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Bewerbung - Weltfremd und unselbstständig

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Gast

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Hallo,

ich bin heute mal wieder ziemlich ins Grübeln gekommen. Vorhin sah ich einen Clip zur Informatik und erinnerte mich daran, dass ich mal mit 16 einem Lehrer sagte, ih würde gerne Informatik studieren. Das Problem ist, meine Dauernoten in Mathe waren fast schon unterirdisch. In der Oberstufe wollte ich unbedingt Chemie studieren und hatte auch in Chemie schlechte Leistungen. Seit ich klein war, wusste ich immer, was ich will. Meine Berufswünsche waren zahlreich, weil ich viele Interessen habe, aber es gab immer etwas konkretes. Nur, kann ich viele Dinge nicht. Mit meinem Studium komme ich einigermaßen zurecht, aber optimal ist es nicht. Inhaltich gut, methodisch eher schlecht. Schlecht, weil ich vor allem grundlegende Sachen nicht drauf habe: pünktlich sein, recherchieren, gründlich lesen, Aufsätze schreiben etc. Das einzige, was gut läuft seit meinem Auszug zu hause, ist tatsächlich das Putzen! Da behalte ich noch den Überblick und bin routiniert. Ich weiß, dass ich viele versäumte Sachen aus der Schulzeit nahholen kann und einfach nur fleißiger sein muss, aber ich kann mich nie sehr lange für Dinge begeistern. Ich kaufe gerne Bücher, lese sie 5 min. und schmeiße sie dann in die Ecke. Neue Musik hören? Ach wieso denn, muss man ja recherchieren und das ist echt kompliziert. Hobbys nachgehen, hast doch keine Zeit und kannst eh nicht richtig abschalten (ich bin immer etwas perfektionistisch).

Ich bin geistig sehr unflexibel, manchmal ziemlich langsam (v.a. morgends) und brauche für alles Hilfe, weil ich den Überblick verliere oder nicht weiß, wie es geht. Ich habe an vier verschiedenen Stellen Kalender und Pläne, ich besitze Ratgeber und stehe auch unter Zeitdruck, aber ich bewege mich nicht vorwärts. Ich glaube, ich nehme insgeheim viele Dinge nicht ernst, wie zum beispiel die Zeit. Meine Zeitwahrnehmung ist legendär. Meine Vorstellungen sind schon etwas verträumt, deswegen glaube ich, ich bin ziemlich weltfremd, viel zu idealistisch und immer sehr relaxed im Bezug auf die Zukunft. Mittlerweile bin ich aber echt nervös, wie ich mich Personalern im bewerbungsgespräch vorstellen soll. Ich kann ja schlecht sagen: "Ja, also ich brauche immer jemanden, der auf mich aufpasst, ich bin sehr langsam und meine Ideen sind immer zu abgedreht. Ach ja, und ich schiebe gerne alles nach hinten, bin also nicht immer faul.".

Wie soll ich mich denn einem Vorgesetzten präsentieren??? Wie ehrlich sollte ich denn sein, denn irgendwann fällt es ja auf...
 
Auch wenn es komisch klingt, aber meine Psychologin meinte letztens zu mir, um Ordnung in sein Leben zu bringen, sollte man "Kreise" ausführen: man nimmt etwas, man benutzt es, man stellt es wieder zurück an seinen Platz. Ein Kreis. Oder: man macht etwas, man beendet es (oder pausiert), hört auf oder macht weiter.

Mir hat das sehr geholfen.

Weil ich mich auch manchmal schlecht konzentrieren konnte/kann, meinte sie dass es sein könnte, dass ich als Kind ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom hatte. Möglich wär's - aber jetzt bin ich ja erwachsen 🙂

Komme voran mit meiner Strukturbildung, aber es geht nur langsam voran. Hab Geduld mit Dir!
 
Ach ja: einem Personaler sagt man so etwas natürlich nicht 🙂

Wenn man bei sich Schwächen sucht, muss man die Schattenseiten seiner Stärken anschauen....

trotzdem sollte man einem Personaler nicht so etwas Persönliches erzählen.... und wer weiß, vielleicht klappt es im Beruf besser als privat, zumindest ist es eine komplett andere Situation (auch wenn man natürlich man selber bleibt).

Hier hilft nur an sich arbeiten....
 
Danke für die Antwort. Dass mit den Schattenseiten der Stärken ist ein guter Hinweis, aber ich frage mich folgendes:

Ist es wirklich besser, aus Mangel an Fähigkeiten rausgeschmissen zu werden oder besser in einer Firma zu sein, die einem die sachen zutrauen?
 
Ich glaube (achtung nur meine Ansicht!), daß du für einen normalen Beruf gar nicht geeignet bist, jedenfalls so nicht. Du klingst etwas wie ein Freak (positiv gemeint) in einem Fachgebiet das du nur noch nicht gefunden hast. Es reicht ja nicht sich für etwas zu interessieren, man muß sozusagen dafür brennen und eine gewisse Leidenschaft mitbringen. Dann kommen die anderen Sachen von ganz alleine. Wahrscheinlich hast du wenn du dein Gebiet gefunden hast eher das andere Problem, nicht mehr davon lassen zu können, und dich total darin zu vergraben. Stell dir einen Freak vor, zb einen Supergeiger oder Superwissenschaftler, dem man sein Fach wegnimmt und ihm sagt; mach doch einfach was anderes. So ungefähr fühlt er sich dann. Man kann sich natürlich immer arrangieren mit etwas Normalem.
Man kann sich aber auch auf die Suche begeben, was man wirklich mit Leidenschaft machen will. Das ist ja nicht immer etwas Naheliegendes und man kommt nicht unbedingt sofort drauf. Ich vermute irgendwo wartet dein abgehobenes Fachgebiet darauf, entdeckt zu werden.
 
Du klingst etwas wie ein Freak (positiv gemeint) in einem Fachgebiet das du nur noch nicht gefunden hast.
Net wirklich... Ich habe schon mehrere Interessen, aber im Grunde wie bei Leuten, immer mit Wechsel, sobald etwas nicht klappt. Eher bräuchte ich etwas, wo ich Pionier sein könnte, glaube ich.

Wahrscheinlich hast du wenn du dein Gebiet gefunden hast eher das andere Problem, nicht mehr davon lassen zu können, und dich total darin zu vergraben... Man kann sich aber auch auf die Suche begeben, was man wirklich mit Leidenschaft machen will. Das ist ja nicht immer etwas Naheliegendes und man kommt nicht unbedingt sofort drauf. Ich vermute irgendwo wartet dein abgehobenes Fachgebiet darauf, entdeckt zu werden.
Tja... ich bin leider echt ratlos wie und wo ich suchen bzw. anfangen zu suchen soll. Ich habe immer bestimmte Vorstellungen von den Berufen im Kopf, aber dann sieht dort alles doch ganz nüchtern aus. Das Schwierige dabei ist, dass ich mich häufig für Nischen-/Exotenbereiche innerhalb dieser Berufe interessieren kann. Da weiß ich dann nicht, ob ich mich auf das Alltägliche konzentrieren soll oder versuchen sollte, in dese Nischen hineinzugelangen, ohne zu wissen, wie es enden kann.
 
Ich bin's nochmal.

Daf ich mal in die Runde fragen, wie ihr alle gemerkt habt, dass euer Beruf genau der richtige ist? Ich hänge total an meinem Studienfach, aber bin nicht dafür geeignet. Jetzt muss ich mich entscheiden, wie es danach weitergeht.
 

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