Liebe Melli,
mit Empathie scheinst du nicht gesegnet worden zu sein, kann das sein? Wenn ich lese, dass du unzufrieden bist, dass kein Urlaub drin ist, weil ihr euch erst ein Haus gekauft habt... Du scheinst jemand zu sein, der viel will, aber nie dankbar dafür ist, was du hast. Hat dein Mann denn gar keine Qualitäten, die dem, was er getan hat, gegenüber stehen? Hast du mal versucht, dich in ihn hinein zu versetzen? Vielleicht hatte er Angst vor deiner Reaktion, weil er insgeheim ahnte, dass du so reagierst? Vielleicht ist es Scham, dass er das Rauchen angefangen hat? Vielleicht auch wirklich einfach Stress? Mir scheint, es geht dir in dieser Sache hier nur um dich und du hängst dich daran auf, dass er eben nicht ehrlich zu dir war. Ja, Ehrlichkeit ist sehr wichtig, das sehe ich ganz genau so. Aber es gibt auch meist (natürlich nicht immer) Gründe, weshalb ein Mensch zu (Not-) Lügen greift. Vielleicht liegen diese auch mitunter in dir? Hast du dich mal selbst gefragt, woran es liegt, dass er nicht ehrlich zu dir ist in dieser Sache? Und mal Hand aufs Herz, hast du noch nie herumgedruckst, weil du vielleicht Angst vor der Reaktion des anderen hattest oder dich geschämt hast, oder, oder.
Man Melli, echt, warum bist du denn so streng mit den Menschen? Machst du niemals Fehler? Und wenn doch, wünscht du dir dann nicht auch eher etwas Verständnis statt Vorwürfe? Geh mal drei Schritte von dir selbst zurück, nimm dein Ego mal etwas zurück und versetze dich einfach mal in deinen Mann. Ist das ganze Theater es wirklich wert? Warum findet ihr keinen Kompromiss? Bist du so egoistisch, dass es immer nach dir laufen muss? Was ist dir denn deine Ehe noch wert? Vielleicht liegt der Hund ja ganz anderswo begraben und diese Lüge ist jetzt nur die Zündschnur?
Natürlich, Vertrauen ist wichtig. Sehr wichtig! Und eine Lüge zerstört natürlich Vertrauen. Aber hast du dich mal gefragt, warum dein Mann dir nicht anvertrauen wollte oder konnte, dass er wieder raucht? Da scheint doch sein Vertrauen in dich auch bereits angeknackst zu sein... Darüber würde ich mal offen sprechen, anstatt mit dem Holzhammer alles klein zu schlagen.
Warum hilfst du ihm nicht dabei, wieder damit aufzuhören und unterstützt ihn dabei anstatt ihm Vorwürfe zu machen?
Ironischerweise wurde mir hier gestern Schwarz Weiss denken vorgeworfen und das von einer Borderlinerin. Beobachte ich die Welt aber, kommt es mir so vor, als wurde da gestern aus einem Glashaus mit Steinen geworfen. Ließ dich doch mal hier um, wieviele Schwarzweiß Lösungen hier auf den Tisch geknallt werden. Entweder - oder, ich oder nichts, mein Wille oder keiner, ich, ich, ich. Von Kompromissen lese ich hier kaum noch und es zieht sich ja durch die gesamte Bevölkerung. Angefangen bei der Politik, wo jeder nur seinen Willen durchdrücken will oder ansonsten gar nichts, bis hin in die kleinsten zwischenmenschlichen Bereiche. Ich, ich, ich. Kompromisse sind heute Out geworden und jeder Therapeut trichtert einem ein, dass er nur an sich selbst denken soll. Eine sehr bedenkliche Entwicklung wie ich finde. Denn Menschen leben nun mal nicht auf einer einsamen Insel, sondern in Gruppen. Und da gehört es auch dazu, sich in den anderen einfühlen zu können, sein Ego mal selbst zurück zu nehmen, miteinander zu sprechen zu können und Kompromisse zu finden. Stattdessen aber werden ganz nach Schwarz Weiß Denke nur die eigenen Bedürfnisse mit allen Mitteln versucht durchzudrücken. Und gelingt das nicht, ist der andere böse.
Es würde vielen wirklich mal gut tun, nicht nur sich selbst zu sehen und verstehen zu wollen, was den anderen zu seinen Taten bewegt. Die Welt wäre freundlicher, davon bin ich überzeugt. Just my two cents.