Was in deinem Beitrag besonders deutlich wird, ist nicht die Frage, ob er ein „Narzisst“ ist oder nicht. Entscheidend ist vielmehr, wie gut Warnsignale wahrgenommen werden können – und ob man sich rechtzeitig sicher abgrenzt.
Du hast bereits etwas sehr Wichtiges getan: Du hast innegehalten. Du hast nicht einfach weitergemacht, obwohl dich die Information verunsichert hat. Gerade wenn man selbst eine von Gewalt geprägte Vergangenheit hat, ist dieses Innehalten ein Zeichen von innerer Wachsamkeit. Dein Nervensystem reagiert sensibler, weil es gelernt hat, was Gefahr bedeuten kann. Das ist kein Defizit, sondern eine Schutzfunktion.
Warnsignale zeigen sich selten dramatisch. Meist sind es leise Irritationen. Ein Gefühl von innerer Anspannung trotz netter Worte. Eine leichte Unstimmigkeit zwischen dem, was jemand über sich erzählt, und dem, was man intuitiv spürt. Manchmal ist es auch die Intensität, mit der jemand sich als besonders reflektiert oder verständnisvoll beschreibt. All das muss nichts bedeuten – aber dein innerer Eindruck davon bedeutet etwas.
In deinem Text steht ein sehr klarer Satz: Für dich stand fest, dass er dir nicht gut tun wird. Das ist kein zufälliger Gedanke. Das ist Erfahrung, Intuition und Selbstschutz, die zusammen sprechen. Und gerade Menschen, die Gewalt erlebt haben, haben oft ein sehr feines Frühwarnsystem. Es ist nicht unfehlbar, aber es ist wertvoll.
Abgrenzung bedeutet nicht, dass du ihn verurteilst. Du musst nicht klären, ob die Geschichte von früher exakt stimmt. Du musst nur für dich klären, ob du bereit bist, auch nur ein kleines Risiko einzugehen. Sicherheit ist kein Luxus, sondern eine Grundlage.
Vielleicht ist die eigentliche Frage weniger, ob er eine Chance verdient, sondern ob du dich in dieser Konstellation wirklich sicher fühlen kannst. Wenn dein Körper leise Nein sagt, obwohl dein Verstand noch argumentiert, lohnt es sich, diesem leisen Nein Aufmerksamkeit zu schenken.
Sich zurückzuziehen, bevor etwas passiert, ist keine Flucht. Es ist Selbstachtung.