Was die Arbeit angeht, so ist glaube ich auch bekannt wie der Markt heute aussieht.
Was man so liest und hört, ist der Arbeitsmarkt momentan für viele Arbeitnehmer sehr günstig. Gerade für Handwerker.
Glück hattest einfach nur in der entsprechenden Firma deine Ausbildung zu machen
Man könnte es auch Ungerechtigkeitsempfinden nennen.
Und genau daher rühren auch diese Vergleiche und der damit verbundene Unmut (...) weil manche schlicht (...) Glück haben.
Ok, dann ist DAS also der Grund: Die waren nicht so viel schlauer, sondern die hatten einfach Glück. Die wussten vorher vielleicht auch nicht, dass sie später so viel besser verdienen werden als in einem anderen Betrieb. Und die Eltern hat sich auch keiner ausgesucht. Zumindest kannst du damit doch insofern zufrieden sein, als ihr nicht viel falsch gemacht habt. Okay, vielleicht hättet ihr am Ende der Schule mehr darauf achten können, wieviel ihr später in dem Beruf / Laden verdienen werdet. Aber mal ehrlich, wer hat denn mit 16 oder 19 so richtig den Plan, was später mal sein wird?
Und dazu könnt ihr auch ein wenig stolz darauf sein, es überhaupt so weit gebracht zu haben. Ihr habt die Schule abgeschlossen, ihr habt einen Beruf erlernt, ihr ernährt euch und über Steuern und Sozialsystem auch noch andere mit. Ihr seid nicht alkoholabhängig, obdachlos oder drogensüchtig geworden, habt nicht die Schule oder Ausbildung hingeschmissen, seid nicht in der Arbeitslosigkeit oder einer Sekte gelandet, wart schlau genug, nie mit dem Rauchen anzufangen, habt einen anständigen Partner gefunden, habt einen Freundeskreis. Das ist zwar jetzt nicht soo besonders und außergewöhnlich, aber es ist doch weit mehr, als viele andere mit derselben Ausgangslage geschafft haben. Eigentlich geht's euch doch ganz gut. Ihr habt nur das Pech, ständig mit Leuten zusammenzutreffen, denen es noch besser geht. Vielleicht solltest du dich doch mal ganz bewusst nach unten vergleichen. Macht doch mal Urlaub in einem ärmeren Land. Nach Marokko kann man auch mit Ryan Air fliegen. Oder such mal bewusst den Kontakt zu Menschen, die weit weniger erreicht haben. Selbsthilfegruppen, Obdachlosenhilfe, Bahnhofsmission.
Noch ein paar konkrete Tipps von meiner Wenigkeit:
Erstens, sprich mit deinem Mann über deine Unzufriedenheit. Nicht vorwurfsvoll natürlich, aber so, dass die Bedeutung des Themas für dich klar wird. Sieht er es genauso? Wenn er es anders sieht, kann man es auch so sehen wie er, oder übersieht er etwas? Könnt ihr nicht froh sein, dass ihr euch gegenseitig habt?
Zweitens, versuch aus dem Neid was Konstruktives zu machen. Im Moment ist er ja nur destruktiv. Konstruktiv wäre z.B., mit deinem Mann und evtl. einem Berufscoach mal zu schauen, was beruflich noch möglich wäre. Im Moment brummt doch die Wirtschaft (noch). Gibt es keine Chance, in eine der größeren Firmen und eine besser bezahlte Position zu kommen? (Zwischenfrage: Kann es sein, dass man dafür auch einen Preis zahlt, weil in Großkonzernen alles viel bürokratischer und hierarchischer abläuft?) Gibt es die Möglichkeit, mit einer Weiterbildung eine höhere Position zu erreichen? Welche Entwicklungsmöglichkeiten gibt es in den aktuellen Jobs? Käme ein Umzug in eine reichere Region in Frage?
Drittens, ihr könntet versuchen, den wirtschaftlichen Status, bei dem euch andere voraus sind, mit einem höheren kulturellen Status zu kompensieren oder gar zu toppen. Zum Beispiel indem ihr den günstigeren, aber interessanteren Urlaub macht. Indem ihr ein Hobby habt, das nichts kostet, aber sehr exotisch ist. Indem ihr mehr Sprachen sprecht, mehr Bücher lest, bei mehr Themen mitreden könnt oder ein eigenes interessantes Projekt aufzieht (Wohltätigkeit, Kultur, Politik etc.). So wie Berlin: arm, aber sexy. Dann wärt ihr die Meiers (oder so), die ihr Leben dieser interessanten Sache gewidmet haben, und nicht mehr die Meiers, die irgendwie immer so verbissen kucken, wenn man mal irgendwas erwähnt, das mit Geldausgeben zu tun hat.