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Bin völlig ratlos - zweiten Bachelor machen?

F

Fluffy35

Gast
Hallo,

ich weiß nicht mehr weiter und hoffe, dass ihr mir einige Anregungen geben könnt!
Zu meiner Situation: Ich bin mittlerweile 28 und habe einen Bachelorabschluss in einem sehr exotischen Fach (Buchwissenschaft und Soziologie). Außerdem habe ich bereits ein Germanistik-Studium und 2 Master-Studiengänge abgebrochen (den 1. in Buchwissenschaft, weil ich das Fach nicht mehr sehen konnte, den 2., weil ich am Studienort keine Wohnung gefunden habe und nach 4 Monaten pendeln aus Erschöpfung aufgegeben habe).
Mit dem Bachelor finde ich keinen Job. Ich habe über 60 Bewerbungen in ganz Süddeutschland verschickt und habe auch auf Praktika/Traineestellen NUR Absagen bekommen. Zwei Vorstellungsgespräche waren drin, aber ich wurde nicht genommen. Dazu kommt, dass ich es mir eigentlich finanziell nicht leisten kann, unterbezahlte Praktika - in der Verlagsbranche scheint's leider nur solche zu geben - zu machen, wenn ich für das Praktikum in eine andere Stadt ziehen und den Lebensunterhalt selbst verdienen müsste. Von Seiten des Arbeitsamts wurde klargemacht, dass ich keine Unterstützung mehr bekomme, wenn ich ein Praktikum mache. Meine Eltern können mir das auch nicht finanzieren, und ich will auch finanziell nicht mehr von ihnen abhängig sein, weil ich finde, dass man mit 28 dringendst auf eigenen Beinen stehen sollte.
Ich frage mich inzwischen, wie ich so naiv sein konnte, Buchwissenschaft zu studieren. Es wurde von den Profs immer betont, dass alle Absolventen bisher (als es noch ein Magister war) in der Verlagsbranche untergekommen sind. Die Realität sieht jetzt anders aus.
Jedenfalls habe ich mich inzwischen für ein Fernstudium (Gesundheitspsychologie und Prävention) immatrikuliert und habe nebenbei einen Minijob, um die Gebühren zu finanzieren. Wohnen tue ich wieder daheim bei meinen Eltern -_- Was dieses Studium angeht, habe ich aber große Zweifel, denn:
1) im Grunde habe ich keine Lust mehr aufs Studieren, die ganzen Hausarbeiten und das viele allein-daheimhocken und büffeln, weil ich nicht glaube, dass mit diesem Studium mir dann nachher auch einen Job finde. Andere Studiengänge habe ich sehr sehr gründlich durchforstet - ich habe nichts gefunden, was mich interessiert UND ich vom NC her eine Chance habe UND das beruflich gute Chancen bietet. Klar kann einem das bei keinem Studium jemand garantieren, aber der Einstieg in den Beruf sollte halt nicht so unmöglich sein wie mit Buwi.
2) ich habe sooo die Nase voll davon, finanziell abhängig zu sein
3) ich habe das Gefühl, dass ich absolut nicht vorankomme, mein Lebenslauf aussieht wie ein zerlöcherter Teppich und ich mir nichts aufbauen kann. Andere in meinem Alter, die eine Ausbildung gemacht haben, haben jetzt Haus und Familie... ich hab ein Abschlusszeugnis, juhu...
4) weil ich ohne Praxiserfahrung mit diesem Fernstudium, das ja eigentlich auf Berufstätige zielt, sicher keine Chance habe, will ich nebenher Praktika im Gesundheitswesen machen. Gleichzeitig habe ich die Befürchtung, dass ich die Doppelbelastung nicht durchhalte - ich habe eine Angststörung/Panikattacken und fühle mich doch deutlich schneller gestresst als meine Freunde. Ich habe auch sehr hohe Ansprüche an mich/bin sehr gewissenhaft und hatte zwar im Studium gute Noten, aber es hat mir nie Spaß gemacht, sondern war eigentlich nur Stress, Druck und hat mich zeitweise ziemlich verzweifeln lassen. Habe es aber trotzdem durchgezogen, weil ... ich hatte ja schon ein Studium abgebrochen und wollte mir selbst und anderen beweisen, dass ich es schaffe.

Ich steh jetzt da und bin völlig blockiert.
Fernstudium durchziehen - ja oder nein?
Und wenn nein, was ist die Alternative?
Eine Ausbildung anfangen mit dann 29 (für dieses Jahr ist das ja schon zu spät)?
Weiter mit meinem Bachelor nach Jobs suchen?
Eine Umschulung (Industriekauffrau) hätte ich machen wollen, dazu hat jedoch mein Betreuer vom Arbeitsamt schlichtweg "mit Studium? Nein." gesagt.
Eine Umschulung machen und selber finanzieren?
Oder einfach *irgendeinen* Job annehmen und versuchen, mich hochzuarbeiten?
Ich wäre sehr sehr dankbar für konstruktive Ideen!

LG
Fluffy
 
Das ist eine schwierige Situation.

Hast du denn für die Zeit nach dem Studium in Gesundheitspsychologie einen Plan, also was du genau damit vorhattest oder warum hast du dich dafür entschieden?

Du schreibst, dass du auch überlegst, eine Umschulung zur Industriekauffrau zu machen.

Also fassen wir zusammen: Buchwissenschaften, Gesundheitspsychologie und Wirtschaft.

Irgendwie sehr durcheinander, also scheinst du nicht genau zu wissen, wohin es überhaupt gehen soll.

Vielleicht solltest du das zuerst klären, bevor du dir Gedanken machst, wie es gehen soll.

Ansonsten klingt das mit dem Praktikum im Gesundheitswesen neben dem Studium nicht schlecht. Also weiterstudieren und nebenbei Erfahrung in Praktikas sammeln. So siehst du zumindest, ob dieser Beruf etwas für dich wäre.

Bevor du nicht weißt, was genau dein Ziel ist, würde ich nichts abbrechen, neu anfangen oder irgendeinen Job suchen, das gibt nur noch mehr Chaos in deinem Lebenslauf. Dort muss erst einmal Ruhe hineingebracht werden.
 
Ich frage mich inzwischen, wie ich so naiv sein konnte, Buchwissenschaft zu studieren
Ich weiß, ich sage jungen Leuten das immer wieder und wie wir "damals" wird mir geantwortet: nein, lieber studieren was Spaß macht...das böse Erwachen kommt zum Schluß :wein:. Das soll nun aber nicht noch ein Vorwurf sein, der Dich noch mehr runterzieht.

Ausbildung? Warum denn nicht mit 29 Jahren.

Ich würde mir Ausbildungsstellen raussuchen, bei denen man noch Chancen hat, z.b. Schwester oder Altenpflegerin (ich weiß, nicht jedermanns Ding, aber wer weiß, viell. kannst Du ja späääääääääääter mal als Bereichsleiterin arbeiten oder sonst was; heißt ja ned, daß man da kleben bleibt) oder Gesundheitskauffrau. Dein neues Studium heißt auch "Brotlose_Kunst", fürchte ich mal, aber lieber etwas vorweisen als nix zu tun. Praktika sind doch auch sehr gut...ich würde tatsächlich mal Krankenschwester oder Altenpflegerin oder Gesundheitskauffrau versuchen.

Damals habe ich im Zeitunternehmen gearbeitet. Ich weiß, es ist umstritten, was ich allerdings gut fand war, daß ich mehrere Betriebe durchkämt habe, wo ich eingesetzt worden bin. Darüber habe ich auch noch einen Minijob bekommen. Der Vorteil ist nämlich, man kommt raus und unter Leuten und viell. ist die eine oder andere Idee dabei, sogar ein Angebot. Jedenfalls erhöht sich die Chance mehr im Arbeitsfeld als heulend auf dem Sofa oder verzweifeln vor dem Internet. Ich habe damals ca. 1200 DM verdient, nicht die Welt aber besser als so gar nix und ich konnte wieder im CV schreiben, daß ich arbeite. Und im Vorstellungsgespräch immer noch argumentieren, daß ich das mache zum reinen Geldverdienst...

Ich wünsche Dir alles Gute und hoffe, daß andere jungen Menschen sich ein wenig belehren lassen. Irgendwann hat man den Theorie-Kram satt und ewig finanziell abhängig zu sein.

w.
 
Hallo Fluffy,

zunächst herzlichen Glückwunsch zum Bachelor! Du hast einen ordentlichen Abschluss und kannst durchaus auch stolz auf Dich sein!

Darf ich Dich fragen, warum Du "nur" in Süddeutschland suchst? Mittlerweile ist Berlin ein sehr angesagter Verlagsstandort. Auch in Hamburg und Köln gibt es einige Verlage.

Kennst Du folgende Webseiten? Stellenangebote | PublishingMarkt.de oder Wir gestalten die Zukunft – Junge Verlagsmenschen Eventuell gibt es in Deiner Stadt auch einen Stammtisch der Jungen Verlagsmenschen ;-) Wenn ja, geht dort mal hin und informiere Dich und baue Dir ein Netzwerk auf.

Ich wünsche Dir viel Erfolg bei der Jobsuche und alles Gute!
Bücherwurm

Noch ein Hinweis: Dich stets mit anderen zu vergleichen ist eine sichere Strategie für totale Unzufriedenheit. Der Verzicht dagegen, dich mit anderen zu vergleichen und dich und dein Erreichtes nur danach zu beurteilen, wie weit du es aufgrund deiner Startbedingungen und Talente gebracht hast, könnte dich stolz und zufrieden machen ;-)
 
Was ist denn mit Bibliotheken und Archiven? Oder als Volontär?

Ich würde auch sagen, dass du es mal außerhalb von Süddeutschland probieren solltest. In Thüringen und Bremen, glaube ich, herrscht immer viel Fluktuation und in Berlin kommen und gehen viele Start ups. Probiere es mal dort! Berufserfahrung bleibt Berufserfahrung.

Bezüglich der Panik würde ich sagen, dass du das mit einberechnen musst. Ich weiß ja nicht, wie und wann sich so etwas bei dir äußert, aber es ist schon wichtig zu wissen, wo deine Grenzen schneller ausgereizt werden. Als Psychologe im Gesundheitsbereich und der Prävention arbeitest du evtl. in der Psychiatrie, dort gibt es viele Jobs. Problem: Stress und evtl. auch gering bezahlt. Könnte aber auch ledigleich bei den Therapeuten der Fall sein. Kranenhäuser sind aber allgemein ein großer Stressherd, auch die lieben Kollegen. Es wäre also vielleicht nicht schlecht, zuerst zu probieren und dann zu studieren.

Da du jetzt aber schon dabei bist, könnte es vielleicht helfen, wenn du dich nebenbei trotzdem um ein Praktikum bewirbst oder dir Kurse zur Fortbildung anguckst. Dass du studiert hast, sieht man ja. Aber was hast du Praktisches gemacht und was kannst du an "Skills" nachweisen?

Ein Fernstudium kann auch sehr belastend sein, man braucht viel Disziplin. So an sich würde ich sagen, versuche es mit dem BA weiter. Manchmal kennt man einfach noch nicht genug Stellenbörsen oder prboiert Sachen wie XING und Linked In nicht aus. Du kannst ja mal bei Karrierebibel.de schauen, ob du dich günstig promoten kannst in einem Stellengesuch oder auf einer Bewerberhomepage.

So generell muss man aber auch sagen, Geisteswissenschaftler haben es schwer und müssen u.U. ganz anders anfangen als es zunächst verständlich ist. Ich habe einen BA in Psychologie und finde außerhalb der Psychiatrien und des Personalmanagements übrigens kaum Jobs. Deswegen half mir nur der Blick über den Tellerrand: Ich bewarb mich auf Pädaogen-Stellen, auch auf Studentenjobs und wurde zu Gesprächen eingeladen. Jetzt arbeite ich mich innerhalb eines Studentenjobs durch (dank der finanziellen Sicherheit meiner Eltern, mit Amt ginge es aber bei unter 450€ auch) und kann evtl. nächstes Jahr übernommen werden. Besser als nichts. Ich kenne auch Absolventen der Germanistik oder Medienwissenschaft, die einen Job in der freien Wirtschaft für 400 bis 800€ haben. Keiner von denen hätte mit den Tätigeiten gerechnet, aber sie probieren es erstmal.

Wichtig sind selten die Fachkenntnisse, sondern das Drum herum: Wer bist du, was kannst du generell und wie bringst du dich ein? Ein paar Stichworte, die dich meiner Meinung nach qualifizieren:
+ du bist vielseitig begabt und interessiert, v.a. mathematisch
+ du hast riskiert und warst bereit, mit schlechten Konsequenzen zu leben
+ die Berufslandschaft ist aktuell nicht die beste, weswegen du auch bereit zum Umzug bist, du bist also mobil (und ledig?)
+ du bist engagiert, hast dir Hilfe gesucht und nimmst Gelegenheiten zur Selbstständigkeit wahr

Wenn du das gut herüberbringen kannst, kannst du vieles erreichen. Die Medienbranche und evtl. auch Tourismus und Wirtschaft sind groß. Jobs gibt es dort. Verschwende deine Zeit nicht unbedingt mit Verlagen! Es gibt dort auch nicht so sichere Jobs, bleib flexibel und schau, wo du deine Fähigkeiten auch noch anbieten und entwickeln könntest!

Man wartet immer auf dich.
 
Vielen Dank für eure Antworten und dass ihr euch die Zeit genommen habt, meinen langen Beitrag zu lesen.

Also, in Süddeutschland wollte ich wegen meiner Familie und meiner Freunde bleiben, weil ich ihre Unterstützung brauche, wenn ich - aufgrund von Stress, meiner Panikattacken oder meiner chronischen Erkrankung - eine akute Krise habe. Aus Erfahrung weiß ich, dass es mir sehr schwer fällt, fern vom vertrauten Umfeld gut klarzukommen - ich komme zwar klar, aber es geht mir nicht gut. Den Buwi-Bachelor habe ich nicht in meiner Heimatstadt, sondern in einer Stadt gemacht, zu der man 3 Stunden mit dem Zug braucht, wegen des hohen Pensums war ich dann nur alle 2-3 Monate daheim und es ging mir mehr schlecht als recht. Freunde habe ich gefunden, das war nicht das Problem. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll - ich habe mich einfach nicht sicher gefühlt.

Publishing-markt.de kannte ich tatsächlich noch nicht 🙂 Ich suche dort mal nach Stellenangeboten, die passen.

Als Volontär habe ich mich x-mal beworben... das hat nicht geklappt, da immer ein bis zwei Praktika im Verlag Voraussetzung sind. Die Verlage haben sehr hohe Ansprüche, sind aber nicht bereit, einem Absolventen für ein Praktikum mehr als 400 Euro - wenn überhaupt - zu geben. Oder sie können es nicht, weil die Wirtschaftslage so mies ist. Wie soll ich davon in einer Stadt wie München/Stuttgart/Hamburg leben? Das geht nicht.

Bei Gesundheitspsychologie ist es so, dass ich den Schwerpunkt "Betriebliches Gesundheitsmanagement" wähle. Für Unternehmen wird die Gesundheit, v.a. die Vorbeugung von stress- und ernährungsbedingten Krankheiten, doch immer wichtiger. In dem Bereich berät man die Unternehmen und erstellt mit ihnen einen Präventionsplan und hält Seminare für die Mitarbeiter. Ich denke schon, dass das eine Zukunft hat und nicht so brotlos ist wie Buwi 😉 Aber im Vorfeld weiß das natürlich niemand zu 100%. Nebenbei denke ich auch daran, in die Richtung Ernährungsberatung zu gehen, im Sinne von Gemeinschaftspraxis, z.B. mit einem Internisten (wobei ich natürlich kein Dr. med. werde). Das Studium verbindet deshalb meine Interessen recht gut - Gesundheit/Ernährung/Prävention und BWL.

Vielen Dank nochmal für euren Input. Ich denke, ich werde es mir ein halbes Jahr anschauen, nebenbei ein Praktikum in der Sporttherapie machen und dann sehen, ob ich mich damit wohl fühle. Beruflich muss ich später ev. auf eine 75%-Stelle gehen, damit mir der Stress nicht zu viel wird. Das muss ich dann sehen.

LG
Fluffy
 
Das klingt doch so ganz gut.

Ich denke auch nicht, dass in Süddeutschland die Jobchancen schlecht sind, eher im Gegenteil.

Wenn du mit der Zeit etwas stress-resistenter wirst, könntest du dich auch damit selbstständig machen als Coach für Unternehmen. Wir haben auch solche Coaches bei uns und das Angebot wird gut angenommen.

Ich wünsche dir viel Erfolg für deine Pläne.
 

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