Ehrlich gesagt, würde ich den Personen, die mich lieben, eher nicht unbedingt vertrauen.
Manche von denen verarschen dich nach Strich und Faden.
Das Verarschen gehört nicht zur Liebe. Im Gegenteil.
Und auch da kann man sich fragen, wessen Schuld das ist.
Kommt auf den Einzelfall an, ob der Verarschte ggf. eine Mitschuld tragen könnte.
Ist Liebe eigentlich mehr ein Gefühl oder eine Handlung?
Manchmal ist Liebe erst ein Gefühl, welches zu einer entsprechenden Handlung führt. Manchmal ist Liebe erst eine Handlung, der Gefühle folgen. Jedoch aufwiegen, messen, was mehr vorhanden ist, ist wohl kaum möglich.
Mehr eine Frage deines Geschmacks oder des eines anderen?
Liebe hat nach meiner Meinung wenig mit Geschmack zu tun.
Bestimmung oder Wahl?
Wenn Menschen z.B. sagen "er ist für sie bestimmt" dann ist das eher eine Hilfskonstruktion für etwas, was man nicht bestimmen kann. Man spart sich so das weitere Nachdenken. Und ja, Liebe ist immer auch mit Wahl verbunden. Der Mensch sagt "ja" zur Liebe - oder eben "nein".
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Ist in Sachen Liebe die Schuldfrage überhaupt beantwortbar?
Sicher doch. Zur Liebe gehört das Gegenteil - die Lieblosigkeit. Und wenn Lieblosigkeit im Spiel ist, dann sind wir auch schnell bei Schuld, schuldhaftem Handeln oder schuldhaftem Unterlassen.
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Im Krieg und in der Liebe gibt es keine Schuld?
Das denke ich nicht.
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Setzt Liebe zwischen zwei Personen voraus, dass beide Personen liebenswert sind? Gilt das auch für Länder?
Die Liebe bestimmt, wer oder was liebenswert ist. Wie das Wort schon ausdrückt, geht es um eine Bewertung.
Suchst Du Antworten auf die Frage, ob Du Deine Cousine heiraten sollst? Versuchst Du mit Umgehungsfragen die Frage zu klären? Und versuchst Du zu ergründen, ob Du Dich bei einem "nein" schuldhaft verhältst?
Ich habe spontan folgenden Gedanken, von dem ich nicht weiss, ob er zielführend ist.
Es gibt Menschen, die auf diesem oder jenem Gebiet keine kompetente Entscheidung treffen können. Sie können an ihrem Arbeitsplatz die kompliziertesten Probleme lösen - aber sobald sie zuhause sind und sich überlegen, ob sie mit der Familie dieses oder jenes machen sollen, fühlen sie sich und sind sie überfordert.
Das ist nicht schlimm. Ich lernte mal: Männer heiraten nicht - sie werden geheiratet. Diplomatische Frauen sind nur so klug, dem Mann den Eindruck zu vermitteln, dass er die Entscheidung zum Heiraten getroffen hätte. Das trifft sicher nicht immer zu. Aber wenn es zutrifft, finde ich das nicht schlimm. Manche Männer haben das Gefühl, erst eine Doktorarbeit über Liebe schreiben zu müssen, um für sich zu einer Entscheidung zu kommen. Sie haben schon mal das Gefühl, sie würden schuldhaft etwas unterlassen, wenn sie selbst sich diese Entscheidung nicht erarbeitet haben. Ich finde, das ist Quatsch. Wenn man selbst auf diesem Gebiet eben wenig kompetent und eher unsicher ist, dann kann es durchaus sehr richtig sein, sich in dieser Entscheidung führen zu lassen. Ich für meinen Teil würde nur darauf achten wollen, dass rein aus Vernunftgründen alles Wichtige dafür spricht, wie z.B. gemeinsame Werte und Ziele.
Und mir wäre es wichtig, dass diese Frau mich tatsächlich "über alles" liebt, damit ich Vertrauen in ihre Kompetenz aufbauen kann.