Hallo TE!
Man, deine Geschichte erinnert mich irgendwie an das, was mir meine Mutter immer über ihre Beziehung erzählt - wenn die Zahlen und andere Details stimmen würden, hätte ich sogar vermutet, dass sie das ist :/
Ich möchte nicht darauf eingehen, was ich über solche fehlenden Liebesbekundungen denke oder über die sexuellen Wünsche deines Mannes, ich denke, dazu fehlt mir die Erfahrung. Du hast aber erwähnt, dass du unsicher bist, wie du deinem Mann sagen sollst, was du dir wünscht, ohne dass er sich erpresst vorkommt, und dass ihr grosse Kommunikationsprobleme habt. Hier kann ich vielleicht ein Wörtchen mitreden, denn ich habe auch manchmal solche Probleme mit meinem Freund - ich denke, dass sie hauptsächlich daher kommen, dass ich einfach viel zu emotional reagiere und in einem Gespräch über ein Herzensthema von mir nicht ruhig und vernünftig bleiben kann - du hast etwas davon gesagt, dass du so etwas auch kennst, deshalb könnte das bei dir ja auch das Problem sein.
Es könnte sogar sein, dass dein Mann vielleicht offener und bereitwilliger "Beziehungsgespräche" mit dir führen würde, wenn er nicht die Erfahrung gemacht hat (falls das so ist, natürlich), dass du dann immer überreagierst und das Gespräch verletzend und im Streit endet.
Ich habe jetzt mehrere Ideen, sie alle beinhalten, dass du dir ganz genau überlegst, was du sagen willst und wie du es sagst, und wie du reagierst wenn dein Mann etwas sagt, was du nicht so gern hören magst. Einerseits fände ich es wohl ganz gut, wenn ihr mit Hilfe eines aussenstehenden Mediators reden würdet - aber ihr habt ja schon einmal so eine Paartherapie angefangen und nicht weitergemacht. Vielleicht würde dein Mann sich noch einmal zu so etwas ähnlichem bereit erklären?
Wenn er das nicht will, könntest du selber so ein Gespräch anzetteln und im Vorfeld zusammen mit deinem Mann Regeln dazu aufstellen. Z.B.: "Ich weiss, dass wir in der Vergangenheit oft Probleme hatten, über Dinge zu sprechen, die unsere Beziehung betreffen. Mir ist es aber sehr wichtig, dass wir es noch einmal versuchen. Damit es diesmal für uns beide angenehm ist, schlage ich vor, dass wir zusammen Regeln festlegen, wie das Gespräch ablaufen soll." So eine Regel kann z.B. sein, dass man immer in der ersten Person spricht, dass man einander ausreden lässt und wie bei Funkgeräten immer ankündigt, wenn man fertig ist mit seinem Redebeitrag - klingt albern, ist aber in der Praxis ganz nützlich finde ich 😀
Wenn das alles nicht klappt, wäre ein weiterer Vorschlag, dass du ihm alles, was du so sagen möchtest schriftlich mitteilst, vielleicht wenn ihr mal für einen Tag oder so getrennt seid, damit er sich das in Ruhe durch den Kopf gehen lassen kann.
Ein Tipp für den Inhalt des Gesprächs übrigens: Ich würde wohl nichts von dem spezifischen sexuellen Wunsch deines Mannes sagen, weil das vielleicht zu schwierig zum erklären / zu streitanfällig ist. Im Grunde genommen ist es ja auch eher ein allgemeines Problem, oder nicht? Also dass du dich durch seine Untreue, aber auch durch euren Alltag und eure Kommunikation, nicht sicher und geborgen genug fühlst in der Beziehung, und dass du halt Zweifel über seine Gefühle dir gegenüber hast.
(Und ich persönlich würde übrigens das Wort "Liebe" möglichst aus dem Gespräch raus lassen. Ich finde es ungeheuer kompliziert und schwammig, und mittlerweile muss ich sagen, dass es für mich nicht viel ausdrückt und ich lieber Worte verwende, die klarer sagen was ich meine. )