Das einzige "Heilmittel" gegen Prokrastination ist: machen.
Meine Erfahrung liegt da innerhalb der Fernschule. Da ist kein Lehrer, keine Deadline, niemand der dir über die Schulter schaut, nichts was du zu einem bestimmten Datum abgegeben MUSST. Es hängt ganz allein von mir ab. Ich bin mein Lehrer, Mentor, 'Prüfer' (bei Einsendeaufgaben, dass ich nicht immer in meinen Unterlagen nachsehe), Motivator, etc pp. Alles hängt allein an mir.
Die Tatsache, dass ich anfangs wenig bis nichts getan habe ist wahrscheinlich nicht verwunderlich. Man schiebt es auf "morgen" oder "später", nach der Arbeit will man lieber ein kurzes Nickerchen machen um dann erholter den Lernstoff durchzugehen. Lieber noch ein paar Minuten "entspannen" bevor man lernt, noch ein bisschen im Internet nachsieht, hier und da noch ein bisschen unterwegs ist, ach und dann ist ja heute auch noch Samstag, mal rausgehen. Und dann am nächsten Tag "ausruhen" weil man so lange unterwegs ist. Die Ausreden sind endlos, und man findet unheimlich viele Begriffe um seine Passivität irgendwie zu erklären oder zu analysieren.
Nun, wie sich das geändert hat? Das ist ganz einfach. Machen. Das Problem ist natürlich, dass man in alte Muster fällt, weil sie sich so angenehm und gut anfühlen. Das "zum Lernen zwingen" ist unangenehm, das ist als würde sich etwas in einem wirklich aktiv und körperlich dagegen wehren, die Arme fühlen sich quälend schwer an, im Kopf herrscht ist auf einmal ein Druckabfall. Es ist bäh. EIn richtiges bäh Gefühl, also denkt man sich "Naja, ich bin einfach noch nicht soweit." Das ist aber ein Trugschluss. Man ist nie soweit. Und man kann Angewohnheiten nicht abschütteln indem man sich immer nur was gutes tun möchte. Klar, man muss sich jetzt nicht so einem Masochisten verwandeln, aber ich sehe das so.
Ich finde am Besten hat mir geholfen meinen "Lerntyp" herauszufinden. Ich bin zum Beispiel ein auditiver Lerntyp. Das heißt aber nicht dass ich durch hören Dinge besser einprägen kann sondern auch WIE ich am besten lernen kann. Dadurch dass ich auditiver bin brauche ich sowas wie "Umgebungsgeräusche".
Wenn ich mich an meinen Schreibtisch setze und lerne, dann mache ich Musik an, oder eine richtig stumpfsinnige Serie (also irgendwas, das ich wirklich total uninteressant finde und wirklich nicht darauf konzentrieren kann, weil's mich nervt. Mein ultimativer Trick ist 'Gossip Girl' - langweilige Dialoge, wenig Spannung, voraussehbar. Perfekt.) oder Playlists wie "Deep Focus" oder "Study Rhythm" was auch immer - irgendwas eintöniges oder monotones. In einer Lautstärke die meine eigenen Gedanken "übertönt" aber mich auch nicht ablenkt. Und dann mache ich. Wenn es dann um intensives Lernen geht, dann mache ich nur die Musik an um keine weiteren Worte in den "Brei" zu werfen.
In den meisten Fällen sind nur die ersten 30 Minuten wirklich schwierig, bis man dann in den Fluss kommt. Bei mir ist es dann so, dass ich in den "Runners high" komme. Ich vergess dann die Zeit und kann stundenlang lernen. Zwinschendurch mache ich dann aber Pausen um etwas zu essen zu kochen, oder kurz, z.B. hier, im Internet unterwegs zu sein. Ich achte aber darauf, dass das nicht zu passiv ist. Also kein Imgur, 9gag oder whatever wo man nur auf den Bildschirm starrt, weil dann fährt alles runter und ich muss wieder "neu reinkommen", was wieder anstrengend ist. Also versuche ich die Pausen so aktiv wie möglich zu gestalten. Auch mache ich in den Pausen dann alltägliche Dinge wie Wäsche waschen oder Abspülen. Einen kurzen Snack futtern. Aufräumen.
Ich mache mir auch keine Lernpläne, oder Tagespläne. Ich weiß wann ich meine Schichten hab, und alles andere hat "Lernpotential". Mit abgesteckten Plänen kann ich nichts anfangen, aber zumindest mach ich mir ein Ziel, d.h. ich möchte eine bestimmte Lektion bis zum Ende der Woche fertig haben. Das kann ich aber auch gedanklich. Aufschreiben würde mir nichts bringen.
Also im Grunde kannst du noch so und so viele Methoden finden dich zu motivieren. Was meine Erfahrung mit der Motivation ist, dass es sie nicht wirklich gibt. Ich würde es sogar eher als Mythos bezeichnen. Ich sehe eher dass man Freude an etwas hat. Aber die wenigsten haben wirklich viel Freude daran eine Bachelorarbeit zu schreiben oder für die Schule, Uni zu lernen. Bungee-Jumping machen macht halt mehr Spaß. Was ich aber als das bessere empfinde ist, sich immer vor Augen zu halten was das Ziel ist. Also die Bachelorarbeit. Das man die fertig hat. Und dann hat man es hinter sich. Und dann kommt das nächste Ziel. Ich warte also nicht darauf, dass ich mich "gut genug" fühle, mich endlich ran zu setzen, sondern setze mich ran und mach, und manchmal fühle ich mich auch gut dabei.