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Bindungsstörung

N

No Friends

Gast
Ich hatte in der Grundschule schon leichte Erfahrungen von Ausgrenzung, in der weiterführenden Schule wurde ich dann einige Zeit offensiv gemobbt. Auf der nächsten Schule wieder und auf der nächsten Schule wieder. Nur so vorweg.

Es kam dann dazu, dass sich meine Eltern getrennt haben als ich 16 war. Es war eine sehr ruppige und brutale Angelegenheit, keiner wollte sich mehr um mich kümmern, ich war von Existenzängsten bedroht, komplett am Boden und depressiv. Ich konnte nicht mehr zur Schule gehen. Mich haben damals jede Menge Gleichaltrige verarscht und benutzt. Mir hat keiner geholfen und auch Lehrer hatten keinerlei Verständnis für meine Situation.

Seit dem habe ich Bindungsprobleme. Ich tu mir sehr schwer damit, Freunde zu finden. Einerseits bin ich sehr wählerisch geworden, andererseits fällt es mir schwer, mich emotional auf jemanden einzulassen. Es ist mir sehr wichtig, mich selbst zu schützen. Ich vertraue niemandem mehr. Manchmal hätte ich schon gerne mehr Freunde, damit man mal was gemeinsam machen kann, das ist schon schön. Aber wenn mir gerade nicht langweilig ist, dann sind mir andere Menschen eigentlich gleichgültig, weil ich halt keine emotionale Verbindung aufbauen kann oder will. Größere Gruppen lehne ich ab, ab über drei Personen fühle ich mich schon nicht mehr wohl, weil mir das zu oberflächlich ist. Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich mich auf eine Person konzentrieren kann. Ich gebe aber eher wenig von mir Preis, weil zu oft Informationen gegen mich gerichtet worden sind, um mich so richtig zu zerstören.

Einzig Beziehungen sind etwas, das mir gut gelingt. Hier bin ich sehr selbstbewusst. So blöd es klingen mag, aber ich habe hier die Oberhand, da ich mich hier eher dominant verhalte. Ich bin sexuell sehr erfahren, charmant und offen. Normalerweise suche ich mir Menschen aus, die ein bisschen unterwürfiger sind. Mit sehr selbstbewussten Menschen gehe ich keine Beziehung ein. Ich suche mir wohl mehr oder weniger mit Absicht jemanden, der sich von mir nehmen lässt...

Ich spüre, dass mein Verhalten nicht gut für mich ist. Mir geht Lebensqualität verloren. Ich versuche immer wieder, mich auf Menschen einzulassen. Es fühlt sich aber sehr anstrengend an und das sollte es nicht. Ich habe oft das Gefühl, dass ich nicht erwünscht bin, obwohl es dafür keinen objektiven Grund gibt. Höchstens meine eigene Zurückhaltung, aber das ist ja meine Schuld.

Hat jemand einen Rat für mich?
 

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Joergii

Aktives Mitglied
Sind dir denn die Gründe bewusst, weswegen du damals immer zum Mobbingopfer geworden bist? Und inwieweit hast du daraus gelernt und hat sich die Situation geändert? Würdest du heute theoretisch auch noch ausgegrenzt werden oder besteht die Gefahr weniger und du grenzt dich tatsächlich nur weiter wegen deinen alten Erinnerungen aus?

Bei deiner Freundessuche sehe ich ein Problem. Du möchtest keine oberflächlichen Freundschaften, aber lässt eh keinen an dich heran und gibst weniger von dir Preis, dass sie eigentlich nur oberflächlich bleiben können. Dein Wunsch von Freundschaften beruht in dem Sinne darauf, um mehr mit Spaß zu unternehmen. Dort wären in deinem Fall oberflächliche Freundschaften perfekt, weil sie dir außerhalb der Unternehmungswünschen auch mehr oder weniger egal wären. Oberflächliche Freundschaften sind keine falsche Freundschaften, es sind Freundschaften die hauptsächlich einen ebend anderen Zweck erfüllen - für das Äußere im Leben, anstatt für die innere Welt.

Bei deinen Beziehungen lese ich eigentlich nur heraus, dass du nach der Kontrolle suchst. Woran scheitern am Ende die Beziehungen? Gefällt dir diese dominante Rolle oder hast du dir sie wegen dieser Kontrolle beigebracht, damit du dich gegenüber deinen alten Erfahrungen in Sicherheit wiegen kannst.. damit wenn einer verletzt wird am Ende, dass es auf jeden Fall nicht du bist? Wie sieht es dort mit deinen Gefühlen, der Liebe aus? Wie war ist es am Ende einer Beziehung? Würdest du gerne mal die Kontrolle abgeben, dich fallen lassen, und dich mit deinen Gefühlen in Gefahr begeben und auch mehr das Abenteuer der Liebe spüren.. oder reizt dich einfach der Gedanke gar nicht mehr?

Ich sehe dort auch ein paar Parallelen zur Freundschaftssuche.., denn dort ist es durch die fehlende gedankliche sexuelle Abhängigkeit vom Gegenüber schwieriger jemand unter Kontrolle zu bekommen und zu halten.

Dass du dich oft unerwünscht oder nicht dazugehörig fühlst, könnte der Grund sein, weil du selbst zu wenig Interesse an das Innere der Menschen hast. Du hast scheinbar nie gelernt oder es zumindest nie so empfunden, dass andere Menschen früher Interesse an dir hatten und gibst diese Rolle in dem Sinne weiter, indem du dich für andere nicht interessierst. Wenn du für andere keine Liebe empfindest, wirst du dich schwer zurückgeliebt fühlen können. Bzw., wenn, dann sind dir diese Gefühle vom Gegenüber gleichgülitg. Wenn wir selbst Gefühle für andere Menschen entwickeln, ob freundschaftlich oder in der Liebe, dann investieren wir und ein Teil von uns wird in der andere Person verweilen. Wenn wir uns selbst auch in der andere Person sehen können, dann fühlen wir uns auch erst Willkommen und dazugehörig.
 

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