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Beruflich Umsatteln --- ggf. Quereinstieg???

Bibu

Neues Mitglied
Hallo zusammen!

Als ich seinerzeit eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten gemacht habe, habe ich bereits festgestellt, dass mir dieser Beruf keinerlei Freude bereitet. Die Ausbildung wollte ich jedoch nicht abbrechen, da es bis zur Abschlussprüfung nicht mehr weit war. Leider habe ich nach bestehen der Prüfung den Absprung auch nicht geschafft, da es mir recht gut gefiel mein eigenes Geld zu verdienen.

Inzwischen bin ich 34 Jahre und arbeite immer noch in dem Beruf. In der Hoffnung das sich beruflich ein bißchen was ändern wird, habe ich vor einigen Jahren eine Fortbildung zum Bilanzbuchhalter gemacht. Im Grunde hat es das nur verschlimmert, denn durch diese Fortbildung beziehe ich ein höheres Gehalt und man erwartet natürlich auch eine entsprechende Leistung dafür.

Das Problem ist, dass ich jegliches Interesse an dem Beruf verloren habe und mir die Arbeit nur sehr schwer von der Hand geht. Bedingt durch meinen Beruf muss ich mich laufend weiterbilden, aber etwas zu lernen was einen überhaupt nicht interessiert ist wirklich sehr schwierig. Das führt natürlich dazu, dass mein Beruf immer weniger zur Kernkompetenz wird. Ich werde fachlich logischerweise immer schlechter und dementsprechend meine Arbeit immer fehlerhafter.

Das belastet mich alles schon sehr und inzwischen überträgt sich das auch alles auf mein Privatleben. Man zieht sich zurück, man hat nur noch wenige Freunde und zu Sport oder ähnlichen Freizeitgestaltungen kann man sich nur noch sehr schwer überwinden.

Ich hab lange überlegt was ich machen soll/kann, ob ich den "Reset-Knopf" drücke und alles noch mal von vorne beginne etc. Das Problem ist allerdings, dass ich inzwischen 34 Jahre alt bin, finanzielle Verpflichtigungen (Haus, Familie) habe und somit ist eine neue Ausbildung aufgrund des geringen Verdienstes nicht möglich.

Eine Option sehe ich nun noch bei einem Quereinstieg in einen anderen Beruf und hier steckt auch meine eigentlich Fragestellung. Ich habe keinerlei Ahnung oder Vorstellungen wo oder wie ich bei einem Quereinstieg mit meiner beruflichen Qualifikation unterkommen könnte.

Ich habe schon im Internet rechachiert, aber keine konkreten Auskünfte gefunden.

Hat jemand von Euch vielleicht schon mal einen Quereinstieg gemacht? Hat jemand vielleicht eine Ahnung, ob es Unternehmen oder Berufe gibt, die Leute wie mich als Quereinsteiger nehmen etc.?

Ich bin für jeden Hinweis/Impuls dankbar!

Viele Grüße
 
Hallo Bibu!

Macht dir deine Arbeit denn im Kern Spaß? Für einen Quereinstieg auf Basis deiner Ausbildung wirst du ja meist keinen völlig anderen Job machen. Wenn du aber an der Sache an sich keinen Spaß hast, wird dir wahrscheinlich ein Jobwechsel wenig bringen. Zumindest besteht aus meiner Sicht diese Gefahr. Ich habe eine Ausbildung gemacht, die ich schon im Kern nicht mochte. Arbeite seit 6 Jahren in diesem Beruf und bin jetzt in Behandlung, weil ich es so sehr hasse und mich kaputt mache. Aber bei mir kommt halt ein Wechsel kaum in Frage, einfach weil es bei mir nicht an Chef, Kollegen oder sonstigem liegt. Vielleicht solltest du überlegen, was du an deinem jetzigen Job nicht magst und ob es etwas bei deinen Tätigkeiten gibt, was dir trotz allem noch Spaß machen könnte. Dann könntest du überlegen, wo man genau das brauchen kann. Schreib vielleicht mal ein paar Bewerbungen und beschreibe deine Fähigkeiten. Manchmal lassen sich Firmen darauf ein, für motivierte Leute regelrecht Jobs zu schaffen. Habe ich schon von gehört.

Grüße
Solitudo
 
Vielen Dank für deine Antwort Solitudo.

Ich habe mir schon viele Gedanken darüber gemacht, wie ich die Arbeit für mich erträglicher machen kann. Ich habe mir überlegt, was ich positiv an meinem Beruf finde und hätte versucht daran zu arbeiten, dieses Positive ggf. auszubauen.

Leider kann ich inzwischen nichts positives mehr entdecken, abgesehen von der Tatsache das ich bis jetzt noch einen sicheren Arbeitsplatz habe. Das kann sich aber natürlich auch noch ändern wenn mein Desinteresse weiterhin präsent bleibt.

Kurzgefasst kann ich sagen, dass ich mit Buchhaltung und dem Steuerrecht gar nichts mehr zu tun haben möchte. Ist halt etwas doof, da genau diese Bereiche meinen Beruf ausmachen.

Du hast geschrieben, dass du dich in Behandlung befindest. Über eine professionelle Hilfe habe ich auch schon nachgedacht, da es im laufe der vielen Jahre natürlich auch eine seelische Belastung geworden ist. Hast du das Gefühl, dass dir diese Behandlung hilft (wenn ich das so fragen darf)?

Gruß
 
Hallo Bibu!

Da kann ich derzeit nur schlecht was zu sagen. Bin gerade dabei den Arzt zu wechseln, weil die Letzte eine Katastrophe war. Is aber nicht ganz einfach, freie Plätze zu finden, von daher bin ich gerade in der Warteschleife. Generell hat es mir aber immer geholfen. Einfach weil man mal mit einem Außenstehenden über alles reden kann, der das Gejammer nicht jeden Tag gehört hat und etwas neutraler eingestellt ist. Ich bin aber nicht nur wegen meines Berufs in Therapie. Da gibt es leider noch einige andere Baustellen. Wegen des Jobfrusts habe ich mir nun eine Depression eingefangen und warte sehnsüchtig auf einen Therapieplatz.

Ich schwanke immer ein wenig zwischen "ich will mit dem Beruf nix mehr zu tun haben" und "naja, die und die Richtung ließe ich mir gefallen". Ich habe keinerlei Ahnung von Steuerrecht und Buchhaltung, aber ist das nicht eine Richtung, in der man ein ziemlicher "Fachidiot" ist, also im Grunde nur auf wenige Posten beschränkt ist und lediglich beim Arbeitgeber variieren kann? Bei mir ist es zumindest so. Ich kann mit meiner Ausbildung im Grunde nur das Eine machen. Da gibt es nicht viel anderes und sogar beim Arbeitgeber bin ich extrem eingeschränkt.

Hast du daran gedacht, etwas völlig Neues zu machen?

Grüße
Solitudo
 
Hallo Solitudo!

Im Grunde trifft die Bezeichnung "Fachidiot" schon ganz gut, wobei ich bei Bürotätigkeiten sicher vielseitig eingesetzt werden könnte. Ist halt eine kaufmännische Ausbildung. Fest steht aber, dass diese Bereiche (Buchhaltung, Bilanz & Steuerrecht) die Kerntätigkeit meines Berufs sind und mit denen möchte ich eigentlich gar nichts mehr zu tun haben.

Den Gedanken etwas ganz neues zu machen hatte ich auch, aber das gestaltet sich leider sehr schwierig. Hierzu müsste ich eine neue Ausbildung beginnen und mit mitte 30 noch einmal als Berufsanfänger darzustehen gefällt mir nicht so gut. Darüber hinaus habe ich auch finanzielle Verpflichtungen (Haus, Frau, Auto und bald ein Kind) sodass ich diese von einer Ausbildungsvergütung nicht bezahlen oder unterhalten kann.

Daher war meine Frage ja, ob jemand Erfahrungen mit einem Quereinstieg gemacht hat. Ich weiss nicht welche Berufsgruppen sich so für mich interessieren könnten. Berufsgruppen, wo ich bei Möglichkeit nichts mit Buchführung und Steuerrecht zu tun habe.

Ist nicht so einfach. Man sickert nach und nach mehr in Verzweiflung, weil man weiss das es so nicht weitergehen kann, und keine grundsolide Lösung dafür findet.

Man quält sich wirklich jeden Tag zur Arbeit und arbeitet zunächst auf die Mittagspause zu und anschließend auf den Feierabend. Das jeden Tag bis zum Wochenende. Man kann sich gedanklich gar nicht mehr richtig von der Arbeit lösen, auch am Wochenende sind meine Gedanken sehr oft bei der Arbeit. Wenn wir mal für 2 Wochen im Urlaub sind, ist es jedes mal so, dass ich 3 oder 4 Tage vor Heimreise eine Art Depression bekomme, weil ich weiss das ich bald wieder auf der Arbeit sitze.

Zukunftsängste machen sich langsam breit, da man ja auch nicht weiss wie lange man das mit dem Frust im Job noch so durchhält.

Dann hoffe ich für Dich, dass du recht bald einen Platz bekommst. Vielleicht sollte ich Psychologe werden. Wenn es da solche Wartezeiten gibt, scheint es ja Bedarf an Psychologen zu geben. 😉

Grüße
Bibu
 
Hallo Bibu!

So wie du deinen Alltag beschreibst, könnte das auch meiner sein. Ab Sonntag Nachmittag kriege ich schlechte Laune, schlafe dann auf Montag schlecht, will morgens gar nicht mehr aufstehen (ich bin eigentlich ein totaler Frühaufsteher) und im Büro quäle ich mich durch jede halbe Stunde. Neuanfang ist so ne Sache. Ich habe zwar noch nicht so viele Verpflichtungen, aber Kinder wären auch langsam mal schön. Eine Ausbildung würde sich aber noch hinziehen. Ich überlege, mir einen Nebenjob im Bereich meiner Hobbies und Interessen aufzubauen und dann vielleicht die Arbeitszeit zu reduzieren. Ich glaube, dass mir die Arbeit weniger unerträglich vorkommt, wenn sie zeitlich begrenzter ist und ich noch eine weitere Arbeit habe, in der ich aufgehen kann. Mal schauen.

Die Psychologen tun immer nur so. Ja, viele sind wirklich etwas knapp mit den Plätzen, aber meiner Erfahrung nach haben sie für Notfälle oft noch was frei. Ist halt nur die Frage, wie überzeugend man ist. 😉

Eine Kollegin hat mir das System von "Life/Work-Planning" empfohlen. Dort wird u.a. wirklich damit gearbeitet, Unternehmen von den eigenen Fähigkeiten so zu überzeugen, dass sie eine maßgeschneiderte Stelle für einen schaffen. Wie realistisch das ist, weiß ich nicht, aber die Erfolgsquote ist wohl recht gut. Vorher macht man eine Analyse der eigenen Fähigkeiten anhand eines Fragenkatalogs.

Grüße
Solitudo
 
Hallo,

ich bin 30 und ich bin RA-Fachangestellte und habe damals auch eine Ausbildung gemacht, die mir nie Spaß gemacht hat. Möchte jetzt auch einen beruflichen Neuanfang, aber mit 60 % vom Nettolohn (das ist wohl das was man dann tats. als Umschüler vom AA bekommt) komme ich nie und nimmer im Leben klar. Ich hätte so viele Ideen was ich machen könnte, aber einfach kein Geld. Ich weiß beim besten Willen nicht wie andere mit dem Geld für die Umschulung klar kommen. Ich habe mir überlegt ein Fernstudium zu absolvieren. Vielleicht ist das ja auch was für Dich? Außerdem hast Du dann neben der öden Arbeit, die Du jetzt hast, eine gewisse Abwechslung, also Herausforderung.

Viel Glück!
 

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