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Coabhängigkeit und Wochenende

K

Kochana

Gast
Hallo !
Ich bin relativ neu hier und möchte mich gerne vorstellen.
Seit einiger Zeit arbeite mit Hilfe einer Therapie an mir.
Dabei habe ich unter anderem erfahren, daß ich mich komplett nach meinem Freund ausgerichtet habe und mein Leben aufgehört habe zu leben. Ich habe mich quasi verloren. Wer bin ich, was will ich ?
Wir sind immer noch zusammen und ich versuche nun mein Leben wieder kennenzulernen bzw. in den Griff zu bekommen. Mein Freund hat großes Verständnis.
Diese Woche lief es auch gut, nun kommt das Wochenende und ich habe wieder Angst.
Zuviel Zeit, die wir zusammen sind und die Gefahr in alte Muster zu rutschen. Sachen zu machen, die ich nicht möchte, glauben hätte nicht das Recht eigenes zu machen und mich hassen und schlecht fühlen dafür. Das äußert sich in Gelähmtheit, in Magenschmerzen, Durchfall.....
Mein Freund erwartet nicht, daß ich mich nach Ihm richte, ich habe das Problem, daß ich meine das tun zu müssen. Es ist sehr verwirrend.
Und immer wieder gerate ich dann in diese Zweifel, ist das der richtige Mann für mich ? Aus meinem Elternhaus habe ich mitbekommen, daß der Mann für Dein Wohlergehen zuständig ist und umgekehrt die Frau für die des Mannes. Ich denke daher habe ich dann, wenn es mir schelcht geht sofort diese Zweifel ?
Das schlimme ist dann ich denke ich liebe Ihn nicht und ich wäre besser dran, wenn wir uns trennen. Ich hasse diese Verwirrtheit.
Was haltet Ihr davon ?
 
Erstmal ein praktischer Rat für das kommende Wochenende. Wenn Dein Freund Dir WIRKLICH helfen will, dann läßt er solche Situationen in denen du glaubst, so funktionieren zu müssen wie er es gern hätte garnicht erst aufkommen. Am besten er beginnt den Tag damit, Dich zu fragen was DU gern tun würdest und richtet sich dann nach Dir. Gib ihm das hier ruhig zu lesen - das hilft Dir ungemein um nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurück zu fallen. Am Sonntag könnte man dann versuchen, daß er einen Wunsch äußert direkt mit der Frage verbunden ob es Dir recht sei, dies und jenes zu machen. Du mußt einfach (daß es SO einfach nicht ist,weiß ich auch ..) den Gedanken aus dem Kopf bekommen, daß er Dich nur dann begehrt und liebt wenn Du immer genau seinen Erwartungen entspricht. Ich glaube nicht, daß dein Freund so eine Partnerin möchte -- dann kann er sich, so hart es klingen mag, auch einen abgerichteten Hund zulegen. Ein Hund bist du sicher nicht, Du bist ein Wesen mit Gefühlen Wünschen und Belangen,die du lernen mußt, auch mal zuzulassen. Ich denke du bist auf dem besten Weg mithilfe der Therapie. Und für das Wochenende wie gesagt - siehe oben.

Ich wünsche Dir, Euch beiden, ein tolles Wochenende !!
 
.....danke Dir für Deine Tips. Ich habe immerwieder große Angst mich Ihm zu öffnen, da ich so meine Seele einem mir so nahen Menschen ausliefer. Ich habe immer nur schlechte Erfahrungen damit gemacht. Das war aber mal. Du hast mich erinnert, ich sollte mit Ihm über meine Angst reden, das hat immer geholfen. Ich habe Ihn noch nie einbezogen, wie er mir helfen könnte. Ich dachte immer ich muß mir selber helfen, aber Du hast wohl recht, ich kann Ihn bitten mir zu helfen.
Wenn ich so einen Prozess durchlaufe um was loszuwerden oder loszulassen, was ich nicht mag, ist es eine sehr schwere und verwirrende Zeit. Am schlimmsten ist, daß ich es mir selber nicht erlauben will. Mich für schlecht halte und böse mit mir bin. Ich habe dann solche Angst und die blokiert alles Gute.
Und ich finde das schlimm. Ich gehe heute abend z.B. mit meinen Freunden weg. Mein Freund möchte lieber daheim bleiben. Anstatt mich auf meine Leute und den schönen Abend mit Ihnen zu freuen, denke ich wieder nur daran, daß ich das ich das nicht darf.....besser bei Freund bleiben....und das führt wieder dazu, daß ich denke ich bin alleine besser dran, weil ich dann tun und lassen kann was ich will. Ich will Ihn aber nicht verlieren.......wenn ich so verwirrt bin, kann ich keine Nähe zulassen, ach es ist so ein Hick Hack. Ich glaube ich muß einfach nur lernen, daß ich leben darf, Spaß haben darf, auch wenn mein Freund nicht dabei ist. Es ist kein Verrat an Ihm. Und umgekehrt ist es kein Verrat an mir, wenn er mal allein Spaß hat mit seinen Leuten. Da habe ich nämlich auch Probleme das zuzulassen.
Ich hoffe sehr ich werde das überwinden.
Hast Du ähnliche Erfahrungen gemacht ?
 
Ja, das habe ich. Ich war jemandem über 11 Jahre hinweg hörig, so hörig, daß ich mein Leben nicht mehr lebte, sondern seines, so wie er selber es nicht leben Konnte, ich ging für ihn auch anschaffen, ließ mich schlagen etc. pp.

Wie war dein Wochenende ? Hast du es geschafft, ihn mit einzubeziehen, und dein schlechtes Gewissen einzudämmen ? Du DARFST nicht nur dein eigenes Leben mit ihm leben, sondern du hast sogar auch eine Pflicht dazu. Denn nur wenn sich deine Interessen weiter entwickeln ebenso wie seine werdet Ihr auf Dauer eine gute Beziehung haben. Nur, wenn ER weiß, daß er dich auch einmal alleine "losziehen" lassen kann und ihr trotzdem gern zusammen seid, und wenn er weiß, daß auch er seinen eigenen Interessen nachgehen darf ohne schlechtes Gewissen Dir gegenüber, dann wird eure Beziehung noch fester und wesentlich schöner. Denn dadurch, daß DU DIR ein schlechtes Gewissen machst wenn Du einen Teil deiner Zeit ohne ihn verbringst, machst DU IHM im Umkehrschluß auch eines und er wird mit der Zeit unzufrieden. Soweit darfst Du es nicht kommen lassen, lerne die Zeit die du nicht mit ihm verbringst, ebenso zu genießen wie die Zeit, die ihr zusammen etwas unternehmt.

Yours,
Shiva
 
Hallo,
ich bin auch neu, und schon recht lange auf der Suche nach einem Forum wie diesem oder nach einer Selbsthilfe-Gruppe.
Auch ich habe mich für meinen Mann total aufgegeben. Schon von Anfang an. Ich bin 37 Jahre alt und wir sind seit knapp 14 Jahren verheiratet. Nun, nach vielen Jahren kamen immer mehr Unstimmigkeiten auf. Das zog sich wirklich recht lange dahin, bis wir nun endlich den Grund dafür heraus gefunden haben. Ich gehöre zu den Frauen, die "zu sehr lieben", also beziehungssüchtig sind und mein Mann ist ein workaholic. Ich jammerte und meckerte Jahr um Jahr immer mehr mit ihm, da ich es einfach nicht aushalten konnte/kann, so viel alleine zu sein. Die Sache hat sich so zugespitzt, dass wir uns nun nur noch am Wochenende sehen, und das schon fast 1 Jahr. Ich versuchte immer und immer wieder, meinen Mann zu ändern. Dachte, dass ICH dadurch auch wieder glücklicher werde. Nee, falsch gedacht. ICH mus mich erst ändern, bevor - wenn überhaupt - mein Mann sich ändert. Wir verkörpern beide das klassische Bild: Mein Mann kommt aus einer Alkoholiker-Familie, bekam nie die erforderliche Zuneigung und stürzt sich nun in die Arbeit, um endlich die Anerkennung zu erlangen, die ihm von Kind auf verborgen blieb. Es war richtig schön zu sehen, wie sich seine Sucht von Jahr zu Jahr aufbaute. Immer mehr, immer höher, immer weiter. Freunde UND Familie leiden natürlich darunter. Er hat keine Zeit mehr. Den Alltag findet er spießig und langweilig. Er kann ihn nicht mehr genießen. Er kann nicht mehr einfach mal auf dem Sofa sitzen und die Zeit dahin ziehen lassen. Ständig muss er sich beschäftigen. Abgesehen von der Arbeit verreist er auch viel. Dies sind dann oft Einladungen der Firmen, die dem Kunden einiges bieten wollen. So reiht sich ein event ans andere. DAS ist natürlich ein großer Reiz für ihn, von dem er schon lange nicht mehr die Finger lassen kann. Da kann man sich vorstellen, dass so ein popeliges Familien-Leben echt langweilig dagegen ist.
Nun zu mir. Ich mache praktisch das gleiche durch wie meine Mutter. Mein Vater arbeitete auch viel, und Mutter leidete darunter. Da ich ein anderes Leben nicht kannte und DIES für richtig hielt, suchte ich mir - unbewußt - natürlich auch so einen Mann aus, der meinem Vater ähnelte. Mein Vater kommt auch aus einer Alkoholiker-Familie. Seine Mutter trank und ließ damals die Familie sitzen. Mein Onkel starb an den Folgen des Alkohols. Mein Vater hat zum Glück keine Probleme mit dem Zeug. Aber auch ER brauchte die fehlende Anerkennung und suchte sie auf der Arbeit.
Ich bin nun seit 1 1/2 Jahren in Therapie. Versuche immer noch, meinen Mann anstatt MICH zu ändern. Ich schaffe es einfach nicht, MEIN Leben zu leben. Immer wieder falle ich ins alte Muster und gebe meinem Mann die Schuld für alles. Ich habe SEHR wenig soz. Kontakt. Habe es auch nicht gelernt, alleine etwas durchzuziehen. Wurde mehr als unselbständig erzogen. Alles wurde mir abgenommen. Deshalb auch meine heutigen Schwierigkeiten, aus meinem alten Kreis heraus zu kommen und in die Welt zu gehen. DAS ist aber mein nächster Schritt, den ich gehen muss. Wünsche mir aber nun, dass ich Frauen kennen lerne, die in der gleichen Situation stecken. Um Erfahrungen auszutauschen usw. . Ich weiß genau, was ich machen muss, welches meine Fehler sind, was der Grund für alles ist. Aber ich kann es einfach nicht umsetzen. Ich bräuchte einen ordentlichen Tritt in den Po, ja, genau, DAS fehlt mir. Ich würde mich freuen, von anderen Frauen bzw. auch von dir etwas zu hören. Es würde mir sehr helfen.
Gruß, Bemarybe
 
Hallo Bemarybe,

Du beantwortest Dir Deine Fragen schon selber. Das ist gut. Du sagst Du hast wenig soziale Kontakte, hast nie gelernt etwas durchzuziehen und bist unselbstständig erzogen. Da mußt Du ansetzten. Such Dir z.B. ein Hobby. Etwas was Du schon immer tun wolltest. Ich habe z.B. mit Bauchtanz angefangen. Da habe ich die Chance soziale Kontakte zu knüpfen und mache etwas nur für mich. Kann mich weiterentwickeln.
Und dann heißt es nur üben, üben, üben. Dich Deinen Ängsten stellen. Den Arschtritt kannst nur Du Dir selber geben. Niemand anders als Du ist für Dein Glück verantwortlich. Das hört sich alles toll an und einfach an. Ich weiß. Glaube mir, ich weiß wie schwierig das manchmal sein kann und wieviel Kraft es manchmal kostet das zu tun. Aber es ist der richtige Weg zu einem freieren und glücklicheren Leben. Zu Deinem Leben.
Überleg doch mal was Du gerne ausprobieren oder neu lernen möchtest. Und dann machst Du das. Schritt für Schritt und ganz bewußt. Und langsam. Mit aller Geduld und Liebe für Dich. Schließlich betrittst Du neue Wege. Und siehst, daß es Spaß macht und das Du soziale Kontakte bekommst und das Du was durchziehen kannst.
Ich drücke Dir die Daumen und freu mich von Dir zu hören.
Andrea
 

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