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Authentisch werden

Drnykterstein

Neues Mitglied
Hallo, ich bin 20 und ich habe Extreme Probleme mich Leuten zu öffnen selbst meiner Mutter kann ich mich nicht mehr anvertrauen.
das hat dazu geführt dass ich keine Beziehung führen kann und meine Freundschaften natürlich sehr Oberflächlich sind. Ich bin tatsächlich Verzweifelt genug gewesen Fremde Leute anzusprechen um irgendwie Kontakte zu knüpfen aber ich wurde als creep wahrgenommen.
Was kann man dagegen tun? Selbst wenn ich mir fest vornehme authentisch zu sein merke ich gerade bei Dates dass ich einfach eine Rolle runterspiele. Wie ändere ich das?
 
Hallo,
mir würde es helfen, wenn du noch folgende Fragen beantwortest, damit ich dir auf deine Fragen antworten kann:

Ist denn irgendetwas vorgefallen, dass es dir schwer fällt dich Leuten zu öffnen?

So wie du schreibst, konntest du wohl mit deiner Mutter eine Zeit lang offen sprechen, was hat sich geändert, dass du das nicht mehr kannst?

Und was hast du bisher versucht um es zu ändern?
 
Ja als Kind und Teenager habe ich oft sehr schmerzhafte Erfahrungen mit Ausgrenzung und Ablehnung gemacht. Ich hatte schon meine Freunde ,war aber allgemein der Quatschmacher in der Grundschule mit dem vorallem Mädchen nichts zu tun haben wollten. Als Teenager habe ich oft die Erfahrung gemacht das Mädchen kein Interesse an mir haben.( ich selbst finde ich sehe durchschnittlich aus bin dazu noch sehr sportlich). Mit 14 habe ich auch einmal alle meine Freunde an einem Tag verloren weil ich Streit mit einer Person hatte, diese blöderweise die „Anführerin“ der Gruppe war und sie es geschafft hatte alle gegen mich zu verschwören. Das habe ich anfangs nichteinmal bemerkt, ich habe mich nur gewundert warum ich keine Einladungen mehr erhalte und von einem Tag auf den anderen am Wochenende nichts mehr gemacht wird. Dann kam einer mit dem ich ganz gut war zu mir und zeigte mir dass diese Anführerin extra eine Whatsappgruppe ohne mich gegründet hatte damit ich von Aktivitäten nichts mehr mitbekomme. Es hat sich keiner getraut mir beizustehen und alle haben das akzeptiert dass ich nicht mehr Teil der Gruppe bin. Das hat mir natürlich das Herz gebrochen. Das war das schlimmste was ich je erlebt hab. Weil es so unerwartet kam und es wirklich mein gesamter Freundeskreis war.
Ich versuche mir immer fest vorzunehmen einfach zu sagen was ich denke und mich so zu verhalten wie ich mich fühle, allerdings bin ich (leider) ein ausgezeichneter Schauspieler. Ich habe sogar mal bei einem Tinderdate ausschließlich mit Akzent gesprochen obwohl ich eigentlich keinen habe und weil mir das währendessen schon blöd vorkam habe ich versucht es sein zu lassen aber hab es ums verrecken nicht geschafft.
Ich spiele immer eine Rolle die super cool und selbstsicher wirkt.
Meine Mutter kann mir bei meinen Problemen ja nicht helfen deswegen spiele ich ihr auch was vor. Sie hat auch eigene Probleme.
welche Schritte kann man noch unternehmen um Authentischer zu werden? Oder muss ich vielleicht wo ganz anders ansetzen?
 
Das hört sich ja wirklich belastend für dich an. Wenn ich deinen Text lese, habe ich das Gefühl, dass dich das immer noch sehr verletzt und du diese plötzliche Ablehnung der Gruppe noch nicht verarbeitet hast.
Ich weiß natürlich nicht um was es in dem Streit ging, aber das spielt ja jetzt auch keine Rolle.
Dir ist bewusst, dass du dich verstellst und anderen gegenüber eine Rolle spielst, was auf jeden Fall schonmal ein erster Schritt ist. Ich bin kein Profi, deshalb denke ich, dass es dir vielleicht eher helfen würde dir Unterstützung von Coach oder Therapeuten gut tun würde.
In der Zwischenzeit würde ich dir empfehlen, dass du weiterhin versuchst im Kontakt mit anderen Personen dich so zu verhalten wie du wirklich bist. Ich denke es würde dir helfen zu merken, dass andere Menschen dich so annehmen und akzeptieren wie du bist.
 
Sie hatte sich damals von ihrem Freund getrennt und ich habe gesagt einem Freund gesagt dass ich ihren Ex voll in Ordnung finde und es nicht verstehe warum sie so krass über den ablästert. Leider hat sie das gehörtxD.

ich weiß auch dass das helfen würde aber einen Therapeuten bekommt man momentan nicht und ein Coaching kostet für einen 20 jährigen einfach zu viel. 4500€ wäre fast mein gesamtes Vermögen. Ich habe geschrieben dass ich authentischer werden möchte, weil ich glaube dass das der Grund ist warum ich keine Tieferen Beziehungen aufbauen kann. Ich habe auch gewissermaßen Angst davor. Zum Beispiel wenn ich eine Frau toll finde kann ich es ihr nicht einfach sagen oder wenn wirklich alle Zeichen so stehen dass ich sie küssen müsste, bekomm ich wirklich Todesangst. Wenn ich dann zum Kuss ansetze fühlt es sich so an als würde ich von 20 Metern in Wasser springen von dem ich nicht weiß wie tief es ist. Das belastet mich wirklich sehr. Ich weiß nicht wie ich da selbstsicherer werde…
 
Authentisch zu sein bedeutet auch offen mit den eigenen Fehlern, Schwächen oder "Mängeln" umzugehen. Genau damit hast du aber Probleme und spielst deshalb immer "eine Rolle die super cool und selbstsicher wirkt."
Bei deinem letzten Beispiel (=der Situation mit dem Kuss) wünschst du dir auch nicht mehr Authentizität, sondern stattdessen würdest du gerne "selbstsicherer" werden. Also willst du gerade nicht du selbst sein, gerade nicht "authentisch" sein. Du willst stattdessen eine andere Version von dir selbst sein, eine Version, welche keine Angst/Nervosität hat, sondern selbstsicher, mutig und cool das Mädchen küsst. Das authentische in dieser Situation wäre es aber gewesen zu deiner Nervosität zu stehen: entweder im Voraus, indem du offen ansprichst, dass du sie gerne küssen würdest, aber nicht sicher bist, ob sie das auch will. Oder im Nachhinein indem du nach dem Kuss ihr sagst, wie sehr du dich über den Kuss freust und dass du aber auch ganz schön nervös warst, ob das eben der richtige Zeitpunkt war.

Der erste Schritt authentischer zu sein ist es zu akzeptieren, dass man nun mal nicht perfekt und super cool ist und dass dies aber auch gar nicht schlimm ist.
Die oben beschriebene Angst, ob nun wirklich der richtige Moment für den Kuss gekommen ist, kennen übrigens die meisten Männer. Wenn du keine männlichen Freunde oder Bekannten hast, welche auch von diesen Problemen berichten, liegt das eher daran, dass das Thema entweder nie zur Sprache kam oder sie (genauso wie du) den coolen Kerl spielen, wann immer es um diese Thema geht.

Der zweite Schritt authentischer zu sein besteht darin sich klar zu machen, mit was für Leuten du eigentlich tiefere Beziehungen haben willst. Willst du wirklich eine Freundschaft oder eine Liebesbeziehung mit einer Person, welche von dir erwarten, dass du immer super cool bist? Mit einer Person, welche sich sofort über dich lustig macht nur weil du mal "ein bisschen Schwäche zeigst" oder welche dann hinter deinem Rücken ablästert und intrigiert, wie damals die "Anführerin" von eurem Freundeskreis?
Das willst du nicht. Wenn du also eine Frau toll findest und du selbst authentisch bist, die Frau dann aber negativ auf dein wahres Selbst reagiert, dann war diese Frau in Wahrheit ja gar nicht die Richtige für dich. Dein Eindruck, dass diese Frau so toll ist, war in Wahrheit ein Irrtum. Anstelle dich nach so einer Situation selbst fertig zu machen und zu denken "Ich bin nicht gut genug für diese Frau", "Ich bin nicht selbstsicher genug", etc. solltest du viel eher denken "S****, die Person war doch nicht so toll wie ich dachte" oder "Puh, zum Glück habe ich noch rechtzeitig gemerkt, dass diese Person gar nicht zu mir passt".
Du musst dich befreien aus dieser inneren Einstellung, dass diese neue Person, welche du gerade kennenlernst, nun unbedingt dein Freund oder deine Freundin werden muss. Es kann auch sein, dass es gut ist, wenn ihr nicht Freunde werdet! Weil ihr nun mal in Wahrheit nicht zueinander passt!
Wenn du aber den ständigen Druck verspürst jetzt sofort neue, tiefgehende Freundschaften zu schließen oder jetzt sofort neue, tolle Liebesbeziehungen zu führen, dann verfällst du verständlicherweise in dein altes Muster zu zurück: du beginnst eine Rolle zu spielen, weil der Einsatz (vermeintlich) viel zu hoch ist und du es dir (scheinbar) nicht leisten kannst "zu verlieren". Denn du musst ja unbedingt mit dieser Person jetzt sofort eine Beziehung aufbauen.

Der dritte Schritt authentischer zu sein erfordert sich die ersten beiden Schritte immer wieder zu vergegenwärtigen und zu versuchen sie im Alltag Schritt für Schritt umzusetzen. Versuche nicht auf einen Schlag dein gesamtes Verhalten zu verändern. Das klappt normalerweise nicht.
Was genau nun ein "kleiner", machbarer Schritt für dich wäre, können wir nicht beurteilen. Dass musst du selbst herausfinden. Leicht wird es aber in keinem Fall. Aber das würde es mit einer Therapie oder einem Coaching auch nicht werden. Denn auch dort kommt man leider um den schwierigen Teil, sein eigenes Denken und Handeln zu verändern, nicht drum herum.
 
Sie hatte sich damals von ihrem Freund getrennt und ich habe gesagt einem Freund gesagt dass ich ihren Ex voll in Ordnung finde und es nicht verstehe warum sie so krass über den ablästert.
....

Es ist etwas total anderes, ob man jemanden als Freund oder Partner hat. Ich kenn genug Männer und auch Frauen, die ich als Kumpel total schätze und gern hab, aber keinesfalls als Partner in Betracht ziehen würde aufgrund bestimmter Charaktereigenschaften. Man geht auch mit einem Freund anders um wie mit einem Partner. Das kann man gar nicht vergleichen. Wer weiss, was da in der Beziehung abgelaufen ist, wovon du gar keine Ahnung hast. Es gibt viele, die zeigen sich äusserlich und bei Freunden wie den liebsten Menschen - sind aber in einer Beziehung totale A*********.

Ich halte mich daher aus solchen Sachen grundsätzlich raus, wenn ich nicht beiden Seiten gut kenne und vor allem auch die Beziehung, die sie führen. Man muss nicht zu jedem Thema eine Stellung beziehen, sondern sich auch raushalten.
 
@Brigidde. Ich kannte beide Seiten. Dieses Mädchen war eine Katastrophe, eine Furie und der Typ war der liebste Mensch der Welt der ihr alles recht gemacht hat. Abgesehen davon hab ich das auch nicht zu ihr gesagt sondern zu meinem Eigenen Freund. Warum sollte man das nicht dürfen. Das sie das gehört hat war natürlich Pech. Mittlerweile hat auch von uns niemand mehr was mit der ollen zu tun. Ein Glück
 
@Regenschein vielen Dank für deine Antwort sie hilft mir wirklich sehr. Ich habe alles verstanden was du geschrieben hast. Ich merke aber auch dass es gar nicht so einfach ist das auch wirklich zu verinnerlichen. Ich arbeite daran mich selbst anzunehmen. Auch mit meinen Fehlern
 

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