hallo ihr,
Gel06, du möchtest wissen, warum ich heute noch probleme damit habe ?
gut, dann muss ich aber etwas ausholen, denn es kommen noch ein paar faktoren dazu.
das höchste, wozu der mensch im leben gelangen kann, sind eigene gedanken und eine eigene meinung - war das motto meines vaters - und meins ist es auch. ich habe kein sogenanntes "massenbewusstsein" - aber das ist nur ein faktor des sich-getrennt-fühlens.
mein vater ist mit 18 (im jahr 1920) aus der katholischen kirche ausgetreten, was ihm seine familie so für übel genommen hat, dass ich nur 3 onkel/tanten (von 11) flüchtig kennengelernt habe. die verwandtschaft meiner mutter habe ich gehasst - obwohl christlicher hintergrund, wurde bei besuchen nur über andre leute hergezogen. ich habe überhaupt keine verwandtschaftlichen kontakte mehr, seit langem schon.
ich habe mich für schwul gehalten (was früher ja gesetzlich verboten war), meinen eltern hätte ich wegen ihren moralvorstellungen, und besonders bei meiner mutter, was denn die leute dazu sagen würden, sowieso nicht reden können. habe mich als junger mensch mal "geoutet" was gründlich in die hose gegangen ist. in wirklichkeit bin ich bi - nicht fisch noch fleisch, könnte man sagen.
meine mutter war ein sehr sehr kleines ich, hat selbstbewusste menschen gehasst, und dementsprechend bin ich erzogen worden. ausserdem führten meine eltern keine glückliche ehe, es gab dauernd streit. ich kann mich nicht erinnern, dass meine eltern sich mal gegenseitig eine freude gemacht hätten, und sei es nur ein strauss blumen gewesen. das färbt ab, und und war ein aspekt mit ich mir wohl auch meine ehe - in deren anfang meine mutter sich noch eingemischt hat - zerschossen habe. obwohl wir nie streit hatten, und einige wunderschöne jahre.
tja, und dieses einsame aufwachsen - in der schule hab ich die ersten 2 jahre kein wort im unterricht geredet, bin trotzdem versetzt worden, habe als jugendlicher oft die menschen vom waldrand aus mit dem fernglas beobachtet, anstatt mich unter sie zu mischen, und war fürchterlich menschenscheu und ängstlich. die angst war ja auch anerzogen: wenn du nicht lieb bist (in dem sinne zu opponieren für ein eigenes leben), dann wird dir die liebe entzogen. als ich klein war, hatten wir eine katze, die durchfall hatte - meine mutter hat meinem vater so lange in den ohren gelegen, bis er sie kurzerhand totgeschlagen hat - auch daraus zieht man als kleines kind eine unbewusste schlussfolgerung..
naja.
wenn mir mit 40 jemand gesagt hätte, dass ich jemals mal aussendienst machen würde - ich, der sich so abgekapselt hatte - ich hätte nur gelacht. und was für eine wunderbare bandbreite von erlebnissen mit menschen - von völlig negativ bis positiv, von traurig bis schön - was für tolle sozialstudien hab ich erleben dürfen.. keins davon möchte ich missen, auch wenn sie mich anstatt zu einer tragfähigen wirtschaftlichen basis ins finanzielle chaos geführt haben, woran meine ehe letztlich auch hauptsächlich gescheitert ist.
heute lebe ich allein, habe ein paar menschen die ich kenne, gegenüber denen ich mich völlig oder wenigstens teilweise öffnen kann, wobei der mit dem ich mich am besten verstehe ein jahr jünger ist als mein sohn - und einige die ich im internet kennengelernt habe.
es ist komisch - hier an meinem neuen wohnort komm ich mit der "schützenfestmentalität" meiner generation nicht klar - es reicht nur für konversation, aber nicht für offene kommunikation. andrerseits versteh ich mich mit jüngeren menschen blendend, z.b. mit dem bekannten/freundeskreis meines sohns - nur damit kann ich mir keine zukunft erschaffen.
und dabei hab ich gelernt, meine mitmenschen zu akzeptieren wie sie sind - schliesslich haben wir alle unsre macken, nur - zu einer partnerschaft gehört ja mehr als akzeptanz.
manchmal komm ich mir vor wie von einem andren stern - erst jetzt in meinem alter reif für eine partnerschaft - aber ohne sie zu finden, und ohne die wirtschaftlichen perspektiven. naja, ich arbeite daran.
liebe grüsse
peter
ps: nebenbei - ich bin engagierter hobbyfotograf und mag schon von daher die natur sehr, auch als hobbykoch, der sich ein bisschen mit essbaren wildpflanzen auskennt. also von meiner seite nichts gegen das landleben. in einer stadt - es mag besonders in köln gehen, wo ich auch mal ein jahr (1971) gelebt habe - da habe selbst ich als zugeknöpfter mensch schnell kontakt zu den menschen gefunden. die kölner sprechen einen an, es ist leicht..