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Der ständige Kampf mit sich selbst

Ursu

Mitglied
Hiermit will ich mir einfach Mal etwas von der Seele schreiben.

Meine Schulzeit war geprägt von ständiger Abhängingkeit von meinen Mitschülern. In meiner Klasse in der Grundschule wurde ich ausgeschlossen und ausgegrenzt, wie es nur ging. Einen einzigen Freund hatte ich, einen einzigen. Nach einer Verletzung während der Sommerferien, durfte ich nicht raus in die Pause und musste im Klassenraum warten. Mein Kumpel durfte mir Gesellschaft leisten. Es war so die beste Zeit in der Grundschule, wenn ich daran zurückdenke. Für die meisten Kindern war die Pause toben, spielen, Spaß haben. Für mich leider nicht.
In der Hoffnung, dass in der weiterführenden Schule endlich alles besser wird, ging es aufs Gymnasium. Mein einer Freund kam mit in die neue Klasse. Leider waren auch ein gutes Dutzend weiterer Schüler mit in die neue Klasse versetzt worden und der ganze Spaß ging weiter. Die anderen 'neuen' Mitschüler merkten schnell was sich abspielte und schlossen sich der Gruppendynamik an. In den Pausen wurde ich ausgegrenzt und musste immer um Aufmerksamkeit und Beachtung der Anderen kämpfen. Natürlich wurden die Leute mit der Zeit älter und 'erwachsener', wodurch weniger Anfeindungen, sondern schlichtes Ignorieren zur Tagesordnung wurde. Wenn ich in den Pausen mit Leuten zusammen stehen wollte, musste ich mich irgendwie in den Kreis dazwischen quetschen.
Über die acht Jahre weiterführende Schule konnte ich am Ende doch ein paar 'Freundschaften' schließen. Normale Freundschaften, wie ich sie heute kenne, hatte ich zwei. Ich glaube einer der beiden Freunde hatte Mitleid mit mir, wodurch er auf mich zu kam. Da ich vorher nie wirklich gelernt habe, was es heißt ein guter Freund zu sein, war ich leider entsprechend ahnunglos in vielen Situationen, was regelmäßig zu Streit geführt hat. Für ihn war es klar, was es heißt ein Freund zu sein, mir aber einfach nicht und so hab ich es ihm nicht immer leicht gemacht. Auf meinem 18. Geburtstag konnte ich so 15 Leute einladen, mehr sind mir nicht eingefallen, die nichts dagegen gehabt hätten. Die meisten haben sich eher gewundert, wieso sie eingeladen wurden und waren entsprechend schnell wieder auf der Party verschwunden.
Die vielen Jahre haben leider auch dazu geführt, dass ich sehr abhängig von anderen Meinungen und Sichtweisen wurde. Mein Selbstbewusstsein hat sehr darunter gelitten und der Drang nach Aufmerksamkeit ist immer weiter gestiegen. Ich werfe werfe meinen ehemaligen Mitschülern auch nichts vor, das waren Kinder, die es nicht besser wussten und sich nichts dabei gedacht haben.

Heute studiere ich seit eineinhalb Jahren und habe in einer neuen Stadt zum ersten Mal einen Freundeskreis bekommen. Ich glaube es ging mir nie besser als in der jetztigen Zeit und der Trend setzt sich hoffentlich fort. Allerdings kämpfe ich immer noch mit meinen Verhalten, welches ich mir während meiner Schulzeit angeeignet habe.

Erstens...Ich kann einfach meine Klappe nicht halten, egal wie lange ich versuche nicht meinen Senf zu irgendwas hinzuzugeben, irgendwann schießt es nur so aus mir heraus. Das Gefühl immer was zu allem sagen zu müssen, macht mich einfach fertig. Das schlimmste ist, ich finde andere Leute die so sind, äußerst anstrengend und nervig, habe entsprechend Angst auch mein Umfeld damit zu vergraulen. Momentan ist es nicht so, aber es gab vor einem Jahr eine Zeit, da habe ich über Monate hinweg jeden Abend im Bett gelegen und mich selber fertig gemacht, wieso ich es nicht schaffen kann, normal wie jeder Andere zu sein.

Eine weitere Eigenschaft die mich stört ist, es anderen immer Recht machen zu müssen. Ich lache über Witze die ich nicht lustig finde, nur um nicht blöd da zu stehen, ich zeige Verständnis für Sachen, die ich eigentlich ablehne, nur um nicht gegen den Strich zu gehen. Das passiert immer unterbewusst und ärgere mich jedes Mal im nachhinein über mich. Wie oft passiert das? In der Regel etlich Male am Tag. Ich schaffe es nicht, einfach meinem eigenen Gefühl zuzuhören und mich dementsprechend Auszudrücken. Natürlich kann ich, wenn ich mich darauf konzentriere, für einige Zeit das Ganze bewusst steuern, aber im normalen Alltag, im Umgang mit Anderen eigentlich nicht. Da fehlt mir jegliches Rückrad.

Abschließend noch ein Thema, was mich zunehmend immer mehr belastet, ist mein Umgang mit Frauen. Noch nie habe ich in meinem Leben eine Frau angesprochen, angelächelt oder Augenkontakt gehalten. In meiner Schulzeit hab ich bisher zwei Mal mit Mädchen geküsst (einmal Betrunken und einmal aus Drang nach Aufmerksamkeit), was ich beide Male heute tief bereue und wünschte ich könnte es Rückgänig machen (Bei dem Kuss aus Aufmerksamkeit würde ich mich heute noch am liebsten vergraben, wenn ich daran denke, so unangenehm ist mir das), aber das wars dann auch schon an Erfahrung. Für mich sind Frauen ein unerreichbares Thema, obwohl ich mit meinem Äußeren zufrieden bin. Ich weiß einfach nicht, wie ich den Mut finden kann einer Frau zu zeigen, dass ich sie mag oder auf sie stehe.


Mein größter Wunsch ist es, einfach normal zu sein, nicht aufzufallen, selbstbewusst durchs Leben zu gehen. Und am allerwichtigsten: Zufrieden mit mir zu sein.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob und was ich mir hiervon erwarte, aber falls euch irgendwas dazu einfällt, schreibt eure Gedanken darüber (bitte direkt sein :) ) oder ähnliche Erfahrungen in die Antworten.
 

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Werner

Sehr aktives Mitglied
Mein größter Wunsch ist es, einfach normal zu sein, nicht aufzufallen, selbstbewusst durchs Leben zu gehen. Und am allerwichtigsten: Zufrieden mit mir zu sein.
Hallo Ursu,
dein Wunsch oder Ziel "normal wie jeder andere"
zu sein, ist sowohl unrealistisch als auch schädlich
für die Welt und für dich selbst.

Erstens, weil es "den normalen Menschen" gar
nicht gibt und zweitens, weil die Welt ärmer wäre,
wenn du irgendwie "anders" würdest als du bisher
bist oder "durchschnittlicher".

Unsere menschliche Kultur lebt doch gerade von
der Verschiedenheit und auch von Abweichungen
von der Norm (sofern es diese überhaupt gibt).
Wir sind ja keine Ameisen oder irgendwelche
Schwarmtiere, bei denen keine große Individualität
möglich ist.

Und zur Zufriedenheit: dieses Ziel kannst du sofort
erreichen, indem du dich für zufrieden erklärst. Was
ja nicht bedeuten muss, dass du nicht an dir arbeiten
und dich in Richtung eines realistischeren Zieles be-
mühen könntest. Du könntest dir schlicht sagen: Ich
gebe immer mein derzeit Bestes! Und dann absicht-
lich ein bisschen unzufrieden sein, so für eine halbe
Stunde und dir überlegen, was du tun oder lassen
könntest, um morgen Abend um 0,1 Prozent zufrie-
dener mit dir zu sein. Wenn du das drei Jahre lang
betreibst, bist du über 100% zufriedener ;)

Was du ja schon gut kannst, ist dich selbst schlecht
zu reden. Nur scheint mir solche Form der Selbst-
kritik nicht sehr produktiv, da sie nur absolute Gegen-
sätze kennt und keine Zwischenstufen.

Das "weniger auffallen" könntest du vielleicht durch
"öfters positiv auffallen" ersetzen. Denn deine von
dir beschriebene Art, dich zu äußern, dürfte zu deinen
angeborenen Eigenschaften gehören, die kaum abzu-
stellen sind. Aber sie können ja "kultiviert" werden
und dazu genutzt, andere zu erheitern oder zum
Nachdenken zu bewegen.

Ich habe mich als Kind auch gerne ins Leben anderer,
vorzugsweise der Erwachsenen, eingemischt und da-
für manchen schiefen Blick geerntet. Und was mache
ich heute? Ich mische mich hier in anderer Leute Leben
ein und hoffe, ab und zu damit jemand etwas Sinnvolles
mitzugeben.

Vielleicht ja auch dir ;)

Alles Gute!
Werner
 

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