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Raspberry
Gast
Hallo an alle!
Vorweg möchte ich erstmal sagen, wie toll ich dieses Forum finde. Ich lese seit einiger Zeit mit und es hilft doch wenigstens ein bisschen zu wissen, dass man nicht alleine dasteht!
Was mich genau dazu bewegt, gerade heute hier zu schreiben, weiß ich auch nicht. Ich würde nur gerne meine Situation schildern und hören, was Außenstehende dazu sagen.
Ich habe 2010 mein Abi gemacht, musste dann wegen gesundheitlichen Gründen (verschiedene Operationen) ein Jahr Pause einlegen. Im Oktober 2011 hab ich dann mein Studium begonnen. Direkt in der ersten Woche bin ich an einen Stalker geraten, ein erwachsener Mann von knapp 40 Jahren, den ich nicht kannte. Er war auf dem Campus (und im Bezirk) schon für solche Aktionen bekannt, aber erst durch mein Hilfesuchen bei der Polizei kam es zur Anzeige.
Ich habe diesen Zustand bis Ende Dezember ausgehalten, dann konnte ich nicht mehr. Nachdem ich wochenlang nur noch mit Begleitung zur Uni und wieder zurück nach Hause gefahren bin und jede Minute auf dem Campus unruhig war, weil ich immer darauf gewartet habe, wann er mich wieder entdeckt, ob er mich beobachtet, mich wieder verfolgt usw, habe ich das Studium abgebrochen. Zum Sommersemester konnte ich nicht an eine Präsenzuni wechseln, also habe ich ein Semester an der Fernuni eingelegt.
Ab März hatte ich dann mit Schlafproblemen zu kämpfen. Das steigerte sich bis diesen Herbst so stark, dass ich jede Nacht nur 4-5 Stunden schlafen konnte, ich bin alle 30 Minuten aufgewacht, hatte immer Panik, dass jemand in der Wohnung ist oder neben meinem Bett steht, wenn ich die Augen aufmache.
Auch wenn ich meinen Stalker seit dem Studiumabbruch nicht mehr gesehen habe, ist jeder Schritt vor die Haustür eine immense Anstrengung für mich. Es gibt gute und schlechte Tage, aber das Unwohlsein geht nie weg. Ich habe immer Angst, dass mich jemand verfolgen könnte. Egal, wie kurz der Weg ist, wenn ich jemandem begegne (was ja halt logischerweise passiert), spüre ich sofort den Fluchtreflex, mein Herzschlag wird schneller, ich werde unruhig und muss mich zwingen, ruhig und normal an diesem fremden Menschen vorbeizugehen.
Im Juni hatte ich dann zum ersten Mal Gefühlsstörungen in den Händen. Mir kam es so vor, als würden sie nicht zu mir gehören, als wären sie viel größer als sie es eigentlich sind.
Dann bemerkte ich, dass ich gefühlsmäßig immer weiter abstumpfte. Im August hatten wir mehrere Todesfälle im Freundeskreis und ich habe diese Nachrichten (obwohl sie wirklich völlig unvorbereitet kamen) aufgefasst als hätte man mir erzählt, in China fällt ein Sack Reis um. Mein Kaninchen ist nach 2,5 h Krampfanfällen gestorben und ich saß daneben und habe wirklich nichts gefühlt.
Mir wurde alles egal, ich habe keine Trauer, keine Wut, keine Freude, rein gar nichts mehr empfunden. Nur noch die Angst, wenn ich im Bett lag oder nach draußen gegangen bin. Wenn ich meine Freunde gesehen habe, habe ich keinerlei Emotionen gespürt.
Die Gefühlsstörungen wurden schlimmer, ich habe gedacht, meine Beine und Arme gehören nicht mehr mir. Als ich im September schließlich zeitweise meine ganze linke Seite nicht mehr gespürt habe, habe ich solche Angst bekommen, dass ich zu meiner Ärztin gegangen bin (zu spät, ich weiß). Sie hat nichts Körperliches feststellen können.
Mit viel Glück habe ich nach ewigem Telefonieren relativ schnell einen Termin bei einem Psychiater bekommen, der mir Schlafmittel, Angstlöser und Antidepressiva verschrieben hat. Seitdem kann ich wenigstens endlich wieder durchschlafen. Meistens jedenfalls.
Momentan bin ich auf der Suche nach einem Psychologen, mit Hilfe meines Psychiaters habe ich nächste Woche auch ein Erstgespräch ergattern können.
Jedenfalls habe ich diesen Oktober wieder mit dem Studium an einer Präsenzuni angefangen; und es macht mich fertig. Es ist ein Massenstudiengang und ständig mit 400-500 Leuten zusammen zu sein ist für mich eine unglaubliche Stresssituation (wo ich doch schon Probleme habe, wenn mir ein Nachbar im Hausflur begegnet). Ich kann mich nicht dazu aufraffen, in die Vorlesungen zu gehen. Gott sei Dank habe ich – durch das letzte Semester an der Fernuni- Überblick über den Stoff, der momentan behandelt wird, zuhause sitze ich auch und ackere, was das Zeug hält. Aber ich bin einfach so leer, ich will dort nicht hin, nachher muss ich zu einem Seminar, morgen bin ich von 8-20 Uhr in der Uni, Donnerstag auch und ich weiß nicht, wie ich das alles packen soll.
Mein Psychiater hat schon mal durchblicken lassen, dass ihm mein Zustand ernste Sorgen bereitet und dass er glaubt, dass ich momentan überhaupt nicht zum Studieren geeignet bin, sondern dass ich erstmal halbwegs stabilisiert werden sollte und dann vielleicht über eine Ausbildung nachdenken könnte. Das Studieren rennt mir nicht weg.
Ich weiß das auch alles, stimme ihm auch zu, meine Gesundheit geht vor…aber ich fühle mich so rat-und hilflos.
Gott, so lang sollte der Text gar nicht werden 🙂 Falls sich doch jemand dazu durchgerungen hat, das alles zu lesen, wäre ich über jede Meinung dankbar...glaubt ihr, ich sollte die Reißlinie ziehen, mich erstmal intensiv um meine Gesundheit kümmern und mich dann neu orientieren? Oder bemitleide ich mich selbst und das ist eigentlich alles 'normal' und ich muss halt die Zähne zusammenbeißen?
Viele Grüße!
Vorweg möchte ich erstmal sagen, wie toll ich dieses Forum finde. Ich lese seit einiger Zeit mit und es hilft doch wenigstens ein bisschen zu wissen, dass man nicht alleine dasteht!
Was mich genau dazu bewegt, gerade heute hier zu schreiben, weiß ich auch nicht. Ich würde nur gerne meine Situation schildern und hören, was Außenstehende dazu sagen.
Ich habe 2010 mein Abi gemacht, musste dann wegen gesundheitlichen Gründen (verschiedene Operationen) ein Jahr Pause einlegen. Im Oktober 2011 hab ich dann mein Studium begonnen. Direkt in der ersten Woche bin ich an einen Stalker geraten, ein erwachsener Mann von knapp 40 Jahren, den ich nicht kannte. Er war auf dem Campus (und im Bezirk) schon für solche Aktionen bekannt, aber erst durch mein Hilfesuchen bei der Polizei kam es zur Anzeige.
Ich habe diesen Zustand bis Ende Dezember ausgehalten, dann konnte ich nicht mehr. Nachdem ich wochenlang nur noch mit Begleitung zur Uni und wieder zurück nach Hause gefahren bin und jede Minute auf dem Campus unruhig war, weil ich immer darauf gewartet habe, wann er mich wieder entdeckt, ob er mich beobachtet, mich wieder verfolgt usw, habe ich das Studium abgebrochen. Zum Sommersemester konnte ich nicht an eine Präsenzuni wechseln, also habe ich ein Semester an der Fernuni eingelegt.
Ab März hatte ich dann mit Schlafproblemen zu kämpfen. Das steigerte sich bis diesen Herbst so stark, dass ich jede Nacht nur 4-5 Stunden schlafen konnte, ich bin alle 30 Minuten aufgewacht, hatte immer Panik, dass jemand in der Wohnung ist oder neben meinem Bett steht, wenn ich die Augen aufmache.
Auch wenn ich meinen Stalker seit dem Studiumabbruch nicht mehr gesehen habe, ist jeder Schritt vor die Haustür eine immense Anstrengung für mich. Es gibt gute und schlechte Tage, aber das Unwohlsein geht nie weg. Ich habe immer Angst, dass mich jemand verfolgen könnte. Egal, wie kurz der Weg ist, wenn ich jemandem begegne (was ja halt logischerweise passiert), spüre ich sofort den Fluchtreflex, mein Herzschlag wird schneller, ich werde unruhig und muss mich zwingen, ruhig und normal an diesem fremden Menschen vorbeizugehen.
Im Juni hatte ich dann zum ersten Mal Gefühlsstörungen in den Händen. Mir kam es so vor, als würden sie nicht zu mir gehören, als wären sie viel größer als sie es eigentlich sind.
Dann bemerkte ich, dass ich gefühlsmäßig immer weiter abstumpfte. Im August hatten wir mehrere Todesfälle im Freundeskreis und ich habe diese Nachrichten (obwohl sie wirklich völlig unvorbereitet kamen) aufgefasst als hätte man mir erzählt, in China fällt ein Sack Reis um. Mein Kaninchen ist nach 2,5 h Krampfanfällen gestorben und ich saß daneben und habe wirklich nichts gefühlt.
Mir wurde alles egal, ich habe keine Trauer, keine Wut, keine Freude, rein gar nichts mehr empfunden. Nur noch die Angst, wenn ich im Bett lag oder nach draußen gegangen bin. Wenn ich meine Freunde gesehen habe, habe ich keinerlei Emotionen gespürt.
Die Gefühlsstörungen wurden schlimmer, ich habe gedacht, meine Beine und Arme gehören nicht mehr mir. Als ich im September schließlich zeitweise meine ganze linke Seite nicht mehr gespürt habe, habe ich solche Angst bekommen, dass ich zu meiner Ärztin gegangen bin (zu spät, ich weiß). Sie hat nichts Körperliches feststellen können.
Mit viel Glück habe ich nach ewigem Telefonieren relativ schnell einen Termin bei einem Psychiater bekommen, der mir Schlafmittel, Angstlöser und Antidepressiva verschrieben hat. Seitdem kann ich wenigstens endlich wieder durchschlafen. Meistens jedenfalls.
Momentan bin ich auf der Suche nach einem Psychologen, mit Hilfe meines Psychiaters habe ich nächste Woche auch ein Erstgespräch ergattern können.
Jedenfalls habe ich diesen Oktober wieder mit dem Studium an einer Präsenzuni angefangen; und es macht mich fertig. Es ist ein Massenstudiengang und ständig mit 400-500 Leuten zusammen zu sein ist für mich eine unglaubliche Stresssituation (wo ich doch schon Probleme habe, wenn mir ein Nachbar im Hausflur begegnet). Ich kann mich nicht dazu aufraffen, in die Vorlesungen zu gehen. Gott sei Dank habe ich – durch das letzte Semester an der Fernuni- Überblick über den Stoff, der momentan behandelt wird, zuhause sitze ich auch und ackere, was das Zeug hält. Aber ich bin einfach so leer, ich will dort nicht hin, nachher muss ich zu einem Seminar, morgen bin ich von 8-20 Uhr in der Uni, Donnerstag auch und ich weiß nicht, wie ich das alles packen soll.
Mein Psychiater hat schon mal durchblicken lassen, dass ihm mein Zustand ernste Sorgen bereitet und dass er glaubt, dass ich momentan überhaupt nicht zum Studieren geeignet bin, sondern dass ich erstmal halbwegs stabilisiert werden sollte und dann vielleicht über eine Ausbildung nachdenken könnte. Das Studieren rennt mir nicht weg.
Ich weiß das auch alles, stimme ihm auch zu, meine Gesundheit geht vor…aber ich fühle mich so rat-und hilflos.
Gott, so lang sollte der Text gar nicht werden 🙂 Falls sich doch jemand dazu durchgerungen hat, das alles zu lesen, wäre ich über jede Meinung dankbar...glaubt ihr, ich sollte die Reißlinie ziehen, mich erstmal intensiv um meine Gesundheit kümmern und mich dann neu orientieren? Oder bemitleide ich mich selbst und das ist eigentlich alles 'normal' und ich muss halt die Zähne zusammenbeißen?
Viele Grüße!