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Doppelleben

  • Starter*in Starter*in redemption
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R

redemption

Gast
Hallo,

in Bezug auf Freundschaften/Bekannte/Nachbarn usw. lebe ich nach dem Motto "Inside my heart is breaking (...) but my smile, still stays on" (Queen).

Außer einigen wenigen Menschen (Teile der Familie, zwangsläufig) und natürlich den Therapeuten weiß niemand, wie es mir wirklich geht.
Die (wenigen) Freunde wissen nichts von meiner Vergangenheit, dass ich in Therapie bin, und oft total am Ende. Bestimmte Gesprächsthemen (Familie, Vergangenheit usw.) meide ich, bzw. erzähle, wenn unbedingt nötig, nur "neutrale" Dinge.

Irgendwann, vielleicht vor 15 Jahren, habe ich mich dazu entschieden, all diese Themen zu vermeiden. Vielleicht, weil es zuhause aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich war, über Probleme zu reden.

Irgendwann wird das ein Selbstläufer. Man kann nicht "plötzlich" und "unvermittelt" Freunden erzählen: "Übrigens, mein Leben ist total kaputt."

Das Problem ist, dass dieses Doppelleben wahnsinnig anstrengend ist. So auch morgen wieder. Eine Einladung zum Essen. Heile Welt spielen, gut gelaunt sein, nur nichts anmerken lassen. Dabei wäre ich am liebsten alleine, wohl wissend, dass soziale Kontakte wichtig sind.

Wie geht Ihr damit um? Weiß Euer Umfeld, wenn es Euch schlecht geht? Erzählt Ihr alles, oder nur einen Teil, damit die Leute nicht weiter nachfragen?

Ist es am Ende gar nicht möglich, sich glaubwürdig zu verstellen?

Grüße

redemption
 

Hallo redemption,

schau mal hier: Doppelleben. Hier findest du vielleicht was du suchst.

Das was du schilderst kenne ich von früher.
Seit etwa drei Jahren versuche ich dieses "sonnenschein leben" ind "normale" bahnen zu lenken zu sagen wen mir etwas quer liegt.

Ich hab ein paar Freunde mit denen ich inzwischen nur noch per Telefon in Kontakt bin und da ist es leicht sich zu verstellen.
Meine wohl treueste Freundin kenne ich seit knapp 8 Jahren und sie weiß meist ziemlich genau was mit mir los ist. Aber auch erst seit ich angefangen habe etwas offener zu sein. Ab und an auszuleben das es mir nicht gut geht. Erschreckender weise schaffe ich es aber unbewusst und doch sehr häufig auch ihr etwas "vorzuspielen"

Ich weiß nicht genau was man da machen kann aber ich weiß das wen man ein paar menschen um sich herumk hat denen man sehr wichtig ist dan sehen sie das etwas nicht stimmt das dein Lächeln nur aufgesetzt ist das man so oder so reagiert um nicht die wahren Gefühle zu zeigen sich nicht zu offenbaren. Wen man sehr lange danach lebt ist es ein langer und steiniger Weg Gefühle sich selbst zu offenbaren festzustellen das man jetzt gerade traurig ist auch wen man nach aussen hin kichert.....

LG Elana
 
Das hat auch ein stückweit mit ´´niemanden belasten wollen´´ zutun. Hab zwar nur Kontakt innerhalb der Familie, aber denen erzähle ich selten wie es mir geht. Oft ist es ja so eigenartig, das man es eh nicht in Worte fassen kann. Möchte auch vieles alleine bewältigen bzw mit mir selbst ausmachen. Wenn es mir so geht, als wenn ich ´´ferngesteuert´´ durch die Gegend laufe, dann kann mir da leider niemand helfen. Oder wenn ich nachts wachliege und der Körper nicht zur Ruhe kommt. Was bringt es mir da andere ausm Schlaf zu holen und denen die Ohren vollzujammern? Nichts.

Könnte mir daher gut vorstellen, das du auch ein Typ ´´Einzelkämpfer´´ bist, weil du weißt, das dir von deinen Freunden niemand helfen kann. Zumindest nicht in dem Umfang, wie du es brauchst.

Würde aber trotzdem Schritt für Schritt reinen Tisch machen. Alleine schon aus dem Grund, weil du bzw. dein Körper auch nicht fähig ist, andere Probleme aufzuladen. Und das gehört nun mal zu einer Freundschaft. Probleme, Konflikte lösen, mit Rat und Tat zur Seite stehen. Alles Gift für dich. Kann natürlich keiner wissen.
 
Bei mir ist das ähnlich. Ich spiele meinem Umfeld meist heile Welt vor...aber ich versuch das bischen zu ändern, aber über ein "muss ja" auf die Frage "wie gehts" bin ich noch nicht raus ^_^

Aber ich kann mich wenigstens bei Menschen so geben wie ich bin, die ich nur flüchtig kennen lerne. Z.B. musste ich die letzten beiden Nächte in ner Jugenherberge pennen und hab mich da mit nem Norweger angefreundet. Konnte mein Englisch bischen üben und halt ich selbst sein, da ich ja wusste, dass ich ihn wohl nicht mehr wieder sehe...

Aber ich denke das wird bei mir auch noch ewig dauern, bis ich mal aus mir raus komme. Bin auch eher der Typ "niemanden belasten"

Ich denke man muss sich da langsam ran tasten. Ich versuche z.B. langsam meiner Cousine ws von mir zu erzählen, da sie mir am ähnlichsten ist, vom Charakter.
 
Hallo,

erstmal vielen Dank an alle, die geantwortet haben.

Könnte mir daher gut vorstellen, das du auch ein Typ ´´Einzelkämpfer´´ bist, weil du weißt, das dir von deinen Freunden niemand helfen kann. Zumindest nicht in dem Umfang, wie du es brauchst.
So ist es. Ich glaube, dass bestimmte Dinge nur ein Therapeut oder ein selbst Betroffener verstehen kann. Von einem "Laien" kann man z.B. kein Verständnis für den Drang, sich selbst zu verletzen, erwarten. Und was sollte ein noch so guter Freund denn zu irgendwelchen schlechten Erlebnissen in der Vergangenheit groß sagen können?

Hinzu kommt noch eines: die Mehrheit der Gesellschaft sucht nach Menschen, die eine positive Ausstrahlung haben, Erfolg verkörpern usw., um selbst daran teilhaben zu können. Traurig, aber wahr.

Meine Freunde entsprechen nun nicht unbedingt diesem Klischee, und trotzdem möchte ich lieber nicht ausprobieren, wie robust und belastungsfähig die Freundschaft ist, wenn ich sie mit meinen Problemen konfrontiere.

Seltsamerweise war ich aber hingengen schon öfters die "Seelsorge" für andere, z.B. in der Schulzeit. Natürlich versuchte ich, so gut es ging zu helfen. Aber warum kommen sie ausgerechnet zu mir? Ahnen sie, dass es mir auch schlecht geht?

Auf die Standardfrage "Wie geht's?" antworte ich übrigens jedesmal mit "Wie immer!" Dann ist der Fragende zufrieden, und ich habe nicht mal gelogen...

Grüße

redemption
 

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