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Einsamkeit an Wochenenden - nahezu keine Freunde

In einer großen Stadt ist zwar die Anzahl der potentiell kennenzulernenden Leute deutlich größer, aber ich glaube man versinkt eben noch viel schneller in die Anonymität.

Naja, nicht unbedingt. Letztlich funktionieren die Stadtviertel einer Großstadt oft auch nicht anderes als Kleinstädte, die eben dicht beieinander liegen. In meinem Stadtviertel geht es eigentlich zu wie in einer Kleinstadt (es gibt einen zentralen Platz mit Geschäften und Gaststätten, und theoretisch könnte man sich hier genauso gut gegenseitig kennenlernen wie auf dem Land - es ist nur irgendwie keiner dazu bereit).
 
Ja dies ist das Leid der Singels, bin auch Singel. Da muss man durch. An den Weekends ist Paarweekend angesagt. Ebenfalls an Anässen, die Leute sind entweder mit Partner da oder bleiben in ihrem Freindeskreis. Das ist die Mentalität in Mitteleuropa. Da kommst du als Aussenstehender kaum hinein. Man kann halt nicht gestandener gewollter Singel unter der Woche sein und sich nur an den Weekends nach gemeinsamen Unternehmungen, Nähe, etc. was eine Partnerschaft bringt sehnen. Ich kenne solche Leute, die unter der Woche ach wie schön ist das Singelleben Einstellung haben und dann an den Weekends das grosse Katzenjammern. Alles kann man nicht haben im Leben. Ja mit zunehmendem Alter sehnen sich fast die meisten nach einer Partnerschaft, denn da wird man wirklich einsam.
 
@masi:
"Wenn du selbst schon von dir behauptest, nähe, zusammensein, nicht zulassen zu können, darfst du dich nicht wundern, wenn du niemanden zum zusammensein findest."
Dass musst du misverstanden haben - ich habe damit kein Problem. Ich bin gerne unter Menschen, brauche nur eben auch zwischendurch Zeit für mich. Was eben nicht ginge wäre, wenn jemand 24/7 um mich herum wäre. Insofern ist das auf Beziehungen bezogen so durchaus richtig, nicht aber - wie oben erwähnt - auf Freundschaften. Ich hatte auch schon sehr enge Freundschaften zu Leuten, die ich fast täglich gesehen habe. Dass ist nicht grundlegend das Problem, wenn es passt und man sich versteht. Meine Einsamkeit ist eben in der Woche geringer als am Wochenende, das hat aber ja nur wenig damit zu tun, dass ich nicht mit anderen Menschen zusammensein oder Nähe nicht zulassen könnte 🙂
 
Später, im Erwachsenenleben hat das nicht mehr funktioniert. Ich nehme immer mal wieder an Kursen teil und habe auch im Chor gesungen, aber die anderen Teilnehmer sind nicht mehr wie früher am Knüpfen sozialer Kontakte interessiert. Kaum ist der Kurs etc. vorbei, sprinten alle nach Hause ("Ich muss los... Bis nächstes Mal...."). Manche brechen sogar schon auf, bevor überhaupt das offizielle Ende erreicht ist. Spätestens eine Minute nach Kursende ist der Veranstaltungsraum leer, und nur noch der Dozent bzw. Kursleiter packt seine Sachen...
Traurig und ich verstehe das sowieso nicht wirklich - würde mich wohl irgendwann langweilen, wenn ich nicht nur jeden Abend, sondern quasi 24/7 mit den gleichen Personen (Familie) verbringen müsste. Das ist diese typische "mein Heim, meine Burg"-Mentalität, was wohl tiefere Ursachen hat als nur die Sehnsucht nach Geborgenheit. Vielleicht ist deshalb hierzulande auch dieser Arbeitsfetisch so verbreitet: Für viele ist das wahrscheinlich willkommene Ablenkung vom Familienalltag und die "Kontakte" auf Arbeit reichen solchen Menschen dann auch aus.

Non_kon_form meinte:
So ein kleiner gemeinsamer Nenner muss dann schon grundsätzlich da sein. Und wenn man einen Freund hat mit dem man eben nur zum Sport geht, einen mit dem man nur gemeinsam ins Kino geht, etc. Ich habe zumindest solche Bekannte, einen Kumpel, den ich 4-5mal im Jahr treffe, nur um gemeinsam ins Kino zu gehen - ohne sonst viel Kontakt zu haben. Vielleicht sind solche "Mono-Freundschaften" ein guter Kompromiss, um sich selbst treu zu bleiben aber diese kritische Seite ganz gut mit dem "Freundeskreis" zu vereinbaren.
Schon einmal gut, so jemanden zu haben. Würde mir das gerade für die Reisetätigkeiten auch wünschen, denn das schmerzt wirklich. Man wird ja auch nicht jünger, außerdem sind meine finanziellen Möglichkeiten aufgrund eines eher prekären Berufsumfeldes schwankend. Freunde und Bekannte - wie erwähnt, die Kontakte sind für meinen Geschmack sowieso eher dürftig - verreisen quasi ständig. Vor allem mit ihren PartnerInnen. Während ich in den vergangenen Jahren in den Urlaubstagen meistens zuhause saß und mir ausmalte, wie schön es doch wäre, jetzt hier und da zu sein. Es sind ja auch diese Kreisläufe: Je länger die Partnerschaften der anderen anhalten, umso mehr gerät man selbst "aus dem Fokus". Auch zieht man sich automatisch zurück, man möchte ja das Glück nicht stören oder so.

Non_kon_form meinte:
Und ehrlich gesagt glaube ich, dass der Unterschied zwischen Land und Stadt zwar groß ist, aber nichts an der Problematik ändert. Auf dem Land sind die Leute oft einfacher gestrickt (entschuldigt die Klischees) und somit möglicherweise auch ein wenig offener, allerdings ist die Anzahl der Leute in meinem Alter (bin wie erwähnt 26) auch geringer, da immer mehr junge Menschen in die Städte ziehen. In einer großen Stadt ist zwar die Anzahl der potentiell kennenzulernenden Leute deutlich größer, aber ich glaube man versinkt eben noch viel schneller in die Anonymität.
Sehe es ähnlich. Kenne Großstadt und Provinz, jetzt ist es wieder Großstadt. Viele, die heute in die Städte ziehen, gehören auch eher privilegierten Kreisen an. Das sind nicht mehr die einfachen "Dienstboten" und "Arbeiter" von damals, die in der Stadt ihr Glück versuchen möchten. Nein, das sind meistens Leute, die etwa zum Studium in die Städte kommen. Die haben heute häufig schon ihre Netzwerke und öfter ist auch mal die halbe Abi-Klasse nach Berlin oder so "ausgewandert". Andere ziehen ihren PartnerInnen in die Städte hinterher, sind aber generell gut vernetzt. Manchmal hatte ich schon den Eindruck, dass es in kleineren Städten einfacher ist mit dem Leute kennenlernen, weil man sich auch häufiger begegnet und es diese ganzen "Netzwerker" dort weniger gibt. Jemand wie ich, der quasi ohne viele Sozialkontakte neu in eine fremde Großstadt zieht, ist heute wahrscheinlich eher die Ausnahme.
 
Traurig und ich verstehe das sowieso nicht wirklich - würde mich wohl irgendwann langweilen, wenn ich nicht nur jeden Abend, sondern quasi 24/7 mit den gleichen Personen (Familie) verbringen müsste. Das ist diese typische "mein Heim, meine Burg"-Mentalität, was wohl tiefere Ursachen hat als nur die Sehnsucht nach Geborgenheit. Vielleicht ist deshalb hierzulande auch dieser Arbeitsfetisch so verbreitet: Für viele ist das wahrscheinlich willkommene Ablenkung vom Familienalltag und die "Kontakte" auf Arbeit reichen solchen Menschen dann auch aus.
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Diese Art Menschen gibt es wohl wirklich zahlreich. Gelegentlich haben mir schon Leute ganz konkret mitgeteilt, dass sie an neuen Freundschaften nicht interessiert wären, weil sie diesbezüglich vollständig und endgültig versorgt wären. Ich selbst könnte mir das wiederum nicht einmal dann vorstellen, wenn ich tatsächlich schon viele Freunde hätte, da ich das Kennenlernen neuer Menschen eigentlich immer als Bereicherung erlebe.
 
In Gegenden, die nicht so „reich“ und dicht besiedelt sind oder wo eine sichere Infrastruktur fehlt (z.B. im Süden oder auch im Norden Europas, in den sog. Entwicklungsländern oder Krisengebieten), ist allein schon deshalb der Zusammenhalt und das Sozialverhalten der Menschen viel größer. Man braucht andere Menschen, um zu überleben – und ist daher auch Kompromissbereiter und auch Bereiter sich anzupassen, an Beziehungen zu arbeiten und sie zu pflegen.
Ich finde, du hast da vollkommen recht. Bei uns hier hat man halt seine vier Wände mit dem ganzen Komort (fließend Wasser, Heizung, Strom, E-Herd, usw) und den Supermarkt für das Essen. Da kann man sich einbunkern oder verrotten und es kümmert niemanden.

In Entwicklungsländern hausen zwar alle in einfachen Hütten, aber diese soziale Einsamkeit, wie sie hier viele trifft, kann dort gar nicht entstehen, weil es diese räumliche Abgrenzung schon gar nicht gibt. Ich gaube, dass es bei den Leuten doch irgendwie einen Impuls gibt, wenn jemand alleine vor sich hinkauert, dass man diesen irgendwie mit einbindet. Weil das zum menschlichen Mitgefühl dazugehört.
 

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