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Die Entfremdung beginnt...

  • Starter*in Alleinerziehende Nachteule
  • Datum Start
A

Alleinerziehende Nachteule

Gast
So, nun ist es also soweit.
Mein Kind (12J) hat sich definitiv von mir abgenabelt und ich spiele nur noch die Statistenrolle (Kühlschrank auffüllen, Wäsche waschen, etc.). Vor ein paar Tagen ging es das erste Mal selber Kleidung kaufen, heute hab ich gesehen, dass es sich die Achseln rasiert hat. Hat es sich von einem anderen Kind zeigen lassen, welches es sich von einem Elternteil hat zeigen lassen.

Nach den Sommerferien kommt mein Kind ja in eine Wochenschule, und schon da hatte ich etwas Bammel vor, weil mein ADHS-Gehirn ja nur die Zeiten "Jetzt" und "Nicht jetzt" kennt und mich darauf vorzubereiten dementsprechend ein riesiger Kraftakt ist.
Aber offenbar wurde "nicht jetzt" zu "jetzt" und ich bin ab sofort wieder nur für mich verantwortlich im Alltag. (Bis auf putzen, Kühlschrank füllen und Wäsche waschen).

Ehrlich gesagt überfordert mich das gerade ein bisschen. Wir waren, gerade weil nur zu zweit, immer sehr eng, und nun ist da dieses grosse Schweigen. Ich erfahre nichts mehr aus dem Leben meines Kindes ausser einzelnen Silben auf Fragen. Fühle mich, als müsste ich Verhöre führen um überhaupt etwas zu erfahren, aber das will und tue ich nicht.
Vielleicht liegt es daran, dass ich heute wieder vom Suizid eines Teenagers gelesen habe, aber ich habe das Gefühl, dass mein Kind nicht das Gefühl hat, mir alles erzählen zu können.
Hat es auch so gesagt, als ich fragte, warum es nicht mich gefragt hat wegen des Rasierens.
Dabei hab ich bei sowas noch nie irgendwie geschimpft oder abgeblockt oder so. Ich erkläre meinem Kind die Welt doch gern, dafür bin ich doch da?! Das ist mein Job, und den übernehmen jetzt nicht nur die Lehrer, und ab Sommer die Betreuer, sondern auch die Freunde. Das macht mich traurig.

Es hat sich einfach so gewandelt, vom totalen Körperkontaktbaby zu diesem Pubertier das mir nichts mehr erzählen mag.

Ich weiss, ich sollte das mit Fassung tragen, halt einfach weiterhin da sein, etc. Und das werde ich auch, aber ich bin trotzdem unendlich traurig, dass auch diese Zeu it nun vorbei ist. ☹

Aus meinem Baby ist ein richtiger Mensch geworden...
 

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Kylar

Sehr aktives Mitglied
Ich erfahre nichts mehr aus dem Leben meines Kindes ausser einzelnen Silben auf Fragen. Fühle mich, als müsste ich Verhöre führen um überhaupt etwas zu erfahren, aber das will und tue ich nicht.
Vielleicht liegt es daran, dass ich heute wieder vom Suizid eines Teenagers gelesen habe, aber ich habe das Gefühl, dass mein Kind nicht das Gefühl hat, mir alles erzählen zu können.
Es ist ein großer Unterschied zwischen "Mutter alles erzählen können" und "Mutter alles erzählen müssen".
Du sagst du führst keine Verhöre, wenn du deinem Kind fragen stellst. Fürs Kind kann es aber genauso rüberkommen und dann werden die Fragen der Mutter zur Belastung, statt zu einem Segen.
So ein "ich bin deine Mutter. Du MUSST doch mit mir reden" kann auch mitschwingen, ohne dass du es direkt aussprichst.
Wenn du dein Kind da nicht gegen dich aufbringen willst, würde ich deinen Egoismus da hinten anstellen. Egoismus in dem Sinne, dass du scheinbar nicht mit deinem Kind reden willst, weil du deinem Kind damit helfen willst, sondern du willst, dass dein Kind mit dir redet, damit du dir selber sagen kannst "Mein Kind vertraut mir alles an. Ich mache meinen Job als Mutter also gut". Du willst, dass dein Kind mit dir redet, zu DEINEM Wohlbefinden. Damit du dich gut und beruhigt fühlen kannst.
Wäre dem nicht so, würde es dich auch nicht traurig machen, dass dein Kind Freunde gefunden hat, denen es vertraut und mit dem es zusammen Erfahrungen sammelt und Dinge erlebt. Das sollte eine gute Mutter freuen, statt traurig machen.

Eine Mutter, die sich wünscht, dass ihr Kind nur sie als Bezugsperson hat, handelt nicht zum Wohle des Kindes, sondern ziemlich eigennützig. Also schlucke diese Eigennützigkeit so gut es geht runter.
Dein Kind entwickelt sich ganz normal und das sollte dich freuen.
 
A

Anastasia26

Gast
Alleinerziehende Nachteuel, ich verstehe wirklich nicht, was das Problem ist. Hast du die Kinder auf die Welt gestellt , damit du von ihnen unterhalten wirst und sie dir Gesellschaft leisten?
Du solltest doch stolz auf ihn sein, weil er schon mit 12 Jahren langsam selbständig wird?
 

cafard

Aktives Mitglied
Es ist wichtig, dass sich ein Kind abnabelt, in die Welt hinausgeht und dort Kontakte über die Familie hinaus eingeht.

Das Kind ist ein richtiger Mensch, von der allerersten Sekunde an. Einen neuen Menschen in die Welt zu bringen und ihn bis zur Eigenständigkeit zu begleiten ist das Wesen des Elternseins. Schmerzhafte Trennungen gehören hinzu und müssen von beiden Seiten verarbeitet werden.
 
A

Alleinerziehende Nachteule

Gast
Na danke schön, Kylar.
Jetzt bin ich nicht nur traurig, weil diese Kinderzeit vorbei ist, sondern habe auch noch ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht Freudensprünge mache, weil mein Kund von sich aus nichts mehr erzählt. 🙄 Danke dafür.

Ich habe nie geschrieben, dass ich die einzige Bezugsperson für mein Kind sein will, um Gottes Willen, ich bin froh um das "Dorf" an Personen, die uns unterstützen und für uns da sind.

Aber ich lebe jetzt mit einem Teenager zusammen, der auf die Frage "wie war dein Tag?" mit einem abschliessenden "gut" antwortet, dann folgt ein "ich bin im Zimmer" - und das war's dann.
Und darüber darf ich nicht traurig sein? Was für eine Mutter wäre ich, wenn ich die Zeit der Pausenbrotschmiererei, Ausflugseinkäufe, die Kuscheleinheiten auf dem Sofa und die gemeinsamen Spiele nicht vermissen würde??
Andere bekommen bei Babykleidung Tränen in die Augen, oder machen "einfach ein weiteres Kind", ich schreibe hier, dass ich traurig bin.
Wow, wie schlimm von mir.

Sorry, aber deine Antwort ist absolut unsensibel mir gegenüber. Und hier in diesem Post, geht es um mich. Hier habe ich mir eine Ecke gesucht, fern von meinem Alltag in den ich die Traurigkeit nicht einfliessen lasse, sondern mich auf die positiven Aspekte und Momente fokussiere. Und du kommst und nennst mich egoistisch?
Was? Weil ich das Leben mit dem Menschen, mit dem ich es teile, gerne auch teilen würde?

Mir ist selbstverständlich klar, dass das Verhalten meines Kindes normal ist. Dass es gesund ist. Und welche Freiheiten ich wieder gewinne.
Aber deswegeb darf ich dennoch traurig und überfordert sein.

Ein grosser, langer Abschnitt meines Lebens ist jetzt vorbei. Da es mein einziges Kind ist, betrete ich mit der Pubertät einen Abschnitt, der mir absolut unvertraut ist. Das darf mich überfordern und mir Angst machen, denn auch das ist vollkommen normal.


Etwas Zuspruch wäre nett gewesen, anstatt Vorwürfe.
 
A

Alleinerziehende Nachteule

Gast
@cafard da hast du absolut recht.

Vielleicht muss ich erklären, was ich meine, wenn ich sage "richtiger Mensch"...
Ein Kind ist auf seine Eltern angewiesen. Es formt sich erst mit der Zeit aus; Leidenschaften, Fähigkeiten, Vorlieben, Macken... Es ist quasi eine leere Leinwand, die sich dann mit Leben füllt.
"Richtig" bedeutet für mich hier "vollständig" oder "selbständig". Halt eine eigenständige Person, die mir auf Augenhöhe begegnen kann.
Ich muss, bildlich gesprochen, nicht mehr in die Knie gehen um auf Augenhöhe zu sein.
 
D

Die Queen

Gast
Aus meinem Baby ist ein richtiger Mensch geworden...
Allein diese Formulierung zeigt, dass du zu lange nur mit dem Kind alleine warst.

Ein "Baby" war er faktisch nur im Säuglingsalter, danach kommt die Kleinkind Phase, das Kind sein und nun ist er ist am Anfang der Jugendphase angelangt. Sein Verhalten ist normal oder warst du als Teenager soooo anders und hast brav alles Mami und Papi erzählt?
 
D

Die Queen

Gast
Es ist ein großer Unterschied zwischen "Mutter alles erzählen können" und "Mutter alles erzählen müssen".
Du sagst du führst keine Verhöre, wenn du deinem Kind fragen stellst. Fürs Kind kann es aber genauso rüberkommen und dann werden die Fragen der Mutter zur Belastung, statt zu einem Segen.
So ein "ich bin deine Mutter. Du MUSST doch mit mir reden" kann auch mitschwingen, ohne dass du es direkt aussprichst.
Wenn du dein Kind da nicht gegen dich aufbringen willst, würde ich deinen Egoismus da hinten anstellen. Egoismus in dem Sinne, dass du scheinbar nicht mit deinem Kind reden willst, weil du deinem Kind damit helfen willst, sondern du willst, dass dein Kind mit dir redet, damit du dir selber sagen kannst "Mein Kind vertraut mir alles an. Ich mache meinen Job als Mutter also gut". Du willst, dass dein Kind mit dir redet, zu DEINEM Wohlbefinden. Damit du dich gut und beruhigt fühlen kannst.
Wäre dem nicht so, würde es dich auch nicht traurig machen, dass dein Kind Freunde gefunden hat, denen es vertraut und mit dem es zusammen Erfahrungen sammelt und Dinge erlebt. Das sollte eine gute Mutter freuen, statt traurig machen.

Eine Mutter, die sich wünscht, dass ihr Kind nur sie als Bezugsperson hat, handelt nicht zum Wohle des Kindes, sondern ziemlich eigennützig. Also schlucke diese Eigennützigkeit so gut es geht runter.
Dein Kind entwickelt sich ganz normal und das sollte dich freuen.
Kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

Es ist vor allem dieses zwanghafte "Ich MUSS Mama alles erzählen, ich MUSS Mama knuddeln, ich MUSS liebevoll genug Mama sagen, ich MUSS Mama zeigen, dass ich sie liebe, muss, muss, muss..." was letztendlich zwischen mir und meiner Mutter vieles zerstört hat.

Ich konnte nie frei entscheiden wann ich etwas machte, es war immer eine Pflicht, was sie mit ihren sekundenschnelle Heulkrämpfe auch noch mit emotionaler Erpressung mündete.

Sowas darf man keinen anderen Menschen antun, schon garnicht dem eigenen Kind.

Deswegen würde ich dir raten bei deinem Sohn den Druck rauszunehmen.
 

GrayBear

Mitglied
Da sich solche Entwicklungsschübe der Kinder selten ankündigen, erwischt es einen leider so gut wie immer auf dem linken Fuß und man reagiert oft genau so, wie man nicht reagieren sollte oder wollte. Wie sehr es einen schmerzt, diese frühere Nähe zu wandeln oder gefühlt auch zu verlieren ist ebenfalls etwas, mit dem ich nicht gerechnet habe. In all den Jahren brauche ich leider manchmal Monate, wenn wieder eine "Selbstverständlichkeit" durch etwas Neues ersetzt werden muss und sich mein "welcome" irgendwie nicht dazugesellen will.

Und wenn einem dann noch bewusster wird, dass nicht nur das Kind seine Eltern braucht, sondern die Eltern auch ihr Kind auf so unterschiedliche Arten und Weisen, dann schmerzen einen die neunmalklugen Kommentare und Besserwissereien um so mehr und man möchte lieber nicht darüber reden. Doch das zementiert nur den Schmerz und verlängert diesen Prozess.

Du musst es nicht gut finden, dass Dir diese Abnabelung Probleme macht. Du bist auch nur ein Mensch, dem manches gelingt und manches nicht und der kaum vorher danach befragt wird, wie er es denn gerne hätte. Wie soll man einen Kompromiss finden, den man im Grunde seines Herzens nicht will? Und doch wird es dazu kommen und ihr werdet Wege finden, aber den Scherz wirst Du die nächsten Jahre nicht los. Du wirst lernen, ihn besser auszuhalten, wenn Du mit Stolz erkennen wirst, wie sich Dein Pubertier ihre Welt erobert, wie sie zu leben, zu lieben und zu kämpfen lernt, auf ihre eigene Art und Weise und wie so trotz allem auch auf Deine Erfahrungen und Deine Vorarbeit aufbaut.

Es wird noch viele Jahre immer wieder heftig weh tun und sich dies selbst einzugestehen und auch für Dich selbst freundlich damit umzugehen, lässt Dich wachsen und schafft den Freiraum zwischen euch, den ihr beide braucht. Das ist der Preis für dieses unglaubliche Geschenk der Elternschaft. Also mach Dich nicht selbst runter, wenn Du nicht so cool, abgeklärt und allwissend auf den nächsten Entwicklungsschub reagieren kannst. Auch das braucht Übung und Geduld, nicht nur mit ihr, vor allem mit Dir selbst. Du hast es geschrieben: Du bist auch noch da und die Prioritäten verschieben sich, ohne dass Du gefragt wirst. Das kann frau/man auch zum eigenen Vorteil nutzen. Mit etwas Glück und offenen Augen.
 

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