Liebe Spax,
wie sich Menschen immer wieder in Beziehungskonstellationen finden, in denen sie sich eigentlich nie befinden wollten, erstaunt mich immer wieder. Ich habe viele Jahre gekämpft, habe an mir und meinem Partner gearbeitet, habe nach Lösungen gesucht und um Worte gerungen. Bis ich dann jemanden traf, mit dem es garnicht so schwer war. Es gab auch Probleme und Fragen, aber die meisten waren lösbar.
Was mir damals klarer geworden ist: ich bin nicht auf dieser Welt, um es immer schwer zu haben, um ständig nur kämpfen und mich plagen zu müssen. Und Du bist das auch nicht. Heute will ich manche Schwierigkeiten einfach nicht mehr haben. Wenn Dein Partner die Zähne nicht auseinander bringt, dann soll ER das lösen, oder eben nicht. Wenn er einen Besen als Mutter hat, dann soll er an einer Konstellation mitarbeiten, die es auch für Dich erträglich macht.
Manche Probleme lassen sich nicht lösen. Das ist meine Erkenntnis. Nicht selten liegt es dann an mir, denn ich bin der konstante Faktor. Über manche meiner Hürden komme ich (noch) nicht hinweg oder brauche einen Anlauf, den ich selten habe. Manchmal erschreckt mich das zutiefst und manchmal muss ich damit leben, muss es akzeptieren.
Es stimmt schon: so manche Herausforderung muss man annehmen, muss daran wachsen. Aber muss sich eine Beziehung wie eine immer währende Plage anfühlen? Schweigen ist wie Treibsand. Man steckt fest, arbeitet sich ab, aber kommt nicht voran und man versinkt in den eigenen Kämpfen und Bemühungen und wozu? Nur um immer wieder an diesem Punkt zu landen?
Wenn ich erkennen muss, dass ich es mir mit manchen meiner Schwächen zu bequem gemacht habe, ist mir das peinlich und ich werde sauer auf mich und doch ändert sich auch dann nicht so viel. Auch ich brauche die Geduld von anderen, brauche Mitgefühl und Verständnis, weil ich so einiges einfach nicht besser kann. Aber darf man für sich und andere zu einem Mühlstein werden? Darf ich mich einfach an jemandes Hals hängen? Habe ich schon gemacht und hat man mit mir schon gemacht. Aber damit darf auch mal Schluss sein. Ein Mühlstein ist keine Halskette, auch wenn man das unterschiedlich sehen kann. Ich gehe auf das letzte Drittel meines Lebens zu. So einiges an Sorgen hätte ich auch einfach sein lassen können. Manche Probleme darf und muss mein Partner ohne mich lösen. Wenn es zu meinem Problem zu werden droht, muss ich mich entscheiden, ob ich das zulasse, oder nicht. Soweit die Theorie. Die Praxis sorgt dann für Sand an Stellen, wo Sand einfach nicht hin kommen sollte.
Vor ein paar Jahren, habe ich zu einem Menschen sagen müssen, dass ich mich seiner Probleme nicht annehmen kann. Ich hatte nicht die Kraft dazu. Ich kam mir wie ein schlechter Mensch vor. Aber mein Nachhauseweg fühlte sich befreiter und viel leichter an. War garnicht so übel, es etwas leichter zu haben.