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Blockade oder Inkompetenz?

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G

Gast

Gast
Mir ist klar, dass das auf der Ferne ziemlich schwer ist, zu beurteilen, aber ich wollte trotzdem mal fragen, was ihr davon haltet:

Person A kann regulär (privat, Schule, Freizeit):
- Dinge gut auswendig lernen (Sprachliches, Fakten, Unterrichtsstoff, etc.)
- vergisst aber nach einer Minute alles, was mit Zahlen (außer Datumangaben) oder Wegen zu tun hat
- kann nicht rechnen, selbst Kopfrechnen mit kleinen Beträgen ist schwer
- lernt Sprachen schnell, aber ist in Grammatik mittelmäßig
- kann mit Mathe, NW, Informatik oder logischen Dingen nichts anfangen
- kann intuitiv Computer sehr gut bedienen, kommt aber mit Bedienungsanleitungen weniger klar
- macht manchmal Entscheidungen, die unlogisch wirken
- zerdenkt Dinge, ohne zum Punkt zu kommen (Organisatorisches vor allem)
- erledigte Schulaufgaben meist schnell
- kann Dinge übersehen, die direkt vor ihr stehen oder Worte in Texten
- sehr gutes Allgemeinwissen
- gilt allgemein als ruhig und intelligent
- bildet sich weiter über Kurse oder andere Veranstaltungen, wirkt offen
- gilt eher menschenscheu bzw. manchmal anderen gegenüber abgeneigt

Wenn Person A eine Aufgabe bekommt:
- macht Vorplanungen bis ins kleinste Detail
- muss alles schon einmal erleben oder gemacht haben, um etwas machen zu können (während andere es beim 1. Mal erlernen)
- kann aber gut improvisieren (was dazu nicht passt)
- ist sehr langsam in allem, ohne zu fragen oder unsicher zu wirken
- macht alles komplizierter (organisatorisch, sozial, persönlich)
- ist scheinbar oft überfordert, man erfährt es aber erst im Nachhinein
- kommt vor allem durcheinander, wenn A sich bewegt (von einem Ort zum anderen laufen)
- hat OFT Kommunikationsprobleme, Aussprache manchmal undeutlich, spricht leise (außer im Zweiergespräch), grüßt andere Leute nicht, wirkt manchmal total in die Arbeit versunken, kontaktscheu, unterbricht andere
- manche Erklärungen und Entscheidungen sind nicht nachvollziehbar und werden schwierig erklärt
- hat kaum Fachwissen, kann gelerntes Wissen NICHT anwenden; trotz übersichtlicher Notizen
- beschäftigt sich manchmal mit Dingen, für die Ziele unwichtig sind, schreibt manchmal Nebensächliches auf, beobachtet manchmal Nebensächliches bei Menschen
- scheut alles, was mit Zahlen zu tun hat (obwohl Teil des Fachwissens)
- wirkt still und seltsam, teils schüchtern oder emotionslos
- zieht sich zurück, redet kaum über sich, stellt keine Fragen zu anderen Kollegen; ABER: ist dem Chef gegenüber selbstbewusst (oder übersieht Hierarchie)
- sehr hilfsbereit, bekommt man aber erst im Hinein mit


Es ist nie so richtig klar, ob A überfordert mit der Arbeit ist. In Gesprächen kommt nicht viel an Antworten heraus. Von außen wirkt A auch um einiges entspannter als gedacht. Wir sind uns unsicher, ob A dem ganzen gewachsen ist oder ob da Schüchternheit oder doch eher "Arbeitsscheu" dahinter steckt. Mal sind es kleinere Sachen, die nicht so schwer sind und die selbst Praktikanten in der 1. Woche hinkriegen, die A schwer fallen. Selbst nach dem dritten Mal. Dann weiß man aber, dass A schwere Sachen studiert hat und allgemein klug herüber kommt. Ein sehr schwer einzuschätzender Charakter, der jetzt auch schon oft den Berufszweig gewechselt hat, weil A nichts finde, was A "interessiert oder kann".

Wir hatten zuerst gedacht, die Überstunden sind Teil des Problems. Also hatten wir weniger Arbeit aufgegeben, aber es wurde nicht besser. Viel eher scheint A ein geheimer Workaholic zu sein. Dann lenkt sich A manchmal mit Problemen ab, die andere haben. Also A fragt nicht, aber bekommt vieles mit. Dann guckt A mal nach der trockenen Pflanze und gibt Tipps, sucht Empfehlungen im Internet (obwohl normalerweise Probleme mit Recherchen) und fragt auch noch nach zwei Wochen, wie es der Pflanze geht. Oder A ist fast dabei Aufgaben von Kollegen zu übernehmen, weil es vielleicht spannender ist oder leichter. Auf der anderen Seite beißt sich A dann die Zähne an Dingen aus, damit sie rundum ein Sorglospaket werden oder weil irgendwo noch ein besseres Angebot ist oder etwas noch besser passen würde.

Angeblich fühlt A sich bei uns wohl, hat dafür aber oft Skrupel und Zweifel über die eigene Arbeit. Also wenn man mal etwas hört. Dann gibt es aber genauso oft das Bild, wie A sich eben ablenkt oder etwas so erledigt hat, wie es in der Routine liegt. Wir alle mögen A, manchen fällt A kaum auf, aber es schwierig an A heranzukommen oder etwas von A zu erfahren. Wenn dann auch noch "hinter dem Rücken" geholfen wird, macht das ein wenig Angst bzw. führt es zu Skepsis.

Was ist das für eine Person? Wie sollen wir mit ihr umgehen? Schüchtern, überfordert, allgemein unpassend? Was denkt ihr?


Aufgrund der Anonymität möchte ich nicht zu sehr auf die Firma oder die Branche eingehen. Ich kann nur so viel verraten, wir arbeiten an Computern und mit Menschen verschiedenen Alters.
 
Hallo, Gast,

es ist schwierig, diesen Menschen A korrekt einzuschätzen. Gemäß Deiner Beschreibung liegt für mich folgende Vermutung nahe:

A ist eine wirklich seltene Blume. Ich traue ihr zu, dass sie ist einerseits in der Lage ist Aufgaben zu lösen, bei denen andere scheitern würden, während sie andererseits 08/15 Aufgaben nur mit Anlauf lösen kann. Sie ist durchaus eine logisch denkende Person. Nur hat sie eine Logik, die sich so schnell einem Außenstehenden nicht erschließt. Und gerade ihre Logik wird sich noch als sehr hilfreich erweisen können, weil sie eben anders denkt und daher auch andere oder überhaupt Lösungen findet, als andere Menschen. Im Grund scheint sie über eine besondere Sensibilität zu verfügen, was sie empfindsam für Menschen und Situationen, aber auch verletzlich macht.

Sie lässt sich in keine Schublade pressen. Mit typischen, fest strukturierten Arbeitsplätzen wird sie sich evt. schwer tun. Vermutlich kann sie am Arbeitsplatz 1 die Arbeit A gut und beim Arbeitsplatz 2 die Arbeit B und beim Arbeitsplatz 3 die Arbeit C. Wenn sie unter Druck gesetzt wird, wird dies vermutlich innerlich eine Blockade auslösen.

Auf Grund ihrer Empfindsamkeit wird sie auch durch negative, unsensibel vorgetragene Kritik blockiert, so dass sie sogar Gelerntes falsch machen könnte. Sie hat vermutlich eine Menge schlechter Erfahrungen gemacht, was sie hindert, schnell anderen Menschen zu vertrauen. Wird sie dann in diesem neuen Unternehmen noch negativ kritisiert, z.B. weil sie was falsch oder zu langsam machte, wird es eher schlimmer. Fehler nehmen zu, sie wirkt noch umständlicher, sie zieht sich noch mehr zurück.

Sie hat eine eigene, ggf. unübliche Art, sich mit Dingen und Aufgaben zu beschäftigen. Was sie lernt oder was sie machen soll - muß für sie einen nachvollziehbaren Sinn ergeben. Erkennt sie den Sinn nicht, macht sie eben Fehler oder ist sehr umständlich. Sie kann sich vermutlich sehr begeistern und wird dann zu dem Arbeitstier, welches mit Leidenschaft und großem Geschick eben Aufgaben löst, die anderen nicht liegen oder an der andere Menschen scheitern. Aber diese Aufgaben, ihre Talente, müssen vorsichtig und mit Geduld herausgefunden werden. Bei welchen Aufgaben das eher der Fall ist, kann ich so nicht sagen.

Möglicherweise wird das Unternehmen am besten von ihr profitieren, wenn man ihr einen ggf. unüblichen Freiraum gewährt. Ich würde ihr z.B. sagen, dass sie sich umschauen und ihre Arbeit - wo sie meint sich gut einbringen zu können - selbst suchen soll. Sie soll einfach schauen, wem sie wo helfen kann, welche Aufgaben ihr liegen. Und jeder, zu dem sie sich setzt, sollte geduldig erklären, worum es hier an diesem Arbeitsplatz/bei dieser Aufgabe eigentlich geht.

Ihr mit Freundlichkeit zu begegnen, viel Geduld und Freiraum zu gewähren, ist vermutlich die beste Methode. Sie wird sich wahrscheinlich selbst entfalten und ihre Talente werden immer sichtbarer werden. Mit Sicherheit ist sie ein sehr wertvoller Mensch. Es wäre nur grundverkehrt, sie mit anderen zu vergleichen. So ein Typ Mensch ist zu sehr "unüblich".

Ihre z.Teil völlig andere Sicht ist auch vermutlich der Grund, warum sie Hierarchien übersieht. Sie lässt sich anscheinend wirklich in kein Schema pressen. Meine Stichworte, die zur Anwendung gelangen sollten, sind:
- Viel Freundlichkeit,
- viel Geduld, liebe und fürsorgliche Betreuung
- sowie verständnisvolle Führung,
- Freiraum sich selbst mit Aufgaben zu beschäftigen
- und ihr viel Zeit geben für ihre Entwicklung.

Es kann durchaus sein, dass man sich z.B. 3 Jahre lang fragt, "was macht sie hier eigentlich gut?" bis man ihre besonderen Talente entdeckt. Am besten wäre es, wenn sie sich so wohl fühlt, dass sie sich ihre Aufgaben selbst sucht und nimmt ... und man daran erkennen kann, welche Fähigkeiten sie hat. Ihr Arbeitsplatz sollte in Wohlfühlplatz umbenannt werden. Mit negativer Kritik sollte man sehr sparsam umgehen und wenn, dann so vortragen, dass diese negative Kritik nicht verletzend rüberkommt. Alle Arbeitskollegen sollten ihre Freunde sein. So, scheint es mir, wird es am besten funktionieren.
Bevor ich es vergesse: LOB, auch für kleine Dinge, sind für sie sehr wichtig und spornt sie an.

Ich vermute mal, ihr könnt euch glücklich schätzen, sie zu haben. Ihr merkt es nur noch nicht.

LG, Nordrheiner
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Beschreibung klingt sehr nach einer Person, die ich gut kenne.

A ist sensibel und empfindsam ("Gute Antennen"), aber gleichzeitig unsicher im Umgang mit anderen Menschen.
A ist intelligent, aber unsicher im Umgang mit Aufgaben.
A ist hilfsbereit und sozial, hält sich aber zurück, wenn sie selbst aktiv werden soll.

A scheint sich des Könnens bewusst zu sein, hat aber vielleicht Bedenken, etwas falsch zu machen oder etwas falsches zu sagen. Wie du schon sagst, sie wird schlechte Erfahrungen gemacht haben.

Man sollte nett zu ihr sein, sie fördern und ihr zu verstehen geben, dass sie gemocht wird.

Aber sie muss auch ermutigt werden, sich den "Dämonen" der Vergangenheit oder Gegenwart zu stellen und an ihrem Selbstvertrauen und dem Vertrauen zu anderen arbeiten, damit sie eine gesicherte Zukunft hat. Bie euch hat sie schließlich nichts zu befürchten.

Schlechte Erfahrungen sind okay, aber man muss erkennen, dass A daran etwas ändern will, ansonsten muss ihre Umwelt die ganze Zeit uneingeschränkt Rücksicht nehmen und das ist nur bedingt durchführbar.
 
Hallo,

die große Schwierigkeit einer Analyse von außen liegt darin, dass konkretes Verhalten immer ein Produkt aus Persönlichkeit und Kontext ist, welches dann zusätzlich durch die subjektiven Kategorien des Beobachters geordnet und von ihm durch die Zuschreibung meist statischer Persönlichkeitseigenschaften erklärt wird. Diese Zuschreibung bestimmt dann im Verlaufe der weiteren Kommunikation das Verhalten der Interaktionspartner und wirkt somit auf das Verhalten zurück, wodurch ein sich selbst bestätigender Kreislauf entsteht. Dessen sollte man sich stets bewusst sein. Somit ist es schwer bis unmöglich zu beurteilen, ob ich als Beobachter eine Person als solche oder die Auswirkungen einer bestimmten Form der Interaktionsdynamik beobachte.

Ich kann an dieser Stelle deshalb nur einen vagen Tipp abgeben, über was für eine "Art von Person" es sich "handelt". Aus der Beschreibung scheint durch, dass A offenbar eher in emotionalen Sequenzen denken kann als in algorithmischen Mustern. Beispiel: Wenn man eine Zahlenreihe auswendiglernen möchte, kann man sich entweder eine vielsagende Geschichte daraus konstruieren, oder aber sich die Formel dahinter merken und die Zahlenreihe später spontan errechnen. Beide Herangehensweisen haben ihre Vorteile bei unterschiedlichen Aufgaben: Geht es um nüchterne Datenverwaltung, ist algorithmisches Denken sicher vorteilhaft. Geht es hingegen um die Gestaltung einer Nutzeroberfläche, das Schreiben einer Bedienungsanleitung oder andere im weitesten Sinne zwischenmenschlichen Dinge, dann ist der emotionale Denker im Vorteil. Dies gilt auch für Aufgaben, die ein sehr hohes Maß an Komplexität aufweisen. Hier funktioniert unsere emotionale Musterbildung weit besser als die rein rationale.

Zu mehr Aussagen möchte ich mich aber hier aus genannten Gründen nicht hinreißen lassen. Es kann sogar sein, dass sie in anderen Kontexten durchaus sehr gut algorithmisch denken kann! Glauben Sie bloß nicht meiner Klassifizierung! Auch meine Eigenschaftszuschreibung hier wird problematisch, wenn Sie sich dadurch ab jetzt so verhalten, als hätte A diese Eigenschaft tatsächlich. Dennoch wollte ich hier die Vorteile dieses eher emotionalen Denkens darstellen, um Förder- oder "Verwendungs-"möglichkeiten aufzuzeigen.

Stattdessen möchte ich einen ganz anderen, vielleicht auf den ersten Blick ungewöhnlichen Vorschlag machen:

In der Fragestellung fällt mir besonders der Versuch auf, alles Verhalten von A im Sinne einer statischen Eigenschaftszuschreibung zu deuten. Was auch immer A tut, es wird ihr als ewiges und unveränderliches Attribut zugeschrieben. Ich könnte mir vorstellen, dass eine solche Art der Kommunikation ("Wir wollen jetzt wissen, ob A geeignet ist oder nicht"), in A die Angst vor einer wohlmöglich negativen Klassifikation weckt und so sagt sie lieber nichts, als versehentlich eine falsche Klassifizierung auszulösen, die sie so schnell nicht wieder rückgängig machen kann. Natürlich wird sie genau mit diesem Vermeidungsverhalten eine eben solche Bewertung auslösen, was zu einem Teufelskreis führen kann. Es ist wie früher in der Schule, man befindet sich in einem stetigen Lern- und Erkenntnisprozess, aber es ist dann dieser eine böse Moment in der Klausur, wenn sich die Bewertung der Leistung auf ewig festschreibt. Sein Leben lang wird man sich möglicherweise mit dieser Note bewerben müssen. Genau dieses Wissen führt dann zum Blackout!

Was aber könnte man stattdessen tun?

Probieren Sie doch alternativ mal aus, sich A als ein sich in konstanter Entwicklung befindendes Wesen zu sehen, und ihr Verhalten genau so zu deuten. Welche neue Sichtweise auf A ergibt sich, wenn Verhaltensweisen oder Fehler nicht als statische Kategorien, sondern bewusst als Zeichen einer Entwicklung wahrgenommen werden? Die Frage wäre dann: Was versucht A zu werden? Welches Bild versucht sie von sich abzugeben? Was glaubt sie, worauf es ankommt? Welche Erkenntnisse oder Erfahrungen hat sie gemacht? Welche fehlen wohlmöglich?

Eine ungewohnte Perspektive, das ist wahr, und auf den ersten Blick mag sie unpraktisch erscheinen. Schließlich bietet sie keine verlässliche Kategorisierung, mit der man dann Gedanklich weiterrechnen kann. Wenn aber wirklich genau diese Art der Frage bei bestimmten Menschen dazu führt, dass man seine eigene Kategoriesierung (wie selbst versteckte Ostereier) in der Person des anderen wiederfindet, dann ist dieser bewusste Perspektivwechsel der einzige mir bekannte Weg hinaus.

Gruß
tuny
 
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