ClientOrange
Neues Mitglied
Hallo zusammen. Ich war bis anhin eine stille Mitleserin, aber jetzt habe auch ich mal das Bedürfnis, einen Beitrag zu schreiben.
Jeder hält seinen Chef mal für inkompetent. Aber mein Problem ist die Inkompetenz in ihrer absoluten, chemischen Reinheit: Mein "Chef".
Ich arbeite in einem Fachhandel mit verschiedenen Filialen. Mein Problemfall ist nicht mein eigentlicher Chef (deshalb die Anführungszeichen), sondern, wie er sich bezeichnet, "Teil der Geschäftsführung" mit unbekannter Funktion. Niemand weiss genau, was seine eigentliche Aufgabe ist, vermutlich nicht mal er selber. Er ist verwandt mit dem Inhaber der Firma, was das Problem nicht unbedingt lösbarer macht. Er steht also hierarchisch über mir, hat aber so gesehen keine Entscheidungsbefugnis über mich und muss im Grunde die gleichen Arbeiten erledigen, die auch ich erledige. Und dennoch schafft er es, mir jegliche Freude an der Arbeit zu nehmen, die ich sonst eigentlich wirklich gerne mag.
Hinter vorgehaltener Hand wird die Filiale, in der ich arbeite, als geschützte Werkstatt für meinen "Chef" bezeichnet. In den anderen Filialen arbeitet er nur einzelne Tage, weil die dortigen Angestellten über kurz oder lang kündigen würden und dies dem Inhaber auch schon mehrfach offen mitgeteilt haben. Mein "Chef" arbeitet seit seiner Ausbildung vor 35 Jahren in der Firma. Er hat also absolut keine Ahnung von arbeitsmarktlichen Realitäten. Dadurch, dass er sich nie als gewöhnlicher Angestellter durchschlagen musste und auf einen lebenslang geschützten Arbeitsplatz zählen kann, hat er nie gelernt, wie man mit Kollegen umgeht und verhält sich ihnen gegenüber absolut sozial-inkompetent. Zum Beispiel: Obwohl er am meisten Kaffee trinkt und diesen auch gerne Vertretern anbietet, ist er noch nie auf die Idee gekommen, mal Kaffee einkaufen zu gehen. Das bezahlen wir Angestellten immer abwechslungsweise aus eigener Tasche. Er gibt auch nie was in die Trinkgeldkasse und lässt dauernd seine halbvollen Pappbecher herumstehen, weil wir das ja selbstverständlich für ihn entsorgen. Dazu kommen auch immer wieder widerliche, sexistische Sprüche wie "Eine Frau, die nich kochen kann, kannste gleich vor die Tür stellen." Dies äussert er auch gegenüber Kunden. "Typisch Frau, kann sich nicht entscheiden." Wenn er beispielsweise sieht, dass jemand alleine an der Kasse steht und die Kunden bereits Schlange stehen, dann kommt er nicht zur Hilfe, sondern drückt auf dem Handy herum oder telefoniert manchmal stundenlang lautstark herum (wobei er Kunden, die im Laden telefonieren anschnauzt, weil es "unhöflich" sei).
Seine Arbeitsweise ist schrecklich. Wir haben Ware von verschiedenen Lieferanten, wobei jeder für einen anderen Lieferanten zuständig ist. Wir sorgen dafür, dass das entsprechende Lager gefüllt ist und das Kundenbestellungen korrekt abgewickelt werden. So, dreimal dürft ihr raten, bei wem immer die Regale leer sind und wo ständig Kundenbestellungen liegen bleiben, weil man halt lieber telefoniert, statt sich um seine Arbeit zu kümmern? Kommen Kunden ins Geschäft und geben eine Bestellung auf, schreibt er einfach einfach einen Namen und bspw. den Begriff "blaues Buch" auf einen Zettel und klebt diesen dann an die Theke, statt in den dafür vorgesehenen Ordner. Wir können damit ja natürlich nichts anfangen. Weder stehen da Kontaktdaten des Kunden, noch die Produktnummer, noch die Anzahl, die er bestellen möchte. Er regt sich dann auf, dass es nicht erledigt wurde oder der Kunde wird wütend, weil seine Bestellung vergessen wurde. Ausbaden müssen es in den meisten Fällen wir Angestellten. Er hat einfach überhaupt keine Ahnung von den betriebsinternen Abläufen und übergeht diese immer wieder, dabei wäre es sehr wichtig, sich daran zu halten, weil bei uns vieles immer noch analog funktioniert und daher wichtige Informationen einfach verloren gehen können. Während wir Angestellten vom Inhaber für solche Fehler scharf gerügt werden, lässt man ihm alles durchgehen. Wir müssen ständig überprüfen, ob die Arbeiten, die er gemacht hat, korrekt ausgeführt wurden und Fehler ausbügeln.
Mit Kunden pflegt er einen sehr befremdlichen Umgang. Er redet ewig lange mit der Kundschaft, auch mit der, die einfach für ein paar Cent einkaufen kommen, während wir Angestellten regelrecht rennen, um die andere Kundschaft zu bedienen. Er versucht ihnen anhand ewiger Anekdoten aus seinem Privatleben irgendwelche teuren Produkte anzudrehen, bis sie ihn dann mit "Ich überlege es mir" abwimmeln. Dann kommt er stolz zu uns und erklärt uns, dass er gerade hunderte Euro gemacht habe. Den Kunden sieht man dann natürlich nie wieder. Die hunderten Euro haben wir gemacht, während er mit seiner Laudatio beschäftigt war.
Das traurige daran ist: Alle wissen von seiner grauenhaften Inkompetenz, sogar mein "Chef" selber. Er sagt uns auch immer wieder, dass wir ihn darauf hinweisen sollen, wenn er den Fokus aus den Augen verliere oder Fehler. Aber ich meine, Herrgott, wo sind wir denn?! In der Krabbelgruppe? Ich bin nicht zur Erziehung angestellt. Von einem "Chef", der den Laden seit 35 Jahren kennt, sollte man schon gewisse Professionalität erwarten dürfen. Ich arbeite noch nicht einmal 2 Jahre dort, aber kenne mich mit den Abläufen nicht nur gut aus, sondern musste mir auch alles weitgehend selbst beibringen. Es ist also durchaus zumutbar!
Ich rechne nicht damit, dass dieser Herr die Firma verlassen wird. Blut ist halt dicker als Wasser, oder so. Ich möchte nur gerne einen Umgang damit finden, der mir meinen Job nicht verdirbt. Vielleicht muss ich meine Sichtweise ändern? So kann es jedenfalls nicht weitergehen.
Jeder hält seinen Chef mal für inkompetent. Aber mein Problem ist die Inkompetenz in ihrer absoluten, chemischen Reinheit: Mein "Chef".
Ich arbeite in einem Fachhandel mit verschiedenen Filialen. Mein Problemfall ist nicht mein eigentlicher Chef (deshalb die Anführungszeichen), sondern, wie er sich bezeichnet, "Teil der Geschäftsführung" mit unbekannter Funktion. Niemand weiss genau, was seine eigentliche Aufgabe ist, vermutlich nicht mal er selber. Er ist verwandt mit dem Inhaber der Firma, was das Problem nicht unbedingt lösbarer macht. Er steht also hierarchisch über mir, hat aber so gesehen keine Entscheidungsbefugnis über mich und muss im Grunde die gleichen Arbeiten erledigen, die auch ich erledige. Und dennoch schafft er es, mir jegliche Freude an der Arbeit zu nehmen, die ich sonst eigentlich wirklich gerne mag.
Hinter vorgehaltener Hand wird die Filiale, in der ich arbeite, als geschützte Werkstatt für meinen "Chef" bezeichnet. In den anderen Filialen arbeitet er nur einzelne Tage, weil die dortigen Angestellten über kurz oder lang kündigen würden und dies dem Inhaber auch schon mehrfach offen mitgeteilt haben. Mein "Chef" arbeitet seit seiner Ausbildung vor 35 Jahren in der Firma. Er hat also absolut keine Ahnung von arbeitsmarktlichen Realitäten. Dadurch, dass er sich nie als gewöhnlicher Angestellter durchschlagen musste und auf einen lebenslang geschützten Arbeitsplatz zählen kann, hat er nie gelernt, wie man mit Kollegen umgeht und verhält sich ihnen gegenüber absolut sozial-inkompetent. Zum Beispiel: Obwohl er am meisten Kaffee trinkt und diesen auch gerne Vertretern anbietet, ist er noch nie auf die Idee gekommen, mal Kaffee einkaufen zu gehen. Das bezahlen wir Angestellten immer abwechslungsweise aus eigener Tasche. Er gibt auch nie was in die Trinkgeldkasse und lässt dauernd seine halbvollen Pappbecher herumstehen, weil wir das ja selbstverständlich für ihn entsorgen. Dazu kommen auch immer wieder widerliche, sexistische Sprüche wie "Eine Frau, die nich kochen kann, kannste gleich vor die Tür stellen." Dies äussert er auch gegenüber Kunden. "Typisch Frau, kann sich nicht entscheiden." Wenn er beispielsweise sieht, dass jemand alleine an der Kasse steht und die Kunden bereits Schlange stehen, dann kommt er nicht zur Hilfe, sondern drückt auf dem Handy herum oder telefoniert manchmal stundenlang lautstark herum (wobei er Kunden, die im Laden telefonieren anschnauzt, weil es "unhöflich" sei).
Seine Arbeitsweise ist schrecklich. Wir haben Ware von verschiedenen Lieferanten, wobei jeder für einen anderen Lieferanten zuständig ist. Wir sorgen dafür, dass das entsprechende Lager gefüllt ist und das Kundenbestellungen korrekt abgewickelt werden. So, dreimal dürft ihr raten, bei wem immer die Regale leer sind und wo ständig Kundenbestellungen liegen bleiben, weil man halt lieber telefoniert, statt sich um seine Arbeit zu kümmern? Kommen Kunden ins Geschäft und geben eine Bestellung auf, schreibt er einfach einfach einen Namen und bspw. den Begriff "blaues Buch" auf einen Zettel und klebt diesen dann an die Theke, statt in den dafür vorgesehenen Ordner. Wir können damit ja natürlich nichts anfangen. Weder stehen da Kontaktdaten des Kunden, noch die Produktnummer, noch die Anzahl, die er bestellen möchte. Er regt sich dann auf, dass es nicht erledigt wurde oder der Kunde wird wütend, weil seine Bestellung vergessen wurde. Ausbaden müssen es in den meisten Fällen wir Angestellten. Er hat einfach überhaupt keine Ahnung von den betriebsinternen Abläufen und übergeht diese immer wieder, dabei wäre es sehr wichtig, sich daran zu halten, weil bei uns vieles immer noch analog funktioniert und daher wichtige Informationen einfach verloren gehen können. Während wir Angestellten vom Inhaber für solche Fehler scharf gerügt werden, lässt man ihm alles durchgehen. Wir müssen ständig überprüfen, ob die Arbeiten, die er gemacht hat, korrekt ausgeführt wurden und Fehler ausbügeln.
Mit Kunden pflegt er einen sehr befremdlichen Umgang. Er redet ewig lange mit der Kundschaft, auch mit der, die einfach für ein paar Cent einkaufen kommen, während wir Angestellten regelrecht rennen, um die andere Kundschaft zu bedienen. Er versucht ihnen anhand ewiger Anekdoten aus seinem Privatleben irgendwelche teuren Produkte anzudrehen, bis sie ihn dann mit "Ich überlege es mir" abwimmeln. Dann kommt er stolz zu uns und erklärt uns, dass er gerade hunderte Euro gemacht habe. Den Kunden sieht man dann natürlich nie wieder. Die hunderten Euro haben wir gemacht, während er mit seiner Laudatio beschäftigt war.
Das traurige daran ist: Alle wissen von seiner grauenhaften Inkompetenz, sogar mein "Chef" selber. Er sagt uns auch immer wieder, dass wir ihn darauf hinweisen sollen, wenn er den Fokus aus den Augen verliere oder Fehler. Aber ich meine, Herrgott, wo sind wir denn?! In der Krabbelgruppe? Ich bin nicht zur Erziehung angestellt. Von einem "Chef", der den Laden seit 35 Jahren kennt, sollte man schon gewisse Professionalität erwarten dürfen. Ich arbeite noch nicht einmal 2 Jahre dort, aber kenne mich mit den Abläufen nicht nur gut aus, sondern musste mir auch alles weitgehend selbst beibringen. Es ist also durchaus zumutbar!
Ich rechne nicht damit, dass dieser Herr die Firma verlassen wird. Blut ist halt dicker als Wasser, oder so. Ich möchte nur gerne einen Umgang damit finden, der mir meinen Job nicht verdirbt. Vielleicht muss ich meine Sichtweise ändern? So kann es jedenfalls nicht weitergehen.