Genau das ist es, was fehlt.Dem ganzen aktuellen Geblärre aus den Charts fehlt einfach die Seele.
Natürlich gibt es auch heute (wie zu jeder Zeit)eine Menge tolle Künstler, die wirklich was zu sagen haben und die auch etwas können: NUR- das sind meist nicht die, die einer breiten Masse zugänglich werden. Was die Masse hört, wird eben nicht durch die Qualität bestimmt, sondern davon, wie gut man das ganze vermarkten kann. Der ideelle Wert der Musik nimmt also immer mehr ab zugunsten eines Marktwertes. Die Kunst rückt also immer mehr in Richtung SACHE.
Und das hat eben auch etwas mit dem gesellschaftlichen Bild von Kunst zu tun. Das Bild des Musikers wandelt sich ja über die Jahre (immer schon und zu jeder Zeit war das so) momentan wandelt sie sich aber in eine Richtng, in der weder Aussage noch künstlerischer Wert etwas zählen, sondern rein der Marktwert. Das merkt man zB daran, dass die Teenies heute Aussagen machen wie: Ich will Model, Schauspielerin oder Sängerin werden. Ich meine: Kann man eine für die Kunst niederschmetterndere Aussage treffen, als sie quasi austauschbar zu machen (natürlich mag es Leute geben, die alles drei KÖNNEN: Aber dann ist das Zufall und sollte eigentlich nicht die Prämisse sein): Wer das ganze so sieht, der ist nämlich keins von all den dreien (außer Model- das kann man wohl auch ohne Herzblut und ohne Aussage). Man wird nicht Musiker, weil man es eben mal so beschließt, das das ganz nett wäre ("Bin mir noch nicht sicher, ob ich lieber Lehrerin, Musikerin, oder Hotelfachfrau werde"), sondern man wird es, weil man MUSS- weil die Aussage raus will. Nur so kann Kunst draus werden. Alles andere ist nur Hülle. Aber natürlich kann man auch als Hülle Karriere machen: Sieht man ja gerade. Nur sollte man das eben nicht mit Kunst verwechseln.
Leider spiegelt das unseren Zeitgeist wieder: Heute muss man nichts mehr können, um sich Musiker nennen zu können. Die wenigsten Musiker schreiben ihre Songs noch selber oder haben auch nur den geringsten Einfluss auf das, was sie singen und wie sie es singen. Es ist nicht mehr so, dass ein Sänger einen Stil hat und der wird dann vermarktet, sondern man hat einen Protagonisten und auf den schneidet man ein Karrierekonzept zu: Sagt ihm, wie er zu singen hat und was er zu singen hat: Klar, dass dahinter keine Aussage und kein Herzblut stehen kann. Aber das versucht man dann durch pitchen und tunen auszugleichen: Notfalls verfremdet man die Stimme, damit es nicht mehr ganz so mies klingt- auch egal Aussage ist ja eh keine drin, die verloren gehen könnte. Leider ist das inzwischen die Regel - das andere -also die ECHTE Musik, wird immer mehr zur Ausnahme oder eben zur Nischensache.
Schaut euch doch mal die Charts an: ich habe keine Ahnung, aber ich bin ziemlich sicher, dass der geringste teil der Songs noch vom Interpreten selbst geschrieben ist. Und natürlich sind sämtliche Songs aufwändig nachbearbeitet (die Tontechniker sind momentan die eigentlichen Künstler). (ich bin mir sicher, wenn man die Songs der Beatles derart nachbearbeitet hätte, wären sie langweilig und leer: Es geht dabei nämlich auch immer was verloren)
Musik muss ECHT sein, damit sie berührt. Und das wird leider auf dem breiten Markt immer mehr zur Ausnahme: Es gibt Leute, die stört das nicht. Die Art, wie man Musik aufnimmt, ist sehr unterschiedlich. Manche Leute hören Musik im Hintergrund: Ich kann das beispielsweise fast nicht: Je hochwertiger die Musik ist, desto weniger kann ich sie im Hintergrund laufen lassen, weil sie mich zu sehr bewegt. Also muss ich auf "leichtes" Zeug ohne Seele und ohne Aussage zurückgreifen, wenn es mal Hintergrundmusik sein soll. Auch diese Musik hat ja ihre Berechtigung. Das will ich garnicht leugnen: Auch seichtes Zeug kann gute Laune machen oder sonst irgendeinen guten Zweck erfüllen. Auch das hat seine Berechtigung.
Jedoch geht etwas verloren, wenn ALLE Musik so ist und leider geht der Trend in diese Richtung.
Der Markt wird immer mehr zu einem Betonklotz, der für Talente kaum mehr passierbar ist. Früher lief es noch so, dass talentiere Leute erstmal in kleinen Clubs gespielt haben (die gibt es ja garnicht mehr, denn kaum einer hört noch live), dann in größeren und dort lungerten dann die Manager rum, die sie richtig groß machten. Heute läuft das anders: Da wird auf spezielle Showkonzepte hin gecastet, usw.
Rein logisch gesehen: KANN dabei Kunst rauskommen? Was ist genau Kunst? Kunst ist doch etwas, das AUS einem Menschen kommt, von Herzen, eine Aussage hat und Kunst ist frei! Auch frei von Profitgier!
Kunst lässt sich doch nicht in ein Showkonzept pressen. Kunst muss doch frei sein. Aber ehrlich: Wenn zB Helene Fischer auf der Bühne rumhampelt, hat das eher was von einer Zirkusnummer: Von Gesangskultur, künstlerischem Schaffen und künstlerischer Aussage ist das doch ungefähr genauso weit entfernt, wie der Werbesong für eine Waschmaschine. (Nichts gegen den Werbesong: Der hat auch seinen Zweck, aber er ist eben keine Kunst und so ehrlich sollte man dann schon sein)
Das ist aber nicht die Schuld vom Interpreten, sondern vom Publikum.
Oder zB Warum zahlen Leute hunderte Euro, wenn sie die Netrebko hören dürfen? Doch sicher nicht wegen ihrer Aussage oder ihren Fähigkeiten (die sie zweifellos hat)- denn dann müssten sich die gleichen Leute ebenso um Karten einer normalen Opernvorstellung reißen (wer zB in eine Vorstellung der Deutschen Oper in Berlin geht, hört jeden Tag Leute, die genauso gut, oder sogar besser sind): Tun sie aber nicht, denn es geht nicht um die Aussage, die Kunst, oder das Werk, sondern um das Event. Leider!
Es wäre schön, wenn das Verhältnis von Event und Kunst wieder ausgeglichener würde.