Hey zusammen,
kennt ihr Situationen, die man eigentlich objektiv beurteilen kann, die einen aber trotzdem verletzen? Situationen, von denen man weiß, wie man damit umgehen sollte, bei denen eine Entscheidung aber trotzdem sehr schwerfällt? Genau in so einer Situation stecke ich gerade.
Im letzten Jahr habe ich meinen gesamten alten Freundeskreis verloren, den ich seit ich 13 war hatte. Nicht unbedingt aus einem negativen Grund – wir haben uns einfach auseinandergelebt. Besonders schmerzlich war für mich die Trennung von meinem besten Freund. Nach 11 Jahren Freundschaft hat sich herausgestellt, dass er nie wirklich an der Freundschaft interessiert war, wie ich sie gesehen habe, sondern von Anfang an auf mich stand und eine Beziehung wollte. Als wir uns kennenlernten, war er 19 und ich erst 12 - das hat mich ziemlich verstört. Dieses Fundament sollte man kennen, wenn man die jetzige Situation beurteilen möchte.
Meine beste Freundin habe ich seit 10 Jahren. Wir haben uns bei einem gemeinsamen Ehrenamt kennengelernt, das wir jahrelang zusammen gemacht haben und das uns verbunden hat. Corona hat vor allem sie sehr mitgenommen: Sie musste ihr Pharmaziestudium abbrechen und verfiel in tiefe Depressionen. Das war besonders schlimm für sie, da sie davor nie mit mentalen Problemen zu kämpfen hatte. Gleichzeitig zerbrach die Freundschaft zwischen ihr und ihrer damaligen besten Freundin, was sie damals dazu brachte zu sagen, dass sie keine Lust mehr auf „beste Freundschaften“ habe.
Die Situation verschärfte sich vor zwei Jahren, als ich meinen Partner kennenlernte. Davor hatte ich viel Zeit, da ich in der Schulzeit sehr unbeliebt war und eigentlich nur sie als Freundin hatte. Außerdem waren viele meiner Hobbys wegen Corona eingeschränkt. Plötzlich musste sie mich teilen. Ich gehe ab und zu mit meinem Freund in Rockbars, was ich mit ihr nie machen konnte und was sie extrem verurteilt, weil es „unter ihrem Niveau“ sei. Ich verbringe Feiertage mit meinem Partner statt mit ihr, was ihr sehr missfällt. Ich versuche Kompromisse zu machen, zum Beispiel verbringe ich Halloween bei ihr und Silvester bei meinem Freund, aber auch das passt ihr nicht.
Dazu kommt, dass sie gerne teure Aktivitäten macht – in ihren Lieblingslokalen kostet ein Drink um die 15 Euro. Das konnte ich mir leisten, als ich mein FSJ machte und später im dualen Studium war. Jetzt, an der Uni und wo kämpfe, um einen Job zu bekommen, kann ich mir nicht mehr jede Woche solche Ausgaben leisten. Sie weiß das, versteht und kennt es aber nicht. Ich habe meine Ehrenämter wieder aufgenommen, mich aber aus unserem gemeinsamen Ehrenamt zurückgezogen, weil es Differenzen mit dem Vorstand gab – das hat sie nie verkraftet. Außerdem habe ich ein Studium in einer anderen Stadt begonnen, was ebenfalls viel Zeit beansprucht.
Vor etwa einem Jahr hatten wir das Thema, dass sie meint, ich würde alles andere wichtiger nehmen als sie und würde mir nie Zeit für sie nehmen. Ich habe ihr erklärt, dass Menschen sich verändern und ich mich in einer anderen Lebensphase befinde als damals, als sie mich kennenlernte. Ich empfinde es nicht als zu selten, wenn man sich zwei- bis dreimal im Monat sieht. Für mich bedeutet Freundschaft, füreinander da zu sein, wenn die andere Person es braucht – und das misst sich nicht daran, wie oft man sich persönlich trifft. Aber sie sieht das anders.
Ich habe ihr klargemacht, dass ich nicht ständig etwas unternehmen kann oder will. Sie ist immer beleidigt, wenn sie mich 4-5 Mal die Woche fragt ob wir etwas machen möchten und ich schon etwas vorhabe – sei es mit meinem Partner, Hobby oder Ehrenamt – und sagt, ich würde zu selten auf sie zugehen. Für mich ist aber schon Freundschaft, wenn ich auf sie zugehe, egal wie oft. Ich bin vier Tage die Woche an der Uni. Am Wochenende möchte ich auch mal Zeit mit meinem Freund verbringen, den ich wegen seines Jobs kaum sehe, oder einfach Zeit für mich haben.
Sie hat das letztlich akzeptiert, und ich habe sie dann öfter gefragt, ob sie etwas machen möchte. Damit war das Thema vorerst geklärt. Ich gebe zu: selten habe ich mal abgesagt, aber das lag meist daran, dass sie mich so unter Druck gesetzt hat, dass ich etwas mit ihr ausgemacht habe, obwohl ich eigentlich keine Zeit hatte. Die letzten Treffen haben gut funktioniert, und sie sagt immer, ich hätte mich gebessert. Dennoch meint sie, ich hätte nicht viel Zeit für sie, Freundschaften würden mir nicht so viel bedeuten, und ich sei eben so. Das hält sie mir oft vor. Dabei sieht sie nicht, dass ich ihre Hand gehalten habe bei Panikattacken, ständig für sie da bin, wenn sie mich braucht, und stundenlang mit ihr telefoniere, um ihren Kummer anzuhören, während ich selbst kaum über mich rede, um ihr gerecht zu werden.
Gestern ist die Lage seit der Auseinandersetzung letztes Jahr zum ersten Mal eskaliert.
Ich schreibe am Mittwoch eine wichtige Klausur. Gestern war ich mit einer Freundin für genau zwei Stunden draußen, um den Kopf frei zu bekommen. Danach haben meine Eltern spontan gesagt, dass wir Besuch bekommen. Da ich so nicht lernen konnte, bin ich zu meinem Freund gefahren. Ich feiere am Freitag meinen Geburtstag. Sie mag die gemeinsamen Freunde von mir und meinem Partner nicht und hat deshalb erst zugesagt und dann wieder abgesagt. Sie meinte, unsere gemeinsame Feier sei nicht so ihr Ding. Sie wollte mir ihr Geschenk gestern vorbeibringen, aber ich habe in meinem Lernstress vergessen, ihr Bescheid zu sagen, dass ich nicht nach Hause fahre. Daraufhin ist sie ausgerastet, was ich nachvollziehen kann, aber sie hat mir wieder unfaire Vorwürfe gemacht.
Sie behauptet, sie sei oft und gerne bereit, Kompromisse zu machen, wenn ich gestresst bin und lernen muss, und dass sie mir keinen Druck macht. Das stimmt aber nicht. Jedes Mal, wenn ich sage, dass ich lernen muss, sagt sie, ich würde viel zu viel und unnötig lernen. Dabei bestehe ich meine Klausuren meist gerade so oder mit durchschnittlichen Noten. Sie hat das Gefühl, dass jedes Mal, wenn wir etwas vorhaben, etwas dazwischenkommt. Das stimmt aber nicht, denn die letzten Treffen haben immer geklappt – ich kann nur nicht immer, wenn sie will. Sie erwartet, dass ich Kompromisse eingehe, während sie nicht das Gefühl hat, dass ich das mache. Dabei geht es in letzter Zeit fast nur noch um sie und ihre Bedürfnisse, selten um meine. „So oft ist anderes wichtiger“ und "So bist du halt, Das habe ich akzeptiert, aber ich bin inzwischen auch nicht mehr bereit, Kompromisse einzugehen, wenn ich etwas nicht will oder es mir zu viel wird" - das sind alles Aussagen, die mich halt immer verletzen weil ich nicht weiß, was ich noch machen soll und so rüberkommen, als wäre ich ein schlechter Mensch. Denn es ist nicht anderes wichtiger, aber eben auch wichtig und ich habe Angst eine schlechte Freundin zu sein, wenn sie nicht immer meine Priorität ist. Vielleicht wird mir das der ein oder andere hier auch vorwerfen und würde ihr raten sich eine Freundin zu suchen die mehr Zeit für sie hat und sie wertschätzt, aber ich versuche ja, ihr gerecht zu werden. Aber wenn sie meint dass sie bei meinen Freunden fehl am Platz ist, dann ist das ihre Sache und dann tut es mir leid, aber wenn sie Extrawünsche braucht kann ich die nicht immer im Kopf haben. Außerdem hält sie mir ständig vor dass ich sie noch nicht in ihrer neuen Wohnung besuchen gekommen bin seit Februar, während sie länger arbeitet, damit wir uns sehen können. Aber sie arbeitet in meiner Studienstadt. Ihre neue Wohnung ist 1h von mir weg und einfach nicht gut zu erreichen.
Natürlich überdenke ich auch manchmal, ob es gut ist, "so wenig" Zeit für Freunde zu haben. Aber ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben, meinem Studium und meiner Partnerschaft. Sollte ich wirklich Dinge weglassen, nur um andere glücklich zu machen, wenn ich Freunde habe, die mit meinem Lebensstil gut klarkommen?
Ich sehe nicht ein, dass ich eine schlechte Freundin bin. Es ist ja nicht so, dass ich keine Zeit für sie hätte, was sie immer behauptet. Wir haben halt unterschiedliche Ansprüche, die ich respektiere – aber ich weiß nicht, ob ich ihnen gerecht werden kann. Mich verletzt vor allem, dass ich immer versuche, ihr gerecht zu werden, während sie mich als den Bösewicht darstellt, dem alles wichtiger ist als sie und der eben „so ist“, dass Freundschaften ihm nicht viel bedeuten.
Gerade habe ich ein ähnliches Thema mit meinem besten Freund. Ich wollte ihn im September für ein Wochenende besuchen, bin mir aber unsicher, ob mir das nicht zu viel wird. Wir haben darüber gesprochen, und er meinte, er könne mich verstehen. Ich solle mir das in Ruhe überlegen und dann so entscheiden, wie es für mich gut ist. Sie wäre an die Decke gegangen, wenn ich ihr das so gesagt hätte.
Und nun zurück zur Anfangsfrage: Ich weiß, dass es wahrscheinlich keine andere Lösung gibt, als Kompromisse einzugehen, mit denen ich mich nicht identifizieren kann – oder die Freundschaft zu beenden, wenn sie nicht mehr zu meinem aktuellen Lebensstil passt. Aber ich kann mich auch verstehen dass ich nach diesem Jahr voller Verluste nicht noch eine langjährige Freundschaft verlieren will.
Das musste jetzt einfach mal raus. Danke an alle, die sich das bis hierher durchgelesen haben.
kennt ihr Situationen, die man eigentlich objektiv beurteilen kann, die einen aber trotzdem verletzen? Situationen, von denen man weiß, wie man damit umgehen sollte, bei denen eine Entscheidung aber trotzdem sehr schwerfällt? Genau in so einer Situation stecke ich gerade.
Im letzten Jahr habe ich meinen gesamten alten Freundeskreis verloren, den ich seit ich 13 war hatte. Nicht unbedingt aus einem negativen Grund – wir haben uns einfach auseinandergelebt. Besonders schmerzlich war für mich die Trennung von meinem besten Freund. Nach 11 Jahren Freundschaft hat sich herausgestellt, dass er nie wirklich an der Freundschaft interessiert war, wie ich sie gesehen habe, sondern von Anfang an auf mich stand und eine Beziehung wollte. Als wir uns kennenlernten, war er 19 und ich erst 12 - das hat mich ziemlich verstört. Dieses Fundament sollte man kennen, wenn man die jetzige Situation beurteilen möchte.
Meine beste Freundin habe ich seit 10 Jahren. Wir haben uns bei einem gemeinsamen Ehrenamt kennengelernt, das wir jahrelang zusammen gemacht haben und das uns verbunden hat. Corona hat vor allem sie sehr mitgenommen: Sie musste ihr Pharmaziestudium abbrechen und verfiel in tiefe Depressionen. Das war besonders schlimm für sie, da sie davor nie mit mentalen Problemen zu kämpfen hatte. Gleichzeitig zerbrach die Freundschaft zwischen ihr und ihrer damaligen besten Freundin, was sie damals dazu brachte zu sagen, dass sie keine Lust mehr auf „beste Freundschaften“ habe.
Die Situation verschärfte sich vor zwei Jahren, als ich meinen Partner kennenlernte. Davor hatte ich viel Zeit, da ich in der Schulzeit sehr unbeliebt war und eigentlich nur sie als Freundin hatte. Außerdem waren viele meiner Hobbys wegen Corona eingeschränkt. Plötzlich musste sie mich teilen. Ich gehe ab und zu mit meinem Freund in Rockbars, was ich mit ihr nie machen konnte und was sie extrem verurteilt, weil es „unter ihrem Niveau“ sei. Ich verbringe Feiertage mit meinem Partner statt mit ihr, was ihr sehr missfällt. Ich versuche Kompromisse zu machen, zum Beispiel verbringe ich Halloween bei ihr und Silvester bei meinem Freund, aber auch das passt ihr nicht.
Dazu kommt, dass sie gerne teure Aktivitäten macht – in ihren Lieblingslokalen kostet ein Drink um die 15 Euro. Das konnte ich mir leisten, als ich mein FSJ machte und später im dualen Studium war. Jetzt, an der Uni und wo kämpfe, um einen Job zu bekommen, kann ich mir nicht mehr jede Woche solche Ausgaben leisten. Sie weiß das, versteht und kennt es aber nicht. Ich habe meine Ehrenämter wieder aufgenommen, mich aber aus unserem gemeinsamen Ehrenamt zurückgezogen, weil es Differenzen mit dem Vorstand gab – das hat sie nie verkraftet. Außerdem habe ich ein Studium in einer anderen Stadt begonnen, was ebenfalls viel Zeit beansprucht.
Vor etwa einem Jahr hatten wir das Thema, dass sie meint, ich würde alles andere wichtiger nehmen als sie und würde mir nie Zeit für sie nehmen. Ich habe ihr erklärt, dass Menschen sich verändern und ich mich in einer anderen Lebensphase befinde als damals, als sie mich kennenlernte. Ich empfinde es nicht als zu selten, wenn man sich zwei- bis dreimal im Monat sieht. Für mich bedeutet Freundschaft, füreinander da zu sein, wenn die andere Person es braucht – und das misst sich nicht daran, wie oft man sich persönlich trifft. Aber sie sieht das anders.
Ich habe ihr klargemacht, dass ich nicht ständig etwas unternehmen kann oder will. Sie ist immer beleidigt, wenn sie mich 4-5 Mal die Woche fragt ob wir etwas machen möchten und ich schon etwas vorhabe – sei es mit meinem Partner, Hobby oder Ehrenamt – und sagt, ich würde zu selten auf sie zugehen. Für mich ist aber schon Freundschaft, wenn ich auf sie zugehe, egal wie oft. Ich bin vier Tage die Woche an der Uni. Am Wochenende möchte ich auch mal Zeit mit meinem Freund verbringen, den ich wegen seines Jobs kaum sehe, oder einfach Zeit für mich haben.
Sie hat das letztlich akzeptiert, und ich habe sie dann öfter gefragt, ob sie etwas machen möchte. Damit war das Thema vorerst geklärt. Ich gebe zu: selten habe ich mal abgesagt, aber das lag meist daran, dass sie mich so unter Druck gesetzt hat, dass ich etwas mit ihr ausgemacht habe, obwohl ich eigentlich keine Zeit hatte. Die letzten Treffen haben gut funktioniert, und sie sagt immer, ich hätte mich gebessert. Dennoch meint sie, ich hätte nicht viel Zeit für sie, Freundschaften würden mir nicht so viel bedeuten, und ich sei eben so. Das hält sie mir oft vor. Dabei sieht sie nicht, dass ich ihre Hand gehalten habe bei Panikattacken, ständig für sie da bin, wenn sie mich braucht, und stundenlang mit ihr telefoniere, um ihren Kummer anzuhören, während ich selbst kaum über mich rede, um ihr gerecht zu werden.
Gestern ist die Lage seit der Auseinandersetzung letztes Jahr zum ersten Mal eskaliert.
Ich schreibe am Mittwoch eine wichtige Klausur. Gestern war ich mit einer Freundin für genau zwei Stunden draußen, um den Kopf frei zu bekommen. Danach haben meine Eltern spontan gesagt, dass wir Besuch bekommen. Da ich so nicht lernen konnte, bin ich zu meinem Freund gefahren. Ich feiere am Freitag meinen Geburtstag. Sie mag die gemeinsamen Freunde von mir und meinem Partner nicht und hat deshalb erst zugesagt und dann wieder abgesagt. Sie meinte, unsere gemeinsame Feier sei nicht so ihr Ding. Sie wollte mir ihr Geschenk gestern vorbeibringen, aber ich habe in meinem Lernstress vergessen, ihr Bescheid zu sagen, dass ich nicht nach Hause fahre. Daraufhin ist sie ausgerastet, was ich nachvollziehen kann, aber sie hat mir wieder unfaire Vorwürfe gemacht.
Sie behauptet, sie sei oft und gerne bereit, Kompromisse zu machen, wenn ich gestresst bin und lernen muss, und dass sie mir keinen Druck macht. Das stimmt aber nicht. Jedes Mal, wenn ich sage, dass ich lernen muss, sagt sie, ich würde viel zu viel und unnötig lernen. Dabei bestehe ich meine Klausuren meist gerade so oder mit durchschnittlichen Noten. Sie hat das Gefühl, dass jedes Mal, wenn wir etwas vorhaben, etwas dazwischenkommt. Das stimmt aber nicht, denn die letzten Treffen haben immer geklappt – ich kann nur nicht immer, wenn sie will. Sie erwartet, dass ich Kompromisse eingehe, während sie nicht das Gefühl hat, dass ich das mache. Dabei geht es in letzter Zeit fast nur noch um sie und ihre Bedürfnisse, selten um meine. „So oft ist anderes wichtiger“ und "So bist du halt, Das habe ich akzeptiert, aber ich bin inzwischen auch nicht mehr bereit, Kompromisse einzugehen, wenn ich etwas nicht will oder es mir zu viel wird" - das sind alles Aussagen, die mich halt immer verletzen weil ich nicht weiß, was ich noch machen soll und so rüberkommen, als wäre ich ein schlechter Mensch. Denn es ist nicht anderes wichtiger, aber eben auch wichtig und ich habe Angst eine schlechte Freundin zu sein, wenn sie nicht immer meine Priorität ist. Vielleicht wird mir das der ein oder andere hier auch vorwerfen und würde ihr raten sich eine Freundin zu suchen die mehr Zeit für sie hat und sie wertschätzt, aber ich versuche ja, ihr gerecht zu werden. Aber wenn sie meint dass sie bei meinen Freunden fehl am Platz ist, dann ist das ihre Sache und dann tut es mir leid, aber wenn sie Extrawünsche braucht kann ich die nicht immer im Kopf haben. Außerdem hält sie mir ständig vor dass ich sie noch nicht in ihrer neuen Wohnung besuchen gekommen bin seit Februar, während sie länger arbeitet, damit wir uns sehen können. Aber sie arbeitet in meiner Studienstadt. Ihre neue Wohnung ist 1h von mir weg und einfach nicht gut zu erreichen.
Natürlich überdenke ich auch manchmal, ob es gut ist, "so wenig" Zeit für Freunde zu haben. Aber ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben, meinem Studium und meiner Partnerschaft. Sollte ich wirklich Dinge weglassen, nur um andere glücklich zu machen, wenn ich Freunde habe, die mit meinem Lebensstil gut klarkommen?
Ich sehe nicht ein, dass ich eine schlechte Freundin bin. Es ist ja nicht so, dass ich keine Zeit für sie hätte, was sie immer behauptet. Wir haben halt unterschiedliche Ansprüche, die ich respektiere – aber ich weiß nicht, ob ich ihnen gerecht werden kann. Mich verletzt vor allem, dass ich immer versuche, ihr gerecht zu werden, während sie mich als den Bösewicht darstellt, dem alles wichtiger ist als sie und der eben „so ist“, dass Freundschaften ihm nicht viel bedeuten.
Gerade habe ich ein ähnliches Thema mit meinem besten Freund. Ich wollte ihn im September für ein Wochenende besuchen, bin mir aber unsicher, ob mir das nicht zu viel wird. Wir haben darüber gesprochen, und er meinte, er könne mich verstehen. Ich solle mir das in Ruhe überlegen und dann so entscheiden, wie es für mich gut ist. Sie wäre an die Decke gegangen, wenn ich ihr das so gesagt hätte.
Und nun zurück zur Anfangsfrage: Ich weiß, dass es wahrscheinlich keine andere Lösung gibt, als Kompromisse einzugehen, mit denen ich mich nicht identifizieren kann – oder die Freundschaft zu beenden, wenn sie nicht mehr zu meinem aktuellen Lebensstil passt. Aber ich kann mich auch verstehen dass ich nach diesem Jahr voller Verluste nicht noch eine langjährige Freundschaft verlieren will.
Das musste jetzt einfach mal raus. Danke an alle, die sich das bis hierher durchgelesen haben.