Hallöle,
Kein Mensch muss wissen, was eine Novelle ist oder wer Max Frisch ist.
Auch wenn du mich gleich vielleicht auch als Verfechter unseres Schulsystems bezeichnen wirst - DOCH, das muss man wissen. Meiner Meinung nach gehört so etwas zur Allgemeinbildung, ich denke auch, dass jeder in der Schule ein bisschen Goethe und Schiller etc. lesen sollte. Das gehört zu der deutschen Kultur dazu. Und auch wenn einige Bücher/Novellen schwer zu lesen und verstehen sowie - sorry - totlangweilig sind, gehört das einfach dazu.
Deutsch würde ich zum Beispiel liebend gerne abwählen - was interessieren mich Effi Briest oder Don Carlos. Aber das gehört dazu. Mit den Jahren lernt man, sich mit Texten auseinander zu setzen,
richtig zu lesen (z.B. nicht jedes Fremdword nachschauen, auch auf Zeit, und auch, sich in Wort und Schrift adäquat ausdrücken zu können. Jeder wird einmal in die Situation eines Bewerbungsgesprächs oder Brief-/Mailverkehr mit den Vorgesetzten kommen, schaden kann so etwas nicht. Und bei den meisten Berufen muss man sich zumindest Anweisungen schnell durchlesen zu können, auch wenn kein Duden in Reichweite ist
Und man braucht nicht jedes Abifach für die Uni. Das behauptet - jedenfalls bei uns - auch keiner. Deutsch brauchst du quasi überall, Mathe auch (wenn es nicht gerade um eine Sprache geht; aber sogar der Kunst-LK beinhaltet etwas höhere Mathematik). Über Englisch beginne ich gar nicht erst - seit Bachelor und Master laufen ja sogar Teile des Studiums nur auf Englisch, und DIE Weltsprache sollte man dann doch beherrschen.
Das mit den Medien, wir hätten zu
wenig Akademiker, wage ich übrigens seeeehr stark zu bezweifeln. Seit dem Zentralabitur schafft eigentlich jeder das Abi, der einen Text zusammenfassen kann und etwas Hintergrundwissen mitbringt. Und immer mehr Leute machen Abi, auch wenn sie eigentlich eine Lehre anstreben. Nur um alle Möglichkeiten offen zu lassen. Deshalb werden immer mehr Ausbildungsstellen mit Abiturienten besetzt...
Da läuft doch auch etwas falsch, oder?
Die Schüler sind nicht schuld. Was die Lehrer immer vergessen, dass wir in der Pubertät sind. Wir gehen nunmal lieber Fußball spielen oder Mädels aufreisen, als zu Hause zu sitzen bei 40° und zu lernen. Und wenns dann auch noch streng aufgebaut ist und null auf unsere Interessen eingeht, dann erweist sich die Arbeitswelt für viele von uns sogar viel vorteilhafter, zumindest im pubertären Alter.
Falsch. Nicht nur die Schüler sind Schuld, aber ebenfalls nicht nur die Lehrer.
Pubertät - schön und gut. Tolle Ausrede. Und wenn es gerade nicht die Pubertät ist, bin ich gerade zu verliebt, habe gerade Streit mit meinen Eltern, habe mich von meinem Freund getrennt, habe meine Tage - es gibt immer Ausreden, warum man denn gerade jetzt nicht sich gut konzentrieren kann und warum gerade jetzt die Schule blöd läuft.
Klar, Schule macht nicht so viel Spaß wie Fußballspielen etc. Aber es gehört auch dazu... Die 40° bezweifele ich übrigens
😉 auch wenn es mir im Moment genauso vorkommt.
Das "geliebte" Zauberwort heißt Disziplin. Ich bin schließlich auch da durch, und das ist noch nicht so lange her
😛 Vor Allem in der Pubertät - auch wenn man es gerade dann am wenigsten haben will - braucht man Unterstützung, auch seitens der Eltern die einen auch nach den Hausaufgaben fragen. Ja, ich weiß, wie sehr das nervt. Aber wenn man sich einen Plan macht und meinetwegen nur die nötigsten Hausaufgaben an ein paar Tagen macht, kann man dann rausgehen, und man hat halt einen Tag in der Woche, an dem man ausschließlich lernt und Hausaufgaben nachholt. Solche Tage machen zwar keinen Spaß, aber müssen leider sein.
Und was das Lernen vor den Klassenarbeiten angeht - man bekommt die Termine eigentlich schon relativ rechtzeitig, oder? Mindestens 2 Wochen vorher, teilweise auch 1 Monat, stimmts? Dann kannst du/kann man ja versuchen, jeden Tag 15min zu lernen, und die Tage vorher dann mehr. Dann verteilt sich das alles ein bisschen.
Die Arbeitswelt hätte ich aber nie bevorzugt während der Pubertät. Denn dort hast du keinen Lehrer, der die Leistung von dir im Notfall einfordert, sondern du bist auf dich alleine gestellt. Wenn du nichts machst, fliegst du. Und so toll ein Beruf auch am Anfang aussehen mag, es gibt immer unangenehme Seiten, die absolut uninteressant sind, aber dazugehören (Papierkram etc.
🙄)
Apropos Legasthenie/Dyskalkulie... genau wie ADS/ADHS und Hochbegabung wird das alles meiner Meinung nach ein bisschen hochgepusht. Zu den Schulzeiten meiner Eltern hat sich sicherlich noch keiner dafür interessiert, warum das Kind schlecht in der Schule ist.
Bei vielen ADHS-Kindern hilft es doch schon, sie einmal um den Schulhof rennen zu lassen, dann ist erst einmal für kurze Zeit Ruhe
😛 Klar gibt es Kinder, die wirklich schlimm ADS/ADHS haben und medikamentös behandelt werden müssen, aber mit Verlaub, es ist für Eltern sicherlich einfacher zu sagen, dass das Kind krank ist und nichts dafür kann, als es auszulasten und zu erziehen. Sorry wenn ich damit jemanden vor den Kopf trete - ich will keinesfalls die Eltern oder Kinder verallgemeinern. Ich denke nur, dass es sich einige definitiv zu einfach machen, indem sie sich auf einer Diagnose ausruhen.
In leichten Fällen finde ich auch weder Legasthenie noch Dyskalkulie problematisch. In der Schule lässt sich dies leicht ausgleichen, indem die Kinder mehr Zeit kriegen für die gleiche Arbeit und indem die Note hochgesetzt wird. Aber den Unterrichtsstoff müssen sie trotzdem mitmachen.
Bei wirklich schwerer Ausprägung würde ich jedoch dark mind Recht geben. Und es muss ja nicht direkt eine Sonderschule sein - vielleicht eine Waldorfschule, da geht wohl alles liberaler ab.
Schule hat nichts, aber auch gar nichts mit Intelligenz zu tun. Das ist nichts als pures Auswendiglernen und vielleicht ein bisschen *rschkriechen.
🙂 "Selbst Einstein hatte nur ne 4 in Mathe und war später doch total genial" - Schloss Einstein war das, oder?
Aber ein bisschen Verständnis gehört doch auch dazu. Denn man muss das Auswendiggelernte anwenden können
😉
Und immer nett Hallo sagen^^ Bewusstes *rschkriechen à la Tasche tragen etc. find ich persönlich ja voll daneben (evtl. bei Hochschwangeren und Leuten mit Rückenproblemen noch tolerierbar). Ich denke auch nicht, dass die meisten Lehrer bewusst Lieblinge haben und Schüler bevorzugen, aber Lehrer sind auch nur Menschen, und mir sind ehrlich gesagt auch nicht alle Menschen sympathisch. Da kann sich auch kein Lehrer von freisprechen. Er sollte nur versuchen, über Sympathien hinwegzuschauen. Aber wer wählt denn in Sport bei Mannschaftssportarten nicht lieber seinen besten Freund als einen besseren Sportler, den er nicht ausstehen kann^^
Wer das nicht mal auf die Reihe kriegt...
Ich würde auch sagen, dass das Niveau immer weiter abfällt... Wenn ich mir mal die Texte meiner Abiprüfungen anschaue... ich hab den französischen Text im Internet gefunden und einer Sechstklässlerin (!!!), die zweisprachig aufgewachsen ist, gegeben. Sie hätte die Klausur ohne Vorwissen lösen können. Und im Abi die Aufgabe "Schreibe einen Monolog" - ich kam mir veralbert vor
😀
Klar muss sich an unserem Schulsystem etwas ändern. Zum Beispiel das Abi in 12 Jahren müsste meiner Meinung nach weg, und man kann Kinder ruhig ein bisschen länger Kinder sein lassen. Englisch ab der 1. Klasse - ist das unbedingt nötig?! Oder brauchen wir ernsthaft eine verpflichtende Ganztagsschule? Meiner Meinung nach nicht.
Es muss sich viel ändern. Auch von der Mentalität der Eltern, der Lehrer, der Schüler. Alle müssen sich ändern, und die Politik sollte meiner Meinung nach für die Schulpolitik ein Komitee einrichten, bestehend aus sowohl erfahrenen als auch jungen Lehrern und aus Eltern. Die Schüler würde ich bewusst ausklammern, da wir noch nicht den Überblick der Erwachsenen haben (höchstwahrscheinlich jedenfalls). Die meisten Lehrer bei uns wehren sich übrigens mit Händen und Füßen gegen G8, aber was will man machen. Schwarze Schafe gibt es bekanntlich überall.
Die Idee mit den Berufswünschen und Talenten etc., wie the truth es beschreibt, finde ich auch gut. Nur halt nicht ab der 5. Klasse, sondern eher später. Wenn die Kinder langsam zu Jugendlichen werden und vernünftige Berufswünsche entwickeln, die sich nicht alle paar Monate ändern
😉
Ob und wann sich was ändert, müssen wir halt abwarten… Aber bitte kein amerikanisches Schulsystem, das mag ich gar nicht
😛 Ich will keine Steuergelder für Fotographie-Unterricht in staatlichen Schulen ausgeben
😛
Sorry für den Roman
😀
Lieben Gruß,
Julie