Anzeige(1)

  • Liebe Forenteilnehmer,

    Im Sinne einer respektvollen Forenkultur, werden die Moderatoren künftig noch stärker darauf achten, dass ein freundlicher Umgangston untereinander eingehalten wird. Unpassende Off-Topic Beiträge, Verunglimpfungen oder subtile bzw. direkte Provokationen und Unterstellungen oder abwertende Aussagen gegenüber Nutzern haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert.

Eine Geschichte

G

Gast

Gast
Hallo Leute,

bin zufällig auf diese Seite gestoßen und will hier endlich etwas tun was ich schon längst tun wollte: meine Geschichte erzählen damit ich hoffentlich abschließen kann.

Es ist viel was ich zu erzählen habe, aber ich hoffe dass sich einer die Zeit nimmt mich anzuhören.

Angefangen hat alles vor ziemlich genau 5 Jahren. Ich war 13 und endlich gestand meine Mutter uns (der Familie) dass sie spielsüchtig ist. Meine Familie weiß bis heute nicht so richtig damit umzugehen. Mir war es allerdings die erste Zeit egal. Ich war sogar froh. Uns hat es die erste Zeit an nichts gefehlt. Mama war ständig weg, ich konnte machen was ich wollte. Ein Traum für eine 13-jährige. Meine kleine Schwester (damals 8) hab ich einfach ins Wohnzimmer oder in einen anderen Raum geschickt. Und so ging das bis zum Sommer.
Am 30.6.12 bekamen wir einen Anruf dass meine Uroma aus Weißrussland kurz vorm sterben liegt. Natürlich hat jeder direkt die Sachen gepackt und mein Vater, meine Schwester und ich machten uns auf den Weg. Wir kamen leider einen Tag zu spät. Naja, untergekommen sind wir bei meiner Oma väterlicherseits. Und da dauerte es auch nicht lange bis mein Vater anfing sich mit Leuten zu treffen und zu saufen. Eines Tages wachte ich auf und er war mal wieder nicht da. Ich fragte meine Oma wo er ist. Die sagte er sei bei Freunden. Das habe ich ihr auch so abgekauft bis die Polizei kam. Die haben mich verhört, wollten mir aber nicht erzählt was passiert war. Dann habe ich es aber von meiner Oma erfahren. Mein Vater hat seinen besten Freund beinahe getötet mit 7 Stichen mit einem Messer in den Brustkorb.
Wir mussten natürlich schauen dass mein Vater jetzt aus Weißrussland fliehen könnte und dazu brauchte er seinen Pass. Nach langem hin und her musste ich mich opfern. Ich verstaute das Ding in meinem Bh und sollte es zu einem Treffpunkt bringen. Mein Cousin sollte mitkommen. Der Polizei die den ganzen Tag scheinbar unser Haus bewachen sollte haben wir gesagt dass wir einkaufen gehen. Daraufhin gaben sie uns Geld damit wir Ihnen Cola und Chips mitbringen. Das hat die Sache verkompliziert. Trotzdessen gingen wir los. Auf halber Strecke bemerkten wir dass uns 2 Männer folgten. Natürlich liefen wir los. In der Stadt traf mein Cousin auf Kollegen von ihm und bat sie die 2 Männer aufzuhalten. Ich weiß bis heute nicht was sie gemacht haben aber wir haben sie abgehängt, sind ins Geschäft, dann zum Treffpunkt und haben die Papiere übergeben.
Nach ein paar Tagen kam meine Familie nach und hat angefangen die Beerdigung meiner Uroma zu organisieren. Mein Vater ist in der Zeit in Russland bei Familie untergetaucht.
Als nach und nach die Familie von überall her zur Beerdigung kam wurde klarer dass meine Uroma nicht eines natürlichen Todes gestorben ist. Ihr Sohn (ein Alkoholiker) hat sie jedes mal wenn er betrunken war zusammengeschlagen. Er hat die Nachbarin, die sich um sie gekümmert hat, nicht mehr reingelassen. Und er hat meine Uroma sogar im Beisein ihrer Schwester angegriffen.
Ich kann ihm das immernoch nicht verzeihen. Jedoch hat es scheinbar der Rest der Familie schon längst getan und halten immernoch guten Kontakt zu ihm.
Nun denn, Ende des Sommers waren wir dann alle wieder in Deutschland. Auch mein Vater, der über die Ukraine zurück kam.

Zu der Zeit hat eine gute Freundin von mir zum ersten mal gesagt:,, Schlimmer kanns nicht werden".
Es konnte.
Mit den Jahren wurde die Spielsucht meiner Mutter immer schlimmer. Sie war nie zu Hause, wir hatten weder essen, noch vernünftige Kleidung. Aber das war das kleinste Übel. Ich musste meine kleine Schwester von der schule abholen (1Std Fußweg in eine Richtung ), ich musste kochen aus den Resten die da waren. Und wenn mal nicht ging ich zu meinem Vater und holte mir von ihm ein paar Suppen aus der Tüte. Ich musste das Haus aufräumen, mich um die Schwester kümmern. Mit den Jahren wurde für mich alles sehr schwer vor allem weil ich noch für die schule lernen müsste. Meine Schwester wollte nicht auf mich hören. Sie wuchs,wenn man es so nehmen will, vollkommen alleine auf. Sie hat sich selbst erzogen. Meine Mutter war, wenn sie mal da war, nur zum schlafen da oder Unordnung machen wie es Mir vorkam. Und meine Schwester wusste dass sie nur zu heulen anfangen soll dass meine Mutter mich dann anmeckert und sie nichts mehr machen muss.
Natürlich gab es bei meiner Mutter auch Tage an denen sie "normal" war, oder es versuchte. Aber mit den Jahren kaufte weder ich, noch meine Schwester es ab. Wir haben nicht mehr auf sie gehört.
Als ich dann mein Fachabi anfing wurde zu Hause sein zur Hölle. Ich war 17 und mir war die Hausarbeit leid, mir war meine Schwester leid, mir war meine Mutter leid. Meine Schwester sah mich als den Teufel an, meine Mutter ebenfalls. Im Praktikum fing ich an Geld zu verdienen was meine Mutter dann natürlich vom Staat weniger bekam.
Sie verfluchte mich deswegen. Und dann begann sie um Geld zu betteln. Und ich glaube das war das schlimmste was ich erlebt habe, das und eine andere Sache die ich gleich erläutere. Sie stellte sich vor mir auf die Knie, küsste meine Füße und bettelte nach Geld. Ab diesem Augenblick sah ich sie weder als Mutter noch als Mensch. Ich hatte mich mit vielem abgefunden was sie veranstaltet hat. Als sie zb einfach in das Zimmer von mir und meiner Schwester kam, sich auf den Boden legte und anfing richtig laut und gespielt zu heulen. Und viele andere Momente.
Das zweitschlimmste waren aber ihre Phasen wenn sie zu hause war. Sie fing auf einmal an lauthals zu lachen. Meine Schwester und ich haben bis heute vor diesem lachen Angst. Und auf einmal heult sie dann los. Und das schlimmste daran waren ihre Augen. Ich habe noch nie solche verrückten Augen gesehen. Sie gehen mir nicht aus dem Kopf diese Bilder wie sich auf mich zu kommt mit diesen Augen.
Irgendwann hat sie natürlich auch angefangen mich zu beklauen. Bis 50€ hat sie es nie zugegeben. Ab 50 kam sie heim, stellte sich vor mich auf die Knie und bettelte um Verzeihung. Das ist so ein dreckiges Gefühl. Wenn ich mich dran erinner würde ich mich am liebsten in Stücke schneiden.
Immer wenn sie dass komplette Geld verzockt hat ging sie zu meinem Vater und bettelte ihn um Geld an, oder meine Oma, oder sonst jemand. Und wenn ich mich mal weigerte ihr Geld zu geben nahm sie das Messer und drohte sich umzubringen, manchmal hat sie auch versucht Pillen zu schlucken bis ich ihr dann das Geld geben musste. Entschuldigt hat sie sich dann immer in SMS. Und so ging das weiter und weiter. Wir waren alle verzweifelt.

Meinem Vater hingegen ging es die letzten Jahre sehr gut. Zwischen Nutten, Koks, Geld und Partys. Natürlich wussten wir davon zuerst nichts. Meine Schwester ist immer gerne zu ihm gegenagen weil er wlan hatte und immer was zu essen. Im Nachhinein bereue ich es sehr dass ich sie dahin gelassen habe. Aber zu der Zeit war es mir egal. Er hat meine Fahrschule bezahlt, und meine Schwester war weg. Zu mir hat er gesagt dass er Salz inhaliert. Ich blöde Kuh hab ihm das abgekauft weil er davor eine nasen-op hatte. Nun denn, die Jahre vergingen und mir war egal was mein Vater macht. Er hat Geld verdient, das war das wichtigste.
Bis vor fast einem Jahr. Am 18.3.16 bekam ich einen Brief von einem Anwalt. Mein Vater wurde am 17.3 vom SEK hochgenommen. Natürlich hab ich sofort gegoogelt und es stimmte. Blaulichtreport Saarland. 2 männer. 2 kg Heroin und Kokain. Und ich wusste jetzt musste ich nicht nur die S**** meiner Mutter sondern auch noch die meines Vaters ausbaden.
Ich musste die Wohnung meines Vaters übernehmen. Doch das traf sich gut. Denn Mama hat mal wieder 3 mieten offen gehabt und musste unsere Wohnung räumen.
Aber ich war froh, ich sah meine Mutter nicht mehr. Dafür hatte ich andere Probleme. Es kamen Leute. Ärzte, irgendwelche in Anzügen und sogar die Lehrerin vom Gymnasium meiner Schwester. Meine Weltanschauung war vollkommen zerstört.

Dann musste ich anfangen die Wohnung sauber zu machen. Gott sei dank half mir dabei meine Freundin die ich oben erwähnt habe und die mir im Laufe der Jahre immer wieder das selbe gesagt hat und überrascht war wie alles schlimmer würde. Eines Abends wollten wir unbedingt pelmeni (russischesch Gericht)machen aber mein Vater hatte kein Mehl. Also haben wir einen Freund gebeten uns Mehl zu bringen. Wir haben alte Musik angemacht und gewartet. Als es an der Tür klingelte habe ich einfach ohne zu schauen aufgemacht (was ich nie wieder machen werde). Es kam ein Mann reingestürmt, legte seinen baseballschläger aufs Sofa und fragte "wer bist du?" ich habe mich fast eingeschissen aber mir nichts anmerken lassen und zurück gefragt "wer bist du?" es stellte sich raus dass er ein freund meines Vaters ist.
Er bat meine Freunde kurz raus. Ich hatte eine Riesen Angst aber hab Ihnen trotzdem gesagt dass das ok ist. Wenn ich so darüber nachdenke hatte ich wirklich Eier.
Danach kam ein zweiter Mann rein. Ich weiß gar nicht mehr worüber wir geredet haben aber dann haben wir meine Freunde rein gerufen. Die armen waren kurz davor die Polizei zu rufen.
Die Zeit verging, meine Freundin und ich haben die Wohnung sauber gekriegt und die tapeten abgemacht weil es nach Zigaretten gestunken hat. Und dann kam Kerstin... Ich glaube ich habe noch nie einen Menschen erlebt der behinderter als Kerstin ist. Nichtmal meine Mutter. Mein Vater hat sich damals ein wohnmobil gekauft und es auf sie angemeldet. Sie wollte Geld von mir hatte aber weder Papiere mit Rechnungen sonst noch was. Sie hat mir Steine ans Fenster geworfen, war vollkommen aufgedreht und einfach nicht mejr klar bei verstand. Sie hatte sichtlich lange nicht mehr konsumiert. Wahrscheinlich seit mein Vater weg war weil die bei ihm so viel holen konnten wie sie wollten auf Partys. Überhaupt habe ich viel erfahren über Drogen allgemein und meinen vater. Die Aussage "es gibt keinen größeren als ihm" macht mir immernoch zu schaffen.
Meine Schwester ist mit meiner Mutter nach Frankreich gezogen. Da wohnte der freund meiner Mutter. Natürlich konnte meine Schwester von dort aus nicht zur Schule also brachte meine Mutter sie um 6 zu mir wo sie noch eine Stunde schlief und von mir aus zur schule ging.
Zu der Zeit habe ich meinen Freund kennengelernt. Ich habe ihm direkt als wir uns kennengelernt haben alles erzählt und er war kein bisschen abgeschreckt obwohl er mich bis heute nicht versteht. Nach einem Monat bin ich zu ihm gezogen. Seit dem sind 7 Monate vergangen. Meine Mutter war in der entzugsklinik, aber ob das was gebracht hat sei mal so dahin gestellt. Mein Vater wurde verurteilt zu 6 jahren, jedoch sitzt er nur ein Jahr, dann 2 jahre Klinik und Dann auf Bewährung. Aus der Klinik kann er im Herbst schon fürs Wochenende raus. Meine Schwester wohnt bei oma und momentan bereite ich alles für Samstag vor weil sich da bei uns die Familie meines Freundes und meine treffen.
Das einzige was mich quält ist meine Vergangenheit und ihre Folgen. Ich möchte alles vergessen. Ich habe schlimme panikattacken. Mein Freund will mich zum arzt schleppen aber das will ich nicht. Ja, ich habe düstere Gedanken. Aber es wird besser.
Wenn mir das einer mit meinem Vater nicht glaubt schaut nach im blaulichtreport Saarland vom 17.3 und Bild Saarland von Ende Dezember.
Falls sich das wirklich einer durchgelesen hat vielen vielen Dank! Ein Feedback jeglicher Art würde mich freuen.
 
A

Anzeige

Re: Eine Geschichte
Hallo Gast,

schau mal hier:
Eine Geschichte. Hier findest du vielleicht was du suchst.
Du hast eine sehr schwere Bürde zu tragen.

Ich habe auch Erfahrungen mit einem solchen Ausnahmeleben in meiner Familie gemacht, das sich von vielen anderen unterscheidet. Es hat mich geprägt. So wie Dich auch. Aber die besondere Lebensgeschichte hat auch das, was ich heute bin, erst ermöglicht. All das Schwere, Ungewöhnliche, kaum Aushaltbare hat den wunderbaren Menschen mitgeprägt, der ich bin.

Es hat lange, sehr lange gedauert, bis ich das sehen durfte. Ich bin fast 50 Jahre alt. Habe Dir also viel Lebenserfahrung voraus. Es war so lange Zeit unendlich schwer. Ich bin auch den Weg gegangen, den Du Dir jetzt vorstellst, den Weg des Vergessenwollens, es hinter Dich lassens. Für mich war es nicht der richtige Weg. Ich habe das aber erst sehr spät erkannt. Mit Mitte 40 habe ich aufgrund meiner Panikattacken eine Therapie begonnen. Und in dem Rahmen mit Hilfe des Therapeuten Mosaikstein für Mosaikstein die alten Geschichten aufarbeiten, mit sicherem Abstand betrachten, einordnen dürfen. Ich wollte, ich wäre diesen Schritt schon viel früher gegangen. Wer als Kind in so ungewöhnlichen, gefährlichen, verunsichernden, überfordernden Verhältnissen auf sich allein gestellt groß geworden ist, der braucht jemanden, mit dem er das aufarbeiten kann. Jemanden, der rückhaltlos auf und an seiner Seite ist. Um den Weg in die Freiheit und in Frieden und Sicherheit zu finden.

Vielleicht überlegst Du doch, ob das auch für Dich ein heilsamer Weg sein kann.

Ich wünsche Dir immer hilfreiche und kraftvolle Menschen an Deiner Seite.
Ich wünsche Dir, daß Du Dir und Deiner Kraft vertraust. Und Dich für die helle Seite einsetzt. Für das Licht. Nur wer die dunkle Seite kennt, kann sich bewußt für das Licht entscheiden.
 
Liebe Gast-Schreiberin,

was Du bereits erlebt hast, ist ja unglaublich schlimm. Du brauchst einen klaren Kurs für Dich, damit Dein Leben besser verläuft als das Deiner Eltern. Ich wünsche Dir Menschen, die Dich wirklich lieben (und nicht nur sagen) und die Dir echt gute Begleiter in Deinem Leben sind.

Und wenn Du Fragen hast, dann frag uns gerne Löcher in den Bauch. Wir helfen gerne!

Alles Gute, Nordrheiner
 
Zuletzt bearbeitet:

Anzeige (6)

Ähnliche Themen

Thema gelesen (Total: 2) Details

Anzeige (6)

Anzeige(8)

Regeln Hilfe Benutzer

Du bist keinem Raum beigetreten.

      Du bist keinem Raum beigetreten.

      Anzeige (2)

      Oben