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Die Werte unserer Gesellschaft

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_Tsunami_

Urgestein
Mir geht es nicht um materielle Werte oder Statussymbole. Da wissen wir alle, dass mehr, besser und schneller immer besser ist.

Mich würde einfach brennend interessieren, nach welchen Werten ihr lebt, wie diese entstanden sind bzw. sich begründen, und warum ihr diese für wichtig haltet?
 
Abgesehen von materiellen Werten, die Du als Antwort bereits ausgeklammert hast, bleiben noch die moralischen Werte, die ihren Wert in sich selbst haben. Hier handeln wir frei. Hier können gerecht beurteilt werden (freilich nur von einer allwissenden allmächtigen Instanz 🙂). Hierauf alleine können wir unsere Hoffnung begründen. Wir können nur danach beurteilt werden, was wir aus freier Verantwortung tun.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich finde diese Frage unfassbar schwierig. Spontan würde mir in den Sinn kommen, dass ich darum bemüht bin frei von moralischen und gesellschaftlichen Werten zu leben. Das ist natürlich absoluter Quatsch oder besser gesagt unmöglich zu realisieren. Wir haben natürlich alle irgendwo unsere Wertvorstellungen und meinen zwischen richtig und falsch unterscheiden zu können. Diese Unterscheidung ist aber von so vielen Variablen geprägt, dass es bei vielen Themen unmöglich ist zwischen richtig und falsch unterscheiden zu können.

Was ich eigentlich sagen will ist, dass die Grenzen zwischen Wertvorstellungen, Idealismus und Ideologie fließend sind. Wer sich zu sehr auf die eigene Werte konzentriert und diese für ein unabdingbares Naturgesetz hält, der läuft Gefahr eine gewisse Blindheit für die Komplexität des Lebens und des Menschseins zu bekommen.

Ich merke das insbesondere bei politischen, religiösen, geschmacklichen oder gesellschaftlichen Themen. Solche Diskussion sind so durch Wertvorstellungen geprägt, dass Vernunft, Einsicht und der Blick über den Tellerrand nur selten eine Rolle spielen. Hinzu kommt, dass Menschen oft aufgrund ihrer Wertvorstellungen bestimmte Charakterzüge zugewiesen werden. Der fundamentale Attributionsfehler, wenn auch in diesem Fall nicht ganz zutreffend, lässt grüßen.

Um die eigentliche Frage zu beantworten: Klar lebe ich nach bestimmten Werten und halte diese auch für absolut korrekt (auch wenn ich eben gegen richtig vs. falsch gewettert habe). Menschenwürde, Menschenrecht, Menschlichkeit und Individualismus halte ich für sehr entscheidende Dinge im gesellschaftlichen Miteinander. Diese Dinge sollten grundsätzlich jedem zustehen, egal was er getan hat, wie sein Charakter ausfällt oder nach welchem Idealen er selbst lebt. An diese Ideale halte ich mich selbst nicht immer, aber versuche sie mir dann wieder ins Gedächtnis zu rufen.
 
Einer meiner Werte ist: geh anderen nicht mehr auf den Wecker, als Du selber auf den Wecker gegangen werden willst. Sprich, vornehme Zurückhaltung in allen Dingen. Außer die Sache ist es absolut wert, anderen auf die Füße zu treten, oder Du selber bist so gut in etwas, daß Du ohne falsche Bescheidenheit als die Nummer Eins aus der Masse herausragen kannst. In einer Zeit, in der jeder etwas ganz besonderes sein will und sich damit im Ergebnis meistens nur hoffnungslos lächerlich macht (DSDS, Next Topmodel...) ein fast vergessener Wert.
 
Ich denke, das könnte man als Maxime eines friedlichen Lebens deklarieren:

Geh' den anderen nicht auf den Wecker.

~~~

Wobei es ja gar nicht schlecht ist, dass Menschen quatschen und sich austauschen, aber bitte nicht diesen extrem stumpfsinnigen und radikalen Dünnpfiff. Der gehört zwar auch dazu, aber irgendwann muss man doch merken, dass man sich damit sein Gehirn zugrützt und noch unfähiger macht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mich würde einfach brennend interessieren, nach welchen Werten ihr lebt, wie diese entstanden sind bzw. sich begründen, und warum ihr diese für wichtig haltet?

Das ist eine gute aber schwierige Frage.
Dennoch versuche ich sie mal zu beantworten.

Einer meiner wichtigsten Werte ist aus folgendem Zitat entstanden:

"Anstatt Liebe, Berühmtheit oder Geld oder Vertrauen oder Fairness ...gebt mir Wahrheit!"

Ich sehe das auch genau so pragmatistisch wie es da steht. Denn ich finde es wichtig das man zumindest versucht immer ehrlich zu sein. Selbst wenn es manchmal sehr schmerzhaft sein kann.
Klar kann niemand von sich behaupten noch nie gelogen zu haben. Jeder Mensch lügt von Zeit zu Zeit.
Trotzdem sollte meiner Meinung nach jeder versuchen ehrlich zu seinen Mitmenschen zu sein.
Vor allem gegenüber der Familie, des Partners und der Freunde.

Ich habe die Erfahrung gemacht, das die meisten zwischenmenschlichen Konflikte in meinem Leben hätten verhindert werden können, wenn man nur ehrlich zueinander gewesen wäre. Stattdessen hat man sich belogen und erst sehr spät erfahren wie die Dinge wirklich sind. Dann war es aber schon zu spät.

Aber ich möchte betonen das mit "immer ehrlich sein" nicht gemeint ist, das man ständig jedem ungefragt die Meinung sagt. Da tritt quasi die "vornehme Zurückhaltung", die Daoga erwähnt hat, in Kraft.


Tsunami, ich hoffe ich konnte dir damit deine Frage aus meiner Sicht beantworten. =)


Mit freundlichen Grüßen,

Ibanez
 
Ibanez

Ich gehe mit deinem Beitrag vollkommen d'accord. Gefällt mir, finde ich gut und richtig. Exakt so, wie du es geschrieben hast.

Ehrlichkeit und Wahrheit sind Werte, die nicht immer im schönsten Gewand daherkommen und gar nicht so selten oder viel zu oft dem Opportunismus oder sonstigen zweifelhaften Interessen geopfert werden. Nachvollziehbar, ja, aber nicht unbedingt sinnvoll.

Nehmen wir als Beispiel so manche Beziehung oder Datings (online oder in persona) - da geht es nicht immer so besonders ehrlich zu. Stattdessen wird ein Trugschloss nach dem anderen gebaut - vorgegeben, dass man dies sei, so wäre und was weiß ich. Es belastet den anderen, einen selbst und fällt einem eh auf die eigenen Füße. Die bessere Maxime sollte also lauten, nicht vorzugeben, was man sein möchte, sondern zu sein, was man vorgeben möchte. In jedem Falle ist es nicht wirklich schlau, mit etwas hausieren zu gehen, was/wer man gar nicht ist. Das führt zwangsläufig zu Zerwürfnissen und Konflikten, welche dann zum Schaden aller sind.

Wahrheit ist bedingt durch Ehrlichkeit. Wenn ich - extrem ausgedrückt - anderen und mir selbst die Hucke volllüge, wann, wie oder wo will ich dann irgendeine Wahrheit finden? Gar nicht.

Gerade der folgende Passus von dir

"Anstatt Liebe, Berühmtheit oder Geld oder Vertrauen oder Fairness ...gebt mir Wahrheit!"

erscheint auf den ersten Blick als falsch, provokativ und unzustimmbar. Aus meiner Sicht nicht.

Es erinnert mich an einen meiner geistigen Ziehväter, Henry David Thoreau, und sein Buch Walden.

Sinngemäß sagte Thoreau mal:

Ich ging hinaus in den Wald, um für mich alleine zu sein und das Mark des Lebens zu kosten. Und sollte ich herausfinden, dass der Kern des Lebens schlecht ist, so möchte ich schlecht sein.
 
Genau das was du so umschreibst habe ich auch gemeint.
Ich freue mich gerade ein bisschen das mich mal jemand versteht.^^ Denn irgendwie gerate ich mit diesem Wert gerne mal auf taube oder verständnislosen Ohren.
Ich denke das liegt daran das man schon von klein auf lernt zu lügen, damit man bspw. besser dasteht oder der gleichen.

Die bessere Maxime sollte also lauten, nicht vorzugeben, was man sein möchte, sondern zu sein, was man vorgeben möchte.

Gerade diesen Satz finde ich super! Denn wir alle haben irgendwie die Chance das zu sein was wir sein wollen.
Sicher ist das für die meisten nicht ganz so leicht. Aber die harte Arbeit und das Ergebnis macht wesentlich glücklicher als sich und andere ständig zu belügen.

Es erinnert mich an einen meiner geistigen Ziehväter, Henry David Thoreau, und sein Buch Walden.

Sinngemäß sagte Thoreau mal:
Ich ging hinaus in den Wald, um für mich alleine zu sein und das Mark des Lebens zu kosten. Und sollte ich herausfinden, dass der Kern des Lebens schlecht ist, so möchte ich schlecht sein.

Das Zitat "Anstatt Liebe, Berühmtheit oder Geld oder Vertrauen oder Fairness ...gebt mir Wahrheit!" stammt von Henry David Thoreau. Ich weiß nicht in welchem seiner Werke das vorkam, aber ich kenne es aus dem Film "Into the Wild". So kam ich damals auf Thoreau und sein Werke. Ich las dann erst "Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat" und dann "Walden". Außerdm habe ich noch das Buch "Denken mit Henry David Thoreau". Ich kam aber leider noch nicht dazu es zu lesen.
Was ich damit sagen will ist, das ich Thoreau ebenfalls sehr für seine Werte schätze und das ich einige seiner Denkweisen für mich übernommen haben. Und ich glaube das er sicherlich nicht das schlechteste Vorbild für mich war.
 
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