Das heißt also Reiche können unbegrenzt und unbesteuert so viel erben wie sie wollen? Das Vermögen muss halt nur in einer Firma gebunden sein.
Ich bin der Überzeugung eine gerechte Vermögensverteilung ist ohne Vermögenssteuer in Form einer Erbschaftssteuer unmöglich. Reiche werden von Generation zu Generation immer reicher.
Oder nenne mir auch nur eine andere Lösung.
Du betonst, dass bei einer Erbschaftssteuer automatisch die Firma und die Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Nehmen wir an jemand erbt eine Firma im Wert von 1 Mio und Bargeld von 1 Mio. Er wäre absolut liquide die gesamten 2 Mio zu versteuern, muss aber nur 1 Mio versteuern.
Und wer sagt eigentlich, dass Arbeitsplätze durch Erbschafstssteuer verloren gehen? Nur weil Pappa ein guter Unternehmer ist, ist Sohnemann das noch lange nicht. Vielleicht wäre es für die Firma und die Arbeitsplätze sogar besser in andere Hände zu kommen. Mir ist keine Statistik bekannt, die darlegt, dass durch eine Steuer auf Betriebsvermögen Arbeitsplätze verloren gehen, dir?
Der wissenschaftliche Beirat des Bundesfinanzministeriums bezeichnete die Verschonung von Betriebsvermögen in einem Gutachten von Anfang März 2012 sogar als „volkswirtschaftlich kontraproduktiv“. Das unabhängige Expertengremium forderte, sie abzuschaffen.
Was könnte man nicht alles gute machen mit den Einnahmen aus einer Erbschaftssteuer, aber nein, das Vermögen der Superreichen wird nicht angetastet. Übrigens ist Deutschland sehr gnädig bei der Besteuerung. In vielen anderen Ländern wird Betriebsvermögen versteuert und Arbeitsplätze gibt es in diesen Ländern immernoch 😀
Und von Gerechtigkeit brauchen wir gar nicht erst anzufangen.
Nehmen wir an ein "Mittelstandsbürger" erbt von seinem Großvater ein Haus von 300.000 €. Er muss abzüglich des Freibetrages von 200.000 € den Rest voll versteuern, im Extremfall dafür das Haus beleihen oder verkaufen. Ist das fair?
Die Erbschaftssteuer prüft beim Multimilliardär ja nicht einmal dessen Zahlungsfähigkeit. Sie besteuert Vermögen einfach nicht wenn es Betriebsvermögen ist. Dafür reicht es schon rechtzeitig eine GmbH zu gründen oder zu kaufen, schon ist das Geld sicher vorm Fiskus. So umgehen viele absichtlich die Erbschaftssteuer.
Von Dir hätte ich in Betracht Deiner sonstigen guten Beiträge eigentlich was besseres erwartet als unbesehen dem Klischee vom superreichen Unternehmer zu erliegen.
Der größte Teil der deutschen Wirtschaft hängt nämlich nicht an diesen Superreichen, die es zwar gibt, die aber die Ausnahme von der Regel sind, so wie überall, sondern am wirtschaftlichen Mittelstand.
Die Reichen haben ihre eigenen Methoden der Erbschaftsteuer zu entgehen, indem sie zum Beispiel die Firmen in Aktiengesellschaften oder was anderes ummodeln, wo dann nur die Anteile der Erbschaftsteuer unterliegen statt das komplette Unternehmen an sich.
Der Mittelstand dagegen besteht sehr oft aus Familienbetrieben, für die Umwandlungen nicht so einfach sind, oft entstanden und aufgebaut als Herzblut und Lebenswerk von Handwerksmeistern und Selbständigen, in dem alle Buchungen mit dem spitzen Stift durchgeführt werden, damit man überhaupt konkurrenzfähig bleiben kann im Kampf gegen allesbeherrschende Konzerne (AGs etc.), und die dann irgendwann auch geordnet und wenn möglich in den schwarzen Zahlen an einen Erben übergeben werden sollen, von dem erwartet wird, daß er den Betrieb dann auch weiterführen soll, wobei aber eben keineswegs sicher ist, daß der Erbe neben der Firma dann auch noch fett weiteres Geld oder Privatvermögen erbt, eben weil das alles im Betrieb investiert ist. "Bargeld eine Million" ... davon träumt der größte Teil des deutschen Mittelstandes nur, kaum eine Durchschnittsfirma hat so viel Rücklagen, geschweige denn ihre Betreiber auf der hohen Kante. Wer´s nicht glauben will, sollte regelmäßig Wirtschaftsseiten von Zeitungen lesen, insbesondere aus der FAZ kann man sehr viel herauslesen, wie es der Wirtschaft aktuell geht, von Problemen mit dem Generationenwechsel gerade im Mittelstand, ein Dauerthema - auch unter Hinblick auf die Erbschaftssteuer - bis zu den momentan laufenden weltweiten Firmenübernahmen durch die Chinesen, die in Zukunft noch für jede Menge Probleme sorgen könnten. (Ist kein Geheimnis, daß ich in dieser Hinsicht Tom-Clancy-geschädigt bin, dessen Bücher öffnen einem die Augen für so politisches Zeugs
😎)