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Bin ich schuld?

S

SeaAngel

Gast
Ich bin jetzt 30 und Vollwaise. Und ich denke, dass ich Schuld am Tod meines Vaters bin.
Er war schwerkrank und irgendwie ist es gut so, weil ich, vor allem die letzten Tage, immer daran denken musste, wie sehr er gelitten haben muss. Er war über Jahre krank, hat seinen körperlichen Verfall und am Bett gefesselt sein immer mitbekommen. Irgendwann hat er nicht mehr seine Augen aufgemacht, konnte nicht mehr richtig sprechen, war wütend, wenn ich ihn nicht verstanden habe. Er hat immer geweint und ich konnte ihn nicht beruhrigen, wenn es im besser ging hat er auch wegen seiner vorher bestehenden Depression von Suizid gesprochen.
Und ich, ich wusste nie wie ich damit umgehen sollte oder wie ich ihn trösten sollten.
Wir hatten nie einen engen Kontakt.
Wir hatten nur Streit, nur Stress. bedingt durch seine psychische Erkrankung, auch durch meine.
Ich habe deswegen immer wieder den Kontakt abgebrochen, immer wieder gesucht, weil er krank war und ich seine Frau mit der Pflege entlassten wollte.
Aber ich konnte das nicht mehr ertragen, es ging nicht mehr.
Und ich muss jetzt immer daran denken wie sehr er gelitten haben muss, wie schlecht es ihm ging, dass ich daran Schuld bin.
Knapp zwei Jahr vor seinem Tod habe ich ihm gesagt, dass ich endgültig keinen Kontakt mehr möchte. Paar Tage später hatte er einen so schlimmen Anfall, dass er in die Klinik musste und die Ärzte damals schon gesagt hat, dass er sterben wird.
Er hat sich nochmal aufgerappelt, aber ich konnte das nicht mehr ertragen.
Das ich die Pflege übernehmen soll, weil ich arbeitslos bin. Weil meine Schwester meinte ich mache das nur wegen des Erbes. Das ich das Pflegeheim aussuchen soll, dass ich das Haus mit seiner Frau ausräumen soll aus dem ich mit einer Räumungsklage geflogen bin.
Es ging nicht mehr.
Ich habe ihn nochmal gebeten für mich zu lächeln. Ich habe ihn nie glücklich oder lachend gesehen.
Er hat es getan, und dann bin ich umgedreht und gegangen.
Ich weiß nicht wie seine letzten Monate waren. ich hätte wegen Covid ihn auch nicht im Pflegeheim besuchen können. Ich hatte nie einen guten Kontakt zu seiner neuen Ehefrau, die immer schlecht über mich und vor allem meine Schwester geredet hat.
Ich weiß, dass er zumindest für zwei Tage Palliativbegleitung und Morphium bekommen hat.
Aber ich denke immer daran wie sehr er gelitten hat und das das meine Schuld gewesen ist, weil ich keine Arbeit und Ausbildung hatte.
Ich konnte deswegen auch nicht zur Beerdigung gehen. Zu sehr habe ich mich geschämt. Vielleich weil ich es auch mir nicht anhören konnte wie sehr er doch gelitten hat im leben und wie schlecht es ihm ging.
Ich habe zwar eine Traueranzeige gestellt, bin am gleichen Tag zu seinem Grab gegangne, habe ein Brief an seine Witwe geschrieben und ihr alles gute geswünscht, viel Kraf tund Mut, ihr gedankt für die Pflege und das sie sich hoffentlich davon gut erholt, dass sie Leichtigkeit verdient und das sie wieder glücklich werden wird, nur dass sie da am Anfang nicht erkennen wird, weil es sich anders fühlen wird und ihr ein Origamikranich beigelgt. Ich habe auch eine Onlinegedenkseite angelegt, weil die Traueranzeige auch Online ging.
Aber ich konnte da nicht hingehen zur Beerdigung. In der Familie wird bis heute behauptet, dass er immer fü rmich da war und mich immer unterstützt hat, was nicht stimmte. Ich konnte diese Lüge nicht weiter aushalten.
Es hat mich nach dem Tod ja auch niemand gefragt wie es mir geht oder ob ich Hilfe brauche. Ja. Der Kontakt zur anderen Familie ist schon seit Jahren abgebrochen. Aber nichtmal jetzt.
Mein Vater hat meiner Schwester drei Autos, FS und zwei Ausbildungen finanziert. Er wollte nie die Bafögunterlagen abgeben, kein unterhalt zahlen, mich bedroht, wollte mich verklagen, die Räumungsbescheid.
Ich bin im Obdachenlosenheim gelandet nach dem Abi. ich hatte nichtmal Geld für Essen bekommen und war so überfordert, ich hatte einfach keine Ausbildung gefunden und Studium konnte ich mir nich leisten.
Ich hatte mehrere Wohnungen und Wgs, die da sAmt nicht zahlen wollte, er wollte mir auch nicht helfen, als ich dann die Wohnung hattte, hatt er mir mehrmals gesagt und geschrieben, dass er nichts zahlt, keine Unterlagen abgibt.
ich wusste nicht wie ein Studium finanzieren sollte, umziehen sollte, Bafög... Ausbildung finden.
Ich hab mich all die Jahre ja bemüht und zuletzt war ich auch an privaten Schulen. Die eine war für mich eine schlechte Schule, die andere hat mich wegen meiner Vergangenheit rausgeworfen und das hat er alles noch mitbekommen.
Er wollte mich dann mit dem Studium unterstützen, die Wohnung, die er besessen hat, dass ich da reinkan, aber er meinte dann, dass er lieber verkaufen würde, als dass ich da einziehe. Und dann hab ich den Kontakt abgebrochen.
Es ging nicht mehr.
Aber ich denke immer, dass wenn ich Arbeit hätte, dass alles anders wäre, wir guten Kontakt hätten, er noch leben würde. Das das alles meine Schuld ist.
Ich habe jetzt mein Studium beendet aber ich finde nichts und mit dem Umzug .. mit der Finanzierung, mit der psychischen Erschöpfung, schaff ich das nicht mehr. Wenn ich damals mich es getraut hätte umzuziehen, erstmal jeden Tag 4 Stunden zu pendeln bis ich das geld für den umzug zusammen hätte, dann hätte ich vielleich tzur Beerdigung gehen können. Aber ich habe mich nicht getraut, ich wollte es nicht. Ich konnte es nicht.
Ich denke immer daran, dass das alles meine Schuld ist. Und wie sehr er gelitten hat. Ich hätte da sein müssen für ihn. Aber.
Ich hab mein ganzes Leben gegen die Wand gefahren. Ich konnte das alles nicht mehr ertragen.
 

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Knirsch

Aktives Mitglied
Dein Vater hat vielleicht gelitten, aber nun ist er tot. So hart das für alle ist, aber der Tod ist auch das Ende allen Leides. Was auch immer zwischen euch war oder nicht war, er grollt dir nicht mehr. Was auch immer er gedacht oder nicht gedacht hat, er denkt es nicht mehr.
Aber du bist noch hier. Und auch wenn ihr euch nicht verstanden habt, du bist sein Kind, so wie deine Schwester sein Kind ist. Eltern schaffen es nie, ihre Kinder gerecht zu behandeln, keines zu bevorzugen, manchmal hat man den Eindruck, sie probieren es nicht einmal. Und dennoch bist du sein Kind.
Und ich kann dir sagen, was Eltern ihrem Kind wünschen sollten und die meisten auch tun, selbst wenn er nicht so wirkt: DASS ES SEIN LEBEN LEBT. Unbeschwert von dem Mist, dem man dem eigenen Kind aufgeladen hat.
 

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