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Beziehungsfeindliche Wahnvorstellungen (Fallbeispiel)

  • Starter*in Starter*in EuFrank
  • Datum Start Datum Start
E

EuFrank

Gast
Nehmen wir einmal an, dass Michael und Claudia eine tiefergehende Beziehung eingegangen sind (so zwischen Freundschaft und Liebe).

Nach einigen Monaten meint Claudia, dass Michael Kontakt zu ihren Arbeitskollegen (einigen von ihnen) hätte und irgendwelche negativen Machenschaften im Hintergrund mit ihnen gegen sie planen würde. Konkretes kann sie auf Nachfrage nicht sagen. Es scheint offensichtlich der Fall zu sein, dass sie unter einer Art von Wahnvorstellungen leidet. Ihr fehlt jegliche Einsicht in ihr Krankheitsbild.

Sie möchte aber mit Michael weiter zusammen bleiben, weil er ansonsten gar nicht so schlecht ist!?

Michael findet das gar nicht gut. Er hat ja nichts mit den Arbeitskollegen zu tun. Er kennt sie nicht einmal, weiß nicht mal den Namen der Firma etc. Michael denkt mit einigem Recht, dass er quasi von Claudia als Lügner dargestellt wird. Er hat ja definitiv mit der Sache nichts zu tun und streitet infolgedessen auch alles ab.

Was soll Michael tun? Er weiß, dass die "Fehleinschätzungen" Claudias mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihrer psychischen Krankheit herrühren. Sie kann im Grunde nichts dafür. Andererseits kann es doch nicht sein, dass sie eine Beziehung mit einem Lügner führt, der auch noch "Ränke gegen sie schmiedet" (in ihrer irrealen Vorstellung).
 
Bei fehlender Krankheitseinsicht (was wiederum ein Symptom der Erkrankung ist) hat man als Partner/Angehöriger keine Chance.
Das ist zumindest meine ungute Erfahrung.
 
Hallo Eu-Frank, ich bin für jeden Beistand, den man psychisch Kranken geben kann, solange,

solange eine Krankheitseinsicht da ist.

Ist diese nicht da, schließe ich mich den Vorrednern an, dass zu deinem Schutz (oder dem von Michael) eine knallharte Realitätskonfrontation nötig ist.

Gruß von Sigi
 
Dem liegt wohl die Annahme zugrunde, dass eine psychische Wahnvorstellung, wie sie hier anzunehmen ist, eine Art "Erkrankung" ist, für die man nichts kann. Weil man dafür nichts kann, ist man als guter und anständiger Freund gezwungen, beim Partner zu bleiben.

Zunächst lösen wir mal auf:

1. Ob eine Wahnvorstellung im klassischen Sinne eine "Krankheit" darstellt, weiß ich nicht. Aber wenn ich das Wort "Krankheit" höre, dann denke ich an Krebs, an Aids etc.

So eine Wahnvorstellung ist also qualitativ einige Stufen darunter.

2. Moralisch ist man zu gar nichts verpflichtet. Vor allem nicht dann, wenn die Beziehung erst so kurz läuft. Obwohl man zu nichts verpflichtet ist, würde ich schon anders darüber sprechen, wenn man schon 10 oder 15 Jahre zusammen ist.

Das ist aber nicht der Fall.

3. Fehlt ja die Einsicht, dass man einer Wahnvorstellung anhängt und sich daher Hilfe suchen sollte. Damit ist auch der letzte Grund genommen, die Beziehung aufrecht zu erhalten.

Sie will sich ja nicht helfen lassen.

Ich fasse also zusammen: Es ist weder Krebs noch eine andere tödliche Krankheit, die Beziehung läuft erst seit ein paar Monaten und die Frau will sich nicht helfen lassen.

Alles in allem, besteht nicht ein Grund oder eine Verpflichtung, die Beziehung aufrecht zu erhalten.
 
Grundsätzlich stimme ich ihnen zu, House, aber dieser Satz macht mir Kopfzerbrechen....
Ich fasse also zusammen: Es ist weder Krebs noch eine andere tödliche Krankheit
...wenn es sich z.B. um eine bipolare Störung handelt, was gut sein kann, ist das durchaus nicht selten eine tödliche Krankheit.
Und die fehlende Einsicht ist nicht der Trotz des Betroffenen, sondern ein Teil der Erkrankung.

Aber wie schon gesagt - ich persönlich, mit der Erfahrung, die ich gemacht habe, würde auch nach 15 Jahren die Flucht ergreifen.
Aus reinem Selbsterhaltungstrieb, Moral hin oder her.
 
Danke für die Antworten 🙂!

Ich tendiere ehrlich gesagt dazu, dass man die Beziehung nicht aufrecht erhalten sollte.

Andererseits könnte man sie weiterführen und würde so für Claudia auch einges erleichtern. Sie hat ja auch nicht geringe Freude an der Beziehung. Ihre Krankheit würde man aber dadurch in keinster Weise bessern. Man würde eher den status quo stabilisieren.

Noch ein Nebengedanke, weil er aufgegriffen wurde: selbstverständlich sind Wahnvorstellungen ein sehr ernst zu nehmendes und sicher auch behandlungsbedürftiges Symptom.

Bei irgendeiner anderen Krankheit wie zB Osteoporose wäre der Fall doch ganz anders. Hier würde man selbstverständlich dem Freund oder der Freundin treu bleiben.

In unserem Fall aber stellt die Erkrankte selbst die Integrität ihrers Freundes in Frage. Ihre "Wahnvorstellungen" führen dazu, dass sie den Freund im Prinzip auch als Feind sieht, der sich mit ihren Arbeitskollgen im Hintergrund gegen sie verbündet und dies leugnet. Die Krankheit hat also auch Auswirkungen auf das Verhältnis selbst und ist keine neutrale Begleiterscheinung derselben wie zB das Wetter oder die Wohnungseinrichtung.

Kann man jemanden unterstützen, der einen für einen hinterhältigen Mobber und chronischen Lügner hält? Kann man gleichzeitig mit dem nette Gespräche und schöne Fernsehabende führen? Hat das nicht etwas sehr schizophrenes (umgangssprachlich ausgedrückt) an sich?
 
Hallo,

mein Problem wäre, dass ich Claudia nicht mehr als Partnerin/Freundin ernst nehmen könnte.
Und ich muss eine Person ernst nehmen, wenn ich innig mit ihr befreundet sein will.

Wahnvorstellungen können durchaus tödlich sein - dann nämlich, wenn der/die Wahnsinnige völlig abdreht und den vermeintlichen "Feind" entsorgen will...

Falls Claudia in einem lichten Moment einer Diagnose/Therapie zustimmen sollte, ändert dies natürlich die Sachlage.

Liebe Grüße

Monarose
 

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