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Dickes Loyalitätsproblem

Raphaela

Mitglied
Wir müssen Nebenjobs anzeigen (öff. Dienst). Eibe meiner Kolleginnen, die generell von uns die leistungsschwächste ist, hatte schon einmal einen heimlichen Nebenjob auf Zeit. Ich wusste davon, habe aber nichts verraten.

Nun schrieb sie mir, sie hat ein ganz tolles, aber auch teures wohnungsangebot und überlegt zuzusagen. Wir verstehen uns gut, also hab ich gesagt, rechne das erst mal in Ruhe durch. Sie meint, wenn sie einen nebenjob annimmt für ca. 350 Euro, würde das gehen.

Habe ihr angeraten. Erstens hat sie diverse Krankheiten und wird das psychisch und körperlich nicht schaffen, ich geb ihr da maximal 3 Monate. Und abgesehen von der Sorge um sie (ich mag sie irgendwie) , rechne ich dann wieder mit vermehrten Kranktagen, die wir anderen auffangen müssen, sowie mit ständigem Wehklagen, das einen auf die Dauer auch runterzieht. Und bei aller Sympathie möchte ich nicht meine Nerven und meine Arbeitskraft darauf verwenden, ihr zu ermöglichen, nebenbei etwas zu verdienen, egal ob für Miete oder sonst was. Ich selbst arbeite auch nicht nebenbei, weil ich weiss, dass ich das zeitlich und such gesundheitlich nur packen würde, wenn es zu Lasten anderer ginge.

Was soll ich tun, wenn sie das echt durchzieht? Wir schleppen sie ja so schon ständig mit.
 
Ich würde sie auf keinen Fall denunzieren, aber ihr klar sagen, dass du davon ausgehst, dass ihre eigentliche Arbeit nicht darunter leiden wird.
Wenn du sie dem Chef meldest wegen eines nicht angemeldeten Nebenjobs, machst du dich für alle Parteien ... unsympathisch.
Auch der Chef wird es dir nicht danken.
Keiner hat gerne Denunzianten im Stall.
 
Ich würde ihr aufzeigen, wie viel Kranheitstage letztes Jahr zusammen kamen und ganz klar sagen, daß sie eine Wohnung sich suchen soll, die auf ihr Gehalt auch dann passt, wenn sie keinen Minijob hat.

Ich würde niemand mitschleppen. Ich persönlich würde das melden, wenn sie es übertreibt. Nachher bist Du selber krank, dann hast Du viel davon gehabt. Ich konnte früher auch immer für irgendwelche Faulenzer die Arbeit mitmachen, da 0 Bock Einstellung. Irgendwann wurde ich selber krank und wurde anschließend gefeuert. Habe mich immer für andere eingesetzt, war eine tolle Erfahrung.
 
@ Jako: habe ihr gesagt, dass sie das nicht auf Dauer durchhält. Das Thema, das wir sie sowieso schon durchschlepoen, habe ich nicht erwähnt, weil sie mich sonst todsicher hasst und die Stimmung im Team noch mehr versaut.
 
Hallo,

ich verstehe, dass du genervt bist, wenn du befürchten musst, durch den Nebenjob der Kollegin werden Aufgaben ihres eigentlichen Jobs an dir hängenbleiben.

Ich finde aber auch, in der Situation kannst du nicht viel mehr tun, als ihr deine ehrliche Meinung zu ihrem Vorhaben mitzuteilen. Das kann man ja auch nett formulieren, indem man ihr beispielsweise sagt: "Ich verstehe, dass dich diese Wohnung reizt, aber du bist doch mit deiner hauptberuflichen Tätigkeit schon gut ausgelastet. Ich mache mir Sorgen, dass du dich übernimmst." Viel mehr als das kannst du nicht tun - sie ist erwachsen und muss mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen leben.

Beim Arbeitgeber verpfeifen würde ich sie nicht - das würde ich aber generell nur in Extremfällen tun, da es die Arbeitsatmosphäre wirklich vergiften und auch für dich negative Folgen haben kann. Gleichzeitig solltest du ihr aber natürlich Grenzen setzen und nicht ständig Aufgaben von ihr mitübernehmen. Sie muss eben die Folgen ihres Handelns ausbaden.
 
"Nebentätigkeiten gegen Entgelt haben die Beschäftigten ihrem Arbeitgeber rechtzeitig vorher schriftlich anzuzeigen. Der Arbeitgeber kann die Nebentätigkeit untersagen oder mit Auflagen versehen, wenn diese geeignet ist, die Erfüllung der arbeitsvertraglichen Pflichten der Beschäftigten oder berechtigte Interessen des Arbeitgebers zu beeinträchtigen." § 3 Abs. 3 Satz 1 TVöD

Letztendlich kannst du, liebe TE, als direkte Kollegin da gar nicht viel machen. Du bist nicht weisungsbefugt und kannst die Nebentätigkeit deiner Kollegin nicht verbieten.
Dein Arbeitgeber kann diese Nebentätigkeit auch nur untersagen, wenn seine berechtigten Interessen beeinträchtigt werden. Und was berechtigte Interessen bedeutet ist sehr weit gefasst.

Auf Haufe.de wird aufgelistet, was unter berechtigte Interessen zu verstehen ist:
  • entgegenstehende Wettbewerbsinteressen des Arbeitgebers berührt,
  • insgesamt die gesetzlich zulässigen Arbeitszeitgrenzen überschreiten würde, § 3 ArbZG,
  • gegen gesetzliche Bestimmungen verstoßen würde,
  • während des Urlaubs erfolgt und damit gegen § 8 BUrlG verstößt,
  • während einer Erkrankung des Beschäftigten erfolgt und damit den Heilungsprozess verzögert,
  • die Gefahr negativer Wahrnehmung in der Öffentlichkeit mit sich bringt,
  • in Widerstreit zu den dienstlichen Pflichten steht.
Darunter fällt nicht, dass sie in ihrem Hauptjob nicht so leistungsfähig ist wie ihr. Zumindest steht auch nicht aufgelistet, dass der Kollegin die Nebentätigkeit untersagt werden darf, wenn sie viele Fehltage hat...
Wenn du der Meinung bist, dass du oft die Aufgaben der Kollegin übernehmen musst und das auch kapazitätsmäßig nicht schaffst, dann musst du mit dem Vorgesetzten sprechen und er muss eine Lösung finden.

Vielleicht mal noch eine andere Frage: Du schreibst, dass die Kollegin schon mal einen Nebenjob hatte. Hat sich ihre Arbeitsleistung im Hauptjob während dieser Zeit verschlechtert? War sie während sie diese Nebentätigkeit hatte öfter krank als normal?
 
Naja. Die andere Möglichkeit ist ja, dass sie es dann in paar Monaten zu spüren bekommt. Wenn sie zusätzlich arbeiten würde, um ihre Kinder durchzubekommen, wäre das was anderes.

Vielleicht sagst du ihr mal, dass sie doch gar nix von der Wohnung hat, wenn sie rund um die Uhr arbeitet (und dann eventuell noch im Krankenhaus landet)? Nachher verschuldet sie sich noch.
Kannst ja sagen, dass das deine persönlichen Bedenken wären und du dir deswegen nie nen zusätzlichen Job besorgt hättest/besorgen würdest. Obwohl du natürlich auch Träume hast.

Der Vermieter wird sich wahrscheinlich die letzte Gehaltsabrechnung zeigen lassen. Wenn es noch andere Bewerber gibt, wovon bei einer so guten Wohnung auszugehen ist, hat sie sowieso geringe Chancen sie zu bekommen.
Ein Vermieter hat ja ein großes Interesse daran, dass er an sein Geld kommt.
Wenn sie dem sagt, dass sie aktuell noch nen Nebenjob sucht, kann er sich seinen Teil denken.

Ich glaube, dass deine Kollegin grad "nicht bei Sinnen"/"nicht bei sich" ist. Ist nicht böse gemeint. Viele haben zwischendurch Phasen, in denen sie ein bisschen träumen. Das ist auch gut so. Es hilft uns, uns weiterzuentwickeln. Sie wird vielleicht einsehen, dass sie eine solche Wohnung nicht zu ihrem Glück braucht oder sie wird sich weiterbilden, um sich eine solche Wohnung leisten zu können. (Gehen wir vom Regelfall aus, in dem das Umfeld, die eigene Vernunft und das Leben einen auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Ist das nicht der Fall kann es Menschen zu kriminellen Taten, Spielsucht etc. verleiten, um sich das notwendige Kleingeld zu beschaffen, in Drogen- oder Alkoholsucht treiben, um aus dem unerträglichen Alltag zu fliehen oder in die Depression stürzen, weil sie ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. Oder eben dazu führen, dass deine Freundin einen zusätzlichen Job annimmt, sich dadurch übernimmt und gesundheitliche Schäden davonträgt.)
Ich kenne sogar eine Person, die sich einen Sugar Daddy gesucht hat, um ihre Wohnung zu finanzieren. Halten wir also fest, dass deine Kollegin momentan noch nach nem richtigen Weg sucht, sich ihren Traum zu erfüllen.

Wenn ihr ein gutes Verhältnis habt und sie nochmal mit der Wohnung anfängt, vielleicht etwas in die Richtung?:
"Ich guck mir auch zwischendurch die Wohnungen auf dem Wohnungsmarkt an und stell mir vor, wie das wäre, wenn das meine wäre. Aber zeitgleich weiß ich, dass es mir das nicht wert wäre, noch mehr zu arbeiten. Bin so schon immer todmüde nach der Arbeit und will ja auch noch etwas mit Freunden unternehmen. Im Endeffekt hab ich ja dann nichts von der Wohnung. Da gönn ich mir lieber nen richtig schönen Urlaub zwischendurch."

Oder:
"Wäre es nicht einfacher, wenn du mal mit unserem Chef sprichst, welche Möglichkeiten es gibt dein Gehalt zu erhöhen? Wenn du zum Beispiel durch eine Weiterbildung eine Gehaltstufe höher gruppiert würdest, hättest du schon mal mehr Geld und müsstest weniger nebenher arbeiten (oder sogar gar nicht). Dann hättest du auch noch was von der Wohnung."

Wie gesagt, weiß nicht wie nahe ihr euch steht. Aber wenn sie dir erzählt, dass sie heimlich nen zusätzlichen Job annimmt, vertraut sie dir ja.

Kannst sie ja auch daran erinnern, dass sie das vorher besser mit dem Chef abklärt. Nicht, dass das rauskommt. (Und das kommts doch immer.)
 

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