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Frustrierter

Gast
Hallo Ihr Lieben!

Ich muss mich jetzt einfach hier anonym an euch wenden, weil ich heute so sauer auf mich bin. Der Grund: Ich habe meine Verlobte heute grundlos niedergemacht bzw. meine Launen an ihr ausgelassen! Das hat mir jetzt den Anlass gegeben zu sagen: ES REICHT! Wie kommt der liebenswerteste und netteste Mensch, den ich kenne, dazu so von mir behandelt zu werden? Gar nicht. Ich glaube ich habe ein Problem. Ich will nicht das andere unter meinem Problem leiden.

Ich fühle mich wert- und nutzlos. Ich kann so viel und weiß so viel und keiner gibt mir eine Chance. Ich will endlich mal unabhängig sein - ein eigenes Auto haben und nicht jeden Cent umdrehen müssen. Das klingt chauvinistisch, aber ich fühle mich auch als Mann ohne richtige Aufgabe nicht männlich. Ich brauche eine Aufgabe, ich will arbeiten. Ich bin nicht kleinlich und arbeite gerne auch hart.

Ich bin eigentlich hochintelligent und selbstbewusst, motiviert und fackel nicht lange rum - kein Zögerer. Sorry wenn der Thread etwas durcheinander wird, aber mir gehen gerade so viele Gedanken durch den Kopf.

Erstmal zu meiner Person: Ich bin 27, habe Abitur an einem Elite-Gymnasium, habe dann sofort nach dem Abi Jura studiert, aber nach dem 1. Diplom abgebrochen. Mir war Recht einfach zu trocken. Ich habe dann 11 Semester Politik mit Schwerpunkt Internationales Recht studiert. Ich habe überall super Noten, eine Diplomarbeit mit Auszeichnung (Jahrgangsbeste Arbeit) sowie praktische Erfahrungen in der Verwaltung (habe dort 2 1/2 Jahre neben dem Studium als wissenschaftl. Mitarbeiter/Berater gearbeitet) und verschiedenen Praktika gesammelt. Leider hat das Studium relativ lange gedauert, da mich die Arbeit nebem dem Studium sehr gefordert hat. Schon dort merkte ich, dass eine anstrengende 40-Stunden Woche kein Problem für mich ist, und (da geregelter als ein Studium) viel angenehmer als ein Studium ist. Ich habe sogar mit 1.500€/Monat viel besser als meine Studienkollegen verdient und konnte mir sogar eine eigene Wohnung (mit meiner damaligen Freundin) und sonstige Annehmlichkeiten wie Urlaub etc. (wir sind oft nach Italien gefahren).

Meine Eltern haben mich immer bestmöglich unterstützt, aber da meine Mutter nur Hausfrau und mein Vater Frührenter ist (wurde schwer krank mit 50) sind wir (nicht mehr) begütert. Wäre er noch Manager gewesen, hätte ich nicht mal Arbeiten brauchen. Auf Grund dieses Umstands habe ich im Gegensatz zu vielen meiner Studienkollegen kein Auslandssemester oder eine längere Auslandsreise (z.B. nach dem Abi) gemacht. Ich musste mein Studium durchziehen um endlich unabhängig zu werden. Meine Eltern haben praktisch ihr ganzes Altervermögen und alles gesparte in die Ausbildung von mir und meinem Bruder gesteckt und sich selber nichts gegönnt. BaFög o.ä. habe ich komischerweise nie erhalten dürfen, da wir sehr viel Eigentum besitzen (aber nicht davon runterbeißen können bzw. das große Haus ist das einzige was meine Eltern de-facto noch haben).

Mein Studium hab ich letzten Juli beendet und nach 1 Monat Pause, habe ich mich dann sogleich auf Jobsuche gemacht. Ich dachte mit einem 1er Diplom und toller praktischer Erfahrung habe ich relativ schnell einen Job (für die Entscheidung zum Studium habe ich ja auf vieles verzichtet und musste tw. echt hart arbeiten/lernen). Viele Kollegen haben es sich relativ leicht gemacht und uninteressante Themen für die Abschlussarbeit verwendet. Ich habe auf Anraten meines Professors meine Diplomarbeit in Englisch geschrieben (hat deswegen auch über 1 Jahr gedauert) und ein sehr spezielles und neuartiges Thema gewählt, das vorher nur unzureichend bzw. gar nicht wissenschaftlich aufgearbeitet wurde (ich möchte das Thema hier nicht erläutern weil ich anonym bleiben wil). Am liebsten wäre ich damit nach England oder so in die Forschung gegangen. Das ist eigentlich das was mir gelegen hätte. Dazu hätte ich aber einen Master dort machen müssen, was aber nicht ging. Der Forschungsstand in Deutschland ist nichts für mein Gebiet.
Ich habe unzählige Vorträge zu verschiedenen Themen in meiner Uni-Stadt gehalten und war sogar beratend für die Landesregierung tätig. Ich weiß ja genau was ich kann.

Ich habe seit Juli 2010 ca. 200 Bewerbungen geschrieben und noch keine einzige Einladung zu einem Gespräch. Heute Abend folgte wieder eine. Ich arbeite extrem gewissenhaft und genau, die Anschreiben sind keine Massenanschreiben, sondern auf jede Stelle zugeschnitten gewesen. Ich kann mir das langsam nicht mehr erklären. Das Problem ist: Woher kriegt man Geld nach dem Studium? Meine Eltern können mir nur wenig geben. Vielleicht 250€ wenn es gut läuft. Krankenversicherung etc, alles ist extrem teuer wenn man über 27 ist. Das ist sehr ungünstig.

Eigentlich sollte ich als fester Mitarbeiter in der Verwaltung der Stadt arbeiten, in welcher ich studiert habe. Meine Chefin hat mir immer wieder versichert, dass ich nach dem Studium übernommen werde. Aber im Dezember 2009 wurde meine Stelle auf Grund von Kürzungen einfach gestrichen. Ich hatte dann das Glück in der Marketingabteilung vom Chef meines Bruders für 3 Monate zu arbeiten, aber nach 1000€/Mon. war im Mai 2010 auch wieder alles vorbei und ich schrieb wie ein Irrer Bewerbungen, informierte mich, suchte Inserate im Internet/Zeitung, machte einen Englisch-Sprachtest etc.. Meine (jetzt) Verlobte unterstützte mich bei allem tatkräftig.

Ich habe dann meine Wohnung in der Stadt in der ich studierte schweren Herzens aufgeben müssen. Ich konnte sie mir einfach nicht mehr leisten bzw. nur alles von meinem Gesparten zehren. Ich bin dann wieder in ein kleines Dorf zu meinen Eltern gezogen (ca. 30km von dieser Stadt entfernt), was ein herber Rückschlag für mich war. Wie gesagt sind meine familiären Verhältnisse sehr schwierig - wenn ich das ausführen müsste, müsste ich mir meine Finger wund schreiben.

Damals war ich noch voller Motivation, aber irgendwie fehlte mir eine Aufgabe bzw. ein geregelter Tagesablauf. Neben Bewerbungen schreiben unternahm ich viel mit meiner Freundin, hatte endlich auch Zeit für anderes (Musik machen, Bücher lesen). Ich spreche fließend Englisch, Französisch, Spanisch und Niederländisch, ein bisschen Portugisisch. Ich habe dann auch einen Russisch-Kurs besucht und seit 1 Jahr lerne ich regelmäßig Russisch. Ich bin am Wochenende dann immer in eine nahegelegene Großstadt zu meiner Freundin gefahren. Ich glaube ich brauche nicht zu erklären welche Networking, Jobchancen, Karrierechancen man auf einem kleinen Dort hat. Null.

Diese Zeit nach dem Studium - ohne richtige Aufgabe und "in der Luft hängend" ist eine sehr schwierige Zeit. Ich weiß, dass es für Akademiker schwierig ist, vor allem vor dem Hintergrund der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise, einen geeigneten Job zu finden. Aber nur Absagen. Teilweise melden sich Firmen nicht ein mal mehr. Auch nach Nachfragen. Ich komme mir echt vor wie ein Idiot.

Bei meiner Sponsion war ich noch so stolz, aber jetzt....

Ich habe echt alles versucht. Traineeprogramme, wissenschaftliche Artikel geschrieben, mich politisch engagiert, Vorträge gehalten, Karrieremessen besucht etc.. Überall das gleiche: Leider haben wir für Sie zur Zeit keine Verwendung. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben.

Ich kenn mich in sehr vielen Bereichen aus, nebem meinem Hauptinteressensgebiet: z.B. Islam/Xenophobie, Demographie, Volkswirtschaftslehre, Public Relations, Marketing. Ich kann sehr gut sprechen, was mir auch immer wieder von meinen Hörern bestätigt wurde (ich war als Student ein kleiner "Star" im Studentenradio).

Radiomoderator wäre eigentlich nicht unbedingt mein Idealberufswunsch, aber Thomas Gottschalk hat es so auch weit gebracht. Also versuchte ich mich als Moderator oder sogar als Synchronsprecher zu bewerben. Nichts. Fehlanzeige. Du brauchst für das eine diese Ausbildung und diese Genehmigung - niemand bietet mir eine Chance. Bla bla bla bla bla....Ich kenn mich auch perfekt mit Computern (ich kann z.B. einen kompletten PC allein zusammenbauen und installieren) aus und beherrsche Schlagzeug und Bassgitarre perfekt.

Den Tiefpunkt habe ich dann erreicht, als ich natürlich einen Nebenjob brauchte (obwohl ich zu Hause wohnte, brauche ich ja auch Geld). Ich habe dann für lausige 400€ im Monat in einem Callcenter gearbeitet. Als Akademiker. Als internationaler Experte für....mit meinen Fähigkeiten. Was für eine Erniedrigung.

Meine Freundin (29) studiert noch BWL. SIe hat vorgeschlagen, ich solle mit ihr zusammen in ihrer Stadt zusammen ziehen. Sie wollte ohnehin nicht mehr im Studentenheim wohnen. Sie kommt aus der Ukraine und ist quasi bettelarm. Sie hat neben dem Studium 3 Jobs. Sie leiht mir sogar Geld wenn ich etwas brauche!

In der Hoffnung auf neue Kontakte ("Vitamin B" ist ja soooooooo wichtig anstatt Leistung in Deutschland) bin ich vor 1 Monat dann mit ihr in eine gemeinsame nette kleine Wohnung gezogen. In diesem isolierten Dorf nur mit Dorfdeppen und 0 Kultur und Angeboten, wäre ich ohnehin verrückt geworden. Anstatt nur rumzujammern und nichts zu machen, studiere ich jetzt auch BWL (mich hat das schon immer interessiert und es passt genau zu meinem Interessensgebiet!). Ich bin dann hier auch gleich auf die Suche nach einem Nebenjob gegangen (die Wohnung u.alles müssen ja bezahlt werden). Den ganzen Februar habe ich Jobanzeigen durchgeforstet und bin von einem Bewerbungsgespräch zum anderen. Natürlich waren das nicht die Bereiche für die ich als Akademiker vorgesehen bin (nur als Geldquelle neben dem Studium). Ich habe leider zwei linke Hände 😉 und kann nicht wie meine Freundin in der Gastronomie arbeiten. Also suchte ich nach Marketing, Callcenter, Nachhilfelehrer (in Engl. und Franz.) - usw.

Nicht mal bei diesen Jobs tut sich irgendwas. Entweder meldet man sich gar nicht oder es heißt: Wir haben sie in Evidenz gehalten und kommen wieder auf sie zurück. Ich bin mir ja für nichts zu schade (ich habe während meines Studiums wirklich "dre, aber einen Mist-Job brauche ich nicht machen. Fas täglich schreibe ich wieder meine normalen Bewerbungen (hier habe ich auch endlich meine Ruhe, zu Hause ist wie ein Irrenhaus), studiere und suche tagtäglich nach Jobs bzw. warte bis jemand anruft.

Es ist nicht so als ob ich da nichts gefunden hätte. Aber ich will in einen festen Dienstvertrag (allein wegen der Vers.Vorteile - dzt. zahle ich 150€ Krankenversicherung im Monat! - ja sehr fair gell!).

Die Schwiegermama meines Bruder meinte ich soll ALGII (oder I?, kenn mich da nicht so aus) beziehen und doch nicht den Deppen für den Staat spielen. Aber nicht mal das geht, weil dann das gesamt Eigentum meiner Eltern offen gelegt werden muss bzw. heißt es, dass meine Eltern für mich sorgen können.

Mit dem "Vitamin B" ist das auch so eine Sache. Die einzigen Möglichkeiten: Ehemaliger Arbeitgeber und Kontakte, politische Partei, mein ehemaliger Professor habe ich schon ausgeschöpft. Ich hatte leider während des Studiums keine Zeit mir ein großes Freundes/Bekannten/Partner-Netzwerk aufzubauen. Gerade in "kreativen" Berufen wie meinen wäre sowas wichtig.

Ich versuche echt alles, weiß genau wo ich anpacken muss, und bekomm trotzdem keine Chance. Anstatt dass mal einer sagt:"Hey gibt dem jungen Mann eine Chance!"

Ein ehemaliger Klassenkamerad ist in den USA und macht sowas ähnliches wie ich. Er hat auch ungefähr dasselbe studiert wie ich und sofort einen super Job bekommen.

Bin ich naiv, dumm? Sind denn Kontakte in Mitteleuropa so wichtig? Ich habe langsam die Schnauze vom Staat Deutschland eigentlich voll. Ich sehe so viele Idioten, die nichts können, und trotzdem super Jobs haben. Ich bekomme 0 vom Staat. Ich habe auch gemeint, dass ich 250 Bewerbungen noch mache und mich dann im Ausland bewerbe.

Ich dachte immer, wenn man gute Noten hat, sich anstrengt usw. schafft man alles! Ich habe bis jetzt nur meinen Abschluss und das Wissen, dass ich sehr viel kann und weiß. Es gibt Menschen, wie z.B. meine Freundin, die kann mir 2 Stunden zuhören, wenn ich z.B. von der Geschichte Persiens oder von der aktuellen Situation in Libyen erzähle. Ich sehe Typen im Fernsehen, die sogenannte Experten sind und nur Mist reden. Nur weil sie der und der kennt.

Das klingt alles sehr frustriert, aber wenn jemand in meiner Lage, wäre würde er nicht anders reagieren. Enttäuschung/Frust/Hoffnungslosigkeit.

Mitterweile habe ich keine Motivation mehr eine Bewerbung zu schreiben und schiebe sie lange hinaus, bin launisch, komme manchmal kaum aus dem Bett, habe auf nichts Lust.

Das Leben ist nicht einfac, ich weiß. Aber es heißt ja immer "jeder ist seines eigenen Glückes Schmied".

Das Thema ist natürlich auch Dauerthema in der Beziehung. Meine Freundin verdient nicht schlecht und ich lebe nur von meinem Gesparten (was irgendwann zu Ende sein wird). Ich will keinen Beruf mit Spitzengehalt. Nur einen Beruf der mich erfüllt - der MICH BESTÄTIGT. Mann kann sich ja immer einreden wie gut man ist, aber wenn man nie Bestätigungen erhält ist das wertlos.

Ja ich glaube mich macht auch dieser Druck unbedingt einen Job zu finden depressiv/aggressiv (ich kann mich teilweise ja schon selbst diagnostizieren). Man könnte ja auch sagen: Du findest schon den richtigen Job. Aber ich brauche auch Geld zum leben und will endlich unabhängig sein.

Wäre um Ratschläge bzw. Kommentare froh.

Alles Liebe.
 
für mich fast schon zu perfekt - bis zu dem Zeitpunkt, an dem Du Deinen Job suchst.
Setze Dich nicht unter Druck.

Wenn Du Dich arbeitslos meldest, Deine Eltern alles offenlegen müssen, ist das so. Das machen mehr noch so mit. Aber Du läufst dort auch die Gefahr, dass Sie Dir keine Hand geben, Dir Deinen Traumjob bieten. Ich hatte schon von Leuten gehört, die - mit Studium - einen Putzjob angeboten bekommen haben. Denen ist das egal, ob Du studiert hast - Du musst da dann raus aus der Statistik.
Aber, Du kannst wegen Jobsuche Dich so dort melden - ohne Dich arbeitslos zu melden - ein Infogespräch.

Manchmal ist das Leben wirklich nicht fair.
Vielleicht sind Deine Bewerbungen (Du schreibst zugeschnitten) doch irgendwie anders oder falsch. Kannst Du diese eventuell querprüfen lassen?
Vielleicht kommst Du zu perfekt rüber in Deinem Lebenslauf.
Sorry, wenn ich das jetzt schreibe - zwischendurch musste ich lachen.
 
Tja...schwierig. Ich dachte beim Lesen auch immer mal: Der MUSS doch nen Job finden. Und dann: Ein bisschen arrogant wirkt er auch. Keine Ahnung, ob das stimmt. Es ist halt immer ein schmaler Grat, eigene Kenntnisse gut zu verkaufen ohne überheblich rüberzukommen. Vielleicht stellt Dir das ja auch beim Bewerben irgendwie ein Bein...

Gabs denn mal von irgendeiner Firma ein Feedback zu ner Bewerbung?

Ansonsten ist es wirklich schwer, Dir was zu raten. Ich hab auch Politik studiert und bin nach meinem Abschluss in die Medienbranche gegangen. Ging dank vorheriger Praktika (und damit vorhandener Kontakte) nahtlos. Vielleicht bewirbst Dich nicht NUR als Moderator beim Radio. Vielleicht hast in der Redaktion bessere Chancen... Ich stell immer mal fest, dass in der Medienbranche jetzt doch wieder mehr Leute gesucht werden. Ist jedenfalls mein Eindruck. Wobei Du als Quereinsteiger halt meist nicht besonders verdienen wirst am Anfang...
 
Die Schwiegermama meines Bruder meinte ich soll ALGII (oder I?, kenn mich da nicht so aus) beziehen und doch nicht den Deppen für den Staat spielen. Aber nicht mal das geht, weil dann das gesamt Eigentum meiner Eltern offen gelegt werden muss bzw. heißt es, dass meine Eltern für mich sorgen können.

Du bist 27. Du wohnst nicht im Haushalt deiner Eltern, sie sind dir nicht unterhaltsverpflichtet und du fällst nicht unter die U25-Regelung. Du musst von deinen Eltern gar nichts angeben.
 
hallo frustrierter ,kann dich nur zu gut verstehen ,
meine frage , warum gehst du nicht ins ausland mit deinen fähigkeiten . benutze es als sprungbrett ?
 
Hallo Frustrierter,
habe Deine Vita & Deine Selbstdarstellung aufmerksam gelesen und bin dann doch ein wenig verwundert. Du hast 200 Bewerbungen geschrieben & keine Einladung bekommen; das ist bei Deiner Qualifikation sehr erstaunlich. Der Arbeitsmarkt leckt sich die Finger nach Leuten wie Dir. Es wäre natürlich auch möglich, das Du Dich trotz Deiner Intelligenz auf die falschen Stellen bewirbst. Ich meine folgendes: Wenn ich einen Elektriker suche, sage ich dem Ingenieur ab, weil er viel zu teuer ist. Prüfe das mal.
Bewirb Dich auf Stellen, die Deiner Qualifikation entsprechen.
Es kann natürlich auch sein, dass Deine Bewerbung gravierende Fehler enthält. Da Du in der Vergangenheit auch gearbeitet hast, hast Du ja von dort auch entsprechende Zeugnisse der Arbeitgeber. Achte bei diesen Zeugnissen vor allem auf folgendes:
- Deine Tätigkeit muss korrekt beschrieben sein. Da Du eine Führungskraft bist, achte auch darauf, ob dies dort beschrieben wurde.
- Achte auf die berühmten, versteckten negativen Formulierungen:
er bemühte sich, war gesellig usw. ( Liste im Internet )
Weil Arbeitszeugnisse grundsätzlich wohlwollend sein müssen kannst Du entsprechende Änderungen ( notfalls auch juristisch ) durchsetzen. Oft schreiben Arbeitgeber solche Dinge aus Unkenntnis.
Weiteres wichtiges Thema ist das Internet:
durchsuche das Netz auf negative Einträge über Deine Person. Arbeitgeber machen das auch. Es gibt Löschdienste, die solche Spuren beseitigen können.
Soweit mir bekannt ist hast Du Anspruch auf ALG 1 oder Hartz 4. Wenn Du über 25 bist sind Deine Eltern aus dem Schneider. Frag da mal einen Anwalt. Du schreibst, Du lebst von Ersparnissen. Diese werden bei Hartz 4 berücksichtigt, wenn die Arge das weiß.
Das wichtigste für Dich: behandle Deine Freundin anständig. Rede mit Ihr über Deinen Frust, aber lass Deine negativen Emotionen nicht an ihr aus. Das ist genau so einfach wie ich es Dir sage.
Hoffe, Dir ein wenig geholfen zu haben und wünsche Dir für Deine Zukunft alles Gute
LG
 
für mich fast schon zu perfekt - bis zu dem Zeitpunkt, an dem Du Deinen Job suchst.
Setze Dich nicht unter Druck.
(...)
Vielleicht sind Deine Bewerbungen (Du schreibst zugeschnitten) doch irgendwie anders oder falsch. Kannst Du diese eventuell querprüfen lassen?
Vielleicht kommst Du zu perfekt rüber in Deinem Lebenslauf.
Sorry, wenn ich das jetzt schreibe - zwischendurch musste ich lachen.
Am Anfang hab ich mich wirklich für Jobs beworben, die einfach eine Nummer zu groß für mich waren. Die ersten 10 Bewerbungen waren qualitativ auch nicht hochwertig. Ich habe erst ab der 15.-20. Bewerbungen sagen können: Die waren perfekt.

Meine Bewerbungen scheinen nicht falsch zu sein. Habe mich genau an die Tipps von Personalberatern/Coaches etc. im Internet gehalten. Darüber hinaus war mein Vater in der Personalabteilung eines großen Konzerns. Er hat sich eigentlich jede Bewerbung durchgelesen und musste mich nur ab und zu korrigieren. Die Frau meines Bruder war auch eine Zeit im Personalbereich und findet meine Bewerbungen "klasse" (ohne jetzt subjektiv zu sein.

Vielleicht merkt der ein oder andere Arbeitgeber das auch dass ich so unter Druck stehe.

Ein paar Erklärungen hätte ich noch für die Absagen:
- keine Auslandserfahrung (nicht jeder hat einen Goldesel im Garten stehen)
- ich sehe verdammt jung aus für 27 (mache extrem viel Sport seit der Kindheit, ernähre mich seit 10 Jahren gesund, trinke kaum, rauche nicht) Keiner hält mich für 27. Manchmal werde ich mit "du" angesprochen (im Geschäft oder so). Michael J. Fox lässt grüßen. Vielleicht sollte ich mir einen Bart wachsen lassen, keine Ahnung. Das sieht aber teilweise wieder "Penner-mäßig" aus.
 
Der MUSS doch nen Job finden.
Das klingt jetzt total zynisch, aber ich glaube ich brauche einfach Glück. Ich bin eigentlich ein sehr positiv denkender Mensch, aber meine bisherige Lebenserfahrung hat gezeigt, dass ich noch nie irgendetwas durch Glück geschafft habe. Weder Schule noch Studium noch Sport. Alles nur durch volles Risiko, Fleiß und Kämpfen. Ich habe eigentlich mein ganzes Leben nur gekämpft. Nur in der Liebe hatte ich Glück, ja das kann ich sagen. Meine Freundin meinte mal zynisch, dass mein Glück durch unsere Liebe zu 99% aufgebraucht ist und die restlichen 1% Glück nicht reichen und wir sollten uns für 1 Tag trennen 😉 damit ich dann einen Job finde.
Die ganze Familie meiner Freundin betet seit 1/2 Jahr für mich und niemand checkt das. Wirklich niemand versteht das.

Und dann: Ein bisschen arrogant wirkt er auch. Keine Ahnung, ob das stimmt. Es ist halt immer ein schmaler Grat, eigene Kenntnisse gut zu verkaufen ohne überheblich rüberzukommen. Vielleicht stellt Dir das ja auch beim Bewerben irgendwie ein Bein...
Nein arrogant bin ich bei weitem nicht. Wenn ich etwas nicht kann weiß ich es ja. Bei Bewerbungen sollte man nie zögerlich klingen und sich möglichst gut verkaufen. Natürlich ist der Grat zwischen Überheblichkeit und Verkaufen sehr schmal.

Gabs denn mal von irgendeiner Firma ein Feedback zu ner Bewerbung?
Nein. Das ist ja das lustige. Bis auf das Feedback eines Personalberater, meines Vaters, meiner Familie habe ich keines. Liegt es an der Qualifikation? Liegt es am Anschreiben? Bisher kamen immer nur die Standard-Formulierungen.

Ansonsten ist es wirklich schwer, Dir was zu raten. Ich hab auch Politik studiert und bin nach meinem Abschluss in die Medienbranche gegangen. Ging dank vorheriger Praktika (und damit vorhandener Kontakte) nahtlos. Vielleicht bewirbst Dich nicht NUR als Moderator beim Radio. Vielleicht hast in der Redaktion bessere Chancen... Ich stell immer mal fest, dass in der Medienbranche jetzt doch wieder mehr Leute gesucht werden. Ist jedenfalls mein Eindruck. Wobei Du als Quereinsteiger halt meist nicht besonders verdienen wirst am Anfang...
Mein Hobby zum Beruf machen. Das machen ja viele - gar nicht abwegig. Das Problem sind die Kontakte. Ich kann nicht einfach bei Radiostation XY anrufen und sagen:"Hey ich bin der XY und will Moderator sein oder in der Redaktion arbeiten" Das habe ich versucht und das geht so nicht. Deutschland (auch Österreich - ich wohne an der Grenze) ist eine einzige "Freunderlwirtschaft". Wenn man da niemanden kennt, schafft man durch Leistung allein nichts. Der Verdienst wäre Nebensache, hauptsache es macht mir Spaß.
Ich habe sogar auch schon in der Redaktion von Spielezeitschriften oder Computerspielentwicklern oder Autozeitschriften angefragt (ich bin absoluter Motorsportnarr). Nichts.

Ich hatte während meiner Studienzeit eine Band, aber die Kontakte aus dieser Zeit sind schon 4 Jahre alt. Ich kann nicht einfach hingehen und sagen:"Hey ich bin der Schlagzeuger der damaligen Band XY gewesen und hättest du nicht für mich einen Job oder kennst du jemanden..." Entweder man wird entdeckt oder man hat einfach Pech.
 
Hallo Frustrierter,
habe Deine Vita & Deine Selbstdarstellung aufmerksam gelesen und bin dann doch ein wenig verwundert. Du hast 200 Bewerbungen geschrieben & keine Einladung bekommen; das ist bei Deiner Qualifikation sehr erstaunlich.
Da bist du nicht der einzige. 😉

Der Arbeitsmarkt leckt sich die Finger nach Leuten wie Dir.
Es wäre natürlich auch möglich, das Du Dich trotz Deiner Intelligenz auf die falschen Stellen bewirbst. Ich meine folgendes: Wenn ich einen Elektriker suche, sage ich dem Ingenieur ab, weil er viel zu teuer ist. Prüfe das mal.
Bewirb Dich auf Stellen, die Deiner Qualifikation entsprechen.
Am Anfang waren die Stellen wirklich eine Nummer zu groß. Einer meinte mal, dass ich vielleicht sogar zu überqualifiziert bin und der Arbeitgeber Angst hat mir zu viel zahlen zu müssen. Auf einige Stellen, bei denen ich mich beworgen habe, kamen sogar 200 Bewerber/innen! Die Konkurrenz ist wirklich wahnsinnig groß! Da ist vielleicht immer jemand dabei der dann doch einen glatten 1er hat und Auslandserfahrung.
Mein Vater meint. Früher hat es gereicht wenn du ein ordentliches Abi, ein gutes Studium gemacht hast und dich nicht allzu blöd anstellst.
Heute verlangen die eine Eier-legende Wollmilchsau:
- Studium mit 22 fertig
- 2 Jahre Auslandserfahrung, am besten auf Elite-Unis
- Top-Noten
- mind. 3 Jahre praktische Erfahrung
was natürlich nicht möglich ist.

Es kann natürlich auch sein, dass Deine Bewerbung gravierende Fehler enthält. Da Du in der Vergangenheit auch gearbeitet hast, hast Du ja von dort auch entsprechende Zeugnisse der Arbeitgeber. Arbeitgeber solche Dinge aus Unkenntnis.
Ich habe prinzipiell keine Arbeitszeugnisse, da ich Werkstudent bzw. freier Mitarbeiter war. Meine festen Dienstverhältnisse bestanden nur in den miesen Schüler/Studi-Jobs (Gebäudereinigung, Tankstelle, Kino, Callcenter etc.). Die kann ich wohl kaum vorlegen.
Mein letzter Arbeitgeber wird mir kein (gutes) Zeugnis ausstellen. Ich habe mich im Streit von dieser Firma getrennt. Mein letztes Gehalt habe ich einklagen müssen. Der Chef ist nicht sehr gut auf mich zu sprechen. Die Abteilungsleiterin (die mich sehr mag) hat da nichts zu sagen und meinte sie will ihren Job "wegen der Sache" nicht riskieren.
UND: Ich mache mir Sorgen, dass mir eine zu große Lücke in der Vita entsteht. Seit Juli 2010 nicht wirklich was gescheites gemacht. Und manche Arbeitgeber stellen ja saudumme Fragen.

Weiteres wichtiges Thema ist das Internet:
durchsuche das Netz auf negative Einträge über Deine Person. Arbeitgeber machen das auch. Es gibt Löschdienste, die solche Spuren beseitigen können.
Hab ich schon. Der Bruder meiner Schwägerin ist IT-Experte 😉 Wofür hat man eine Familie *G*

Das wichtigste für Dich: behandle Deine Freundin anständig. Rede mit Ihr über Deinen Frust, aber lass Deine negativen Emotionen nicht an ihr aus. Das ist genau so einfach wie ich es Dir sage.
Hoffe, Dir ein wenig geholfen zu haben und wünsche Dir für Deine Zukunft alles Gute
LG
Ja das war gestern echt unterste Schublade und so bin ich eigentlich gar nicht.

Eigentlich will ich ja auch einen guten Job damit meine Freundin endlich nicht mehr arbeiten muss und sich auf ihr Studium konzentrieren kann. Wir wollen ja heiraten, Familie gründen etc. Aber sie bettelarm - ich kein Job. Das ist keine Basis. Diese blöden Jobs lenken sie nur vom Studium ab. Diese Situation will ich nicht mehr! Das habe ich ihr auch schon gesagt.

!!!! DANKE FÜR EURE ZAHLREICHEN KONSTRUKTIVEN ANTWORTEN!!!!
 
hallo frustrierter ,kann dich nur zu gut verstehen ,
meine frage , warum gehst du nicht ins ausland mit deinen fähigkeiten . benutze es als sprungbrett ?
Wie gesagt habe ich schon diverse Bewerbungen im Ausland im Auge: NIederlande, England, Norwegen, Spanien. Vielleicht zählt dort eher WAS MAN KANN und nicht was im Lebenslauf steht. Das mit der Beziehung wird halt ein Problem. Meine Freundin muss hier noch mind. 2 Jahre studieren. Aber sie unterstützt mich mit allem, sie will ja das ich glücklich bin.

Wie gesagt kann ich mich da bzgl. Erfahrungen mit kaum jemandem austauschen weil mein soziales Netzwerk gegen 0 tendiert. Es hat sich leider - nachdem ich mich von meiner alten Freundin getrennt und dann relativ schnell neu verliebt habe - meine gesamte Clique+Partner+Familie gegen mich gewendet (das ist mir heute relativ egal, aber einige Kontakte wären sehr nützlich gewesen). Mein Bruder hat auch nur den tollen Job weil die Schwester vom XY mit dem Chef verheiratet ist. Sonst stünde er genau so blöd da wie ich.
Ich habe gehört, dass inzwischen 40% aller Stellen in Unternehmen unter der Hand - intern - vergeben werden (das hörte ich in den unzähligen Telefonaten mit Kontaktpersonen auch).

Ach ja: Mein Professor dränge mich darauf meine Diplomarbeit zu veröffentlichen um so Reputation zu erhalten. Er meinte:"Bei dem genialen Thema kein Problem!" Aber kein Verlag will meine Dipl.Arbeit veröffentlichen bzw. ich sollte mich an der VÖ mit Eigenkapital (haha!) beteiligen. Das habe ich inzwischen aufgegeben.

Ich habe leider auch keine Oma (kein Erbe oder so in Aussicht), keine Verwandten.

Meine Ex-Studienkollegen haben alle noch keinen Job. Aber die meisten sind gut begütert. Die machen erst mal USA-Reise oder irgendwas. Das würde ich auch gern tun....
 
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