beiden Gründen lieber nicht probieren. 🙂

Soweit meine Überlegungen zum Thema Ekel.
 
Zuletzt bearbeitet:
Also, ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass es dort weder nach Formalin, Tod oder Verwesung riecht. Es riecht irgendwie wie in den meisten Museen. Ich fand die Ausstellung durchaus interessant (das letzte mal war ich im Herbst dort).
Ich glaube, viele Menschen haben eine aversion gegen sowas. Vielleicht, weil es einem die eigene Vergänglichkeit bewusst macht. Es geht ja auch vielen Menschen so mit Friedhöfen und gruften....
Wenn du nicht willst und du Angst hast, dass dir der Besuch nicht gut tut, dann lass es lieber sein.
 
Ich war letztes Jahr auf der Beerdigung eines Russland-Deutschen ( ich hoffe man sagt das so ) , da war die Verabschiedung am offenen Sarg. Hatte ich vorher noch nie gesehen. Aber eigentlich eine schöne Verabschiedung.
 

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