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Gast
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Ich habe den Drang, es zu schreiben - es einfach offen in die Welt zu "schreien", auch wenn niemand weiß, wer ich bin. Die Tatsache, dass ich männlich und 16 Jahre alt bin erachte ich als ausreichend, um sich das gröbste Bild zu verschaffen. Auf den ersten Blick ein Jugendlicher wie alle anderen, ein kleiner Teil in einer großen Masse. Ich will jeden der dies liest an den Einzelheiten teilhaben lassen, denn ich kann nicht länger nur darüber nachdenken, ich will es niederschreiben, ich will mich mitteilen, es einfach nur einmal loswerden. Es ist bekannt, dass man alleine gelassen wird, sollte es einem schlecht gehen. Von Kumpels, oberflächlichen Bekanntschaften, Leuten die man nie richtig leiden konnte. Doch ich habe eine Erfahrung gemacht, die weiter geht. Viel weiter. So weit, dass ich verzweifle. Verzweiflung wird in manchen Religionen als Sünde angesehen, man sollte des Lebens schließlich froh und dankbar sein. Doch ich frage mich, bishin zu welchem Punkt dies noch möglich ist.
Vor ziemlich genau einem Jahr bekam meine Mutter eine eindeutige Diagnose: Krebs - zum dritten mal; doch diesmal ohne Ausweg. Palliative Maßnahmen, sprich Schmerz lindern und Leben verlängern. Eine Diagnose die zu Boden schlägt, grundsätzliche Zweifel am Leben schafft, und eine riesige Leere hinterlässt, die man vergebens zu füllen versucht. Füllen vielleicht mit der Unterstützung meines besten Freundes, den ich 10 Jahre kannte. Der mich alleine ließ, mir sagte, er wolle sich nicht belasten, der sich eine Freundin suchte und das Leben so genießt, wie es ein 16-Jähriger tun sollte. Ohne mich, ohne dem Kerl der negative Einflüsse in sein glückliches Leben bringen könnte. Nach 10 Jahren Freundschaft. Eine Tankwagenfüllung in das Fass, dass vielleicht eines Tages überläuft.
Familie ist das wichtigste im Leben, heißt es. Doch was bringt mir eine Familie, die nicht damit umgehen kann, nicht will, keine Unterstützung bietet? Ich sitze alleine in dem Haus, in dem ich einst mit einer Familie lebte. Scheidung,der Drang auf eigenen Beinen zu stehen und der Tod selbst hat alle Bewohner eigene Wege gehen lassen, nur ich sitze nun noch hier und tippe. Verbunden mit meiner Mutter, die im Hospiz ist, flach atmet, vielleicht schon gestorben ist. Ich habe sie heute mit meinem Bruder besucht, auf Drang der Angestellten, sie sähe sehr schlecht aus und wolle unbedingt noch mit uns reden. Doch auch nach 3 Stunden blieb ihr Zustand gleich. Was also tun, außer nach Hause zu fahren? Tagelang an ihrem Bett bleiben, das Ende abwarten, während sie schläft, nur noch ein Bruchteil ihrer selbst ist, und die Anwesenheit von Krankheit und Tod langsam übergreift?
Nein. Wir sind wieder gefahren, er hat mich abgesetzt, ist weiter zu seiner Freundin, bei der er auch lebt. Eine Freundin. Geborgenheit, ein Stück von Fürsorge, die Gewissheit, geliebt zu werden. Auch ich würde gerne in diesen Genuss kommen. Doch wie gesagt, ich bin 16 Jahre alt. Gleichaltrige blicken verständnislos drein, versuchen irgendwas zu sagen, doch die meisten wenden sich einfach ab. Kann man es ihnen übel nehmen? Nein, wohl kaum. Mit dem Tod in diesem Alter dermaßen konfrontiert zu werden ist alles andere als gewöhnlich.
Es ist dieses verzweifelte Suchen nach Liebe, das ich mir vom weiblichen Geschlecht erhoffe. Und doch, ich weiß - es ist fast unmöglich, jemanden zu finden, der mich versteht und mir helfen kann. Nicht in meiner Altersgruppe. Doch ich will Teil sein davon, auskosten, was mir nur in diesem Lebensabschnitt gegeben ist.
Oft habe ich versucht Kontakt aufzubauen. Erst vor wenigen Tagen war ich auf Klassenfahrt, wir haben viel unternommen - Musical, Planetarium, Essen gehen. Es war eine wunderschöne Abwechslung, und ich wollte sie mit jemandem teilen. Ein wirklich schönes Mädchen aus meiner Klasse. Relativ zurückhaltend - stille Wasser sind tief, vielleicht versteht sie mich. Ihre Nähe gesucht, all diese Alltagsabwechslung in ihrer Anwesenheit genossen - mit der Hoffnung, endlich meine Sorgen aber auch mein Glück mit jemandem zu teilen. Weit gefehlt, natürlich wollte auch jemand anderes etwas von ihr, jemand der in der Blüte dieser Zeit steht, und nicht herausgerissen und daneben wie ich. Ich weiß nicht, ob sie mit ihm bereits zusammen ist, doch Fakt ist, dass mir einmal mehr Hoffnungen (von ihr) gemacht wurden, ich im Endeffekt aber nur wieder gemieden wurde. Ein weiterer Tropfen ins Fass, das noch nicht übergelaufen ist. Ein winzig kleiner, schließlich waren es nur wenige Tage. Und trotzdem - es ist ein kleiner tiefer Stich, der mich daran zweifeln lässt ob ich jemals wieder Anschluss finde, auch wenn die Sache mit meiner Mutter überstanden ist. Ich hätte viel zu geben, ich denke ich bin erfahren. Ich denke, ich könnte Menschen glücklich machen. Doch das wird nicht bemerkt. Ich erscheine auf den ersten Blick wohl "komisch". Und auch wenn auf die Meinungen von "Unerfahrenen" natürlich nicht allzuviel Wert zu legen ist, tut es trotzdem weh.
Ich kann mich ablenken, mit Kumpels. Mit Videospielen. Filmen. Ich schreibe ein Buch, zur Zeit komme ich etwas zäh weiter.
Doch im tiefsten Inneren fühle ich mich verlassen. Und habe Angst. Angst, dass sich meine Träume niemals erfüllen und ich auch nie mehr wieder glücklich sein werde.
Es ist ein langer Text geworden, und vllt. manchmal etwas schwer lesbar. Doch so wie ich es fühle, habe ich es in Worte gefasst. Es gibt viele Träume und Szenarien die mir durch den Kopf gehen, die ich auch teilen will, doch die hier fehl am Platze sind. Ich hoffe auf den ein oder anderen, der dies liest - und vielleicht ein paar Worte für mich hat. Dafür wäre ich sehr dankbar.
Liebe Grüße.
Vor ziemlich genau einem Jahr bekam meine Mutter eine eindeutige Diagnose: Krebs - zum dritten mal; doch diesmal ohne Ausweg. Palliative Maßnahmen, sprich Schmerz lindern und Leben verlängern. Eine Diagnose die zu Boden schlägt, grundsätzliche Zweifel am Leben schafft, und eine riesige Leere hinterlässt, die man vergebens zu füllen versucht. Füllen vielleicht mit der Unterstützung meines besten Freundes, den ich 10 Jahre kannte. Der mich alleine ließ, mir sagte, er wolle sich nicht belasten, der sich eine Freundin suchte und das Leben so genießt, wie es ein 16-Jähriger tun sollte. Ohne mich, ohne dem Kerl der negative Einflüsse in sein glückliches Leben bringen könnte. Nach 10 Jahren Freundschaft. Eine Tankwagenfüllung in das Fass, dass vielleicht eines Tages überläuft.
Familie ist das wichtigste im Leben, heißt es. Doch was bringt mir eine Familie, die nicht damit umgehen kann, nicht will, keine Unterstützung bietet? Ich sitze alleine in dem Haus, in dem ich einst mit einer Familie lebte. Scheidung,der Drang auf eigenen Beinen zu stehen und der Tod selbst hat alle Bewohner eigene Wege gehen lassen, nur ich sitze nun noch hier und tippe. Verbunden mit meiner Mutter, die im Hospiz ist, flach atmet, vielleicht schon gestorben ist. Ich habe sie heute mit meinem Bruder besucht, auf Drang der Angestellten, sie sähe sehr schlecht aus und wolle unbedingt noch mit uns reden. Doch auch nach 3 Stunden blieb ihr Zustand gleich. Was also tun, außer nach Hause zu fahren? Tagelang an ihrem Bett bleiben, das Ende abwarten, während sie schläft, nur noch ein Bruchteil ihrer selbst ist, und die Anwesenheit von Krankheit und Tod langsam übergreift?
Nein. Wir sind wieder gefahren, er hat mich abgesetzt, ist weiter zu seiner Freundin, bei der er auch lebt. Eine Freundin. Geborgenheit, ein Stück von Fürsorge, die Gewissheit, geliebt zu werden. Auch ich würde gerne in diesen Genuss kommen. Doch wie gesagt, ich bin 16 Jahre alt. Gleichaltrige blicken verständnislos drein, versuchen irgendwas zu sagen, doch die meisten wenden sich einfach ab. Kann man es ihnen übel nehmen? Nein, wohl kaum. Mit dem Tod in diesem Alter dermaßen konfrontiert zu werden ist alles andere als gewöhnlich.
Es ist dieses verzweifelte Suchen nach Liebe, das ich mir vom weiblichen Geschlecht erhoffe. Und doch, ich weiß - es ist fast unmöglich, jemanden zu finden, der mich versteht und mir helfen kann. Nicht in meiner Altersgruppe. Doch ich will Teil sein davon, auskosten, was mir nur in diesem Lebensabschnitt gegeben ist.
Oft habe ich versucht Kontakt aufzubauen. Erst vor wenigen Tagen war ich auf Klassenfahrt, wir haben viel unternommen - Musical, Planetarium, Essen gehen. Es war eine wunderschöne Abwechslung, und ich wollte sie mit jemandem teilen. Ein wirklich schönes Mädchen aus meiner Klasse. Relativ zurückhaltend - stille Wasser sind tief, vielleicht versteht sie mich. Ihre Nähe gesucht, all diese Alltagsabwechslung in ihrer Anwesenheit genossen - mit der Hoffnung, endlich meine Sorgen aber auch mein Glück mit jemandem zu teilen. Weit gefehlt, natürlich wollte auch jemand anderes etwas von ihr, jemand der in der Blüte dieser Zeit steht, und nicht herausgerissen und daneben wie ich. Ich weiß nicht, ob sie mit ihm bereits zusammen ist, doch Fakt ist, dass mir einmal mehr Hoffnungen (von ihr) gemacht wurden, ich im Endeffekt aber nur wieder gemieden wurde. Ein weiterer Tropfen ins Fass, das noch nicht übergelaufen ist. Ein winzig kleiner, schließlich waren es nur wenige Tage. Und trotzdem - es ist ein kleiner tiefer Stich, der mich daran zweifeln lässt ob ich jemals wieder Anschluss finde, auch wenn die Sache mit meiner Mutter überstanden ist. Ich hätte viel zu geben, ich denke ich bin erfahren. Ich denke, ich könnte Menschen glücklich machen. Doch das wird nicht bemerkt. Ich erscheine auf den ersten Blick wohl "komisch". Und auch wenn auf die Meinungen von "Unerfahrenen" natürlich nicht allzuviel Wert zu legen ist, tut es trotzdem weh.
Ich kann mich ablenken, mit Kumpels. Mit Videospielen. Filmen. Ich schreibe ein Buch, zur Zeit komme ich etwas zäh weiter.
Doch im tiefsten Inneren fühle ich mich verlassen. Und habe Angst. Angst, dass sich meine Träume niemals erfüllen und ich auch nie mehr wieder glücklich sein werde.
Es ist ein langer Text geworden, und vllt. manchmal etwas schwer lesbar. Doch so wie ich es fühle, habe ich es in Worte gefasst. Es gibt viele Träume und Szenarien die mir durch den Kopf gehen, die ich auch teilen will, doch die hier fehl am Platze sind. Ich hoffe auf den ein oder anderen, der dies liest - und vielleicht ein paar Worte für mich hat. Dafür wäre ich sehr dankbar.
Liebe Grüße.