F
Frustrierter
Gast
Hallo Ihr Lieben!
Ich muss mich jetzt einfach hier anonym an euch wenden, weil ich heute so sauer auf mich bin. Der Grund: Ich habe meine Verlobte heute grundlos niedergemacht bzw. meine Launen an ihr ausgelassen! Das hat mir jetzt den Anlass gegeben zu sagen: ES REICHT! Wie kommt der liebenswerteste und netteste Mensch, den ich kenne, dazu so von mir behandelt zu werden? Gar nicht. Ich glaube ich habe ein Problem. Ich will nicht das andere unter meinem Problem leiden.
Ich fühle mich wert- und nutzlos. Ich kann so viel und weiß so viel und keiner gibt mir eine Chance. Ich will endlich mal unabhängig sein - ein eigenes Auto haben und nicht jeden Cent umdrehen müssen. Das klingt chauvinistisch, aber ich fühle mich auch als Mann ohne richtige Aufgabe nicht männlich. Ich brauche eine Aufgabe, ich will arbeiten. Ich bin nicht kleinlich und arbeite gerne auch hart.
Ich bin eigentlich hochintelligent und selbstbewusst, motiviert und fackel nicht lange rum - kein Zögerer. Sorry wenn der Thread etwas durcheinander wird, aber mir gehen gerade so viele Gedanken durch den Kopf.
Erstmal zu meiner Person: Ich bin 27, habe Abitur an einem Elite-Gymnasium, habe dann sofort nach dem Abi Jura studiert, aber nach dem 1. Diplom abgebrochen. Mir war Recht einfach zu trocken. Ich habe dann 11 Semester Politik mit Schwerpunkt Internationales Recht studiert. Ich habe überall super Noten, eine Diplomarbeit mit Auszeichnung (Jahrgangsbeste Arbeit) sowie praktische Erfahrungen in der Verwaltung (habe dort 2 1/2 Jahre neben dem Studium als wissenschaftl. Mitarbeiter/Berater gearbeitet) und verschiedenen Praktika gesammelt. Leider hat das Studium relativ lange gedauert, da mich die Arbeit nebem dem Studium sehr gefordert hat. Schon dort merkte ich, dass eine anstrengende 40-Stunden Woche kein Problem für mich ist, und (da geregelter als ein Studium) viel angenehmer als ein Studium ist. Ich habe sogar mit 1.500€/Monat viel besser als meine Studienkollegen verdient und konnte mir sogar eine eigene Wohnung (mit meiner damaligen Freundin) und sonstige Annehmlichkeiten wie Urlaub etc. (wir sind oft nach Italien gefahren).
Meine Eltern haben mich immer bestmöglich unterstützt, aber da meine Mutter nur Hausfrau und mein Vater Frührenter ist (wurde schwer krank mit 50) sind wir (nicht mehr) begütert. Wäre er noch Manager gewesen, hätte ich nicht mal Arbeiten brauchen. Auf Grund dieses Umstands habe ich im Gegensatz zu vielen meiner Studienkollegen kein Auslandssemester oder eine längere Auslandsreise (z.B. nach dem Abi) gemacht. Ich musste mein Studium durchziehen um endlich unabhängig zu werden. Meine Eltern haben praktisch ihr ganzes Altervermögen und alles gesparte in die Ausbildung von mir und meinem Bruder gesteckt und sich selber nichts gegönnt. BaFög o.ä. habe ich komischerweise nie erhalten dürfen, da wir sehr viel Eigentum besitzen (aber nicht davon runterbeißen können bzw. das große Haus ist das einzige was meine Eltern de-facto noch haben).
Mein Studium hab ich letzten Juli beendet und nach 1 Monat Pause, habe ich mich dann sogleich auf Jobsuche gemacht. Ich dachte mit einem 1er Diplom und toller praktischer Erfahrung habe ich relativ schnell einen Job (für die Entscheidung zum Studium habe ich ja auf vieles verzichtet und musste tw. echt hart arbeiten/lernen). Viele Kollegen haben es sich relativ leicht gemacht und uninteressante Themen für die Abschlussarbeit verwendet. Ich habe auf Anraten meines Professors meine Diplomarbeit in Englisch geschrieben (hat deswegen auch über 1 Jahr gedauert) und ein sehr spezielles und neuartiges Thema gewählt, das vorher nur unzureichend bzw. gar nicht wissenschaftlich aufgearbeitet wurde (ich möchte das Thema hier nicht erläutern weil ich anonym bleiben wil). Am liebsten wäre ich damit nach England oder so in die Forschung gegangen. Das ist eigentlich das was mir gelegen hätte. Dazu hätte ich aber einen Master dort machen müssen, was aber nicht ging. Der Forschungsstand in Deutschland ist nichts für mein Gebiet.
Ich habe unzählige Vorträge zu verschiedenen Themen in meiner Uni-Stadt gehalten und war sogar beratend für die Landesregierung tätig. Ich weiß ja genau was ich kann.
Ich habe seit Juli 2010 ca. 200 Bewerbungen geschrieben und noch keine einzige Einladung zu einem Gespräch. Heute Abend folgte wieder eine. Ich arbeite extrem gewissenhaft und genau, die Anschreiben sind keine Massenanschreiben, sondern auf jede Stelle zugeschnitten gewesen. Ich kann mir das langsam nicht mehr erklären. Das Problem ist: Woher kriegt man Geld nach dem Studium? Meine Eltern können mir nur wenig geben. Vielleicht 250€ wenn es gut läuft. Krankenversicherung etc, alles ist extrem teuer wenn man über 27 ist. Das ist sehr ungünstig.
Eigentlich sollte ich als fester Mitarbeiter in der Verwaltung der Stadt arbeiten, in welcher ich studiert habe. Meine Chefin hat mir immer wieder versichert, dass ich nach dem Studium übernommen werde. Aber im Dezember 2009 wurde meine Stelle auf Grund von Kürzungen einfach gestrichen. Ich hatte dann das Glück in der Marketingabteilung vom Chef meines Bruders für 3 Monate zu arbeiten, aber nach 1000€/Mon. war im Mai 2010 auch wieder alles vorbei und ich schrieb wie ein Irrer Bewerbungen, informierte mich, suchte Inserate im Internet/Zeitung, machte einen Englisch-Sprachtest etc.. Meine (jetzt) Verlobte unterstützte mich bei allem tatkräftig.
Ich habe dann meine Wohnung in der Stadt in der ich studierte schweren Herzens aufgeben müssen. Ich konnte sie mir einfach nicht mehr leisten bzw. nur alles von meinem Gesparten zehren. Ich bin dann wieder in ein kleines Dorf zu meinen Eltern gezogen (ca. 30km von dieser Stadt entfernt), was ein herber Rückschlag für mich war. Wie gesagt sind meine familiären Verhältnisse sehr schwierig - wenn ich das ausführen müsste, müsste ich mir meine Finger wund schreiben.
Damals war ich noch voller Motivation, aber irgendwie fehlte mir eine Aufgabe bzw. ein geregelter Tagesablauf. Neben Bewerbungen schreiben unternahm ich viel mit meiner Freundin, hatte endlich auch Zeit für anderes (Musik machen, Bücher lesen). Ich spreche fließend Englisch, Französisch, Spanisch und Niederländisch, ein bisschen Portugisisch. Ich habe dann auch einen Russisch-Kurs besucht und seit 1 Jahr lerne ich regelmäßig Russisch. Ich bin am Wochenende dann immer in eine nahegelegene Großstadt zu meiner Freundin gefahren. Ich glaube ich brauche nicht zu erklären welche Networking, Jobchancen, Karrierechancen man auf einem kleinen Dort hat. Null.
Diese Zeit nach dem Studium - ohne richtige Aufgabe und "in der Luft hängend" ist eine sehr schwierige Zeit. Ich weiß, dass es für Akademiker schwierig ist, vor allem vor dem Hintergrund der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise, einen geeigneten Job zu finden. Aber nur Absagen. Teilweise melden sich Firmen nicht ein mal mehr. Auch nach Nachfragen. Ich komme mir echt vor wie ein Idiot.
Bei meiner Sponsion war ich noch so stolz, aber jetzt....
Ich habe echt alles versucht. Traineeprogramme, wissenschaftliche Artikel geschrieben, mich politisch engagiert, Vorträge gehalten, Karrieremessen besucht etc.. Überall das gleiche: Leider haben wir für Sie zur Zeit keine Verwendung. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben.
Ich kenn mich in sehr vielen Bereichen aus, nebem meinem Hauptinteressensgebiet: z.B. Islam/Xenophobie, Demographie, Volkswirtschaftslehre, Public Relations, Marketing. Ich kann sehr gut sprechen, was mir auch immer wieder von meinen Hörern bestätigt wurde (ich war als Student ein kleiner "Star" im Studentenradio).
Radiomoderator wäre eigentlich nicht unbedingt mein Idealberufswunsch, aber Thomas Gottschalk hat es so auch weit gebracht. Also versuchte ich mich als Moderator oder sogar als Synchronsprecher zu bewerben. Nichts. Fehlanzeige. Du brauchst für das eine diese Ausbildung und diese Genehmigung - niemand bietet mir eine Chance. Bla bla bla bla bla....Ich kenn mich auch perfekt mit Computern (ich kann z.B. einen kompletten PC allein zusammenbauen und installieren) aus und beherrsche Schlagzeug und Bassgitarre perfekt.
Den Tiefpunkt habe ich dann erreicht, als ich natürlich einen Nebenjob brauchte (obwohl ich zu Hause wohnte, brauche ich ja auch Geld). Ich habe dann für lausige 400€ im Monat in einem Callcenter gearbeitet. Als Akademiker. Als internationaler Experte für....mit meinen Fähigkeiten. Was für eine Erniedrigung.
Meine Freundin (29) studiert noch BWL. SIe hat vorgeschlagen, ich solle mit ihr zusammen in ihrer Stadt zusammen ziehen. Sie wollte ohnehin nicht mehr im Studentenheim wohnen. Sie kommt aus der Ukraine und ist quasi bettelarm. Sie hat neben dem Studium 3 Jobs. Sie leiht mir sogar Geld wenn ich etwas brauche!
In der Hoffnung auf neue Kontakte ("Vitamin B" ist ja soooooooo wichtig anstatt Leistung in Deutschland) bin ich vor 1 Monat dann mit ihr in eine gemeinsame nette kleine Wohnung gezogen. In diesem isolierten Dorf nur mit Dorfdeppen und 0 Kultur und Angeboten, wäre ich ohnehin verrückt geworden. Anstatt nur rumzujammern und nichts zu machen, studiere ich jetzt auch BWL (mich hat das schon immer interessiert und es passt genau zu meinem Interessensgebiet!). Ich bin dann hier auch gleich auf die Suche nach einem Nebenjob gegangen (die Wohnung u.alles müssen ja bezahlt werden). Den ganzen Februar habe ich Jobanzeigen durchgeforstet und bin von einem Bewerbungsgespräch zum anderen. Natürlich waren das nicht die Bereiche für die ich als Akademiker vorgesehen bin (nur als Geldquelle neben dem Studium). Ich habe leider zwei linke Hände 😉 und kann nicht wie meine Freundin in der Gastronomie arbeiten. Also suchte ich nach Marketing, Callcenter, Nachhilfelehrer (in Engl. und Franz.) - usw.
Nicht mal bei diesen Jobs tut sich irgendwas. Entweder meldet man sich gar nicht oder es heißt: Wir haben sie in Evidenz gehalten und kommen wieder auf sie zurück. Ich bin mir ja für nichts zu schade (ich habe während meines Studiums wirklich "dre, aber einen Mist-Job brauche ich nicht machen. Fas täglich schreibe ich wieder meine normalen Bewerbungen (hier habe ich auch endlich meine Ruhe, zu Hause ist wie ein Irrenhaus), studiere und suche tagtäglich nach Jobs bzw. warte bis jemand anruft.
Es ist nicht so als ob ich da nichts gefunden hätte. Aber ich will in einen festen Dienstvertrag (allein wegen der Vers.Vorteile - dzt. zahle ich 150€ Krankenversicherung im Monat! - ja sehr fair gell!).
Die Schwiegermama meines Bruder meinte ich soll ALGII (oder I?, kenn mich da nicht so aus) beziehen und doch nicht den Deppen für den Staat spielen. Aber nicht mal das geht, weil dann das gesamt Eigentum meiner Eltern offen gelegt werden muss bzw. heißt es, dass meine Eltern für mich sorgen können.
Mit dem "Vitamin B" ist das auch so eine Sache. Die einzigen Möglichkeiten: Ehemaliger Arbeitgeber und Kontakte, politische Partei, mein ehemaliger Professor habe ich schon ausgeschöpft. Ich hatte leider während des Studiums keine Zeit mir ein großes Freundes/Bekannten/Partner-Netzwerk aufzubauen. Gerade in "kreativen" Berufen wie meinen wäre sowas wichtig.
Ich versuche echt alles, weiß genau wo ich anpacken muss, und bekomm trotzdem keine Chance. Anstatt dass mal einer sagt:"Hey gibt dem jungen Mann eine Chance!"
Ein ehemaliger Klassenkamerad ist in den USA und macht sowas ähnliches wie ich. Er hat auch ungefähr dasselbe studiert wie ich und sofort einen super Job bekommen.
Bin ich naiv, dumm? Sind denn Kontakte in Mitteleuropa so wichtig? Ich habe langsam die Schnauze vom Staat Deutschland eigentlich voll. Ich sehe so viele Idioten, die nichts können, und trotzdem super Jobs haben. Ich bekomme 0 vom Staat. Ich habe auch gemeint, dass ich 250 Bewerbungen noch mache und mich dann im Ausland bewerbe.
Ich dachte immer, wenn man gute Noten hat, sich anstrengt usw. schafft man alles! Ich habe bis jetzt nur meinen Abschluss und das Wissen, dass ich sehr viel kann und weiß. Es gibt Menschen, wie z.B. meine Freundin, die kann mir 2 Stunden zuhören, wenn ich z.B. von der Geschichte Persiens oder von der aktuellen Situation in Libyen erzähle. Ich sehe Typen im Fernsehen, die sogenannte Experten sind und nur Mist reden. Nur weil sie der und der kennt.
Das klingt alles sehr frustriert, aber wenn jemand in meiner Lage, wäre würde er nicht anders reagieren. Enttäuschung/Frust/Hoffnungslosigkeit.
Mitterweile habe ich keine Motivation mehr eine Bewerbung zu schreiben und schiebe sie lange hinaus, bin launisch, komme manchmal kaum aus dem Bett, habe auf nichts Lust.
Das Leben ist nicht einfac, ich weiß. Aber es heißt ja immer "jeder ist seines eigenen Glückes Schmied".
Das Thema ist natürlich auch Dauerthema in der Beziehung. Meine Freundin verdient nicht schlecht und ich lebe nur von meinem Gesparten (was irgendwann zu Ende sein wird). Ich will keinen Beruf mit Spitzengehalt. Nur einen Beruf der mich erfüllt - der MICH BESTÄTIGT. Mann kann sich ja immer einreden wie gut man ist, aber wenn man nie Bestätigungen erhält ist das wertlos.
Ja ich glaube mich macht auch dieser Druck unbedingt einen Job zu finden depressiv/aggressiv (ich kann mich teilweise ja schon selbst diagnostizieren). Man könnte ja auch sagen: Du findest schon den richtigen Job. Aber ich brauche auch Geld zum leben und will endlich unabhängig sein.
Wäre um Ratschläge bzw. Kommentare froh.
Alles Liebe.
Ich muss mich jetzt einfach hier anonym an euch wenden, weil ich heute so sauer auf mich bin. Der Grund: Ich habe meine Verlobte heute grundlos niedergemacht bzw. meine Launen an ihr ausgelassen! Das hat mir jetzt den Anlass gegeben zu sagen: ES REICHT! Wie kommt der liebenswerteste und netteste Mensch, den ich kenne, dazu so von mir behandelt zu werden? Gar nicht. Ich glaube ich habe ein Problem. Ich will nicht das andere unter meinem Problem leiden.
Ich fühle mich wert- und nutzlos. Ich kann so viel und weiß so viel und keiner gibt mir eine Chance. Ich will endlich mal unabhängig sein - ein eigenes Auto haben und nicht jeden Cent umdrehen müssen. Das klingt chauvinistisch, aber ich fühle mich auch als Mann ohne richtige Aufgabe nicht männlich. Ich brauche eine Aufgabe, ich will arbeiten. Ich bin nicht kleinlich und arbeite gerne auch hart.
Ich bin eigentlich hochintelligent und selbstbewusst, motiviert und fackel nicht lange rum - kein Zögerer. Sorry wenn der Thread etwas durcheinander wird, aber mir gehen gerade so viele Gedanken durch den Kopf.
Erstmal zu meiner Person: Ich bin 27, habe Abitur an einem Elite-Gymnasium, habe dann sofort nach dem Abi Jura studiert, aber nach dem 1. Diplom abgebrochen. Mir war Recht einfach zu trocken. Ich habe dann 11 Semester Politik mit Schwerpunkt Internationales Recht studiert. Ich habe überall super Noten, eine Diplomarbeit mit Auszeichnung (Jahrgangsbeste Arbeit) sowie praktische Erfahrungen in der Verwaltung (habe dort 2 1/2 Jahre neben dem Studium als wissenschaftl. Mitarbeiter/Berater gearbeitet) und verschiedenen Praktika gesammelt. Leider hat das Studium relativ lange gedauert, da mich die Arbeit nebem dem Studium sehr gefordert hat. Schon dort merkte ich, dass eine anstrengende 40-Stunden Woche kein Problem für mich ist, und (da geregelter als ein Studium) viel angenehmer als ein Studium ist. Ich habe sogar mit 1.500€/Monat viel besser als meine Studienkollegen verdient und konnte mir sogar eine eigene Wohnung (mit meiner damaligen Freundin) und sonstige Annehmlichkeiten wie Urlaub etc. (wir sind oft nach Italien gefahren).
Meine Eltern haben mich immer bestmöglich unterstützt, aber da meine Mutter nur Hausfrau und mein Vater Frührenter ist (wurde schwer krank mit 50) sind wir (nicht mehr) begütert. Wäre er noch Manager gewesen, hätte ich nicht mal Arbeiten brauchen. Auf Grund dieses Umstands habe ich im Gegensatz zu vielen meiner Studienkollegen kein Auslandssemester oder eine längere Auslandsreise (z.B. nach dem Abi) gemacht. Ich musste mein Studium durchziehen um endlich unabhängig zu werden. Meine Eltern haben praktisch ihr ganzes Altervermögen und alles gesparte in die Ausbildung von mir und meinem Bruder gesteckt und sich selber nichts gegönnt. BaFög o.ä. habe ich komischerweise nie erhalten dürfen, da wir sehr viel Eigentum besitzen (aber nicht davon runterbeißen können bzw. das große Haus ist das einzige was meine Eltern de-facto noch haben).
Mein Studium hab ich letzten Juli beendet und nach 1 Monat Pause, habe ich mich dann sogleich auf Jobsuche gemacht. Ich dachte mit einem 1er Diplom und toller praktischer Erfahrung habe ich relativ schnell einen Job (für die Entscheidung zum Studium habe ich ja auf vieles verzichtet und musste tw. echt hart arbeiten/lernen). Viele Kollegen haben es sich relativ leicht gemacht und uninteressante Themen für die Abschlussarbeit verwendet. Ich habe auf Anraten meines Professors meine Diplomarbeit in Englisch geschrieben (hat deswegen auch über 1 Jahr gedauert) und ein sehr spezielles und neuartiges Thema gewählt, das vorher nur unzureichend bzw. gar nicht wissenschaftlich aufgearbeitet wurde (ich möchte das Thema hier nicht erläutern weil ich anonym bleiben wil). Am liebsten wäre ich damit nach England oder so in die Forschung gegangen. Das ist eigentlich das was mir gelegen hätte. Dazu hätte ich aber einen Master dort machen müssen, was aber nicht ging. Der Forschungsstand in Deutschland ist nichts für mein Gebiet.
Ich habe unzählige Vorträge zu verschiedenen Themen in meiner Uni-Stadt gehalten und war sogar beratend für die Landesregierung tätig. Ich weiß ja genau was ich kann.
Ich habe seit Juli 2010 ca. 200 Bewerbungen geschrieben und noch keine einzige Einladung zu einem Gespräch. Heute Abend folgte wieder eine. Ich arbeite extrem gewissenhaft und genau, die Anschreiben sind keine Massenanschreiben, sondern auf jede Stelle zugeschnitten gewesen. Ich kann mir das langsam nicht mehr erklären. Das Problem ist: Woher kriegt man Geld nach dem Studium? Meine Eltern können mir nur wenig geben. Vielleicht 250€ wenn es gut läuft. Krankenversicherung etc, alles ist extrem teuer wenn man über 27 ist. Das ist sehr ungünstig.
Eigentlich sollte ich als fester Mitarbeiter in der Verwaltung der Stadt arbeiten, in welcher ich studiert habe. Meine Chefin hat mir immer wieder versichert, dass ich nach dem Studium übernommen werde. Aber im Dezember 2009 wurde meine Stelle auf Grund von Kürzungen einfach gestrichen. Ich hatte dann das Glück in der Marketingabteilung vom Chef meines Bruders für 3 Monate zu arbeiten, aber nach 1000€/Mon. war im Mai 2010 auch wieder alles vorbei und ich schrieb wie ein Irrer Bewerbungen, informierte mich, suchte Inserate im Internet/Zeitung, machte einen Englisch-Sprachtest etc.. Meine (jetzt) Verlobte unterstützte mich bei allem tatkräftig.
Ich habe dann meine Wohnung in der Stadt in der ich studierte schweren Herzens aufgeben müssen. Ich konnte sie mir einfach nicht mehr leisten bzw. nur alles von meinem Gesparten zehren. Ich bin dann wieder in ein kleines Dorf zu meinen Eltern gezogen (ca. 30km von dieser Stadt entfernt), was ein herber Rückschlag für mich war. Wie gesagt sind meine familiären Verhältnisse sehr schwierig - wenn ich das ausführen müsste, müsste ich mir meine Finger wund schreiben.
Damals war ich noch voller Motivation, aber irgendwie fehlte mir eine Aufgabe bzw. ein geregelter Tagesablauf. Neben Bewerbungen schreiben unternahm ich viel mit meiner Freundin, hatte endlich auch Zeit für anderes (Musik machen, Bücher lesen). Ich spreche fließend Englisch, Französisch, Spanisch und Niederländisch, ein bisschen Portugisisch. Ich habe dann auch einen Russisch-Kurs besucht und seit 1 Jahr lerne ich regelmäßig Russisch. Ich bin am Wochenende dann immer in eine nahegelegene Großstadt zu meiner Freundin gefahren. Ich glaube ich brauche nicht zu erklären welche Networking, Jobchancen, Karrierechancen man auf einem kleinen Dort hat. Null.
Diese Zeit nach dem Studium - ohne richtige Aufgabe und "in der Luft hängend" ist eine sehr schwierige Zeit. Ich weiß, dass es für Akademiker schwierig ist, vor allem vor dem Hintergrund der derzeitigen Finanz- und Wirtschaftskrise, einen geeigneten Job zu finden. Aber nur Absagen. Teilweise melden sich Firmen nicht ein mal mehr. Auch nach Nachfragen. Ich komme mir echt vor wie ein Idiot.
Bei meiner Sponsion war ich noch so stolz, aber jetzt....
Ich habe echt alles versucht. Traineeprogramme, wissenschaftliche Artikel geschrieben, mich politisch engagiert, Vorträge gehalten, Karrieremessen besucht etc.. Überall das gleiche: Leider haben wir für Sie zur Zeit keine Verwendung. Wir müssen Ihnen leider mitteilen, dass wir uns für einen anderen Bewerber entschieden haben.
Ich kenn mich in sehr vielen Bereichen aus, nebem meinem Hauptinteressensgebiet: z.B. Islam/Xenophobie, Demographie, Volkswirtschaftslehre, Public Relations, Marketing. Ich kann sehr gut sprechen, was mir auch immer wieder von meinen Hörern bestätigt wurde (ich war als Student ein kleiner "Star" im Studentenradio).
Radiomoderator wäre eigentlich nicht unbedingt mein Idealberufswunsch, aber Thomas Gottschalk hat es so auch weit gebracht. Also versuchte ich mich als Moderator oder sogar als Synchronsprecher zu bewerben. Nichts. Fehlanzeige. Du brauchst für das eine diese Ausbildung und diese Genehmigung - niemand bietet mir eine Chance. Bla bla bla bla bla....Ich kenn mich auch perfekt mit Computern (ich kann z.B. einen kompletten PC allein zusammenbauen und installieren) aus und beherrsche Schlagzeug und Bassgitarre perfekt.
Den Tiefpunkt habe ich dann erreicht, als ich natürlich einen Nebenjob brauchte (obwohl ich zu Hause wohnte, brauche ich ja auch Geld). Ich habe dann für lausige 400€ im Monat in einem Callcenter gearbeitet. Als Akademiker. Als internationaler Experte für....mit meinen Fähigkeiten. Was für eine Erniedrigung.
Meine Freundin (29) studiert noch BWL. SIe hat vorgeschlagen, ich solle mit ihr zusammen in ihrer Stadt zusammen ziehen. Sie wollte ohnehin nicht mehr im Studentenheim wohnen. Sie kommt aus der Ukraine und ist quasi bettelarm. Sie hat neben dem Studium 3 Jobs. Sie leiht mir sogar Geld wenn ich etwas brauche!
In der Hoffnung auf neue Kontakte ("Vitamin B" ist ja soooooooo wichtig anstatt Leistung in Deutschland) bin ich vor 1 Monat dann mit ihr in eine gemeinsame nette kleine Wohnung gezogen. In diesem isolierten Dorf nur mit Dorfdeppen und 0 Kultur und Angeboten, wäre ich ohnehin verrückt geworden. Anstatt nur rumzujammern und nichts zu machen, studiere ich jetzt auch BWL (mich hat das schon immer interessiert und es passt genau zu meinem Interessensgebiet!). Ich bin dann hier auch gleich auf die Suche nach einem Nebenjob gegangen (die Wohnung u.alles müssen ja bezahlt werden). Den ganzen Februar habe ich Jobanzeigen durchgeforstet und bin von einem Bewerbungsgespräch zum anderen. Natürlich waren das nicht die Bereiche für die ich als Akademiker vorgesehen bin (nur als Geldquelle neben dem Studium). Ich habe leider zwei linke Hände 😉 und kann nicht wie meine Freundin in der Gastronomie arbeiten. Also suchte ich nach Marketing, Callcenter, Nachhilfelehrer (in Engl. und Franz.) - usw.
Nicht mal bei diesen Jobs tut sich irgendwas. Entweder meldet man sich gar nicht oder es heißt: Wir haben sie in Evidenz gehalten und kommen wieder auf sie zurück. Ich bin mir ja für nichts zu schade (ich habe während meines Studiums wirklich "dre, aber einen Mist-Job brauche ich nicht machen. Fas täglich schreibe ich wieder meine normalen Bewerbungen (hier habe ich auch endlich meine Ruhe, zu Hause ist wie ein Irrenhaus), studiere und suche tagtäglich nach Jobs bzw. warte bis jemand anruft.
Es ist nicht so als ob ich da nichts gefunden hätte. Aber ich will in einen festen Dienstvertrag (allein wegen der Vers.Vorteile - dzt. zahle ich 150€ Krankenversicherung im Monat! - ja sehr fair gell!).
Die Schwiegermama meines Bruder meinte ich soll ALGII (oder I?, kenn mich da nicht so aus) beziehen und doch nicht den Deppen für den Staat spielen. Aber nicht mal das geht, weil dann das gesamt Eigentum meiner Eltern offen gelegt werden muss bzw. heißt es, dass meine Eltern für mich sorgen können.
Mit dem "Vitamin B" ist das auch so eine Sache. Die einzigen Möglichkeiten: Ehemaliger Arbeitgeber und Kontakte, politische Partei, mein ehemaliger Professor habe ich schon ausgeschöpft. Ich hatte leider während des Studiums keine Zeit mir ein großes Freundes/Bekannten/Partner-Netzwerk aufzubauen. Gerade in "kreativen" Berufen wie meinen wäre sowas wichtig.
Ich versuche echt alles, weiß genau wo ich anpacken muss, und bekomm trotzdem keine Chance. Anstatt dass mal einer sagt:"Hey gibt dem jungen Mann eine Chance!"
Ein ehemaliger Klassenkamerad ist in den USA und macht sowas ähnliches wie ich. Er hat auch ungefähr dasselbe studiert wie ich und sofort einen super Job bekommen.
Bin ich naiv, dumm? Sind denn Kontakte in Mitteleuropa so wichtig? Ich habe langsam die Schnauze vom Staat Deutschland eigentlich voll. Ich sehe so viele Idioten, die nichts können, und trotzdem super Jobs haben. Ich bekomme 0 vom Staat. Ich habe auch gemeint, dass ich 250 Bewerbungen noch mache und mich dann im Ausland bewerbe.
Ich dachte immer, wenn man gute Noten hat, sich anstrengt usw. schafft man alles! Ich habe bis jetzt nur meinen Abschluss und das Wissen, dass ich sehr viel kann und weiß. Es gibt Menschen, wie z.B. meine Freundin, die kann mir 2 Stunden zuhören, wenn ich z.B. von der Geschichte Persiens oder von der aktuellen Situation in Libyen erzähle. Ich sehe Typen im Fernsehen, die sogenannte Experten sind und nur Mist reden. Nur weil sie der und der kennt.
Das klingt alles sehr frustriert, aber wenn jemand in meiner Lage, wäre würde er nicht anders reagieren. Enttäuschung/Frust/Hoffnungslosigkeit.
Mitterweile habe ich keine Motivation mehr eine Bewerbung zu schreiben und schiebe sie lange hinaus, bin launisch, komme manchmal kaum aus dem Bett, habe auf nichts Lust.
Das Leben ist nicht einfac, ich weiß. Aber es heißt ja immer "jeder ist seines eigenen Glückes Schmied".
Das Thema ist natürlich auch Dauerthema in der Beziehung. Meine Freundin verdient nicht schlecht und ich lebe nur von meinem Gesparten (was irgendwann zu Ende sein wird). Ich will keinen Beruf mit Spitzengehalt. Nur einen Beruf der mich erfüllt - der MICH BESTÄTIGT. Mann kann sich ja immer einreden wie gut man ist, aber wenn man nie Bestätigungen erhält ist das wertlos.
Ja ich glaube mich macht auch dieser Druck unbedingt einen Job zu finden depressiv/aggressiv (ich kann mich teilweise ja schon selbst diagnostizieren). Man könnte ja auch sagen: Du findest schon den richtigen Job. Aber ich brauche auch Geld zum leben und will endlich unabhängig sein.
Wäre um Ratschläge bzw. Kommentare froh.
Alles Liebe.