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Depressionen- ein gesellschaftliches Tabu ?

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egal0815

Aktives Mitglied
Wiso ist das denn so (immer noch)
Auch die dabei häufig vorkommenden Suizidgedanken.
Ich denke, das reden helfen würde, nur mit wem?
Ok ich war die letzten Wochen in der Psychatrie
dort kann man wenigstens offen mit anderen patienten über soetwas
reden, ohne Vorwürfe zu bekommen
aber hilfreich wäre es vorher gewesen.
Nur mit wem könnte man das, ohne denjenigen zu Schocken
oder Zwangseingewiesen zu werden.
 
Ich glaube, die Vorwürfe von Nicht-Depressiven resultieren einfach aus der Angst, den Depressiven zu verlieren. Fremden reagieren oft mehr mit Verständnis und Hilfe als die eigene Familie oder Freunde. Eben weil die Fremden dir nicht nahestehen.
Freunde und Familie werden meistens wütend, weil sie sich ihrer Hilflosigkeit bewusst werden und den geliebten, depressiven Menschen nicht verlieren wollen durch Suizid. Die Vorwürfe verstärken jedoch oft das Abschotten des Depressiven und die Vorwürfe werden noch vehementer.
Deshalb finde ich auch, dass es u.a. auch die Aufgabe des Depressiven selbst ist, seine Familie und Freunde nicht mit Suizidgedanken zu belasten. Man kommt in einen Teufelskreis, aus dem man nicht mehr ausbrechen kann - weder man selbst, noch die Angehörigen.
Ich denke, man sollte diese Belastung nur Menschen tragen lassen, die entweder professionell damit umgehen können (Psychologen, Psychiater, Ärzte allgemein) oder sich nichts aus dir machen.

Das ist zumindest meine Erfahrung, wie es am leichtesten ist, für einen selbst und für die Angehörigen mit Depressionen umzugehen.

Alles Liebe
 
also ich glaube nicht dass es noch wirklich ein gesellschaftliches tabu ist....!

ich denke nur dass leute die "nicht depressiv" sind sich schwer damit tun diese krankheit zuverstehen!

eine kleine depression hat ja denke ich jeder mal! und irgendwann geht sie vorüber oder man wirkt ihr eben aktiv entegegen und dann ist es wieder gut!
bei einer richtigen depression ist das ja leider nicht so einfach..

es ist, denke ich , wirklich das beste für alle beteiligten sich da professionelle hilfe zuholen...

und wie mit (fast) allen psychischen erkrankungen ist hier auch wieder das problem, dass man schlecht einschätzen kann wie ernst die lage ist...

fieber kann man nicht vortäuschen oder schnupfen oder so...

eine depression leider schon...!

nee, das gehört in die hände eines arztes!

lg, kena
 
Klar sollte man niemanden mit solchen Gedanken belasten,
nur wäre es vielleicht hilfreich, darüber reden zu können
um Druck abbauen zu können ohne gleich in der Psychatrie zu landen.

Ok, dort war ich gute 3 Wochen, war auch gar nicht so schlimm, wie ich es mir vorgestellt habe, nur das man erst da wirklich offen reden kann
ist schon schade.
 
Richtig akzeptiert ist diese Krankheit noch nicht überall. In einen kleinen Kuhkaff wie hier, ist sowas schnell Ortsgespraech.

Die meisten dürften das einfach nicht verstehen und stempeln Betroffene mit unter als weichlich ab...

Und bei der Berufswahl schaut auch der Arbeitgeber recht komisch drein und überlegt sich zweimal ob er einen Betroffenen einstellt.

Aber ich glaube das aendert sich noch, da ja immer mehr Leute betroffen sind und man dies nicht einfach als Spinnerei abtun kann.


Velo
 
ich denke nur dass leute die "nicht depressiv" sind sich schwer damit tun diese krankheit zuverstehen!

eine depression leider schon...!

nee, das gehört in die hände eines arztes!
Richtig, eine Depression gehört in die Hände eines darauf spezialisierten Arztes.

Trotzdem finde ich, wenn man enger Familienangehöriger eines depressiven Menschen ist oder sich als dessen "Freund" bezeichnet, hat man die moralische Pflicht, sich über dessen Krankheit genauer zu informieren, um sie besser zu verstehen und im Umgang mit diesem Menschen keine Fehler aus purer Unwissenheit zu begehen. Auch als Vorgesetzter oder Arbeitskollege, der tagtäglich mit diesem Menschen zusammenarbeitet, darf man nicht einfach die Augen davor verschließen.

Damit meine ich aber nicht, dass man sich dadurch in die Rolle eines Therapeuten begibt bzw. begeben darf! Dazu sind Profis da.

Aber unterstützen kann und sollte man einen depressiven Menschen, an dem einem etwas liegt, schon. Wenn einem ein nahestehender Mensch es nicht mal wert ist, dass man sich über seine psychische Krankheit näher informiert, und man lieber in Kauf nimmt, im Umgang mit ihm aus Unwissenheit grobe Fehler zu begehen, die fatale Folgen für ihn haben können, dann hat man meiner Meinung nach charakterliche Defizite. Im Übrigen lernt man ja gerade durch sachliche Information über dieses Thema, wie man als Angehöriger, Freund, Vorgesetzter, Kollege des betroffenen Menschen auf "gesunde" Weise Mitgefühl (nicht Mitleid!) zeigen und Unterstützung geben kann, ohne dabei sein eigenes Leben zu vernachlässigen. Das ist wichtig, damit man selbst psychisch stabil bleibt.

Daher sollte man sich auch als Angehöriger eines depressiven Menschen professionell (am besten vom behandelnden Arzt des Erkrankten) beraten lassen. Außerdem git es heute gute Sachbuchliteratur für Angehörige psychisch Kranker, egal, ob es sich um Depressionen, Psychosen oder Suchterkrankungen handelt. Spezielle Gesprächskreise und Selbsthilfegruppen für Angehörige gibt es auch, Familienberatungsstellen und was nicht alles. Und in jeder größeren Firma, jeder Behörde müssten regelmäßig Fortbildungsveranstaltungen und Vorträge über diese Erkrankungen angeboten werden, nicht nur für die Führungskräfte.

Wir müssen dahin kommen, dass psychische Erkrankungen gesellschaftlich ebenso betrachtet werden wie etwa ein Beinbruch, Diabetes oder dergleichen. Wäre das schon so, hätte ein Robert Enke es wagen können, sich wegen seiner Depression zu outen, nicht nur im engsten Familienkreis. Dann könnte er heute noch am Leben sein. Immerhin gibt es nach meiner Wahrnehmung heute schon mehr Menschen, die sich eingehend informieren und psychisch Kranke nicht stigmatisieren, als noch vor 20 Jahren.

Was ich geschrieben habe, gilt meines Erachtens für Krankheiten jeglicher Art, egal ob physisch oder psychisch.
 
Zuletzt bearbeitet:
In der Regel sind die Menschen doch dem Leben zugewandt. Wenn sie dann Gespräche mit anderen über kontroverse Themen wie z.B. Suizid oder gesellschaftskritische Sachen führen wirft das einen negativen Schatten über ihr Leben, den sie einfach nicht haben wollen. Anderherum ist es häufig genauso. Die Menschen, denen es schlecht geht, wollen auch nicht jeden Tag von anderen hören wie toll die gestrige Party war oder was alles prima klappt in deren Leben.

Ich finde dennoch, dass insbesondere die Familie eine gewisse Verpflichtung hat den Depressiven mit allen Kräften zu unterstützen. Dazu zählt für mich auch das Reden über den Suizid. Anderseits sollte der Depressive auch wissen wo die Grenze ist. Wenn er die anderen kontinuierlich damit belastet (in der Regel gehts ja nicht von heut auf morgen vorbei), zieht er sie nur mit in den Abgrund. Und dazu hat er kein Recht.

LG, J.
 
ich meine auch dass man gerade innerhalb der familie ein gewisses verständnis aufbringen sollte! und auch hilfestellung geben sollte soweit es einem möglich ist!

aber wenn es irgendwann an die eigene substanz geht kann man guten gewissens aufhören!

was die arbeitswelt angeht, ganz ehrlich:

was wird denn von einem chef erwartet?
im interesse des chefes liegt es dass das unternehmen läuft, daraus kann man ihm keinen vorwurf machen!

ein guter chef will natürlich auch dass es seinen mitarbeitern gut geht, aber er ist nicht dazu verpflichtet zu tolerieren dass jdn nur dann arbeitet wenn es ihm gerade möglich ist!

ein maurerbetrieb der keinen menschen mit krummen rücken und gelenkproblemen einstellt, ist noch lange nicht diskriminierend!

und so ist das halt auch mit der depression!

ich kenne jdn der von seinem psychologen quasi ein dauerattest ausgestellt bekommen hat für die schule!
also wenn die person sich wohl fühlt kann sie hingehen und wenn nicht ist sie offiziell entschuldigt!

in der schule ist das ja ok, aber ganz ehrlich....wenn jdn hier ein unternehmen hätte, würde er so jdn dann bei sich einstellen?

ich ehrlich gesagt nicht!
 
was die arbeitswelt angeht, ganz ehrlich:

was wird denn von einem chef erwartet?
im interesse des chefes liegt es dass das unternehmen läuft, daraus kann man ihm keinen vorwurf machen!

ein guter chef will natürlich auch dass es seinen mitarbeitern gut geht, aber er ist nicht dazu verpflichtet zu tolerieren dass jdn nur dann arbeitet wenn es ihm gerade möglich ist!

Nein, das sehe ich anders. Ein Chef hat gegenüber seinen Mitarbeitern auch eine Fürsorgepflicht. Sie sind Menschen und keine Maschinen, die man gleich wegwirft, sobald sie nicht richtig funktionieren.

Ein Mitarbeiter, der nicht so viel schafft, weil er in einer akuten depressiven Phase steckt, tut das nicht aus Faulheit oder wegen Arbeitsverweigerung, sondern weil er es krankheitsbedingt nicht kann.

Da ist der Chef schon verpflichtet, so weit über psychische Erkrankungen informiert zu sein, dass er Anzeichen laienhaft erkennen und mit dazu beitragen kann, dass der Betroffene sich in ärztliche Behandlung begibt. Gerade wenn jemand in psychiatrischer Behandlung war oder ist, kann man ihn zumindest in größeren Unternehmen vorübergehend angemessen entlasten und damit zu seiner gesundheitlichen Stabilisierung beitragen. Kommt der Mitarbeiter seiner Mitwirkungspflicht nicht nach, indem er jede Therapie ablehnt und seine Medikamente nicht nimmt, oder bleibt eine Therapie über einen längeren Zeitraum erfolglos, dann kann man immer noch darüber nachdenken, das Arbeitsverhältnis zu beenden. Aber erst dann.

Und nicht jedes ärztliche Attest über eine psychische Erkrankung wird aus purer Gefälligkeit ausgestellt.

Dass dies alles in kleineren Betrieben nur schwer möglich ist, die wegen eines Dauerkranken schnell vor der Pleite stehen können, ist mir klar. Aber wenigstens bei größeren Arbeitgebern kann man die entsprechende Rücksicht nehmen, jedenfalls für einen gewissen Zeitraum. Diese Chance hat jeder psychisch Kranke verdient. Denn psychisch erkranken kann jeder - du, Kena, ich und auch der "Chef". Der möchte deswegen auch nicht gleich von seinen Vorgesetzten abgeschrieben und gefeuert werden.

Da, wo ich beschäftigt bin, wird diese Fürsorgepflicht jedenfalls ernst genommen, und darüber bin ich auch sehr froh.
 
Zuletzt bearbeitet:
Da man nicht reden konnte, kam der schock dann halt im nachhinein,
schließlich wollte ja jeder wissen, warum ich so plötzlich in der
Psychatrie war.
Ist wohl auch nicht besser.
 
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