"Die Armut macht sie psychisch krank": Kinderarzt warnt, so geht es Kindern in armen Familien
Woran spart eine Mutter, die am Rande des Existenzminimums steht und um das Überleben ihrer Kinder kämpft? Wenn irgend möglich nicht an Essen, Trinken und einem sicheren Dach über dem Kopf - denn das sind Lebensgrundlagen.
Eine arme Mutter spart in Deutschland an der Bildung ihres Kindes - weil sie es muss.
Für das Kind hat das weitreichende Folgen - bis hin zu deutlich schlechteren beruflichen Perspektiven oder tiefgreifenden psychischen Beeinträchtigungen.
Ich bin Kinderarzt im Landkreis Bayreuth. Obwohl das im Vergleich zu anderen deutschen Regionen eine eher reiche Gegend ist, habe ich auch mit Eltern zu tun, die nicht genug Geld für eine gute, umfassende Ausbildung ihrer Kinder haben.
Vielen Kindern ist es nicht möglich, am sozialen Leben teilzuhaben
Das fängt schon damit an, dass es diesen Kindern definitiv nicht immer möglich ist, außerhalb der Schule am sozialen Leben teilzuhaben. "Wissen Sie, er würde ja gerne in den Sportverein, aber dafür ist leider nicht genug Geld da". Sätze wie diesen höre ich in der Sprechstunde. Da schüttelt es mich.
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Für ein Kind ist das eine traumatisierende Erfahrung: Es würde gerne etwas tun und kann nicht - sieht dabei aber, wie andere Kinder genau das tun können.
Das drückt das Selbstbewusstsein. Außerdem fördert es die soziale Ausgrenzung und kann damit sogar psychische Schäden verursachen. Das Kind muss schließlich schon in so jungen Jahren lernen, dass seine Möglichkeiten im Leben äußerst beschränkt sind.
Ein niedriges Selbstbewusstsein ist Gift für die Entwicklung eines Kindes. Es beginnt, sich weniger zuzutrauen und kann sein Potenzial niemals ganz ausschöpfen.