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Deprifrauen sind unattraktiv, während Deprimänner so begehrt sind?

Ich sehe das zweischneidig.

Natürlich gehört es in meinen Augen zu zwischenmenschlichen Beziehungen auch dazu über Probleme, Ängste und Sorge zu sprechen.
Ich würde nicht generell eine Partnerin ablehnen, weil sie depressiv ist, es käme auf den Grad ihrer Selbstreflektion an. Niemand kann etwas dafür, wenn es ihm schlecht geht oder er depressiv ist, aber man kann einen anderen Menschen nur unterstützen und nicht die Lösung für seine Probleme übernehmen.
Ich hätte kein Problem mit meiner Partnerin über ihre Gefühle zu reden, sooft sie will, solange sie sich bewusst ist, dass die Verantwortung für ihren Gefühlszustand und die Besserung bei ihr liegt.

Manchmal ist das schwer, weil es nicht das Ziel sein kann nicht zu helfen, andererseits will ich aber auch niemanden abhängig von mir sehen.
Unabhängigkeit sehe ich als ein Grundfundament einer ernsthaften Beziehung, wie oft wird heute Abhängigkeit mit Liebe verwechselt und merkwürdigerweise nicht selten nicht nur von der abhängigen Person, sondern auch vom scheinbar unabhängigen Partner. Man kann auch abhängig davon sein, andere Menschen abhängig von sich sehen.

In einem vorherigen Beitrag wurde das Helfersyndrom angesprochen. Ich mag dieses Wort nicht, weil es impliziert das Helfen etwas schlechtes ist. Nicht selten werfen es Menschen helfenden Menschen vor und stellen ihre „Ich-Bezogenheit“ als das „normale“ und „gesunde“ dar.
Was ist überhaupt gesund und was krank?
Psychologische Studien haben gezeigt, dass absolut jeder Mensch Symptome von unterschiedlichen psychischen Krankheiten aufweist. Sollte das Helfersyndrom eine psychische „Krankheit“ sein, als das es manche gerne darstellen, nun dann denk ich mir gibt es wahrlich schlimmere Symptome anderer Krankheiten, wie z.B. krankhafte Ich-Bezogenheit.

Aber problematisch kann es wirklich sein, wenn jemand als der (vermeintlich) Stärkere mit einem depressiven Partner zusammenkommt und dann sich dann ein Teufelskreis von Abhängigkeiten aufbaut. Der eine benötigt unbedingt die Hilfe des anderen, der andere die Hilfsbedürftigkeit des anderen.

Deshalb würde ich eine Beziehung mit einer depressiven Partnerin unter Umständen kompliziert finden. Ich versuche in allen zwischenmenschlichen Beziehungen den schmalen Grad zu finden zwischen höchst möglicher Unterstützung, aber gleichzeitigem Nicht-Abhängigmachen des Gegenüber.

Warum manche Menschen Depressive attraktiv finden und andere nicht, jetzt mal unabhängig vom Geschlecht meine Meinung dazu. Mit Depression, bzw. Melancholie geht ja nicht selten Tiefsinnigkeit und größere Intimität und Empathie einher. Dinge, die es immer komischerweise immer weniger gibt, obwohl sich immer mehr Menschen danach sehnen.
Andererseits besteht wie angesprochen die Gefahr, dass dieser Mensch von einem abhängig werden könnte.
Ersteres, also Tiefsinnigkeit, Intimität, Empathie, das alles gibt es in meinen Augen viel zu wenig auf dieser Welt, die immer oberflächlicher und abgestumpfter wird.
Aber das alles ist etwas Freies, das man zusammen genießt, wodurch man sich lebendig fühlt, fängt man an abhängig davon zu werden oder es gar zu fordern tötet es diese Lebendigkeit.
Der Denkfehler in meinen Augen ist der, dass viele erwarten oder denken, dass diese Gefühle ihnen andere geben müssen, aber das kann man sich nur selbst geben. Man kann und sollte es anderen erleichtern, dass sie es sich selbst geben können, also sozusagen Hilfe zur Selbsthilfe.

Viele die Tiefsinnigkeit, Empathie, Intimität und anderen zu helfen als Schwäche ansehen in ihrer „Ich-Bezogenheit“ und es erst gar nicht zulassen, begreifen in meinen Augen nicht, dass genau diese Dinge Ausdruck von Lebendigkeit sind, viel mehr als in einem schicken neuen Porsche durch die Stadt zu fahren.
Aber diejenigen, die sich davon abhängig machen, dass ihnen das alles von anderen gegeben wird, die töten damit das, was die Erst-Angesprochenen erst gar nicht zu lassen.

Ich finde einen Menschen nicht wegen Depression unattraktiv und würde ihn deshalb schon gar nicht ablehnen (was den Kontakt angeht), für eine Partnerschaft müsste aber wirklich ein großes Maß an Selbstreflektion vorhanden sein, was ich sowieso an jedem Menschen schätze.
Anderenfalls hätte ich glaub ich einerseits zu viel Angst die andere Person abhängig zu machen, andererseits aber auch Angst sie auf Grund dieser ersten Angst eventuell zu wenig unterstützen.
Das wäre dann eventuell in einem „normalen“ Kontakt nochmal einfacher als eine Partnerschaft, in der die meisten noch höhere Erwartungen haben.

Entschuldigt, wenn ich zeitweise etwas vom Thema abgekommen bin, aber das passiert mir oft, dass meine Gedanken von einem Thema zum andern hüpfen und aus einem kleinen Kern plötzlich ein großes Spinnennetz entsteht. 😀
 
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